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Geschichte des Moments
Sag beim nächsten Mal einfach "nein" von artis magica
(ab 14)

Eine Geschichte über einen sichtlich schlecht gelaunten Severus Snape ... Warum er es ist, müsst Ihr schon selbst herausfinden.

Zitat des Tages

»Was macht ihr denn hier?«, fragten Ron und Fred gleichzeitig.
»Post verschicken«, antworteten Harry und George wie auf Kommando.
»Wie, so früh?«, sagten Hermine und Fred.
Fred grinste. »Schön - wir fragen euch nicht, was ihr hier zu suchen habt, wenn ihr uns nicht fragt, was wir hier treiben«

Harry Potter und der Feuerkelch, Kap.29

Eine Alterseinschränkung (ab 12) wurde für "Lily Potter und die grünen Yetis" angegeben

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Lily Potter und die grünen Yetis ( von )

2. Kapitel: Familienbande

Betaleser: Cata<3
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Ron und Harry starrten auf die Stelle, an der Hermione verschwunden war – Ron entgeistert und Harry eher belustigt. Ginny stapfte wütend zu ihrem Platz am Kopf des Tisches und mit einem Wisch ihres Zauberstabs waren alle Essensreste verschwunden. Dann winkte sie mit dem Zauberstab an die Decke und die Kuchen klatschten mit einem lauten „Platsch“ zurück auf den Tisch. Harry und Ron konnten gar nicht schnell genug blinzeln und Ginny hatte ihnen ihre Zauberstäbe abgenommen und zeigte auf die Schmiererei auf dem Tisch.
„Ich habe auch keine Lust mehr, die restlichen Geschenke auszupacken. Lily, ich packe sie dir in deinen Koffer. Und ihr: Aufwischen“, sagte sie kalt und drehte sich um, sobald sie einen Eimer mit Wischlappen und Wasser hatte erscheinen lassen. Lily richtete sich auf und nickte ihrer Mutter knapp hinterher.
Jetzt schaute nicht nur Ron dumm drein, sondern auch Harry. Während die Beiden wie vom Donner gerührt dasaßen stürmten James, Albus und Lily in ihre Zimmer, um sicherzustellen, dass nicht auch sie zum Putzen verdonnert wurden.
Lily öffnete ihre Zimmertür und trat in ihr kleines Reich. Jetzt würde endlich ihr Plan wegen der Karte ihres Vaters beginnen.
Sie horchte so lange an der Tür, bis sie hörte wie James und Albus ihre Türen hinter sich zugeschlagen hatten. Dann schlich sie sich auf den Flur in Richtung des Arbeitszimmers ihrer Eltern. Unter ihren Füßen knarrte der Dielenfußboden bei jedem zweiten Schritt und Lily betete, das niemand sie hören würde. Gerade als sie die weiße Tür des Arbeitszimmers hinter sich geschlossen hatte, hörte sie Schritte auf dem Flur. Schnell versteckte sie sich in dem großen Eichenschrank, den ihr Vater erst vor einer Woche gekauft hatte. Ein Glück, dass er noch verhältnismäßig leer war, denn keine fünf Sekunden später ging die Tür zum Arbeitszimmer auf. Lily zog ein Langziehohr hervor und öffnete die Tür des Schrankes einen Spalt breit. Auf einmal wurde die Schranktür hektisch aufgerissen. Lily erschrak fürchterlich und machte sich auf eine Strafpredigt gefasst.
„Lily? Was machst du denn hier?“
Lily hob erstaunt die Augenbrauen und blickte auf. Die Stimme gehörte nicht ihrem Vater oder Ron. Es war auch nicht ihre Mutter, sondern James. Was wollte er denn hier? Sie überging seine Frage. Was ging ihn das an? „James!! Was machst du hier?! Vati und Ron kommen doch gleich her ...“ Lily war ehrlich überrascht und versuchte es mit einer Gegenfrage, James antwortete jedoch nur hektisch: „Los, mach Platz! Da passen wir ja wohl auch zu zweit rein!“ Lily war so perplex, dass sie zu Seite rückte und sich so klein machte wie möglich und James in den Schrank ließ. Jetzt war es wirklich unbequem und Lily fauchte James an: „James! Aua!! Dein Ellenbogen klemmt meine Haare ein! Das tut weh!! Nimm den w–“ James klatschte Lily die Hand ein wenig zu doll auf den Mund und ihr Kopf schlug mit einem dumpfen „Klonk“ an die hintere Schrankwand. Ihr traten vor Schmerzen Tränen in die Augen und sie schaffte es gerade noch ein Schluchzen zu unterdrücken. Dass der aber auch immer so grob sein musste. Ein leises Zischen oder ein Finger auf die Lippen hätten ja wohl gereicht!
Lily hielt sich den Hinterkopf und wollte sich schon lautstark beschweren, als die Zimmertür mit einem Ruck geöffnet wurde.

ooOOoo
„Also, wo ist es?“ Ron klang wahnsinnig aufgeregt. Harry ging einmal durch den Raum und blieb dann vor seinem neuen Schrank stehen. Lily und James hielten den Atem an.
Harry zog seinen Zauberstab und sah sich noch mal im Raum um und richtete dann seinen Zauberstab auf die Zimmertür: „Muffliato.“ Dann ging er zu seinem Schreibtisch und zog die unterste Schublade auf.
Lily und James wagten es kaum aufzuatmen, so knapp waren sie der Entdeckung durch ihren Vater entgangen. Lily hatte jetzt jedoch den besseren Platz. Sie hatte den Schreibtisch im Blick, wenn auch nur durch den kleinen Spalt der Schranktüren. Da Ron und Harry sich jetzt sicherer fühlten und lauter sprachen, packte Lily ihr Langziehohr wieder weg und wartete gespannt, was ihr Vater da wohl hervorholen würde.
„Los jetzt, Harry! Ich hab nicht so lange Zeit. Ich will Hermione hinterher!“
Lilys Vater ging nicht auf sein Drängen ein, zumindest nicht verbal. Er zog ein zerfleddertes Pergament hervor, tippte mit dem Zauberstab darauf und sagte: „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!“ Ron stellte sich jetzt genau zwischen den Schreibtisch und den Schrank, sodass von dort aus nichts mehr zu sehen war. James stieß Lily immer wieder an, bis sie zurückknuffte. Was war denn so besonders an diesem Stück Pergament? Die beiden Erwachsenen standen jetzt Schulter an Schulter und beugten sich weiterhin über das rätselhafte Stück Pergament, das auf dem Schreibtisch ausgebreitet worden war. Sie redeten jetzt wieder leiser und für Außenstehende nicht verständlich, es wirkte wie ein Insidergespräch, dass höchstens noch Hermione und Lilys Mutter hätten verstehen können. Außerdem bekam Lily auch akustisch nichts mit, weil James sie die ganze Zeit nervte und leise vor sich hin grummelte.
Lily versuchte James´ Murren zu ignorieren und den Zusammenhang des Gesprächs im Zimmer mitzubekommen, bis sie James murmeln hörte: „Surdus-Mutusque.“ Sie hatte gerade noch Zeit erstaunt zu James und seinem Zauberstab herüberzublicken, dann wurde ihr schwarz vor den Augen.
James blickte zerknirscht auf seine ohnmächtige Schwester. Schon in der Schule hatte er den Taub-Stummen-Fluch nicht richtig hinbekommen, sondern immer wieder zu stark, sodass seine Gegner nicht nur taub und stumm, sondern auch ohnmächtig geworden waren.
James seufzte auf. Jetzt saß er also mit seiner ohnmächtigen Schwester in einem Schrank, aus dem er erst wieder heraus kommen konnte, wenn weder er noch Lily Gefahr liefen entdeckt zu werden. Und Lily war auch noch so ungünstig auf ihn gefallen, dass ihm ein Bein einschlief.
Es fühlte sich an, als wären Stunden vergangen, als Lily sich wieder zu regen begann. Lily hörte den Regen draußen gegen das Fenster peitschen, direkt neben ihrem Kopf ein anderes merkwürdiges Geräusch und etwas bohrte sich unaufhaltsam und ungemütlich in ihren Rücken. Langsam öffnete sie die Augen und sah sich um. Das Geräusch neben ihrem Kopf kam von James, der eingeschlafen war und sich selbst besabberte. Das Stechen in ihrem Rücken kam vermutlich von seinem Zauberstab. In dem Schrank war es viel zu dunkel. Lily beugte sich vorsichtig vor, zog den Zauberstab aus James Hand und öffnete vorsichtig die Schranktür. Im Arbeitszimmer waren alle Lampen gelöscht worden und von ihrem Vater und ihrem Onkel war nichts mehr zu sehen. Ganz vorsichtig und leise kletterte Lily aus dem Schrank, um James nicht aufzuwecken und steckte seinen Zauberstab in die Tasche ihres dunkelgrauen Blazers zu ihrem eigenen. Dann schloss sie die Tür des Schrankes leise, aber fest hinter sich. Sollte James doch schauen, wie er herauskam! Wie hatte er es wagen können, sie zu verzaubern – Nicht nur, dass es verboten war; er war auch noch absolut unfähig in diesem Taub – Stummen – Fluch!
Während sie auf dem weichen, dunkelroten Teppich saß und ihren Hinterkopf abtastete sah sie sich im Zimmer um. Die Wand ihr gegenüber wurde vollständig von einem Regal aus dunklem Holz eingenommen, in dem nicht nur Bücher, sondern auch Fotos von der Familie standen. Auch neben der Tür standen Fotos auf einem feingliedrigen Abstelltischchen aus Gold. Daneben stand ein passender Hocker mit goldenen Beinen und dunkelrot bespannter Sitzfläche.
Auf dem großen Schreibtisch stand eine kleine Schirmlampe, die rot und golden gestreift war, passend zu dem Stuhl. Über dem großen Fenster hing das Emblem von Hogwarts.
Alles hier ist in Gryffindorfarben gehalten, schmunzelte Lily und hoffte inständig, dass auch sie nach Gryffindor kommen würde.
Lily schlich zu dem Schreibtisch in der Hoffnung, das Pergament ihres Vaters dort zu finden. Doch selbstverständlich lag es nicht offen auf dem dunklen Holz und selbst nachdem sie alle Schubladen durchsucht hatte, war es wie verhext. Es war einfach nicht mehr da. Da sie jedoch die letzte Stunde bewusstlos verbracht hatte, konnte sie auch nicht wissen, wo ihr Vater es hin gepackt hatte. Im Stillen verfluchte sie James und ihr Vertrauen in ihn. Hätte sie ihn doch nur nicht in den Schrank gelassen.
Schließlich gab Lily es auf und ging aus dem Zimmer. Sie kehrte in ihr Zimmer zurück und ließ sich auf ihr kreisrundes Bett fallen. Sie hatte ihre Eltern lange um dieses Bett angebettelt und am Ende hatte sie gesiegt. Als das Zimmer renoviert wurde, hatte Lily sich ein Zimmer in weiß und Rosatönen gewünscht, und sich sofort in ein kreisrundes Bett, das sie in einem Katalog gesehen hatte, verliebt. Die weißen Kommoden und die rosa weiß gestreiften Gardinen vor den Fenstern passten wunderbar zu ihrem hellrosa Teppich und der Bettwäsche, die Rosen in verschiedenen Rosatönen auf weißem Grund zeigte.
Und jetzt würde sie ihr ganzes neues Zimmer wieder verlassen und nach Hogwarts kommen – Endlich.
Lily setzte sich auf und betrachtete ihr Spiegelbild in dem Spiegel über ihrer Kommode. Ihr war klar, dass sie weder als besonders hübsch noch als besonders hässlich galt, was sie nie besonders gestört hatte. Aufgefallen war sie jedoch immer durch ihre Augen. Ihr linkes Auge war grün und ihr rechtes Auge blau. Als Baby hatte sie sich wohl mal verletzt, aber das wusste Lily nicht mehr. Hoffentlich würde sie in Hogwarts nicht allzu sehr auffallen. In ihrer alten Schule in London hatte sie eher zu den Außenseitern gehört – nicht zuletzt wegen ihren merkwürdigen Augen und den komischen Ereignissen, die junge Magier manchmal geschehen ließen.
Da sie schon so aufgeregt war, beschloss sie schlafen zu gehen und so dafür zu sorgen, dass der morgige Tag schneller kommen würde. Sie kuschelte sich in die weichen Kissen ihres Bettes und schlief schnell ein. Lily schlief unruhig diese Nacht und träumte von fliegenden Pergamenten, die sich in Heuler und dergleichen verwandelten, und silbernen Augen, die sie verfolgten wohin sie auch ging.

ooOOoo

Am Morgen brachen die fünf Potters schon früh auf. Es hatte bereits viel Zeit in Anspruch genommen die Koffer und anderen Dinge ins Auto zu packen und da sie mit diesem zum Kings Cross fahren würden, wollten sie unbedingt dem Arbeitsverkehr umgehen, der London für Stunden lahm legen konnte.
Im Auto redeten James und Albus wild durcheinander, Lily jedoch schwieg. Sie war froh, dass ihre Mutter ihnen schon erlaubt hatte, die Schulkleidung – allerdings ohne die Umhänge – anzuziehen, denn so konnte sie ihre Hände an den grauen Schulrock klammern, damit sie nicht vor Aufregung zitterte.
Sie saß auf der ledernen Rückbank zwischen Ihren beiden Brüdern und deren Eulen. Während der Fahrt glaubte sie mehrmals das Miauen einer Katze zu hören und war sich mittlerweile fast sicher, dass sie vor Angst verrückt geworden sei, weil niemand sonst es hörte oder darauf reagierte.
Sie kamen rechtzeitig an, jedoch nicht so früh, wie Ginny und Harry es sich gewünscht hatten und daher trieben sie ihre Kinder beim Ausladen der Koffer zur Eile an. Wieder hörte Lily das Maunzen und schüttelte verwirrt ihr hüftlanges Haar auf den Rücken. Als alle schweren Koffer draußen waren blinzelte Lily erstaunt auf. Der Besen von James lag noch im Kofferraum des verzauberten Mercedes und noch etwas anderes. Ein kleiner Korb, um den eine rosa Schleife gebunden war.
„Mama, was ist das?“, fragte Lily, die schon eine Vorahnung hatte und lächelte. Harry und Ginny lächelten sich an und wiesen dann auf den Korb, damit Lily selbst hereinschaute.
Kaum hatte sie den Deckel des Picknickkorbs angehoben, hörte sie ein Fauchen und ein kleines graues Fellbündel landete auf ihrem Kopf. Albus klammerte sich ängstlich an James, doch auch der sah sehr verängstigt aus. Lily jedoch lächelte.
„Ich bin also doch nicht verrückt!“, sagte sie mehr zu sich als zu ihren Eltern. „Woher habt ihr den?“ – „Es ist eine Katze, mein Schatz.“, klärte Ginny ihre Tochter auf und schaute lächelnd auf das graue Fellbündel, das sich mittlerweile auf Lilys Schulter niedergelassen hatte. „Wir haben sie in der Winkelgasse schon vor einer Woche gesehen, aber weil sie noch zu jung war, durfte man sie erstmal nicht von ihrer Mutter trennen. Aber ich bin gestern Abend extra noch mal hingefahren und hab sie besorgt. Sie ist übrigens so was wie die Urenkelin von Hermiones Kater Krummbein! Die restlichen Geschenke in deinem Koffer sind fast alles Gegenstände für die Katze.“
Lily hatte ihrer Mutter nur mit halben Ohr zugehört und streichelte ihre neue Katze, während sie fieberhaft über einen Namen für sie nachdachte.
Eine Katze hatte sie sich schon immer gewünscht! Aber an einen passenden Namen hatte sie noch nicht gedacht. Dann schlich sich ein Lächeln in ihr Gesicht. Sie hob die Katze mit beiden Händen von ihrer Schulter und hielt sie sich wie ein Kleinkind vors Gesicht. Es war, als hielte sie ein graues Fellbüschel vor sich, an das einen Kopf und vier Pfoten geklebt waren, die nur kurz behaart waren. Der Katzenschwanz stach jedoch am meisten hervor, da er aussah, wie ein grauer Löwenschwanz. Alles an der Katze war grau, sogar die Pupillen schienen ihr in einem Silberfarbton entgegen. Das 12 Wochen alte Kitten miaute und leckte mit der Zunge in Richtung Lilys Nase, wie um sie zu begrüßen. Lily kicherte und sagte dann flüsternd zu dem Kätzchen: „Du sollst Cange heißen! Das passt wunderbar zu dir.“ Sie drückte das Kätzchen an sich und bot ihm dann wieder den Platz auf ihrer Schulter an.
Erst dann drehte sie sich zu ihren Eltern um und bedankte sich mit einem strahlenden Lächeln. Albus schien sich von dem Schock erholt zu haben, aber James´ grüne Augen waren immer noch vor Schreck geweitet, auch wenn er sich schon wieder ganz cool gab und mit der rechten Hand sein Haar verwuschelte.
Ginny warf einen gehetzten Blick auf die Uhr und trieb ihre Kinder zur Eile an. Die Familie war mit den großen Koffern, den vielen ungewöhnlichen Tieren, der merkwürdigen Kleidung und dem Rennbesen schon genug aufgefallen und so machten sie sich schnell auf den Weg zu den Gleisen.
Einer nach dem Anderen liefen sie lachend auf die Absperrung zwischen Gleis 9 und 10 zu, aber man sah das mulmige Gefühl in den Gesichtern der 3 Geschwister.
Der scharlachrote Hogwartsexpress stand am Bahnsteig bereit, die Waggons schon ziemlich voll. Auf einem Schild über Lily stand Abfahrt: 11 Uhr und Gleis 9 ¾ .Die Lok blies Dampf über die Köpfe der schnatternden Menge hinweg, während sich Katzen zwischen den Beinen der Leute hindurchschlängelten und hier und da eine Eule schrie.
Lily war wie immer überwältigt von dem Gewusel, dass auf dem Bahnsteig herrschte. Sie schob ihren schweren Gepäckwagen vor sich her und suchte nach ihren vielen Cousins und Cousinen und deren Eltern.
Schnell wurde sie fündig. Albus stand bereits bei Rose, die ihre Nase in ein anderes Buch steckte als am Abend zuvor, und Hugo, der sich vor Aufregung die Lippe blutig gebissen hatte. Als Lily mit ihren Eltern im Schlepptau ankam beugte sich Hermione gerade zu ihm herunter und heilte die Lippe mit einem Schlenker ihres Zauberstabs.
Nach der Begrüßung blickte Lily sich angespannt um. Überall waren Kinder, die sich von ihren Eltern verabschiedeten und manchen sah man an, dass sie zum ersten Mal für lange Zeit von ihren Eltern getrennt sein würden. Lily betrachtete besonders diese Kinder, denn sie würde ihre Mitschüler sein. Immer wieder huschte James durch Lilys Blickfeld, der scheinbar alle Menschen auf dem Bahnhof kannte und begrüßte. Noch eine Weile schaute Lily James aufgeregt hinterher und fragte sich, ob sie wohl auch so beliebt werden würde wie ihr ältester Bruder.
Oft hatte sie sich schon gewünscht, so locker und offen auf andere Menschen zugehen zu können wie er und hatte darüber auch schon viel mit Albus diskutiert. Lily fiel auch auf, dass besonders viele Mädchen James mit den Augen verfolgten. Direkt neben ihr ging ein Mädchen neben ihrer Mutter her und stieß ein nervöses Lachen aus: „Oh Schau, Mama, das ist James. Der ist sooooo toll! Und er ist der Sohn von Harry Potter, einfach unglaublich! Und so gut sieht der aus!“ Die Mutter schüttelte nur den Kopf und schien schon zu viel von dieser Schwärmerei gehört zu haben.
Auf einmal kam James schlitternd zum Stehen. Lily reckte den Hals um zu sehen, was da vor sich ging und entdeckte die kleine Familie, in die James beinahe hineingerannt war.
Es handelte sich um einen groß gewachsenen Mann, der ebenso Blond und schön wie seine hübsche Ehefrau war, jedoch gleichzeitig so blass schien, dass er Lily wie durchsichtig erschien. Seine Ehefrau klammerte sich ängstlich an seinen Arm, während die beiden Söhne selbstbewusster davorstanden und einfach aussahen wie jüngere und kleinere Versionen ihres Vaters. Der ältere der Beiden war wohl so alt wie Albus und trug schon seinen Hogwartsumhang und die Schulkleidung des Hauses Slytherin. Seine Augen war blassgrau und erinnerten Lily an die silberfarbenen Augen von Cange, nur, dass er sehr viel Kälte in seinem Blick hatte. Die Augen wurden eisig, als sie James musterten. Der Jüngere hatte die blauen Augen seiner Mutter und blickte sich erheblich freundlicher um. Er trug auch schon die Uniform, jedoch ohne Häuserzeichen und Lily kam zu dem Schluss, dass er wie sie ins erste Jahr kam. Genau in dem Moment, als Lily begann die Familie intensiver zu betrachten, blickte der Junge mit dem netten Ausdruck auf dem Gesicht in ihre Richtung und lächelte sie an. Sofort erhielt er einen Knuff von seinem großen Bruder, der ihm etwas zuzischte, was Lily nicht hören konnte. Der Junge hörte sofort auf zu lächeln.
Enttäuscht zog sie die Schultern ein und drehte sich weg. Normalerweise starrte sie nicht so unhöflich fremde Menschen an. Sie blickte auf und bemerkte, dass ihr Vater dabei war, genau auf diese Familie zuzugehen. Sie ließ ihren Gepäckwagen bei Albus und ihren Cousins und ging hinter ihm her.
„James.“ Die Stimme ihres Vaters klang härter als sonst, als er sich hinter seinen ältesten Sohn stellte und seine Hand auf dessen Schulter legte. „Geh bitte zu George und Angelina und frag´ wegen der Bestellung des Ministeriums nach.“ – „Aber, ich ...“, James wollte widersprechen, wurde jedoch sofort von Harry durch ein schlichtes Nicken unterbrochen und weggeschickt.
„Mr. Malfoy. Ich hoffe es geht Ihnen und Ihrer Familie gut“, sagte Harry jetzt zu dem ihn überragenden Mann. Lily meinte einen leicht sarkastischen Unterton zu hören, den sie bei ihrem Vater gar nicht kannte. Sie hielt ich jetzt soweit auf Abstand, dass ihr Vater sie nicht bemerken würde, sie aber trotzdem das Gespräch mithören könnte. „Ich habe gehört, dass Sie wieder im Ministerium anfangen wollen. Sie haben sich meines Wissens nach für die Abteilung zur Führung und Aufsicht Magischer Geschöpfe beworben? Nun denn, viel Erfolg.“
„Das ist richtig, Danke. Und ich habe schon einen festen Platz dort. Ich hörte, die Aurorenzentrale unter Ihrer Führung ist dauerhaft überfüllt mit Bewerbungen, die dann alle an uns weitergegeben werden“, antwortete Draco Malfoy und man merkte ihm an, dass er nach einer Möglichkeit suchte sich dem Gespräch zu entwinden. „Deswegen muss ich jetzt auch los. Viel Spaß in Hogwarts, Scorpius ... Castor. Benehmt euch.“ Er nickte seinen Söhnen zu und verschwand, seine Frau an der Hand, in der Menge.
Lily kehrte schnell zurück zu dem Rest ihrer Familie, der schon auf sie und Harry wartete. Kurze Zeit später stiegen sie alle in den Zug und suchten fieberhaft nach freien Plätzen. James verschwand schließlich lachend in einem Abteil mit anderen Schülern seines Jahrgang und auch Albus suchte jetzt endlich seine Freunde auf. Hugo trottete seiner Schwester hinterher, sodass Lily am Ende allein dastand. Sie ließ ihren schweren Koffer wo ihr Vater ihn hingestellt hatte und kämpfte sich bis an das Ende des Zuges durch, Cange immer auf ihrer Schulter.
Fast ganz am Ende des Zuges war ein noch komplett leeres Abteil und Lily konnte ihr Glück kaum fassen. Niemand, mit dem sie reden musste und der sie mit Fragen nach ihrer Familie und besonders ihrem Vater durchlöchern würde. Aber das würde früh genug anfangen. Lily setzte sich ans Fenster und schaute heraus. Einige Schüler lehnten sich aus den Fenstern und winkten ihren Eltern und Freunden zu, als der Zug langsam anfuhr.

ooOOoo

Der Hogwarts-Express fuhr mittlerweile durch ländliches Gebiet und große Weiden voller Rinder und Schweine flogen vorbei. Während Lily sie betrachtete, hing sie ihren Gedanken nach. Sie kraulte Cange gedankenverloren hinter den Ohren und beobachtete die Schüler, die an ihrem Abteil vorbei durch den Zug huschten. Nur noch wenige trugen Muggelklamotten, der Großteil hatte bereits die Schwarzen Umhänge über die Schulkleidung gezogen. Auch Lily wurde es in der dünnen, weißen Bluse ein wenig kalt und sie suchte ihren brandneuen Schulumhang aus der Tasche. Inzwischen zogen statt den Wiesen und Weiden Berge und Wälder an dem Zug vorbei, und man merkte, dass sie sich weiter von großen Städten entfernten.
Nach einiger Zeit machte sich die unruhige Nacht bemerkbar und Lily schlief langsam ein.

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