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Geschichte des Moments
Fluch der Nacht von Kris
(keine Altersempfehlung)

Remus Lupins Gedanken nach dem Tod von Sirius

Zitat des Tages

»Wieder abgeblockt, und wieder und wieder, bis du lernst, den Mund zu halten und deinen Geist zu verschließen, Potter!«, höhnte Snape und lenkte den Fluch erneut ab.

Harry Potter und der Halbblutprinz, Kap.27

Eine Alterseinschränkung (ab 14) wurde für "Severus Snape - Das zweite Leben" angegeben

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Severus Snape - Das zweite Leben ( von )

14. Kapitel: 13. Snapes Geschichte

Betaleser: Sefa
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Hermine war plötzlich ganz hibbelig. "Oh bitte, erzählen Sie!"
Snape zögerte. Harry sah ihn aufmunternd an. "Wir sind jetzt Freunde, schon vergessen?" und Ron fügte hinzu: "Außerdem sind Sie's uns schuldig, als Wiedergutmachung sozusagen."
Wie sie ihn ansahen, diese drei jungen Menschen, die doch eigentlich allen Grund hatten, ihn zu verabscheuen. Ohne jede Scheu, voller Neugier auf sein wahres Ich, das noch nie irgendjemanden interessiert hatte. Ihnen Einblick in seine Erinnerungen zu gewähren, war ein Leichtes gegen das gewesen, was sie nun von ihm erwarteten. Gedanken und Gefühle in Worte zu fassen und ... auszusprechen. So persönlich war das, so viel schwerer preiszugeben.
Sein Blick wanderte zu Maries vertrautem, ja geliebtem Gesicht. Sie trug ihre Narben mit so viel Würde und Gelassenheit, versuchte niemals sie zu verstecken so wie er. Wenn er doch nur auch so stark wäre!
Nein, er wollte nicht zurück in die Kälte und Einsamkeit der vergangenen Jahre, wollte die Mauer, die doch schon bröckelte, niederreißen und die Steine zu Staub zertreten. Ehrlichkeit war der erste Schritt dazu und er war bereit, den Weg bis zu Ende zu gehen. Vielleicht war diese Nacht tatsächlich der Beginn eines neuen Lebens für ihn. Eines Lebens jenseits der Schuld. Waren sechszehn Jahre Selbsthass und Verzweiflung nicht Strafe genug?
Harry zumindest schien ihm ebenso vergeben zu haben wie Marie. Eine Woge der Dankbarkeit überrollte ihn, ließ ihn erschauern.
"Also gut!" Er blickte zum Mond hinauf und eine Wolke verdunkelte ihn so, dass sein Gesicht nicht mehr zu erkennen war.
"In einer regnerischen Winternacht vor zwei Jahren, kurz nach Naginis Angriff auf Arthur Weasley, kam ich von einen Treffen der Todesser zurück nach Hogwarts. Ich war in Gedanken noch bei den Plänen des dunklen Lords, von denen ich gerade erfahren hatte, als hinter mir plötzlich das Geräusch klappernder Hufe erklang. Ich sprang zur Seite und schon rauschte eine schwarze Hogwartskutsche, gezogen von einem Thestral an mir vorbei und bremste neben Hagrids Hütte.
Von meinem Versteck aus beobachtete ich, wie eine junge Hexe behände aus der Kutsche sprang und sich in Hagrids ausgebreitete Arme warf. Er hob sie hoch und drückte sie ungestüm an sich. Meine Neugier war geweckt. Ich blieb, wo ich war und sah zu den beiden hinüber.
Sie löste sich aus Hagrids Umklammerung, schnappte keuchend nach Luft und blickte zu ihm hinauf. "Mensch Hagrid, du bist ja geschrumpft!", hörte ich sie sagen, worauf er empört erwiderte: "Blödsinn Marie, du bist bloß mächtig in die Höhe geschossen, 'ne richtige Dame bist du geworden." Sie lachte."
Snape verstummte, erinnerte sich an dieses wundervolle Geräusch, das ihn schon damals fasziniert hatte und als er endlich weiter sprach, klang seine Stimme rau. "Hagrid lud ihr Gepäck aus, während sie zu dem Thestral ging, sich auf seinen nassen Rücken schwang und die Arme um seinen Hals schlang. Der Wind stand günstig und so konnte ich laut und deutlich hören, wie sie ihm ins Ohr flüsterte: "Ich hab' dich so sehr vermisst!", trotzdem dachte ich, ich hätte mich verhört. Doch dann trat Hagrid neben sie und tätschelte dem Thestral den Kopf. "Is' richtig groß geworden, unser Quasimodo, nich? Hat jetzt sogar Familie, ne' Frau und so'n kleinen Racker, wie er selber früher war. Na ja, 11 Jahre sind 'ne lange Zeit!"
Da war mir klar, dass sie ein Kind gewesen sein musste, als sie zuletzt in Hogwarts war und plötzlich erinnerte ich mich an die Geschichte von Hagrids Schwester und dem Drachen, der sie beinahe getötet hatte. Mein Interesse erlosch, außerdem war ich mittlerweile völlig durchnässt, ich eilte zum Schloss und vergaß die Begegnung.
Doch bereits am nächsten Abend rief mich Dumbledore in sein Büro. Die Hexe, die ich im Wald gesehen hatte, stand mit dem Rücken zu mir am Fenster. Sie wandte sich nicht um, als ich eintrat. Dumbledore, der an seinem Schreibtisch saß, blickte mich an und sagte: "Severus, gut dass Sie da sind, wir sprachen gerade über die Horkruxe. Es ist vielleicht besser, wenn Sie sich setzen."
Ich war so überrascht, dass ich tat, was er sagte. Dumbledore unterhielt sich mit Hagrids Schwester über Voldemorts größtes Geheimnis, von dem niemals jemand erfahren sollte.
"Marie wird uns dabei helfen, sie zu finden. Sie ist eine ungewöhnlich begabte Legellimentin und beherrscht die Kunst des Gedankenlesens so perfekt, dass ihr ein einzelnes Haar genügt, um in den Geist des Besitzers einzudringen. Also passen Sie gut auf Ihre Gedanken auf, Severus. Denn es wird Ihre Aufgabe sein, diese Haare zu beschaffen. Von Todessern, ihren Bediensteten und allen, die sonst in Voldemorts Vergangenheit eine Rolle spielten. Wir brauchen so viele Erinnerungen wie möglich. Alles, mag es euch noch so unbedeutend erscheinen, kann einen Hinweis auf das Versteck eines Horkruxes enthalten. Das kleine Zimmer oben im Westturm wird euer Treffpunkt werden.
Denn ich möchte, dass Sie, Severus, bei Marie sind, wenn sie sich in Trance begibt. Es kann durchaus gefährlich sein, in fremden Köpfen zu spionieren. Sie müssen dafür sorgen, dass sie zurückfindet. Wie, das wird sie Ihnen selbst erklären. Und jetzt ist es an der Zeit, euch einander vorzustellen. Marie, kommst du bitte!"
Sie trat ins Licht und obwohl ich wusste, dass ihr Gesicht vernarbt war, erschrak ich, aber nicht so sehr, wie sie. Dumbledore beobachtete mich, deshalb bemerkte er ihre Reaktion nicht. Es war so schnell vorbei, dass ich glaubte, mich getäuscht zu haben. Dumbledore nannte meinen Namen: "Severus Snape" und dann den ihren: "Marie Potter".
Es war, als zerdrücke eine eiskalte Faust meine Brust. Ich sank zurück auf den Stuhl, unfähig, mein Erschrecken zu verbergen. Diese Frau war James Potters Schwester, von der es hieß, sie wäre im Haus der Potters verbrannt. Die Schuld, die ich solange aus meinen Gedanken verdrängt hatte, traf mich mit aller Gewalt.
Marie zog Dumbledore zum Fenster und redete leise auf ihn ein. Keiner der beiden achtete auf mich, so dass es mir gelang, meine Fassung zurückzugewinnen. Als sie sich mir wieder zuwandte und sich für ihre Unhöflichkeit damit entschuldigte, dass sie glaubte, im Verbotenen Wald einen Feuerschein gesehen zu haben, wusste ich, dass sie log.
Sie hatte Dumbledore abgelenkt, um mir etwas Zeit zu verschaffen. Damals glaubte ich, sie hätte gedacht, ihr Aussehen habe mich so erschüttert. Jetzt weiß ich, dass sie fürchtete, die Erwähnung ihres Namens würde alte Wunden aufreißen. Wie recht sie hatte.
Wir vereinbarten für die kommende Woche ein erstes Treffen, dann verabschiedete sich Marie, um Hagrid bei der Pflege eines kranken Einhorns zu helfen und ich blieb mit Dumbledore allein zurück. Er erkannte, wie verstört ich war, achtete aber nicht weiter darauf.
"Niemand darf erfahren, dass sie noch lebt. Für alle, denen sie zwangsläufig begegnen wird, ist und bleibt sie Hagrids Schwester. Schwören Sie bei Ihrem Leben, das Geheimnis zu bewahren, Severus."
Ich tat es und ging. Ich weiß nicht mehr, wie ich in den Kerker zurückkam, aber ich hatte mich seit Jahren nicht mehr so elend gefühlt wie an diesem Abend. Der Panzer aus Hass und Zorn, den ich um mich errichtet hatte, schützte mich nicht länger. Mir graute vor dem ersten Treffen mit Marie so sehr, dass ich noch unausstehlicher wurde und meine Schüler, dich am allermeisten, Harry, für meine Angst leiden ließ. Der Okklumentikunterricht war eine einzige Katastrophe und das lag gewiss nicht an dir.
Und dann, viel zu schnell, war es soweit.  
Marie wartete bereits auf mich. Der Raum war dunkel, nur eine einzige Kerze stand brennend am Kaminsims. "Es ist besser für meine Konzentration, wenn es dunkel ist", erklärte sie mir und ich war unendlich dankbar dafür, denn ich wollte ihr Gesicht nicht sehen, wollte nicht daran erinnert werden, dass ich es war, der die Schuld an ihrem Aussehen trug, dass ich es war, der ihr Leben zerstört hatte. Ich kam mir unsagbar erbärmlich vor.
Sie schien meine Beklemmung zu spüren, denn sie begann zu erzählen. Von ihrer Zeit bei Professor Abramson in Siebenbürgen, von ihrer Ausbildung in Legilimentik und Okklumentik, vor ihrer Gabe, in die Köpfe anderer Menschen zu schlüpfen und von dem Plan, den sie hatte.
Sie wollte versuchen, eine Erinnerung der Person, in deren Geist sie eindrang, mitzubringen, so dass Dumbledore sie in seinem Denkarium betrachten konnte. Dieser Gedanke faszinierte mich so sehr, dass ich ganz vergaß, wer sie war.
Ehe ich mich's versah, waren wir in eine Diskussion über die Grenzen des Gedankenlesens verstrickt und sie versuchte, jedes meiner Argumente zu widerlegen.
Die Zeit verging wie im Flug, bis sie plötzlich anfing zu lachen. "Ich glaube für heute reicht es, Severus, sonst werden Sie morgen unausgeschlafen vor ihrer Klasse stehen. Beim nächsten Mal machen wir einen praktischen Versuch, dann sehen wir ja, wer recht hat, einverstanden?" Und so geschah es.
Mein Schuldgefühl blieb und mit jedem Treffen wurde meine Angst größer, sie könne in einer Erinnerung auf einen Hinweis stoßen, der sie erkennen ließ, dass ich es gewesen war, der das Schicksal der Potters besiegelt hatte.  Und trotzdem fing ich an, mich auf die Abende zu freuen. Die Ruhe und Gelassenheit, die Marie ausstrahlte, wirkte ungemein beruhigend auf mich und ich fühlte mich wohler in ihrer Gesellschaft, als ich jemals für möglich gehalten hätte."
Snapes Kehle war wie ausgedörrt. Er griff nach einer Flasche Butterbier. "Soviel reden bin ich nicht gewöhnt", murmelte er erschöpft.
Die drei, die fasziniert gelauscht hatten, sahen ihn empört an. Ron sprach ihnen aus der Seele, als er sagte: "Aber Sie können doch nicht mittendrin aufhören. Das geht nicht! Mensch Hermine, warum hast du nicht mehr von dem Alraunenzeug mitgehen lassen?", schimpfte er.
Doch sie grinste triumphierend, zog ein zweites Fläschchen aus ihrem Umhang und reichte es Snape. Der sah wenig begeistert aus, soweit sie in der Dunkelheit erkennen konnten. Aber dann nickte er, nahm einen kräftigen Schluck, wartete die Wirkung ab und erzählte weiter.
"Anfangs gelang es Marie nicht, die Erinnerungen aus dem Geist des Besitzers herauszulösen. Doch sie gab nicht auf, versuchte es immer wieder, bis sie eines Tages, nachdem ich sie zurückgeholt hatte, die Augen aufschlug, mich anblickte und sagte: "Ich glaub, ich hab eine. Kommen Sie mit!"
In Dumbledores Büro angekommen, ließ sie die fremde Erinnerung ins Denkarium fallen und wir sahen sie uns gemeinsam an. Es war enttäuschend. Man sah nur verschwommene Schemen und konnte nicht verstehen, was gesprochen wurde.
Aber es war ein Anfang und es bestärkte sie in ihrem Glauben an sich selbst. Sie war überzeugt, es würde ihr gelingen. Ihr Ehrgeiz war nicht zu bremsen. Wir versuchten es wieder und wieder, bis ich vor Erschöpfung einschlief. Als ich erwachte, war es bereits heller Morgen.
Ich erschrak zutiefst, als mir klar wurde, dass ich Marie nicht zurückgeholt hatte, aber ihr Stuhl war leer. "Keine Sorge, Severus, mir geht's gut!", erklang ihre Stimme hinter mir.
Sie saß auf dem Fenstersims und die Morgensonne fiel auf ihr Gesicht. Sie sah so verletzlich und traurig aus, dass ich den  Blick abwenden musste, um meine Erschütterung zu verbergen. Dabei fiel ihr Umhang zu Boden. Sie musste ihn mir übergeworfen haben, während ich schlief. "Es tut mir so leid, Marie!", stammelte ich unbeholfen. "Das war unverzeihlich von mir."
"Unverzeihlich war, dass ich nicht bemerkt habe, wie müde Sie waren, Severus, vergeben Sie mir!" Ihre Stimme klang so verzagt, dass ich den brennenden Wunsch verspürte, sie zu trösten, doch ich wusste nicht wie und der Augenblick verstrich.
Sie griff nach ihrem Umhang, lächelte mich an und sagte: "Ich muss verschwinden, bevor mich jemand sieht. Wir sollten eine kleine Pause einlegen, treffen wir uns in drei Tagen wieder?"
Ich nickte und sie ging. Ich trat ans Fenster und sah zu wie sie an Hagrids Hütte vorbei in den Verbotenen Wald lief.
Die drei Tage verstrichen so langsam, als wären es Wochen. Ich bemerkte sofort, dass sich an Maries Trance etwas verändert hatte. Sie hatte weiter geübt, ohne mich. Diese Erkenntnis traf mich wie ein Stich ins Herz. Sie deutete meinen Gesichtsausdruck falsch und versicherte mir: "Es war nicht gefährlich, Severus. Ein guter Freund war bei mir."
Und plötzlich war ein Gefühl in mir, dass ich nur zu gut kannte - Eifersucht. Bevor ich es verhindern konnte, entschlüpfte mir die Frage: "Wer?".
Sie sah mich so erstaunt an, als wolle sie sagen, was geht Sie das an, doch sie antwortete. "Ein Thestral!"
Die Verblüffung stand mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn sie lachte plötzlich und erklärte: "Er ist der beste Freund, den ich habe. Ihm kann ich mein Leben anvertrauen. Ohne ihn wäre ich damals vor Verzweiflung gestorben. Er lehrte mich, die Schönheit des Lebens wiederzuentdecken, nicht auf Äußeres zu achten, sondern tief ins Innere jedes Wesens zu blicken und das Gute darin zu erkennen. Denn fast in jedem steckt ein guter Kern, ausgenommen Voldemort. Er ist abgrundtief böse. Deshalb werde ich alles tun, um ihn zu vernichten, nicht aus Rache. Ich hasse ihn nicht, Hass ist ein mächtiges Gefühl, das denjenigen, der ihm verfällt, zugrunde richten kann."
Bald darauf stieß sie in auf eine Erinnerung, die Dumbledore auf die Spur des verfluchten Ringes brachte, ins Haus der Gaunts. Er versuchte ohne unser Wissen, ihn zu zerstören. Deshalb konnten wir nicht verhindern, dass der Fluch ihn traf. Ich schaffte es, sein Sterben hinauszuzögern, aber es gab keine Heilung. Er würde sterben, das war unausweichlich und nur deshalb hab ich damals zugestimmt, als er diese wahnwitzige Idee hatte." Snape schauderte und sprach schnell weiter.
Die Monate vergingen wie im Flug ohne das kleinste Ergebnis, bis wir tief in Voldemorts Vergangeheit zu suchen begannen. Seine Zeit im Waisenhaus, ein Ausflug ans Meer. Wir entdeckten die Höhle und Albus war sich sicher, dass dieser Ort dem jungen Tom Riddle als ideales Versteck erschienen war. Und wieder hatte er recht. Es gelang ihm mit deiner Hilfe, Harry, das Amulett zu finden. Bei eurer Rückkehr ..."
Snapes Stimme versagte und er nahm noch einen Schluck aus Hermines Fläschchen, " ... habe ich ihn getötet. Ich musste es ihm schwören. Das Nützliche mit dem Unausweichlichen verbinden, so hat er es genannt. Er hatte alles so genau geplant. Ich war für Dumbledore nur ein Werkzeug, meine Gefühle waren ihm vollkommen gleichgültig."
Sie konnten den Schmerz in seiner Stimme hören. Hermine rückte näher zu ihm hinüber und drückte seine Hand.
"Das glaub ich nicht. Er hat Ihnen so sehr vertraut, dass er seinen Tod in Ihre Hände gelegt hat und Sie haben ihn nicht enttäuscht. Er hat Sie bestimmt ...", sie suchte nach dem passenden Wort, "gemocht."
"Danke, Hermine. Es ist sehr freundlich von dir, das zu sagen." Aber es war deutlich zu hören, dass er nicht daran glaubte.
Plötzlich fiel Hermine etwas ein. Sie griff in ihre Tasche und zog das Flugblatt heraus. Ein kurzes Zögern, dann reichte sie es Snape.
"Sie haben das noch nicht gelesen, oder?"
Der Mond kam wieder zum Vorschein. Snape starrte auf das Papier in seiner Hand und überflog die ersten Zeilen. Seine Augen weiteten sich vor Schreck, ein entsetztes: "Nein!" entfuhr ihm. Mit einem wütenden Aufschrei zerknüllte er das Blatt und schleuderte es  von sich, als hätte es ihn verbrannt.
Dann sank er in sich zusammen, als wäre jegliche Kraft aus ihm gewichen. Er umklammerte wie haltsuchend seine Knie, ließ den Kopf darauf sinken und rührte sich nicht mehr.
Zu Tode erschrocken blickte Hermine hilfesuchend Ron und Harry an, doch die saßen da wie erstarrt. Der Mann, den sie sieben Jahre gehasst und gefürchtet hatten, saß vor ihnen, zusammengekauert wie ein verlassenes, verängstigtes Kind, als hätte er in einer schrecklichen Sekunde alles verloren, was ihm je etwas bedeutet hatte und sie wagten nicht, sich zu bewegen.
Die Scheu, die sie jetzt empfanden, war eine völlig andere. Sie wollten ihm helfen, ihn trösten und wussten doch nicht wie.
Zögernd streckte Hermine die Hand aus, wie um ihm übers Haar zu streichen, ließ sie jedoch gleich wieder sinken. Das hier war zutiefst privat. Er wollte bestimmt nicht, dass ihn jemand so sah.
"Professor, sollen wir gehen?"
Hermines Stimme klang so sanft, dass Ron sie verblüfft anstarrte. Ohne aufzusehen, schüttelte Snape den Kopf. Fast unverständlich klangen seine Worte. "Lasst mich nicht allein!" Tiefe Verzweiflung lag in ihnen.
Und da tat sie es doch. Sie streichelte ihm beruhigend übers Haar und flüsterte: "Natürlich nicht!"
Ron schnappte sich die Papierkugel, entfaltete sie vorsichtig, strich sie so glatt wie möglich und begann mit ruhiger Stimme vorzulesen. Snapes Körper verkrampfte sich noch mehr.
Jetzt war es Harry, der sich vor ihn kniete, seine Hände auf dessen Arme legte und leise sagte: "Professor, er hat Sie nicht verraten. Mit keinem Wort erwähnt er Ihre Motive. Er wollte Sie retten, ebenso wie Marie. Bitte, hören Sie zu!"
Und Ron las weiter. Laut und deutlich drang seine Stimme über die Lichtung. Er beendete seinen Vortrag mit den Worten: "Soviel vorab. Einzelheiten zur Schlacht wie gewohnt im Tagespropheten. Rita Kimmkorn"
So täuschend echt imitierte er die penetrante Trällerstimme der ungeliebten Reporterin, dass Hermine trotz allem kichern musste. "Hey, du Trottel. Die ist jetzt beim Klitterer."
Gespannt warteten alle drei auf Snapes Reaktion, doch die blieb aus. Seine Haltung hatte sich kein bisschen verändert. Ratlos sahen sie sich an, bis Ron der Kragen platzte.
"Verdammt noch mal, das war großartig von Dumbledore. Nur deshalb sitzen Sie jetzt nicht in Askaban, das kapier sogar ich, auch wenn mein Gehirn ja angeblich nur die Größe eines Daumennagels besitzt."
Endlich kam Bewegung in Snapes verkrampften Körper. Er wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht, bevor er den Kopf hob und Ron anblickte. "Es tut mir leid!" Seiner Stimme war seine Befangenheit deutlich anzuhören und Ron grinste.
"Was denn, dass Sie an meinem Verstand gezweifelt haben?"  
Ein zittriges Lächeln glitt über Snapes Gesicht. "Das auch!"
"Will ich auch hoffen!", knurrte Ron bissig, griff nach zwei Flaschen Butterbier, reichte eine Snape und prostete ihm mit der anderen zu. "Is' verziehen!", sagte er in großmütigem Tonfall.
Snape sah unsicher zu Harry und Hermine. "Danke! Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist, verzeiht mir bitte!"
Entrüstet blickte ihn Hermine an. "Da gibt's nichts zu verzeihen. Es ist nicht schlimm, mal Gefühle zu zeigen. Aber es war unnötig. Dumbledore wollte Sie beschützen, verstehen Sie das jetzt?"
Snapes Augen schimmerten feucht, er schluckte, bevor er langsam nickte. "Kann ich ..., kann ich das haben?" Er wies mit bebender Hand auf den Zettel.
Ron reichte ihm den zerknitterten Artikel mit skeptischer Miene.
Snape blickte lange schweigend auf Dumbledores Bild, dann strich er sanft mit dem Zeigefinger darüber und schloss die Augen. Seine Lippen formten ein lautloses: "Danke". Er faltete das Papier behutsam zusammen und steckte es unter sein Hemd.
"Werdet ihr's für euch behalten?"
Sie wussten was er meinte und spürten, wie wichtig ihm ihre Antwort war. Selbst Ron sparte sich eine flapsige Bemerkung.
"Niemand wird jemals davon erfahren, weder von Ihren Erinnerungen noch davon, was hier passiert ist. Darauf können Sie sich verlassen, Professor!"
Hermines Worte klangen wie ein Schwur. Ron und Harry nickten. "Hundertprozentig!"
Snape stieß einen tiefen Seufzer aus, fuhr sich noch einmal über die Augen und lehnte sich wieder an den Stamm der Eiche. Dann leerte er Hermines Fläschchen und fragte: "Wollt ihr die Geschichte zu Ende hören?"  
Alle drei nickten erleichtert. Die Wolke kam zurück und Snape sprach weiter. "Ich musste mit den Todessern fliehen. Es waren die schrecklichsten Wochen meines Lebens, ohne Albus und ohne Marie. Die geheuchelte Freude über Dumbledores Tod. Doch wieder kam alles so, wie Albus es vorausgesagt hat. Der Dunkle Lord ernannte mich zum neuen Schulleiter. Es wäre die Krönung des Schreckens gewesen, die Abscheu und Verachtung der Lehrer allein ertragen zu müssen. Aber Marie war dort. Sie allein gab mir die Kraft, diese Zeit zu überstehen."
Sein Blick wanderte wieder zu ihr hinüber und ruhte auf ihrem Gesicht, als er weitersprach.
"Wir konnten es nicht mehr wagen, das Turmzimmer zu benutzen, denn die Carrows trieben ja im Schloß ihr Unwesen. So trafen wir uns in der heulenden Hütte. Doch keine der unendlich vielen, oftmals schrecklichen Erinnerungen der Todesser, brachte uns den Horkruxen näher.
Zwischendurch versuchte sie immer wieder, mit Hilfe von Riddles Ring in Voldemorts Geist einzudringen, doch der dunkle Lord beherrschte die Kunst der Okklumentik ebenfalls und hatte seine Erinnerungen geschützt. Nur in Momenten des Zorns gelang es ihr, kurze Blicke auf seine Gedanken zu erhaschen und so erfuhren wir, dass er auf der Suche nach einem besonders mächtigen Zauberstab war, der ihm helfen sollte, dich zu töten, Harry. Und wir versuchten, euch zu finden, doch eure Schutzzauber waren zu mächtig, ihr hinterließt keine Spuren."
Der Stolz, der bei diesen Worten in Hermines Augen aufblitzte, war selbst in der Dunkelheit zu sehen und Ron und Harry grinsten sich an.
"Dann kam uns der Zufall zu Hilfe. Anscheinend hatte Hermine das Porträt von Phineas Nigelles  bei sich, der sich regelmäßig auf einen Plausch mit Dumbledores Porträt im Schulleiterbüro traf. Er hatte gehört, wie Hermine zu Harry sagte, sie seien im Forrest of Dean, in dem sie vor Jahren mit ihren Eltern die Ferien verbracht hatte.
So gelang es mir endlich, euch das Schwert zu bringen. Ihr habt damit das Amulett zerstört und ein weiterer Horkrux war vernichtet. Aber Voldemort bemerkte es nicht, er wusste nicht, dass  Dumbledore vor seinem Tod auf die Spur der Horkruxe gestoßen war und wir hatten keine Ahnung, wie wir jemals die restlichen finden sollten. Die Zeit wurde immer knapper, Voldemorts Armee immer stärker.
Da beschloss ich eines Tages, genau das zu tun, was eigentlich verhindert werden sollte. Ich berichtete dem Dunklen Lord von einem geheimen Versteck im Schulleiterbüro, in dem ein Ring und ein Tagebuch verborgen waren, in der Hoffnung, dass die Angst um seine Seelenstücke ihn dazu bringen würde, sich zu vergewissern, das sie in Sicherheit waren und Marie sie dadurch in seinen Gedanken würde finden können.
Sein Zorn war gewaltig, doch der Plan gelang. Marie entdeckte alle fehlenden Horkruxe und damit war unsere ... Zusammenarbeit beendet. Sie verschwand noch in der selben Nacht. Es war, als hätte sie nie existiert. Doch für mich hatte sich alles verändert.
Ich fühlte mich wie ausgehöhlt. Da erst erkannte ich, dass der Hass, der so lange Zeit mein ganzes Sein ausgefüllt hatte, fort war. Und zurück blieb nur Leere und ... Einsamkeit."

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