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Geschichte des Moments
Geister im Schnee von Nachtschatten
(keine Altersempfehlung)

Helena Ravenclaw spielt im ersten Schnee des Winters.

Zitat des Tages

[Dumbledore] »Ein Glück, dass es so dunkel ist. So rot bin ich nicht mehr geworden, seit Madam Pomfrey mir gesagt hat, ihr gefielen meine Ohrenschützer.«

Harry Potter und der Stein der Weisen, Kap.1

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Er liebt mich, er liebt mich nicht ( von )

12. Kapitel: Teil 12: Donnerstag 11. September

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Donnerstag, 11. September

„Hör auf!“, Harry wachte verschwitzt und außer Atem auf, mit einem klebrigen Gefühl in seiner Pyjamahose. „Oh nein…“, stöhnte er und machte, dass er ins Bad kam, bevor Ron, der schon leicht zu grunzen begonnen hatte, richtig aufwachte. „Verdammte Scheiße“, er schmiss seinen eingesauten Pyjama auf den Boden und verschwand eilig unter der Dusche. Nachdem er das Wasser aufgedreht hatte, begann Harry zu überlegen, was er geträumt hatte.
Er war bei Draco gewesen, in seinem Bett und sie hatten das gemacht, was sie eigentlich immer machten, wenn sie dort lagen, nämlich rumknutschen. Bis Ron und Hermine auf einmal aufgetaucht waren, und Ron zu Draco gesagt hatte, er solle ihm auch einen Knutschfleck machen. Daraufhin war Hermine beleidigt gewesen und sie und Ron waren wieder abgezogen. Dann hatten Harry und Draco weitergemacht, wo sie stehen geblieben waren, bis… oh nein… Draco Harry ausgezogen hatte um…
Harry schüttelte angestrengt den Kopf, um dieses Bild, und vor allem das dazugehörige Gefühl wieder loszuwerden. Hilflos sah er an sich hinab. Er wollte nicht, nicht, wenn da was mit Draco lief… aber er hatte schon so lange nicht mehr! Hin und her gerissen, drehte Harry schließlich doch das kalte Wasser auf und sah leicht frustriert zu, wie sein Problem in sich zusammen schrumpfte. Wenigstens wäre das für die nächsten paar Stunden erledigt.
Harry stieg aus der Dusche, griff nach einem der vielen flauschigen Handtücher, und wischte damit den Spiegel ab, der noch vom heißen Wasser zugedampft war. Ein paar weiße Tupfen von Ron gestern waren auch noch drauf. Während Harry sich Zahnpasta auf seine Zahnbürste drückte, beobachtete er sich aufmerksam im Spiegel. Sah er denn gut aus? Ein paar Muskeln hatte er schon, und durch die jahrelange Zwangsdiät bei den Dursleys bestand keine große Gefahr, dass er wirklich mal zunehmen würde. Aber gefiel er Draco, so wie er war? Achtete der da überhaupt drauf? Harry drehte sich vor dem Spiegel, mit der Zahnbürste im Mund und betrachtete zuerst eingehend seinen Bauch, dann seine Oberarme. Das war alles viel zu dünn! Die wenigen Muskeln, die er hatte, stachen heraus wie Knochen und überhaupt war er viel zu blass. Man merkte deutlich, dass er immer in einem Zimmer eingesperrt gewesen war. Draco war da ganz anders. Er war zwar auch dünn, aber nicht so mager wie Harry und seine Muskeln sahen da wo sie hingehörten gut aus. Und seine Haut war auch ganz anders, die war einfach von Natur her so blass wie Milch, wie der Mond… Harry schweifte ab. Bei Draco passte, um es kurz zu sagen, einfach alles perfekt zusammen. Harry hingegen sah neben ihm einfach Scheiße aus, wie er fand. Das musste er ändern.
Wild entschlossen beim Frühstück mindestens fünf Pfannkuchen mit heißer Schokolade drauf zu essen, verließ Harry das Bad, vor dem seine anderen drei Zimmergenossen schon ungeduldig warteten.
„Mensch Harry, was hast du da drin gemacht?“, fragte Justin, der sich gerade sein Hemd zuknöpfte. Harry bemerkte neidisch seinen sonnengebräunten Oberkörper, und stellte schockiert fest, dass das richtig gut aussah. „Seit du und Ron ne Freundin habt, braucht ihr echt eeewig!“
„Sorry“, Harry hob nur die Schultern und begann dann in seinem Schrank herumzukramen, bis Ron wieder da war. Es fiel ihm jeden Morgen schwerer, etwas zum Anziehen zu finden und er beschloss, dass er dringend mal einkaufen gehen müsste. Ob es in Hogsmeat Bekleidungsgeschäfte gab?
„Wieso erzählst du eigentlich keinem, wers ist?“, fragte Justin da, und riss Harry aus seinen Klamotten Gedanken.
„Was? Oh“, Harry schüttelte den Kopf. „Jetzt fängst du auch schon an?!“ Wie war denn diesem Kerl überhaupt zu Ohren gekommen, dass er ein Techtelmechtel hatte?
„He, es interessiert einen halt, wenn Harry Potter eine neue Flamme hat!“, sagte Justin beschwichtigend und Neville nickte eifrig im Hintergrund. „Ich muss mich ja schon schwer zurückhalten, keine Umfrage zu machen, wer die Glückliche denn ist…“
„Untersteh dich!“, sagte Harry drohend.
„Ja, ich dachte mir schon, dass dir das nicht recht wäre… zu schade auch!“, Justin löste Ron vom Bad ab, der die letzten Gesprächsfetzen mitbekommen hatte.
„Wenn Fred und George noch da wären…“, meinte er, griff in seinen Schrank und zog sich an. Harry staunte darüber, wie einfach das doch war. „Die hätten das schneller rausgekriegt, als du *piep* sagen kannst!“ Er grinste in sich hinein. Hoffentlich kam er nicht auf die Idee, ihnen einen Brief zu schreiben, und sie um Rat zu fragen.
Um vom Thema abzulenken fragte Harry: „Wie geht’s den beiden eigentlich?“
“Oh, gut!“, sagte Ron und wartete ungeduldig, dass Harry sich fertig anzog. Er hatte erst eine Jeans an. „Ihr Geschäft läuft großartig! Sie meinen, wenn es so weitergeht, können sie Mum und Dad was abgeben, aber die wollens natürlich nicht…“
Harry nickte andächtig, starrte aber noch immer in seinen Schrank.
„Sag mal, hast dus bald?“, fragte Ron und trat hinter ihn. „Das ist doch nicht so schwer!“ Er fischte ein verwaschenes T-Shirt aus einem Regal und legte es feinsäuberlich auf Harrys Kopf. Typisch Ron.
Harry zog es herunter und warf es wieder in den Schrank zurück. „Das kann ich nicht anziehen“, sagte er kopfschüttelnd. Ron stöhnte verzweifelt auf, doch da hatte Harry den Zipfel eines schwarzen T-Shirts entdeckt, der ihm doch recht annehmbar aussah. Er zog es heraus, sich über den Kopf, warf noch seinen Schulumhang drüber und packte Ron am Arm. „Gehen wir!“
„Na endlich!“, Ron schüttelte noch immer den Kopf, als sie unten im Gemeinschaftsraum ankamen und Hermine schon ungeduldig wartete.
„Wo wart ihr denn so lange?“, fragte sie und gab Ron einen flüchtigen Gutenmorgenkuss. „Du kannst es doch sonst nicht abwarten, was zu Essen zu kriegen!“
„Da ist Mr“Ich“Kann“Mich“Nicht“Entscheiden“Was“Ich“Anziehen“Soll dran schuld!“, sagte Ron verächtlich und wies auf Harry, der unschuldig in seiner Tasche nach dem Stundenplan kramte. Die ersten beiden Stunden waren mal wieder zum einpennen, aber dann hatte er ganze vier Stunden zusammen mit Draco, wobei ihn nicht mal groß störte, dass zwei davon Zaubertränke waren.
„Ts…“, Hermine schüttelte den Kopf und zog Ron dann am Arm nach draußen. Als sich das Portrait hinter ihnen schloss, drehte sie sich zu Harry um. „Ähm… solltest du nicht vielleicht was gegen deinen… Biss da tun?“, fragte sie und deutete auf Harrys Hals.
Den hatte er heute Morgen gar nicht gesehen, das kam davon, wenn man seine Brille nicht aufhatte. So zuckte Harry nur mit den Schultern und meinte: „Nee, wieso? Sollte ich?“
Hermine hob eine Augenbraue. „Nun ja… wenn du nicht willst, dass sich auf einmal die ganze Schule über dein Liebesleben Gedanken macht, dann eventuell schon…“
Harry überdachte das, und als sie vor der großen Halle angekommen waren, war er zu dem Entschluss gekommen, doch etwas dagegen zu unternehmen. Immerhin hatten ihn schon drei Ravenclaws und ein Hufflepuff auf dem Weg hierher angestarrt.
So hielt er Hermine zurück. „He, weist du einen Abdeckzauber?“
Sie sah ihn wieder leicht überlegen an, obwohl sie das lange nicht so gut konnte wie Draco. „Du willst ihn nicht ganz weg?“, fragte sie dann aber und Harry schüttelte den Kopf. „Na gut… aber nur, wenn du uns sagst aus welchem Haus sie ist!“, Hermine sah ihn triumphierend an. Harry starrte verblüfft zurück. Er hatte nicht gedacht, dass Hermine auch so neugierig war wie Ron, anscheinend versteckte sie es recht gut.
„Das ist nicht fair“, knurrte er.
„Naja… entweder du rückst mit der Sprache raus, oder du hast ein kleines Problem, wenn du da jetzt rein gehst“, Hermine wies auf die großen Flügeltüren hinter ihnen. „Also, in welchem Haus ist sie?“
„Sie ist in gar keinem Haus!“, sagte Harry und ihm viel auf, dass er das *sie* vielleicht ein bisschen zu viel betont haben könnte.
„Okay, in welchem Haus ist er?“, fragte Hermine ungerührt und Harry und Ron sagten gleichzeitig: „Hermine!?“
Die rang die Hände. „Meine Güte! In welchem Haus residiert deine überaus große und geheime Liebe, Harry?“ Ron kicherte.
Harry sah sie finster an. „Slytherin“, murmelte er dann kaum vernehmlich.
„Was?“, fragte Hermine, die keinen Ton verstanden hatte und auch Ron spitzte die Ohren.
„In Slytherin“, sagte Harry etwas lauter und genauso wie er etwas errötete, errötete auch Ron, allerdings aus Wut.
„Was!?“, rief er. „Du hast also wirklich was mit so einer schleimigen Tusse aus Slytherin??“
In diesem Moment kam Draco vorbei und konnte sich anscheinend einen Kommentar nicht verkneifen. „Ich wusste ja gar nicht, Potter, dass du Leute aus meinem Haus beglückst… Womit haben wir denn das verdient?“
„Na sicher nicht mit deiner großen Klappe, Malfoy!“, sagte Ron böse und machte eine Geste, die ihm zu verstehen gab, schnellstens zu verschwinden.
„Ob ich mir da so sicher wäre“, hörten sie Malfoy noch grinsend sagen, bevor er in die Halle verschwand.
„So, seid ihr jetzt zufrieden?“, fragte Harry leicht säuerlich darüber, dass Draco mitbekommen hatte, wie er seinen Freunden sagte, dass er angeblich eine Freundin aus Slytherin hatte. Hoffentlich war er nicht sauer.
„Ja“, sagte Hermine knapp, wobei Ron immer noch fassungslos den Kopf schüttelte.
„Aus Slytherin, Harry! Wie kannst du nur?“, murmelte er, doch Hermine schien zufrieden zu sein, denn sie deckte Harrys Knutschfleck ab.
Ein „Danke“, grummelnd folgte Harry seinen zwei Freunden in die große Halle, peinlich darauf bedacht, keinen einzigen Blick hinüber zum Slytherintisch wandern zu lassen. Schon gar nicht zu Draco.
Als sie an ihrem eigenen Tisch angekommen waren, beugte er sich zu Ron und flüsterte: „Wenn du auf die Idee kommst, die Slytherins auszufragen, dann gnade dir Gott!“
„Dieser Kerl ist mir ehrlich gesagt, ziemlich schnuppe“, gab Ron ungerührt zurück, während er sich Schinken und Eier nahm.
„Dann eben Merlin“, sagte Harry kühl und nahm sich dasselbe. Er war eben zu dem Entschluss gekommen, dass Schinken und Eier wohl besser für den Muskelaufbau waren, als Pfannkuchen. Sah man ja bei Ron. Entsetzt schüttelte Harry den Kopf, worüber er sich jetzt schon wieder Gedanken machte, woraufhin er sich einen verwirrten Blick von seinem Freund einfing. Schnell stopfte er sich eine Gabel Rührei in den Mund und fand es eklig.
„Igitt“, machte er und schob den Teller von sich.
„Was ist?“, fragte Ron, der seinen Teller schon gelehrt hatte.
„Mag das nicht“, sagte Harry und deutete auf den Haufen Ei und Schinken auf seinem Teller.
„Nicht?“, Ron runzelte die Stirn und zog dann den Teller zu sich.
Harry nahm sich einen neuen und belud ihn diesmal nur mit Schinken, Speck und einer Menge Toast. Schon besser.
„Du wirst echt schon langsam so zickig wie Malfoy“, meinte Ron, den Mund voller Ei.
„Ich? Wie Malfoy?“, Harry starrte ihn an. „Zickig??“
„Ja“, Ron nickte. „Hast du nicht mitgekriegt, was für einen Aufstand er letztens gemacht hat, nur weil irgendwas Komisches in seiner Suppe war?“
“Ist ja auch eklig!“, machte Harry angewidert.
„Da siehst dus! Du auch!“, sagte Ron triumphierend.
„Ich bin nicht zickig“, sagte Harry trotzig. „Männer sind nicht zickig.“
„Malfoy aber schon“, meinte Ron.
„Ja, aber Malfoy ist auch…“, um ein Haar hätte Harry schwul gesagt. „…Malfoy eben“, sagte er dann schnell und warf einen Blick zu ihm hinüber. Er nippte gerade friedlich an einer Tasse Kaffee und regte sich über gar nichts auf.
Ron schüttelte nur den Kopf, als Harry ihn wieder ansah. Anscheinend wurde ihm die Diskussion zu blöd. Harry war nur froh darüber. So konnte er sich wieder seinem Muskel aufbauendem Frühstück zuwenden.
Nachdem Harry fünf Toastscheiben mit jeweils einer riesigen Ladung Schinken und Speck verdrückt hatte, konnte er beim besten Willen nicht mehr. Genug war genug.
Das fand anscheinend auch Ron, im Bezug auf sich selbst, denn er hörte unglaublicherweise einmal rechtzeitig mit dem Essen auf und so machten sie sich langsam auf den Weg aus der großen Halle in die erste Stunde: Verwandlung. Als Harry an Draco vorbeikam, warf er ihm einen schnellen Seitenblick zu, wagte es aber nicht, mehr zu tun. Seit er Ron und Hermine eröffnet hatte, dass seine heimliche Liebe “ oder was auch immer Draco auch sein sollte “ in Slytherin war, hatte er das ungute Gefühl, dass Ron diesen Tisch genauer beobachtete. Anscheinend wollte er das Mädchen, mit dem er glaubte, dass Harry zusammen war, dabei erwischen, zu ihm zu sehen. Dass er nicht auf ein Mädchen, sondern eher auf einen blonden Jungen achten musste, den er bis auf den Tod nicht ausstehen konnte, wusste er zum Glück nicht.
Im Klassenzimmer für Verwandlung angekommen, konnte Harry nur hoffen, dass sie diesmal nicht wieder eine theoretische Stunde machten. Einzig und allein Hermines Zuckerfeder hatte ihn letztes Mal vor dem Einschlafen bewahrt. Mc Gonagall war schon da, als sie den Klassenraum betraten und sah streng abwartend in die Runde, bis alle da waren. Dann erhob sie sich. Ron, Harry und Hermine hatten sich in der zweiten Reihe niedergelassen und waren gespannt darauf, was sie diesmal durchnehmen würden. Hermine hatte noch immer etwas Angst, die Besen waren ihr anscheinend noch in guter Erinnerung.
„Guten Morgen!“, begrüßte ihre Hauslehrerin sie. „Ich hoffe, sie sind einigermaßen ausgeschlafen, denn die heutige Stunde wird ihnen einiges an Konzentration abverlangen.“
„Na toll“, murmelte Ron, der schon zum zweiten Mal ein Gähnen unterdrücken musste. Daraufhin warf Hermine ihm einen strengen Blick zu, der Mc Gonagall Konkurrenz gemacht hätte.
„Sie werden heute sämtliche Zauber aus den letzten Jahren wiederholen, die ihnen einfallen. Allerlei Gegenstände, die sie dazu verwenden können, befinden sich in diesen Kisten.“ Sie wies auf eine hohen Stapel mit Kisten, in denen ziemlich viel Ramsch rum lag. Darunter auch einige Sachen, die Harry als etwas wieder erkannte, das er schon mal verwandelt hatte.
„Nun, sie haben die ganze Stunde Zeit, beginnen sie!“, meinte die Lehrerin und die Klasse stand zögerlich auf, um sich die Kisten zu holen.
Ratlos saßen Harry und Ron vor ihrer und betrachteten die Gegenstände darin. „Hast du eine Ahnung, was ich aus einem Teekessel machen soll?“, fragte Ron und kratzte sich am Kopf, während er das Gefäß aus der Kiste zog.
„Haben wir da nicht ne Schildkröte draus gemacht?“, überlegte Harry. „Oder war das umgekehrt?“ Er kratzte sich ebenfalls am Kopf und begann, in der Kiste zu wühlen.
„Und was mach ich aus einem Handschuh?“, Ron schüttelte ratlos den Kopf. Harry ging es nicht besser.
Am Ende der Stunde, hatte er ein ziemlich schlechtes Gewissen, da er das Gefühl hatte, sämtliche Verwandlungssprüche vergessen zu haben, obwohl er schlussendlich doch ein paar Sachen hatte verwandeln können. Mc Gonagall war nicht gerade zufrieden mit den schlechten Gedächtnissen ihrer Schüler gewesen und murmelte etwas von einer Wiederholung aller wichtiger Grundlagen. Ron war dabei schneeweiß im Gesicht geworden, Hermine sah dem gelassen entgegen. Ihr hatte die Stunde keinerlei Probleme bereitet.
„Ich fass es nicht, wie ihr das alles vergessen konntet!“, sagte sie kopfschüttelnd auf dem Weg in Geschichte der Zauberei. „Dabei ist dieses Fach so wichtig!“
„Ach, wenn ich mitten im Wald mal nen Teekessel brauch, werde ich sicher nicht extra ne Schildkröte verwandeln. Da nehm ich einfach den Accio Zauber!“, machte Ron schulterzuckend.
„Als ob du das zustande bringen würdest“, fauchte Hermine und Ron sah sie beleidigt an.
Es hätte wahrscheinlich damit geendet, dass er die ganze nächste Stunde nicht mit seiner Freundin geredet hätte, hätte Harry sich einfach nicht geweigert, sich zwischen die beiden zu setzen.
„Ihr seid echt stur“, grummelte er noch, bevor er es sich auf seinem Tisch bequem machte, um zu schlafen. Bei Binns konnte man sowieso nichts anderes tun.
Als der dann allerdings, kurz bevor Harry einnickte, beiläufig erwähnte, dass König Arthur und Merlin ein Verhältnis miteinander hatten, klebte Harry gerade zu an seinen Lippen. Am Ende der Stunde war Hermine geradezu verblüfft darüber, dass Harry aufgepasst und sogar mitgeschrieben hatte. Ron borgte sich die Stirn runzelnd seine Mitschriften zum abschreiben aus.
„Warst du eigentlich schon bei Hagrid, wegen der Spinne?“, fragte Harry Ron, als sie aus dem Schloss traten.
„Ja“, Ron nickte. „Aber er hat sie schon frei gelassen. Meinte, die würden sich nicht, mit seinen neuen Viechern vertragen.“
“Neue Viecher?“, wiederholte Harry leicht beunruhigt.
„Er hat uns nicht verraten, was für welche es sind“, sagte Hermine schulterzuckend. Allerdings sah auch sie nicht gerade begeistert aus.
Bei Hagrids Hütte angekommen, trafen sie auf ein paar Slytherins, Draco war allerdings noch nicht dabei. Harry trat unruhig von einem Fuß auf den anderen als er bemerkte, wie genau Ron die Slytherinmädchen zu mustern schien. Hermine entging das anscheinend auch nicht, denn sie stieß ihn mit säuerlicher Miene an.
„Was?“, machte Ron verwirrt und Hermine zog ihn nur kopfschüttelnd mit, bis sie an Hagrids Hüttentür ankamen und klopften.
„Ja?“, kam es von drinnen und Harry drückte die Klinke hinunter.
Hagrid kam ihnen entgegen. „Schon alle da?“, fragte er und trat aus seiner Hütte.
„Naja, fast“, sagte Hermine und Hagrid nickte erfreut. „Gut, gut. Setzen wir uns alle mal in einem Kreis hin!“, rief er dann lauter in die Runde der schon Anwesenden. Eher halbherzig folgte die noch immer leise plaudernde Klasse seiner Aufforderung und als Harry sich neben Hagrid nieder lies, sah er Draco mit Mark und Justin vom Schloss herunterkommen. Er runzelte die Stirn, denn obwohl sein Herz gerade wieder anfing schneller zu klopfen, fragte er sich doch, wieso Draco mit noch einem anderen Gryffindor herumhing, als mit ihm selber. Diese Frage sollte ihm beantwortet werden, als Justin ihn sah und zu sich herüberwinkte. Da die Klasse noch immer nicht vollzählig war, konnte Harry mit einem Schulterzucken für Ron und Hermine aufstehen, um zu den Dreien zu gehen.
„Was gibt’s denn?“, fragte er Justin, als er an der anderen Seite des Sitzkreises angekommen war.
„Wir hatten gerade ne gute Idee“, meinte der fröhlich und zog Harry am Ärmel neben sich ins Gras. Dem entging nicht, dass Draco die Stirn runzelte, als er es sah, doch er lies sich anscheinend sonst nichts anmerken und setzte sich, wie zufällig, auch neben Harry.
„Jo, genau!“, meldete sich da Mark zu Wort und lies sich neben Draco fallen. „Weist du, wir haben keine Lust auf weitere Streitereien zwischen unseren Teams dieses Jahr…“
„Ja, vor allem, weil wir jetzt Kapitäne sind!“, fügte Justin noch hinzu.
„Und da dachten wir uns… Draco hat auch nichts dagegen… Dass, wir uns mal alle am Wochenende in Hogsmeat zu einem Butterbier treffen sollten.“
Justin und Mark sahen beide ziemlich begeistert aus, Draco eher, als ob er noch immer leicht geschockt wäre.
„Ihr meint, Gryffindor und Slytherin?“, Harry musste ein Lachen unterdrücken. „Aber ist eigentlich keine so schlechte Idee“, meinte er dann.
„Also bist du dabei?“, meinte Justin erfreut.
„Klar“, Harry nickte. Immerhin konnte er sich so doch mit Draco in Hogsmeat treffen. Er musste grinsen.
„Super“, sagte Mark. „Eigentlich wollten wir ja auch zusammen trainieren… aber dann dachten wir, dass das doch etwas übertrieben wäre… Ist ja sonst gar kein Spaß mehr dabei…“
Justin nickte eifrig, und Hagrid erhob sich. Anscheinend waren jetzt alle da. Harry sah hinüber zu Ron und Hermine, die beide leicht irritiert darüber schienen, dass er da friedlich mit zwei Slytherins im Gras saß.
„Kann ich die beiden mitnehmen?“, fragte Harry und deutete zu seinen Freunden.
„Na klar“, sagte Justin. „Vielleicht schaffen wirs ja sogar, dass unsere Häuser sich endlich vertragen… obwohl, nee… da gibt es ja immer noch ein paar… Nichts gegen dich“, er sah Draco entschuldigend an. „Aber n’ paar Todesser schwirren immer noch in Slytherin rum.“ Mark nickte betrübt, aber zustimmend.
„Eher zukünftige“, warf Draco da ein, und Harry wurde bei dem Klang seiner Stimme ganz warm. Zwanghaft schaute er überall hin, nur nicht zu dem blonden Slytherin. Er hatte Angst, dass wenn er ihm einmal in die Augen sah, er etwas Blödes anstellen könnte.
„Woher weist du denn das?“, fragte Mark da. „Ich dachte, du wärst raus?“
„Ha“, machte Draco tonlos und in Harrys Herz gab es einen kleinen Stich. „Nur weil ich mich nicht mehr öffentlich dazu bekenne, heißt das noch lange nicht, dass die mich von ihrer Liste gestrichen haben“, er senkte seine Stimme, sodass Grabbe und Goyle, die nicht weit entfernt saßen es nicht hören könnten. „Die denken wahrscheinlich alle, dass das Tarnung ist.“
„Heißt das, du gehst zu den Todessertreffen?“, platze Justin heraus und Dracos Blick wurde schon merklich kühler, als Hagrid mit einem Blick in ihre Richtung Ruhe gebot.
Harry sah noch kurz besorgt zu Draco hinüber, doch der schien sich wieder gefangen zu haben, dann wandte er Hagrid seine Aufmerksamkeit zu.
„So, jetzt sind ja alle da“, stellte er unsinnigerweise fest und ein paar kicherten. „Schlagt mal euere Bücher auf Seite… Momentchen… 430 auf!“
Harry klaubte das riesige Buch aus seiner Tasche und schlug es erwartungsvoll auf. Was würde ihm diesmal seine Tentakel entgegenstrecken? Als er die richtige Seite gefunden hatte, stutzte er, als er nur ein paar kurze Texte vorfand. Bild war da keines.
Anscheinend schien es den anderen auch so zu gehen, denn alle guckten ziemlich ratlos aus der Wäsche und dann zu Hagrid, der ein schelmisches Grinsen aufgesetzt hatte.
„Na, seht ihr nix?“, fragte er in die Runde und von Ron konnte man ein „Sehr witzig“, hören. Hagrid bedachte auch ihn mit einem Grinsen, dann wandte er sich wieder dem Sitzkreis zu.
„Wir besprechen heute Waldfeen“, sagte er schließlich. „Die sind unsichtbar.“
„Sehr weise“, murmelte Draco und Harry lächelte verhalten.
„Waldfeen“, fuhr Hagrid fort. „Sind überall in magischen Wäldern, sie bekommen alles mit, was dort vor sich geht…“
Ein paar Schüler begannen zu tuscheln und Harry fiel siedendheiß ein, dass er und Draco schon mal zusammen im Wald gewesen waren. Ob sie da wirklich beobachtet worden waren?
„Wirklich alles?“, fragte ein Mädchen aus Slytherin mit schriller Stimmer und Hagrid nickte strahlend.
„Oh ja! Kann manchmal ganz nützlich sein…“, er grinste noch immer in die Runde und langsam wurde er Harry unheimlich, bis er bemerkte, dass Hagrid in seine Richtung sah. Er musste sich bemühen, nicht rot zu werden.
„Sie werden nur sichtbar, wenn man sie mit Zucker anlockt“, erzählte Hagrid schließlich weiter. „Hab mir von Dumbledore nen Spruch sagen lassen, mit dem ihr Zucker produzieren könnt. Macht das mal, über euren Büchern.“
Die Klasse zückt den Zauberstab, den sie in Hagrids Stunden sonst immer verstaut hatte, und wartete skeptisch auf seine Anweisungen.
„Der Spruch ist Sucre!“, sagte Hagrid, und malte die Buchstaben auf eine kleine Tafel, die hinter ihm stand und die bis jetzt noch niemand bemerkt hatte. Er schien ganz aus dem Häuschen zu sein, seiner Klasse mal einen Zauberspruch beibringen zu dürfen.
Harry bemerkte unterdessen, wie Draco neben ihm den Kopf schüttelte. „Was ist?“, fragte er leise, doch so laut, dass es Mark und Justin trotzdem mitbekamen. Auch sie sahen Draco jetzt fragend an.
„Er spricht das völlig falsch aus“, meinte Draco. „Es heißt Sücre und nicht Sucre. Französisch“, fügte er dann noch hinzu und wurde von seinen drei Sitznachbarn ungläubig angestarrt.
„Du sprichst Französisch?“, fragte Mark schließlich und Draco nickte.
„Klar, dachtest du, mein Vater lässt meine Bildung verkommen?“, er grinste schief und streifte Harry mit seinem Blick, der schnell wieder wegsah und sich seinem Buch zuwandte.
„Sucre“, sagte er, peinlich bedacht auf die richtige Aussprache und ein kleines Rinnsal Zucker rieselte auf die Buchseiten. Eine kurze Weile passierte gar nichts, dann erschien eine kleine grüne Hand aus dem nichts und grabschte nach einem Zuckerkörnchen. Als sie wieder verschwand machte Harry empört „He!“ und leerte den Zucker vom Buch.
„He!“, ertönte da eine piepsige Stimme aus dem Buch und Harry traute seinen Ohren und Augen nicht, als ein kleiner grüner Kopf erschien und ihn böse anfunkelte. Zu dem Kopf gesellte sich ein zierlicher Körper, dessen Füße in vergleichsweise riesigen Blätterlatschen steckten. Auf dem Kopf befand sich ebenfalls eine ganze Ansammlung Blätter. Das Wesen hielt noch immer das Zuckerkorn in den Händen und stopfte es dann in den Mund. Harry bemerkte unterdessen, dass die Waldfee, oder eher Wicht, denn das Wesen hatte kein Geschlecht, keineswegs aus dem Buch kam. Es war real.
„Hagrid!“, rief er und jetzt hatten auch Draco und die beiden anderen die Fee entdeckt, die unterdessen die Seite nach weiterem Zucker absuchte.
“Was ist denn?“, fragte der und kam zu Harry hinüber. „Oh, die erste ist schon aufgetaucht!“, machte er freudig und drehte sich zur erstaunten Klasse um. „Ich hab ihnen gestern gesagt, dass wir sie heute durchnehmen und es viel Zucker geben wird. Ich schätze mal, es sind einige hier. Ihr müsst sie nur anlocken!“, er wies auf die Tafel, wo noch immer der Zauberspruch stand. Sofort zauberten alle Schüler Zucker auf ihre Bücher, ihre Taschen, Umhänge oder Hände, und sofort erschienen dutzende kleine Waldfeen überall auf der Wiese und machten sich über den Zucker her.
Sie waren nicht nur giftgrün, sondern sie hatten auch große schillernde Flügel, die sie aber selten zu verwenden schienen. Viel eher machten sie sich einen Spaß daraus, von Buch zu Buch zu hüpfen und sich um den Zucker zu streiten, der doch massig vorhanden war.
Auf Dracos Buch bewarfen sich gleich fünf gleichzeitig mit Zucker, wobei er auch ab und zu was davon abbekam und ihnen mit Zuckerentzug drohte. Harry grinste, als er ihn beobachtete und sah dann wieder zu seiner Waldfee, die sich gerade von einer anderen füttern lies. Anscheinend gab es bei ihnen doch Unterschiede, die aber nicht sichtbar waren.
Es war ein Wahnsinn, wie schnell diese kleinen Geschöpfe den ganzen Zucker vertilgt hatten und Hagrid meinte, dass es erst mal reichen würde. Er lies die Schüler wieder Gruppen bilden “ Harry war mit Justin, Mark und Draco in einer “ und meinte, sie sollten die Feen mal ein bisschen was fragen. Was auch immer er damit speziell meinen sollte.
Harry und die anderen drei hatten ihre Bücher auf dem Boden gestapelt, sodass die Waldfeen sich auf Augenhöhe mit ihnen befanden. Gerade meinte Justin zu Mark, ob es wohl einen Versuch wert wäre, die Feen für die Schnatzsuche anzuheuern, als eine Fee aufsprang und auf Harrys Schulter hüpfte.
„He! Dich da, hab ich schon mal gesehen!“, fiepte er in sein Ohr. „Mit dem da!“, er wies auf Draco, der Harry nur fragend ansah, da er die Fee nicht verstehen konnte. „Wenn du mir Zucker gibst, verrat ich’s nicht“, meinte die Fee und Harry zückte sofort seinen Zauberstab und lies ein Häufchen Zucker in seine Hand fließen.
„He, was machst du denn da?“, wollte Draco wissen, als er den Zucker sah. „Hagrid hat doch…“
“Er hat uns gesehen“, raunte Harry ihm schnell zu und wies auf die Fee, die gerade Zucker in ihre Blätterschuhe schaufelte.
Draco bekam große Augen und sah sich vorsichtig um, ob jemand etwas mitbekommen hatte. Doch alle waren viel zu sehr mit den kleinen Geschöpfen beschäftigt, sogar Justin und Mark waren zu vertieft in ihr Gespräch um etwas zu bemerken. Er atmete aus und strich für einen Sekundenbruchteil über Harrys Hand, dem sofort siedendheiß wurde. Ungläubig starrte er Draco an, der sich in das Gespräch der Quidditch“Kapitäne einklinkte, als ob nichts gewesen wäre. Harry konnte nur hoffen, dass sein Herz annähernd so schnell raste wie sein eigenes.
Endlich war die Doppelstunde um. Harry hatte es am Ende schon gar nicht mehr ausgehalten, neben Draco zu sitzen, da das Kribbeln in seinem Bauch seit dieser flüchtigen Berührung stetig gewachsen war. So war er schließlich zu Ron und Hermine gegangen, um sie schon mal zu fragen, ob sie am Wochenende mit nach Hogsmead kommen wollten. Klar wollten sie, bis sie hörten, dass Draco und der Rest des Slytherin“Teams da sein würde.
„Ich versteh das nicht“, sagte Ron kopfschüttelnd, als sie sich auf den Weg zurück ins Schloss machten. „Du kannst Malfoy doch nicht ausstehen, und trotzdem seid ihr fast zwei Stunden nebeneinander gesessen und habt euch nicht umgebracht!“
Harry zuckte mit den Schultern und erklärte Ron Marks und Justins Absichten zum Verständnis zwischen den Häusern. Sein Freund schüttelte immer nur wieder den Kopf, bis sein Magen laut knurrte und er einen Zahn zulegte, um zu seinem heiß ersehnten Mittagessen zu kommen. Hermine war den ganzen Weg relativ ruhig gewesen. Anscheinend regte sie das ganze nicht so auf, wie Ron.
Als Harry an seinem Platz in der großen Halle saß, musste er sich mächtig zwingen, etwas Ordentliches zu essen. Er hatte seinen Vorsatz Muskeln aufzubauen noch immer vor Augen, allerdings auch Draco, der ihm heute fast gegenüber saß “ lies man die Tische der Hufflepuffs und der Ravenclaws mal außer acht.
Harry säbelte an seinem Steak herum, während er noch immer an den kurzen Moment dachte, in dem er Dracos Hand auf seiner gespürt hatte. Früher hätte er dem Slytherin wahrscheinlich einen Furunkelfluch mitten ins Gesicht gehext für so was, doch jetzt war das Einzige, was er machte, seine Hand anzustarren, als ob sie etwas Heiliges wäre.
„Haben eure Feen auch so viel Blödsinn erzählt?“, fragte Ron schließlich, als er sich wohl von dem Thema Malfoy erholt hatte.
„Ja“, sagte Harry sofort, als er an die Erpresser“Fee dachte. „Aber lustig war’s trotzdem.“
„Ja“, Hermine nickte eifrig und steckte sich eine Kartoffel in den Mund. „Sie haben gemeint, im Wald gibt es eine Stelle, wo…“
“Pssscht!“, machte Ron und hielt ihr den Mund zu. Harry sah von einem zum anderen.
„Ich will’s gar nicht wissen!“, meinte er schließlich und hob abwehrend die Hände. Dann wandte er sich grinsend wieder seinem Steak zu und suchte dann den Tisch nach dem Senfglas ab, das er bei Justin fand. Vielleicht würde bei seinen zwei Freunden ja endlich mal was weitergehen. Eigentlich war es ja schon schade, dass er sich in der letzten Woche so von Ron distanziert hatte, so war es auch kein Wunder, wenn er nicht auf dem Laufenden war. Das musste er ändern. Genauso wie seine Muskelmasse. Entschlossen nahm Harry sich ein zweites Steak und machte sich an die Säbelei. Bis sein Blick wieder zu Draco hinüber wanderte, der schon bei der Nachspeise war. Pudding. Sah wirklich lecker aus, sollte Harry auch mal versuchen. Er beeilte sich mit dem Essen, um so schnell wie möglich aus der großen Halle verschwinden zu können. Er musste Draco unbedingt noch vor Zaubertränke sehen, sonst würde er ihm noch irgendwelchen Mist in den Trank kippen, damit sie zusammen Strafarbeiten aufbekamen. Obwohl er bezweifelte, dass Snape seinem Lieblingsschüler jemals irgendwelche Strafarbeiten aufgeben würde.
Harry lies die Nachspeise aus und verabschiedete sich flüchtig von Ron und Hermine, die in die Bibliothek wollten. Sie verabredeten, sich vor Zaubertränke im Gemeinschaftsraum zu treffen. Draco hatte die große Halle schon verlassen und Harry machte sich eilig auf den Weg zu seinem Zimmer. Hoffentlich war er dort.
Gerade als er um eine Ecke bog, machte jemand einen Schritt nach vorne und Harry rannte mitten in ihn hinein. Wer sollte es anderes sein als Draco. Er hielt Harry fest, der sonst gestrauchelt wäre und meinte: „Denkst du, ich merk nicht, wenn du mich verfolgst?“
Harry hob die Schultern. Das war ihm ziemlich egal. Genauso wie ihm die Tatsache egal war, dass jetzt jeder der hier vorbeikam sehen konnte, wie Harry Potter Draco Malfoy küsste. Etwas außer Atem schob Draco ihn schließlich von sich, zog ihn dann aber an der Hand mit sich bis zu seinem Zimmer.
„Draco…“, Harry wand sich widerstrebend aus seinen Armen. „Wir haben nicht lange Zeit…“
“Für was?“, fragte der mit einer gehobenen Augenbraue, als er die Tür hinter sich schloss.
„Nicht für das, was du auch immer denkst“, sagte Harry leicht skeptisch.
„So? Was denke ich denn?“, fragte Draco.
„Das frag ich mich auch“, Harry trat einen Schritt zurück als der Slytherin auf ihn zukam. Was führten sie denn jetzt für kranke Gespräche? Eigentlich wollte Harry doch nur…
Dasselbe, was Draco gerade tat, ihn küssen. Als er wieder damit aufhörte meinte Harry mit klopfendem Herzen: „Ich hab nur gemeint, dass Zaubertränke bald beginnt.“
“Ach so, ja“, Draco nickte und zog seine Zigaretten aus der Hosentasche. Harrys Blick verweilte einen Augenblick ein paar Zentimeter daneben, bis eine Zigarette sein Blickfeld kreuzte. Draco hielt sie ihm hin. Dann schien er Harry zu mustern.
„Wo ist der Knutschfleck hin?“, fragte er, während er sich seine Zigarette anzündete, dann Harrys und zum Schreibtisch ging, wo der Aschenbecher stand. Harry folgte ihm.
„Hermine hat ihn abgedeckt“, erst jetzt fiel ihm ein, dass Draco sein Geständnis heute Morgen mitbekommen hatte. Er sah ihn kurz an. „Tut mir leid, dass ich…“
Draco schüttelte den Kopf. „Macht nichts, ein Wunder, dass sie’s noch nicht ganz rausbekommen haben.“
„Ja…“, Harry nickte, dann zog er an seiner Zigarette. Schließlich, um nicht weiter blöd in der Gegend rum zu stehen, lies er sich auf Dracos Schreibtischstuhl fallen.
„He!“, machte der. „Das ist meiner.“
„Dann setz dich doch hin“, sagte Harry und versuchte, dabei möglichst ungerührt zu klingen. Anscheinend schaffte er es ganz gut, denn Draco hob wieder eine Augenbraue und schwang dann ein Bein über Harrys Schoß.
„So?“, fragte er und Harry konnte nur schlucken. Draco saß eindeutig auf der falschen, oder sollte man besser sagen, auf der richtigen Stelle? Der Slytherin zog unterdessen gelassen an seiner Zigarette und blies den Rauch dicht an Harry vorbei, der unterdessen nicht wusste, wohin mit seinen Händen. Zum Glück hatte er in der einen die Zigarette, doch die andere baumelte ziemlich nutzlos herab. Sollte er Draco festhalten, damit er nicht runter fiel? Der hatte ihn bis jetzt ruhig betrachtet und meinte: „Mir gefällt das nicht.“
“Was?“, brachte Harry hervor.
„Dein Hals sieht so… leer aus…“, Draco dämpfte die angefangene Zigarette aus und beugte sich dann hinunter. So konnte Harry das leichte Grinsen nicht mehr sehen, das sich auf sein Gesicht gestohlen hatte. Kaum eine Sekunde später spürte Harry seine weichen Lippen dicht unter seinem Ohr seinen Hals berühren und dachte, er müsse vergehen. So was gehörte verboten! Als Draco leicht anfing, ihn zu beißen, wurde Harry bewusst, was er vorhatte und entzog sich ihm. Das heißt, er versuchte es, aber da Draco auf seinem Schoß saß, hatte er nicht wirklich viel Spielraum.
„Lass das“, sagte Harry schließlich, als ihm nichts besseres einfiel.
„Was?“, fragte Draco, während er noch etwas fester zubiss.
„Au! Das!“, Harry hatte eine Gänsehaut bekommen und schob ihn von sich weg, bis Draco beinahe von seinem Schoß gerutscht wäre. Im letzen Moment hielt Harry ihn fest und Draco legte einen Arm um seinen Hals. Dann zog er ihn zu einem Kuss wieder zu sich heran. Harry seufzte.
„Du bist fies“, meinte er, als Draco wieder zu seinem Hals wanderte.
„Du wehrst dich ja nicht!“, Draco hob die Schultern und sah ihn unschuldig an.
„Oh, na warte nur!“, Harry zog Draco zu sich, um ihn ebenfalls in den Hals zu beißen, doch der hatte das anscheinend schon vorausgeahnt und lehnte sich nach hinten, sodass Harry nicht an ihn herankam. Dadurch verloren sie allerdings beide das Gleichgewicht und landeten ziemlich unsanft auf dem Boden. Harry lies sich dadurch nicht abhalten, jetzt konnte Draco sich wenigstens nicht mehr wehren, da er auf ihm lag.
Als sie nach einer ziemlichen Rauferei wieder vom Boden hochkamen und Harry auf die Uhr sah, entfuhr ihm ein „Scheiße!“
„Hä?“, machte Draco ziemlich intelligent und versuchte, seine Haare wieder in Ordnung zu bringen. Bei ihm klappte das um einiges besser, als bei Harry.
„Zaubertränke beginnt gleich, und ich muss noch in den Gemeinschaftsraum!“, Harry setzte seine Brille wieder auf, die Draco ihm irgendwann vorsichtshalber abgenommen hatte und ging zur Tür. Draco folgte ihm. Bevor Harry gehen konnte, hielt er ihn zurück.
„Du hast was vergessen“, meinte er.
„Hä, was?“, fragte Harry, der es ziemlich eilig hatte und sah sich um. Dann kamen Dracos Lippen in sein Blickfeld und er küsste ihn kurz.
„Ich…“, kopfschüttelnd und entsetzt darüber, was er gerade hatte sagen wollen, verschwand Harry aus der Tür und rannte durch das Schloss in den Gryffindorturm.
Ron und Hermine warteten schon vor dem Portrait auf ihn. „Wo warst du denn?“, Hermine hielt ihm sein Buch für Zaubertränke hin und sie eilten wieder hinunter in die Kerker. Eigentlich hätte Harry sich den Weg sparen können.
„Und was hast du… nein!“, Ron wies auf Harrys Hals, an dem anscheinend schon wieder ein Liebesbiss prangte.
„Das ist ja wie im Kindergarten“, Hermine schüttelte den Kopf und zückte ihren Zauberstab. „Bis morgen kannst du diesen Zauber.“
“Ok“, Harry grinste über Rons Fassungslosigkeit und darüber, wie resigniert Hermine war.
„Du warst doch nicht mal ne Dreiviertelstunde weg“, Ron schüttelte noch immer den Kopf, als sie das Klassenzimmer von Snape betraten, fast gleichzeitig mit Draco, der ziemlich abgehetzt aussah. Über Harrys Gesicht huschte wieder ein Grinsen, das würde er wohl heute nicht mehr so schnell wegbekommen.
„Hören sie auf, in der Gegend herum zu grinsen, Potter und machen Sie sich an die Arbeit!“, Harry hatte gar nicht bemerkt, dass Snape schon da war, und die Zutatenliste auch. An der Tafel, wie immer.
Heute würden sie einen Stärkungstrank brauen und durch Harrys Kopf geisterte eine Zeit lang der komische Gedanke, ob er und Draco den wohl mal notwendig haben würden. Schließlich zupfte Ron ihn aber am Ärmel und wies auf den blonden Slytherin, der wie immer in der ersten Reihe saß. Gerade hatte er den Kopf etwas zur Seite geneigt, um eine Zutat abzuwiegen und so konnte man ohne viel Mühe, einen Knutschfleck erkennen. Nein, es war nicht irgendein Knutschfleck. Es war Harrys Knutschfleck! Der erste, den er jemals im Leben gemacht hatte, um genau zu sein und Harry konnte nicht umhin, er war wieder stolz. Gleichzeitig dachte er sich, was Ron und alle anderen wohl denken würden. Malfoy und ein Knutschfleck? Passte das zusammen? Aber da Hermine seine ,mittlerweile schon zwei, abgedeckt hatte, konnte da zum Glück niemand etwas in Verbindung bringen.
Als sie in der Pause wieder aus dem stickigen Kerker flüchteten, hörte Harry Mark zu Draco sagen: „Draco verdammt, wo hast du den Knutschfleck her? Hast du wieder was mit Pansy?“
„Was?“, Draco griff sich an den Hals. Oje, hatte er es wirklich nicht bemerkt? Dann legte sich sein Schock und ein angewiderter Ausdruck machte sich in seinem Gesicht breit. „Igitt“, er schüttelte sich. „Nie wieder hab ich was mit der! Und wenn, das würde ich sie sicher nicht machen lassen!“ Sein Blick flackerte für einen einzigen kurzen Augenblick zu Harry, der ihn genauso kurz erwiderte und dann glücklich grinsend zu Boden sah. Jaja, das durfte eben nur er. Dann schüttelte er den Kopf. So ein Schwachsinn. Sie waren ja nicht mal zusammen. Da war nichts, was ihm auch nur das Recht auf irgendetwas gab. Leider. Resigniert ging Harry wieder zurück in den Kerker, es hatte geläutet.
Draco kam nur kurz nach ihm in den Klassenraum zurück und Harry verfolgte gespannt jede seiner Bewegungen zurück zu seinem Platz. In ihren Kesseln hatte es unterdessen genug weiter geköchelt, um die letzte Zutat hinzuzufügen. Kalbszunge. Harry schüttelte sich und auch den meisten Mädchen ging es nicht anders. Er war froh, als sein Trank die gewünschte Färbung angenommen hatte, was das Zeichen dafür war, dass er fertig war. Doch zu denken, Snape wäre damit zufrieden, dass Harry seinen Trank in einer der Probe-Phiolen bei ihm ablieferte, wäre falsch gewesen. Einige der Slytherins, was Harry stark wunderte “ anscheinend waren sie doch nicht so klug, wie sie immer taten “ waren noch nicht ganz fertig. Snape wies deshalb die, die schon fertig waren an, ihnen doch zur Hand zu gehen, was sich als Wurzelhacken und Schlangenzähne zerstoßen herausstellte. Für Harry allerdings hatte er sich das Beste ausgesucht. Der durfte doch tatsächlich die Kalbszunge für Mr. Malfoy holen und das erste Mal seit Tagen, war er ein bisschen sauer auf Draco. Vor allem, als er das Grinsen sah, dass natürlich, oder besser gesagt “ hoffentlich “ nicht echt war. Dennoch war es da und das störte Harry gewaltig. Missmutig ging er zu Snapes Schreibtisch auf dem die Kalbszungen, eingelegt in irgendwelche Gläser, standen und kam dabei an Hermine vorbei, die mit finsterer Miene Goyles Kessel neu anheizte. Bei Snape angekommen, nahm Harry das Glas vom Tisch, ohne seinem Zaubertränkelehrer eines Blickes zu würdigen, ging zu Draco und stellte es unsanft auf seinem Tisch ab.
„Bitteschön“, murrte Harry leicht gezwungen und wollte schon wieder auf seinen Platz verschwinden, als er merkte, wie Draco einen kleinen zusammengefalteten Zettel über seinen Tisch schob. Zum Glück war sein Ärmel lang genug, sodass er ihn darunter verschwinden lassen konnte.
„Danke, Potter“, sagte Draco zuckersüß und lies seinen Blick zu dem Gryffindor flattern, der ihn kurz erwiderte. Dann machte Harry schleunigst, dass er zu seinem Platz zurückkam, bevor Snape noch auf weitere hilfreiche Ideen kommen konnte.
Als er in der Bank saß, sah er sich kurz vorsichtig um, doch alle schienen beschäftigt zu sein. Harry faltete den Zettel auf und erkannte sofort Dracos Schrift.

Komm nach dem Essen zum See, ich muss mit dir reden.

Sonst nichts. Harry blinzelte zu Draco und wieder zurück auf den Zettel. Was war los? Draco sah nicht auf, er war gerade damit beschäftigt, mit einem ziemlich angewiderten Blick die Zunge aus dem Glas zu fischen. Harry trommelte mit den Fingerspitzen auf den Tisch und wartete. Wartete, bis es endlich läutete, er zum Essen konnte ,um dann zum See zu verschwinden. Die Zeit verstrich und irgendwann fiel ihm ein, dass er den Zettel noch immer in der Hand hatte. Er zerriss ihn in kleine Fetzen und warf sie in den letzten Rest Feuer, der noch immer unter seinem Kessel brannte. Dann klingelte es und er war einer der Ersten, der aus der Klasse stürmte.
Ungeduldig wartete er um die Ecke auf Ron und Hermine, die erst einige Augenblicke später auftauchten.
„Harry!“, Hermine blieb außer Atem neben ihm stehen und sah ihn vorwurfsvoll an. „Wegen dir hat Snape uns Punkte abgezogen!“
„Was?“, Harry sah sie und Ron verwirrt an. „Wieso?“
„Er hat gerade angefangen, die Hausaufgaben an die Tafel zu schreiben, als es geläutet hat und du raus gerannt bist!“ Hermine schüttelte den Kopf und drückte ihm ein Stück Pergament in die Hand. „Hier sind sie… waren ja nur fünf Punkte.“
“Und da kannst du froh drüber sein!“, setzte Ron noch eins drauf. „Wohin wolltest du?“
„Zum Essen“, sagte Harry wahrheitsgetreu. „Hab Hunger.“ Das stimmte nicht mehr so ganz. Seit Dracos Nachricht, war ihm der Appetit etwas vergangen. Was wollte er nur?
„Klar, Hunger“, Hermine grinste. „Wohl eher auf weitere Knutschflecken, was?“
Harry starrte sie an. Was war denn mit seiner Freundin los? So nachsichtig hatte er sie ja selten, wenn nicht sogar noch nie erlebt !
„Klar“, machte er so nur, nahm das Pergament, dass sie noch immer in der Hand hatte und übernahm die Führung in die große Halle. Hinter sich konnte er Ron immer wieder grummeln hören und Hermine, die beruhigend auf ihn einredete. War schon seltsam.
Endlich am Gryffindortisch angekommen, nahm er sich sofort ein paar Bratkartoffeln und zwei Würstchen. Das würde er jetzt essen, egal was war. Das Problem war nur, dass nach dem zweiten Bissen, Draco ebenfalls in die große Halle kam und es Harry so ziemlich erschwerte, vernünftig weiter zu essen. Trotzdem zwang er sich dazu, den Slytherin nicht anzusehen und als sein Teller endlich leer war, war Harry schlecht. Ob vor Aufregung oder weil er einfach zu viel gegessen hatte, wusste er nicht.
Schließlich hielt Harry es nicht mehr aus. Als er aufsprang, war Ron gerade erst mal beim zweiten Hauptgang. Trotzdem murmelte er ein mürrisches „Viel Spaß“, und Harry grinste ihn an. Vielleicht sah er es ja bald mal ein.
Dann verschwand er aus der Halle, verlies das Schloss und machte, dass er zum See kam. Natürlich war Draco noch nicht da und es würde wohl auch noch ein Weilchen dauern, bis er auftauchen würde. Wäre ja auch viel zu auffällig, wenn er gleich nach Harry die Halle verlassen hätte, obwohl Harry das bei Draco sicher schon ein paar Mal gemacht hatte, wie ihm gerade einfiel. Um nicht verloren in der Gegend rum zu stehen, kramte er in den Tiefen seines Umhangs nach Zigaretten, fand sie und zündete sich eine an. Als er wieder aufsah, konnte er Draco erkennen, der mit wehendem Umhang vom Schloss herunterkam. Anscheinend hatte er nicht viel Zeit verstreichen lassen um Harry zu folgen.
„Das ging aber schnell!“, sprach Harry seine Gedanken aus, dann wurde er wieder ernst. „Was ist los?“
Draco sah ihn beunruhigender Weise, mit funkelnden Augen an.„Nichts“, sagte er dann schlicht und zog Harry an sich. Der war so überrumpelt, dass er seine Zigarette fallen lies und sein Gehirn erst zu protestieren anfing, als Draco den Kuss beendete.
„Nichts?“, wiederholte der Gryffindor dann leicht atemlos.
„Nichts“, bestätigte Draco. „Ich wollte mich nur dafür rächen, dass du mir einen Knutschfleck gemacht hast. Wie konntest du nur?“
“Was?“, Harry schluckte die Wut, die in ihm aufsteigen wollte, hinunter. „Du hast mir schon zwei gemacht!“ Fiel ihm nichts besseres ein?
„Ja und?“, Draco schüttelte den Kopf. „Du bist auch nicht ich.“
“Was soll denn das wieder heißen?“, fragte Harry perplex.
„Das heißt, dass sich morgen die ganze Schule das Maul darüber zerreißt, woher “ oder besser gesagt: von wem - Draco Malfoy einen Knutschfleck hat!“
„Na und? Du hast doch schon so viele Affären gehabt, da fällt eine doch auch nicht ins Gewicht!“, ups… was sollte denn das?
„Von denen wusste aber kein Mensch was!“, sagte Draco leicht aufgebracht und kramte in seinem Umhang nach Zigaretten. Als er sie gefunden hatte, zündete er sich eine an.
Harry tat unterdessen dasselbe. Dann standen sie sich für einen Moment schweigend gegenüber.
„Hör mal, ich will einfach nicht, dass irgendwelche Gerüchte aufkommen, die nicht wahr sind“, versuchte Draco schließlich zu erklären. „Aber mit nem Knutschfleck…“
Harry lies die Schultern sinken. Draco hatte ja recht. „Sorry“, murmelte er und sah auf den Boden.
„Ich bin ja selbst schuld, wenn ich nicht in den Spiegel gucke, bevor ich weggehe“, winkte Draco ab.
Harry grinste schwach. Da hatte er allerdings recht.
„Und außerdem hätte ich gerne, dass die Gerüchte wahr sind, die über mich kursieren“, fügte Draco hinzu. Harry glaubte, seinen Ohren nicht zu trauen. „Nur leider geht das nicht.“
“Wieso?“, fragte Harry glatt und hätte sich am liebsten selbst geschlagen.
„Wieso…“, äffte Draco ihn nach. „He, Draco Malfoy ist schwul, wusstest du das?“
„Du bist schwul?“, Harry hob eine Augenbraue.
Draco öffnete schon den Mund um etwas zu sagen, dann schien er es sich allerdings anders zu überlegen. Mit einem kräftigen Ruck zog er Harry zu sich heran und küsste ihn etwas schonungsloser, als er es sonst zu tun pflegte. Als er ihn wieder freigegeben hatte, sah er Harry in die Augen. „Du etwa nicht?“
Harry versuchte sein wie wild klopfendes Herz und seinen kribbelnden Bauch zu ignorieren als er meinte: „ Was hat das damit zu tun?“
„Ach…“, Draco lies ihn resigniert los und wollte sich schon umdrehen, doch Harry hielt ihn fest.
„He…“
„Was, he?“, Draco funkelte ihn an. „Eigentlich wollte ich vorher nur ein ganz kleines bisschen gemein zu dir sein “ du weist schon, wegen dem Knutschfleck und so - aber du meinst gleich einen riesen Streit hier vom Zaun brechen zu müssen!“
„Wer fängt denn mit der ganzen Scheiße an?“, fragte Harry fassungslos.
„Na, ich sicher nicht“, sagte Draco und zog an seiner Zigarette.
„Nein, du doch nicht“, machte Harry ironisch. „Zuerst bestellst du mich hierher, als ob weis Gott was passiert wäre, dann regst du dich über diesen klitzekleinen Knutschfleck auf und dass man das Draco Malfoy ja nicht antun kann, Gerüchte über ihn in Umlauf zu bringen… Und dann auch noch diese Scheiße, ob ich schwul bin!“
“Ja, bist du doch, oder?“, schnaubte Draco.
„Nein! Das heißt, woher soll ich das wissen?“, Harry rang die Hände. „Nur weil ich was mit dir habe, muss ich noch lange nicht schwul sein, und auch wenn’s so wäre, wär’s mir scheißegal. Wieso ist das so wichtig für dich?“
“Weil… ach, das verstehst du ja sowieso nicht“, Draco schüttelte entschlossen den Kopf. Nicht entschlossen genug für Harry.
„Was verstehe ich nicht?“, bohrte er nach.
„Dass… Merlin, ist dein Gedächtnis wirklich so im Eimer?“, fragte Draco und Harry begann angestrengt zu grübeln. Doch was meinte er?
„Kannst du dich nicht mehr daran erinnern, als ich zu dir gesagt habe, dass ich mich, glaube ich…in dich verliebt habe?“, half Draco ihm auf die Sprünge und Harry lief ein heißer Schauer über den Rücken als er daran dachte. Wie lange war das her? Eine Woche?
„Du hast gesagt verknallt“, sagte er nach einer stillen Weile.
„Ist doch das selbe“, meinte Draco achselzuckend, doch Harry schüttelte zu seinem Erstaunen den Kopf.
„Nein, ist es nicht. In Cho war ich verknallt, aber…“, er sah in Dracos graue Augen, die heute Aussahen wie funkelndes Quecksilber und schluckte. Das konnte nicht sein, er konnte sich doch nicht in Draco Malfoy…
„Was aber?“, Draco holte ihn in die Realität zurück.
„In dich… in dich… bin ich…“, in Harry protestierte etwas gewaltig, etwas anderes schrie nach Erlösung. „Mann, ich hasse dich, echt.“
Draco stutzte kurz, dann grinste er. „Dachte ich mir, Potter.“
„Was sonst“, sagte Harry achselzuckend. Die Räder in seinem Gehirn liefen auf Hochtouren. Fast hätte er Draco gerade gesagt, dass er in ihn verliebt war. Verliebt! Wie konnte er nur? Zum Glück hatte er es nicht getan… zum Glück. Doch Draco wusste es doch sowieso längst, konnte ja auch nicht anders sein.
Harry schlang seine Arme um sich. Langsam wurde ihm…
„Kalt?“, fragte Draco in diesem Moment, als ob er Harrys Gedanken erraten hätte.
„Nee, mir macht’s nur Spaß zu zittern“, gab Harry etwas schroff zurück.
„Ach so“, machte Draco und legte dann seine Arme um Harry, den sofort eine Welle der Wärme durchströmte. „Besser?“
„Hm…“, Harry nickte und schmiegte seinen Kopf an Dracos Schulter. Wieso hatte er es ihm nicht gesagt? Wieso war er so feige? Und wieso musste Draco sich nur so gut anfühlen, wieso musste er so… lieb zu ihm sein? Das war doch nicht der Draco Malfoy, den er kannte!
„Draco“, murmelte Harry schließlich in dessen Umhang. „Wieso hast du dich über die Ferien so verändert?“
„Du meinst, außer der Geschichte mit meinem Vater?“, fragte der Slytherin und brachte etwas Abstand zwischen sie. Harry bereute es sofort, ihn gefragt zu haben, denn jetzt war ihm wieder kalt.
„Ja“, sagte er so nur und überlegte, ob er sich wieder eine Zigarette anzünden sollte. Ob es in Hogsmeat Zigaretten gab, die einen wärmten? Wohl kaum. Dann besann er sich wieder auf seine Frage zurück, da Draco noch immer nicht geantwortet hatte. „Ich mein, das kann doch nicht der einzige Auslöser gewesen sein, oder?“
Draco nickte langsam. Dann sah er Harry an. „Im Tagespropheten war ein Artikel über einen Todesserangriff auf ein schwules Paar. Sie haben sie zu Tode gefoltert.“
“Oh“, machte Harry nur und kam sich ziemlich blöd dabei vor. Dann sagte er: „Ich krieg den Tagespropheten nicht.“
“Kann ich mir denken, bei den Muggeln“, lächelte Draco schwach. „Naja, das hat mich irgendwie geschockt, ich weis auch nicht, warum.“
„Wieso?“, fragte Harry. „Da warst du doch noch gar nicht… ich meine… da wolltest du doch noch gar nichts von mir…oder?“
Draco zuckte mit den Schultern und Harry beschloss, dass es jetzt doch an der Zeit war, noch eine zu rauchen. „Keine Ahnung…“, machte Draco schließlich. „Vielleicht hab ich mir kurz gedacht: Was wäre, wenn ich… und dann hab ich überhaupt zu grübeln angefangen…“
„Interessant“, meinte Harry und musste ein Grinsen stark unterdrücken.
Draco entging das nicht. „Wieso wolltest du denn auf einmal was von mir, hm?“, fragte er und Harry hatte irgendwie mal wieder das Gefühl, dass das Gespräch in die falsche Richtung ging. Allerdings hatte er sich das ja auch schon oft gefragt.
„Weis nicht…“, fing er an. „Du warst so anders... überhaupt nicht mehr gemein, ich mein, schon noch, aber… anders eben…“ Draco verstand sicher kein Wort von dem, was er da von sich gab. „Und dann immer diese zweideutigen Anspielungen…!“, Harry schüttelte den Kopf.
„Oja, das war gut, was?“, Draco sah ganz vergnügt aus.
„Ach“, sagte Harry nur beiläufig. Dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. „Du hast das alles absichtlich gemacht?!“
„Klar“, machte Draco verblüfft. „Was dachtest du denn?“
“Was?“, Harry hustete, als er den Rauch zu tief einatmete. „Das heißt, du hast mich gar nicht gemocht, du…?“ Er rang nach Worten. Das war jetzt aber nicht wahr, das durfte doch nicht…
„Wer sagt das denn?“, an Dracos Gesichtsausdruck konnte Harry sehen, das dem wirklich nicht so war und ein Stein fiel ihm vom Herzen. „Glaubst du wirklich, dass ich so “ na ja sagen wir mal: nett “ zu dir hätte sein können, wenn ich dich noch gehasst hätte?“ Das klang irgendwie logisch und so schüttelte Harry langsam den Kopf.
„Eben. Ich wollte einfach rausfinden, ob du mich auch immer noch nicht ausstehen kannst, wenn ich netter zu dir bin“, erklärte Draco.
„Und was ist mit diesen ganzen Anspielungen?“, fragte Harry nun, da er fürs erste mal beruhigt war.
„Ach die…“, Draco zuckte unschuldig mit den Schultern. „Die sind einfach so… passiert…. Vielleicht, weil ich da eben auch drüber nachgedacht habe, und…“
“Du hast über mich und dich nachgedacht?“, Harry wurde immer perplexer.
„Naja…“, konnte es sein, dass da ein Hauch von Rosa auf Dracos Wangen erschien? „Irgendwann hab ich bei meinen Überlegungen über den ganzen Kram “ du weist schon “ eben auch mal an dich gedacht… Aber geplant hab ich das ganze nicht.“
„Na wenigstens etwas“, murmelte Harry ironisch. „Und wieso ist es dann passiert?“
“Was?“
“Das mit uns…“
Draco sah Harry an und zuckte mit den Schultern. Dann huschte ein kleines Lächeln über seine Lippen und er machte einen Schritt auf Harry zu. „So eben…“, flüsterte er, bevor er Harry einen schmetterlingsgleichen Kuss gab, der seine Lippen kaum berührte. Fast so war es gewesen, als sie sich das erste mal… Naja, eigentlich hatte Draco Harry geküsst “ aber fast so war es gewesen. Nur wusste Harry jetzt, dass er mehr davon bekommen konnte. Mit einem schwachen Seufzen zog er Draco näher zu sich heran, so nah, wie es nur irgend ging und küsste ihn. Küsste ihn, bis die Sonne wieder aufging “ jedenfalls kam es ihm so vor. Dem war natürlich nicht so, trotzdem hatte Harry das Gefühl, dass ziemlich viel Zeit vergangen sein musste, bis sie sich wieder voneinander trennten, jedenfalls so weit, dass Draco sich eine Zigarette anzünden konnte. Rauchend setzte er sich ins Gras und Harry lies sich dicht neben ihm nieder. Eigentlich gab es ja noch so viele Fragen, die er an Draco hatte “ und sie würden auch so schnell nicht aufhören “ aber im Moment genoss er das hier einfach zu sehr. Dabei saßen sie doch eh nur im Gras, am Seeufer und Draco hatte einen Arm um Harry gelegt. Das war es wahrscheinlich, was ihm an dieser Situation so gut gefiel.
Draco hielt ihm seine Zigarette unter die Nase. „Willst du?“ Harry zog daran und bildete sich anschließend ein, Draco zu schmecken, und nicht die Zigarette. So ein Schwachsinn. Er zündete sich selber eine an und beobachtete Draco dann von der Seite, wie er es so oft tat.
Eigentlich sah er ja verboten gut aus. Dasselbe schien er im Moment auch zu denken, denn ein Lächeln erschien auf seinen Lippen und er drehte sich zu Harry.
„Starrst du mich öfter so an?“
„Was?“, Harry fühlte sich ertappt.
„Ich kann dich im See sehen“, sagte Draco und deutete auf die spiegelnde Oberfläche. Harry sah hinein und Draco machte ihm Hasenohren.
„He!“, er ergriff seine Hand, zog sie von seinem Kopf weg und lies sie nicht mehr los. Draco verschränkte seine Finger mit denen Harrys und sah ihn an.
„Sag mal, von wem hast du eigentlich deine Augen?“
Harry senkte kurz den Blick, dann zwang er sich, Draco wieder anzusehen. „Von meiner Mutter… sagt jedenfalls jeder.“
Draco nickte andächtig.
„Und du?“, fragte Harry. Wenn sie schon mal dabei waren.
„Auch von meiner Mutter“, Dracos Blick trübte sich etwas. „Ich frag mich, wies ihr gerade geht…“
Diesmal war es Harry, der langsam nickte. Er fragte sich, was besser war: Lebendige Eltern, von denen der Vater in Askaban war und die Mutter ein nervliches Wrack… oder tote Eltern. Schließlich kam er zu dem Schluss, dass nichts davon besser war, als das andere. Vorsichtig streichelte er mit dem Daumen über Dracos Handrücken, der gedankenverloren auf den See hinaus starrte.
„Was glaubst du, macht deine Mutter jetzt?“, Harry wusste, dass das Draco auf keinen Fall ablenken würde, aber vielleicht wollte er ja darüber reden.
Er zuckte mit den Schultern und lies sie dann hängen. „Wahrscheinlich betrinkt sie sich.“ Harry war geschockt über die Gleichgültigkeit in Dracos Stimme, die es trotz aller Bemühungen nicht schaffte, den Schmerz zu überdecken, der nur zu deutlich mitschwang.
Harry schluckte. „Hast du einen Brief von ihr bekommen? … In letzter Zeit mein ich.“
„Nein“, Draco schüttelte den Kopf. „Aber ich weis eh, dass sie schreiben würde, dass es ihr gut geht… Und dass ich mir keine Sorgen zu machen brauche… Sie würde auch schreiben, dass ich nicht zum nächsten Todessertreffen gehen soll, obwohl sie genau weis, dass ich hingehen werde… weil sie sie sonst… aber manchmal denke ich mir auch, es wäre ihr lieber…“ Draco schluckte, doch sein Blick ruhte weiterhin auf der schillernden Wasseroberfläche des Sees. Harry sah weg, damit er blinzeln konnte, und erkannte aus den Augenwinkeln, wie Draco sich über die Augen wischte.
Dann sah er ihn wieder an. „Du wirst wirklich hingehen?“
„Glaub nicht, dass ich mich darum reiße“, sagte Draco mit leicht rauer Stimme. „Ehrlich gesagt ist es das letzte, was ich auf Erden tun würde… aber ich kann einfach nicht…ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, keine Eltern mehr zu haben…“ Er sah Harry an, mit vorsichtig fragendem Blick.
„Es ist Scheiße“, hörte Harry sich sagen. „Vor allem wenn man bei Muggeln aufwächst, die einen auf den Tod nicht ausstehen können, weil du ein Zauberer bist… es ist Scheiße, wenn man elf Jahre lang in einem Schrank unter der Treppe leben muss, ohne eine Ahnung davon zu haben, wer oder was man eigentlich ist. Und es ist Scheiße, wenn man erfährt, dass sie von Voldemord ermordet wurden, nur um einen zu schützen, anstatt bei einem Autounfall… Und es ist absolut Scheiße, wenn das einzige, was man von ihnen hat blöde grinsende und winkende Fotos sind.“ Harry atmete tief durch, konnte Dracos erstaunten und entsetzten Blick sehen.
„Du hast in einem Schrank gelebt? … Und sie haben dir erzählt, dass sie durch einen Autounfall…?“, Draco schnappte hörbar nach Luft und Harry nickte nur finster. „Solche…“ Die Hand des Slytherin ballte sich zwischen Harrys Fingern zu einer Faust und er sah ihn erstaunt an.
Dann winkte er ab. „Ist nicht so schlimm…“
“Nicht so schlimm?“, brauste Draco auf. „An deiner Stelle würde ich Voldemord bis in den hintersten Winkel der Hölle verfolgen und diese miesen, schäbigen Muggel…“
“Halt dich zurück“, sagte Harry scharf. „Hass bringt mich nicht weiter und dich übrigens genauso wenig.“
Draco sagte nichts, doch nach einer Weile schien er sich wieder beruhigt zu haben. „Vermisst du deine Eltern?“, fragte er schließlich.
Harry schüttelte den Kopf. „Ich vermisse es, überhaupt Eltern zu haben, jemandem, mit dem ich reden kann, wo ich mich zu Hause fühle… aber meine Eltern hab ich nie gekannt… also kann ich sie gar nicht wirklich vermissen…“, oh wie weise, dachte Harry resigniert und stellte noch resignierter fest, dass er eigentlich recht hatte. Schon traurig. Auf einmal konnte er Draco verstehen… An seiner Stelle würde er auch ein Todesser werden, nur um seine Eltern, oder wenigstens seine Mutter zu schützen… wenigstens hatte Draco noch eine.
Harry war froh, dass Draco nichts sagte. Erst jetzt wurde ihm schmerzlich bewusst, dass sie beide nicht grade sonderlich viel Glück hatten. Jeder auf seine Weise.
Nach einer ziemlich langen Weile des Schweigens zündete Draco sich wieder eine Zigarette an und stand auf. Harry sah ihn fragend an.
„Kommst du mit zum Verbotenen Wald?“, fragte Draco. „Ich hab so das ungute Gefühl, dass es vielleicht noch ein paar Leute hier raus zieht… bei dem Sonnenuntergang…“ Harry folgte seinem Blick zur blutroten Sonne, die knapp über dem See stand.
„Hast recht“, Draco zog ihn auf die Beine und Harry folgte ihm hinunter zum Wald. Um Hagrids Hütte machten sie einen großen Bogen und erst als sie ein paar hundert Meter davon entfernt waren, wagte Harry es, Dracos Hand zu nehmen.
Die untergehende Sonne schien durch die Baumwipfel hindurch und tauchte Dracos sonst so silbriges Haar in eine warmes Gold. Harry konnte mal wieder die Augen nicht von ihm lassen, erst als Draco sich bückte, stutzte er.
„Was machst du denn?“, Draco hatte sich wieder aufgerichtet und hatte etwas in der Hand, was Harry nicht sehen konnte. Er zog den Gryffindor an sich heran und fummelte an seinen Haaren herum. Dann lachte er. „Was machst du da?“, wiederholte Harry seine Frage, doch Draco kicherte noch immer.
„Deine Frisur verschönern“, meinte er schließlich und sah Harry prüfend an.
„Welche Frisur?“, Harry dachte resigniert an seine strubbeligen Haare und dann an Dracos. Wie schaffte der es nur, dass seine Haare immer so geschniegelt aussahen “ ganz ohne dieses widerliche Gel, dass er früher immer verwendet hatte?
„Na die!“, Draco zückte seinen Zauberstab und murmelte ein paar Worte. Dann flimmerte es in der Luft vor Harry kurz auf und eine spiegelnde Fläche erschien. Harry machte zuerst nur große Augen, dann zupfte er sich das Gänseblümchen hinter dem Ohr hervor, das Draco dort platziert hatte und sah es an. Unerklärlicherweise hatte er plötzlich einen Kloß im Hals.
„Was ist? Hat dir die Frisur nicht gefallen?“, fragte Draco und wischte sich die ersten Spuren von Lachtränen aus den Augen.
Harry sah auf. „Du bist ja so witzig“, er zog Draco zu sich heran und versuchte, dass Gänseblümchen in seine Haare zu stecken. Doch sie waren einfach zu fein, kein Gel, nichts. „Pf, dann eben nicht“, er steckte die Blume in seine Tasche und sah dann Draco wieder an. „Wolltest du nicht in den Wald?“ Sie waren schon eine ganze Weile ohne es zu merken, am Rand des Waldes entlanggelaufen, ohne ihn wirklich zu betreten.
„Ach so… ja“, Draco lugte zwischen ein paar Bäumen hindurch.
„Es ist ja noch nicht dunkel“, versuchte Harry ihn zu beruhigen.
„Als ob ich Angst hätte“, Draco schüttelte den Kopf und machte einen Schritt in den Wald hinein. Zum Glück, denn so konnte er Harrys Grinsen nicht sehen.
Der sonst so schummrige Wald schien im Licht der Sonne noch einmal aufstrahlen zu wollen “ Harry erkannte ihn gar nicht wieder. Auch Draco schien seine sonstige Befangenheit verloren zu haben. Kaum waren sie ein paar Meter gegangen, blieb er nämlich stehen und wartete, bis Harry bei ihm angelangt war. Dann nahm er sein Gesicht vorsichtig in seine Hände und sah ihn an.
Harry starrte zurück. Warum war ihm dieses bestimmte etwas, dieses Funkeln und Blitzen in Dracos Augen nie aufgefallen? Vielleicht weil er sich nie die Mühe gemacht hatte, seinen Erzfeind genauer zu betrachten.
„Harry…“, noch ehe sein Name Dracos Lippen ganz verlassen hatte, knackte es hinter ihnen im Unterholz.
„Schei…!“, fing Harry lautlos an und Draco legte ihm die Hand auf den Mund. Dann sahen sie sich panisch an. Vor ihnen stand ein großer Baum, hinter den Harry Draco zog, dann waren sie mucksmäuschenstill und lauschten.
„Und wo soll das bitteschön sein?“, Harry stieg die Hitze ins Gesicht, als er Rons genervte Stimme erkannte.
Noch schlimmer wurde es, als Hermine sich auch noch zu Wort meldete. „Hat die Fee doch gesagt, dass dauert noch ne Weile!“
Harrys Herz klopfte schnell und er drückte sich nahe an Draco, als seine beiden Freunde an dem Baum vorbeigingen, hinter dem sie sich versteckten. Der Slytherin lies erleichtert seinen Kopf auf Harrys Schulter fallen, als Rons Gebrummel allmählich im Geäst verklang.
„Merlin, das war knapp!“, er schüttelte fassungslos den Kopf und Harry lies sich am Baumstamm entlang nach unten auf den Waldboden sinken. Er nickte nur stumm. Um ein Haar hätten ihn seine Freunde entdeckt, nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn…
„Wo wollten die denn eigentlich hin?“, fragte Draco in diesem Moment und hockte sich neben Harry.
„Keine Ahnung“, er hob die Schultern. „Hermine hat irgendwas von einer Stelle im Wald geredet, die ihnen eine Fee verraten hat… anscheinend will sie da Ron jetzt hinschleppen“, matt lies er die Schultern wieder sinken und stütze den Kopf in seine Handflächen.
„Was ist denn los?“, in Dracos Stimme schwang die Spur von Besorgnis mit.
„Was, wenn die uns entdeckt hätten?“, Harry sah Draco an.
„Haben sie ja nicht“, Draco setzte sich neben ihn. „Und wenn “ wir haben ja nichts gemacht… wir hätten so tun können, als würden wir uns streiten…“
“Will ich aber nicht“, Harry merkte, wie trotzig seine Stimme klingen musste. „Ich will mich nicht verstecken müssen.“
Draco seufzte auf, als würde er sich denken: nicht das schon wieder! Doch er streichelte Harry nur vorsichtig über den Rücken und küsste ihn dann auf die Schläfe. „Ich will da gar nicht drüber nachdenken.“ Das war eine Feststellung, die keine weiteren Diskussionen oder Widersprüche mehr zuließ. Vielleicht besser so.
Harry schmiegte sich unbewusst an ihn, bis Draco ihn von sich schob und meinte: „He, wollen wir gucken, wo Weasley und Granger hin sind?“
Harry protestierte bei Rons und Hermines Nachnamen gar nicht mehr, zuckte nur mit den Schultern. „Wir wissen ja nicht mal, in welche Richtung sie gegangen sind.“
Über Dracos Gesicht huschte ein schelmisches Grinsen, dann zückte er seinen Zauberstab und flüsterte: „Sucre!“, doch nichts geschah. Leicht skeptisch sahen sie sich um.
Bis ein „Hallo!“, von Dracos Kopf ertönte und fast augenblicklich ein grünes Wesen darauf sichtbar wurde.
„Wieso, muss sich nur alles immer auf meinem Kopf niederlassen?“, murmelte Draco, als die Fee auf seine Hand sprang, um sich mit Zucker voll zu stopfen. Harry unterdrückte ein Lachen und sah dann die Elfe an.
„Sag mal, hast du letztens irgendwem was über eine… bestimmte Stelle im Wald hier erzählt?“
Die Fee sah mit vollen Backen auf. „Hm? Wem?“, nuschelte sie, wie Ron es immer tat, wenn er den Mund voll hatte, und blickte sich um. Dann schüttelte sie den Kopf.
Harry war schon fast erleichtert, es wäre ja auch wirklich Zufall gewesen, wenn sie genau die Fee gefunden hätten, die Ron und Hermine von der Stelle erzählt hatte.
Als kein Zucker mehr übrig war, Harry wog den Verdacht ab, ob sie wohl so was wie Hamsterbacken hatte, machte die Fee es sich auf Dracos Hand gemütlich.
„Es gibt aber so eine Stelle…“, sagte sie nickend und über Dracos Gesicht huschte ein triumphierender Ausdruck. „…allerdings verraten wir die nur gaaanz doll verliebten Liebespaaren!“ vollendete sie den Satz.
Harry und Draco sahen sich an.
„Wir sind doch…“, fing Harry schließlich an, doch er konnte nicht weiter sprechen.
„…ein ganz doll…“, Draco wollte ihm wahrscheinlich helfen, doch auch er stockte.
Harry sah zu Boden. „…verliebtes Liebes…“, er schüttelte innerlich den Kopf.
„…paar, so, zufrieden?“, Harry bemerkte, dass Draco zum ersten mal im Leben wirklich feuerrot im Gesicht war, was ihn selbst wahrscheinlich bei weitem nicht übertraf.
„Ach, seid ihr das?“, Das Wesen musterte sie misstrauisch, dann schien ihm ein Licht aufzugehen. „Stimmt! Baumblatt hat mir von euch erzählt! Er hat euch mal gesehen…“
“Baumblatt?“, fragte Draco, der anscheinend wieder sprechen konnte, ohne rot zu werden. Überhaupt waren seine Wangen nur noch leicht rosa, wie Harry neidisch feststellte. Er fühlte sich noch immer, als hätte er gerade einen Zehn-Kilometer-Marathon hinter sich.
„Ein Freund von mir“, erklärte die Fee. „Der war letztens bei Hagrid und hat mir Zucker mitgebracht… lecker… jaaa… habt ihr noch mehr?“, sie sah die beiden mit großen bittenden Augen an.
„Wenn du uns sagst, wo diese Stelle ist… klar“, sagte Draco geschäftsmäßig und Harry musste grinsen.
„Ach so, ja…“, die Fee kratzte sich am Kopf. „Wie war das noch mal… Also ihr geht eine ganze Weile… eh von hier, ja… also eine ganze Weile geradeaus, bis ihr an einem großen Baumstumpf vorbei kommt… von da aus geht ihr dann ein bisschen rechts… so schräg, und dann kommt ihr zu einem großen, großen Felsen! Um den geht ihr herum und dann kommt ihr an einen Tunnel… durch den geht ihr durch, und dann…“, die Fee grinste von einem Ohr zum anderen, im wahrsten Sinne des Wortes. „Dann seid ihr da! Verrat euch aber nicht, was es ist! Zucker!“
„Jaja“, Draco wedelte mürrisch mit seinem Zauberstab und begrub die aufjauchzende Fee unter einem kleinen Zuckerhäufchen. Anscheinend hatte er von der Wegbeschreibung genauso viel verstanden wie Harry. Nämlich gar nichts.
„Na dann wollen wir mal“, meinte Harry, nachdem die Fee den Zucker in ihr Blättergewand geschaufelt hatte. „Noch mehr?“ Er sah die Fee an, die sich den Bauch rieb und den Kopf schüttelte.
„Neiiin, bin voll, aber herzlichen Dank!“, und mit einer kleinen Piourette war sie verschwunden.
Draco fixierte einen Augenblick stirnrunzelnd seine Hand, dann zuckte er mit den Schultern. „Solln wir…?“
„Klar! Also geradeaus…“, Harry schritt voran in den Wald, der doch allmählich düsterer wurde und langsam gefiel ihm die Idee ganz gut, Ron und Hermine zu bespitzeln. Dasselbe taten sie doch bei ihm auch!
Nach einer Weile, in der Draco langsam ungeduldig wurde, zückte Harry seinen Zauberstab, um den Weg zu erhellen.
„Glaubst du, wir haben den Baumstumpf verpasst?“, fragte Draco und war auf einmal dicht neben ihm. Er hatte ebenfalls seinen Zauberstab gezogen, da es nun schon sehr schummrig war.
„Glaub nicht“, Harry sah sich um. So dunkel war es auch wieder nicht. Wie, um ihn zu bestätigen, tauchte auf einmal ein ziemlich überdimensionaler Baumstumpf vor ihnen neben dem Weg auf. „Na, zufrieden?“
„Ausnahmsweise“, Draco nahm Harry am Ärmel und zog ihn mit sich. Der ärgerte sich ein wenig, da sie unter Dracos Führung schon nach wenigen Minuten an einem Felsen ankamen, den sie umrundeten und auch prompt den Tunnel fanden.
„Tadaaa“, Harry hätte Draco für sein selbstgefälliges Grinsen am liebsten eine rein gehauen, doch dafür schien der jetzt irgendwie keine Zeit zu haben. „Komm schon, ich will wissen, was das für ein Ort ist!“
„Na, wahrscheinlich ein Zimmer mit einem rieseigen Bett und tausenden von Kondomen!“, sagte Harry cool, bevor ihn Draco in den finsteren Durchgang drängte.
„Hättest du wohl gern, was?“
„Was, ich?“, zum Glück war es dunkel, und so konnte Draco Harrys rote Wangen nicht sehen.
„Ja, du!“, Harry hätte schwören könne, dass Draco grinste. „Wir sind doch so ein gaaanz doll verliebtes Liebes…“
“Ssscht!“, am Ende des Ganges war ein warmer Lichtkegel aufgetaucht und Harry hielt Draco am Ärmel zurück. „Das wär mir aber neu…“, zischte er noch zurück bevor sie darauf zu schlichen und er so Draco die Antwort abschnürte.
Als sie sich dem Eingang zu was auch immer näherten, drangen ihnen leise Melodien und Flüstern entgegen. Unheimlich vorsichtig lugte Harry um die Ecke, und zog gleich darauf erschrocken den Kopf zurück.
Draco sah ihn mit fragendem Blick an, doch Harry schüttelte nur den Kopf. Daraufhin warf er ebenfalls einen Blick in den Raum und tauchte mit dem selben Gesichtsausdruck wieder auf, wie Harry. Der deutete ihm, wieder zu gehen.
Als sie vor dem Tunnel standen musste Harry erst mal tief Luft holen. Dann begann Draco zu lachen. „Ich wusste gar nicht, dass Granger Blümchen BHs trägt!“, kicherte er, als er sich wieder erholt hatte und fing sich einen bösen Blick von Harry ein.
„He!“, dann musste er allerdings auch grinsen. Allerdings eher, weil er sich freute, dass seine Freunde auch einen ungestörten Platz gefunden hatten. Hätte er jetzt auch gerne gehabt, denn irgendwie fühlte er sich von Ron und Hermine angesteckt. „Draco…?“
“Hm?“, machte der Slytherin, während er seinen Umhang fester um sich zog. Anscheinend wurde auch ihm mal kalt.
„Wollen wir nicht… äh… in dein Zimmer gehen?“, Dracos Blick fuhr hoch. „Ich mein, es ist kalt hier…“, Harry kam sich unsagbar blöd und notgeil vor. Beides stimmte wahrscheinlich.
„Klar“, Draco machte sich nicht die Mühe, ein “ konnte es sein “ anzügliches Grinsen zu unterdrücken. „Klar können wir reingehen, wo es wärmer ist.“ In seinem Blick flackerte etwas auf, dass Harry leicht Angst machte. Oder kribbelte es nur wieder in seinem Bauch?
Schweigend machten sie sich auf den Rückweg und Harry hatte das ungute Gefühl, dass sie hier nicht mehr wirklich herausfinden würden. So schön der Wald auch tagsüber war, nachts war er schrecklich. Kein Wunder, dass er verboten war. Gerade als Harry Draco fragen wollte, ob sie auch in die richtige Richtung unterwegs waren, hörten sie schon zum zweiten Mal seit sie im Wald waren, ein leises Rascheln hinter sich. Ron und Hermine konnten doch unmöglich schon mit “ was auch immer “ fertig sein…
Harrys Augen wurden groß, als etwas pferdeähnliches hinter den Bäumen hervortrat. Es war ein Zentaur.
„Ah, sie an, der junge Harry Potter“, sagte er in einer melodischen Stimme, als er sie erkannt hatte. „Und wer ist Ihr Begleiter?“ Harry fragte sich sicher zum hundertsten Mal in seinem Leben, wieso denn auch wirklich jeder wissen musste, wer er war. War wohl Schicksal.
“Ähm… Draco“, sagte er dann. „…Malfoy“
„So so… Malfoy… geht es ihrem Vater gut?“, fragte der Zentaur und warf sein langes, kastanienbraunes Haar nach hinten.
„Meinem Vater?“, platzte Draco heraus und Harry konnte spüren, dass er mit allem gerechnet hatte, nur nicht damit. „Was geht Sie das an?“
Harry schluckte. Vielleicht sollte er Draco sagen, dass es nicht gut war, Zentauren nicht mit gebührendem Respekt zu behandeln. Allerdings war die Frage auch etwas gewagt… und außerdem, wie kam der Zentaur da drauf?
„Nun ja“, Das Geschöpf kam etwas näher. „Es traf sich, dass Mr. Malfoy sich vor seiner… Festnahme einige Tage in diesem Wald versteckte… und in einer stillen Minute, als er sich wohl unbeobachtet glaubte, führte er so etwas wie… Selbstgespräche, könnte man sagen… in denen er die Gestirne…“, der Zentaur wies gen Himmel. „…bat, sie mögen seinen Sohn vor den… Todessern, wie sie doch genannt werden, verschonen…und…“
“Was fällt ihnen ein, meinen Vater zu belauschen?“, fuhr Draco ihn an und hob seinen Zauberstab. Harry, der zwar nicht wusste, wieso Draco so durchdrehte, aber dennoch merkte, dass das auf keinen Fall gut sein konnte, nahm ihn am Handgelenk.
„Draco…nicht!“, langsam drückte er seinen Arm nach unten und sah den Zentaur entschuldigend an. Der schien auf einmal ganz andere Sachen wichtig zu finden, denn er musterte die beiden plötzlich mit einem undeutbaren Blick.
Harry spürte, wie Dracos Hand bebte, aber er lies sie nicht los, da er Angst hatte, er könnte wieder seinen Zauberstab erheben. „Was ist?“, fragte Draco ziemlich ruhig und mit diesem fast ungewohntem kalten Ton in seiner Stimme. „Noch nie nen Zauberstab gesehen? Ich kann ihn dir gern noch mal…“
“Draco!“, sagte Harry jetzt eindrücklich und blitzte ihn an.
Den Zentaur schien auch diesmal Harrys Ton nicht zu stören. Weiter sah er sie stumm an, dann sah er schließlich nach oben, wo ein paar Sterne durch die Baumkronen lugten. „Der Mars… nicht geirrt…“, murmelte er vor sich hin und Harry sah ihn verständnislos an.
„Ähm… was ist denn mit dem Mars?“, wagte er zu fragen, obwohl er das Gefühl hatte, nach Dracos Ausbruch eigentlich kein Recht darauf zu haben.
„Der Mars…“, wiederholte der Zentaur wieder. „Viel Liebe erblüht in der Welt, obwohl es dunkle Zeiten sind… ja, auch hier…“, er wandte seinen Blick von den Sternen ab und blickte sie verträumt an. „Ich freue mich für sie, Harry Potter“, meinte er und drehte sich dann gemächlich um. „Angenehme Nacht…“, und damit verschwand er wieder hinter den Bäumen, wo er hergekommen war.
„Was sollte das denn?“, machte Harry verdutzt und starrte auf die Stelle, wo der Zentaur eben noch gestanden hatte.
„Frag ich mich auch!“, Draco riss seine Hand aus Harrys Griff und stürmte los.
„Draco, verdammt!“, Harry rannte ihm nach, doch er schaffte es bis zum Waldrand nicht, ihn einzuholen. Wenigsten hatte Draco instinktiv den richtigen Weg genommen. Doch auch, als Harry endlich keuchend neben ihm ankam, blieb Draco nicht stehen und stapfte stur hinauf zum Schloss. Auf Harrys Versuche mit ihm zu reden, reagierte er nicht.
Harry war schon der Verzweiflung nah, als sie im Schloss ankamen, doch nachdem Draco keine Anstalten machte ihn abzuwimmeln, folgte er ihm einfach in sein Zimmer.
Dort angekommen pfefferte der Slytherin seinen Zauberstab aufs Bett, griff sich eine Packung Zigaretten vom Schreibtisch, zündete sich mit bebenden Fingern eine an und warf dann seinen Umhang auf den Boden. „Ich fass es nicht!“, brach es endlich aus ihm hervor, nachdem er einen ersten kräftigen Zug genommen hatte. „Was bildet dieses Pferd sich eigentlich ein? Und was soll dieser Mist über meinen Vater und die Todesser?!“ Als Harry den Mund aufmachen wollte, um ihm eine Antwort zu geben, merkte er, dass Draco gar keine erwartete. „Ich und kein Todesser! Mein Vater würde sich im Grab umdrehen, wenn er tot wäre!“ Bildete Harry es sich nur ein oder schimmerten Tränen in Dracos Augen. „Und dann auch noch dieses Geschwafel über Liebe! Ich liebe gar keinen, Nichts und Niemanden! Und wenn noch ein einziges Mal so ein Pferd es wagt…“
„Jetzt reichts aber“, sagte Harry und konnte nicht umhin leicht verletzt durch Dracos letzte Worte zu sein. „Sei doch froh, dass dein Vater vielleicht nicht wollte, dass du genauso wirst wie er!“
„Toll, und was bringt mir das?“, knurrte Draco.
Harry hob die Schultern. „Keine Ahnung, was regst du dich dann so auf?“
Draco setzte an um etwas zu erwidern, dann stieß er allerdings nur stumm die Luft aus und zog an seiner Zigarette. Harry fragte sich schon, ob er je wieder ein Wort sagen würde, da dämpfte Draco seine Zigarette im Aschenbecher aus und kam auf ihn zu.
„War dir nicht kalt?“
„Kalt?“, wiederholte Harry verblüfft über die plötzliche Stimmungs- Änderung und kam dann zu dem Schluss, dass das wohl Ablenkung war. „Ja, eigentlich scho…“, doch da war Draco auch schon bei ihm und küsste ihn. Nicht sehr sanft, nicht sehr liebevoll und doch mit einer Intensität, die Harry urplötzlich klar machte, dass heute alle Hüllen fallen würden. Und dass er nicht das geringste dagegen hatte.
Ungestüm drängte Draco ihn rückwärts zum Bett, bis Harry mit den Kniekehlen dagegen stieß und nach hinten fiel. Der Slytherin landete schwer auf ihm, was Harry ein Keuchen entlockte. In Windeseile hatte Draco Harry fast seiner ganzen Klamotten entledigt, und erst als er an seinen Boxershorts anlangte, schien Harry wieder aus einem Traum aufzuwachen. Doch da war es auch schon zu spät.
Mit Entsetzen verfolgte er wie in Zeitlupe mit, wie die Boxershorts von seinen Hüften rutschten, kurz von einer Beule aufgehalten wurden, und dann die letzte Hürde überwanden. Harry schloss die Augen.
Ein „Hilfe“, lies ihn blinzeln. Draco saß, noch immer vollständig bekleidet vor ihm und starrte unverhohlen auf Harrys Blöße.
„He!“, Harry zog blitzschnell die Decke über sich. „Was soll das denn?“
Dracos Blick flackerte langsam wieder hoch zu seinen Augen und meinte dann: „Ich war nur kurz geschockt…“
“Wieso?“, Harry hob die Decke an, so dass Draco natürlich nichts sehen konnte und sah an sich hinab. „Hab ich irgendein Geschwür von dem ich noch nichts weis?“ Ein kleines vielleicht?!
„Naja, wenn dus Geschwür nennen willst… es ist auf jeden Fall… groß“, stellte Draco schließlich fest und Harry hob überrascht eine Augenbraue. „Guck nicht so!“, sagte Draco. „Das ist dir doch wohl selbst auch schon aufgefallen!“
„Naja weist du, ich hab eigentlich nicht so viele Vergleichsmöglichkeiten“, machte Harry schwach, dann ging ihm ein heimtückisches Lichtlein auf. „Aber halt mal… du bist eine!“
“Was, ich?“, Draco wich vor ihm zurück. „Nein, das halt ich für keine gute Idee…da krieg ich ja noch Komplexe!“
„Glaub ich nicht“, Harry musste leicht grinsen und hakte einen Finger in Dracos Gürtel ein. „Komm mal her…“
„Nein!“, Draco versuchte halbherzig, sich zu wehren.
„Ich hab dich doch eh schon zweimal nackt gesehen!“, Harry knöpfte Dracos Hemd ohne Eile auf. „Und ich hab keinen Lachanfall gekriegt.“
“Stimmt…“, Draco lies sich das Hemd von den Schultern schieben. Harry wanderte dadurch bestärkt zu Dracos Hose weiter, da Draco bei seinem Anblick auch keinen Lachanfall gekriegt hatte. „Du warst eher… geschockt!“ meinte Draco begeistert.
„Bild dir bloß nichts drauf ein!“, mit einem Ruck zog Harry den Gürtel aus den Schlaufen von Dracos Hose. „Ich hab nur nicht damit gerechnet, dich nackt zu sehen!“
„Jaah, Draco Malfoy… davon träumt doch jeder“, grinste Draco, nun ziemlich entspannt und lehnte sich zurück damit Harry an seine Hosenknöpfe kam. Anscheinend gefiel ihm die Situation immer besser, was Harry bemerkte, sobald er seine Hose geöffnet hatte.
„Ach, du träumst von dir?“, fragte Harry mit einem Blick auf Dracos Boxershorts und dem, was unweigerlich darin verborgen war.
„Nein, eher davon“, Draco hob die Decke an, die Harry immer noch um seine Hüfte geschlungen hatte, doch Harry schlug ihm auf die Hand.
„He! Das kriegst du erst... wenn ich das hier kriege“, und ohne weiter darüber nachzudenken hatte er Draco von Hose und Boxershorts befreit.
Einen Moment lang blieb ihm die Luft weg. So nah hatte er Draco noch nie vor sich gesehen, eigentlich hatte Harry noch niemanden aus dieser nichtigen Entfernung betrachten können und ihm rann ein siedendheißer Schauer über den Rücken, der sich zwischen seinen Beinen sammelte. Auch Draco schnappte nach Luft, dann, in einer leichten Schreckenssekunde dachte Harry schon, er würde ihm die Decke wieder wegziehen wollen, doch er schlüpfte nur ebenfalls drunter.
„So, jetzt sind wir quitt“, Harry wunderte sich, wieso Draco so atemlos klang. Dann stellte er allerdings fest, dass er das selber auch war. „Sind wir?“, fragte er so nur und traute sich nicht, sich auch nur um einen Millimeter zu rühren, durch das pure Wissen, dass Draco neben ihm genauso nichts anhatte wie er. Hilfe.
Eine kleine Weile lagen sie nur stumm auf dem Rücken da und Harrys Herz raste bei dem bloßen Gedanken an Draco. Schließlich drehte sich der Slytherin auf die Seite und sah ihn an, Harry erwiderte seinen Blick, wobei sein Herz für einen Augenblick aussetzte, um dann noch heftiger zu schlagen. Gegen seinen Willen drehte auch er sich auf die Seite und redete sich ein, dass das nur war, damit er Draco besser in die Augen sehen konnte. Dass dem nicht so war, merkte Harry, als er seinen Arm unwillkürlich ausstreckte und über Dracos Wange strich. Der senkte leicht die Augenlider und als er den Blick wieder hob, lag wieder dieses gefährliche etwas darin. Dieses etwas, das Harry bis in sein tiefstes Inneres erzittern lies. Etwas, das ihm unweigerlich sagte, dass es egal war, was er jetzt tat, dass es nur darauf ankam irgendetwas zu tun. Irgendetwas, das verhinderte, dass er wahnsinnig werden würde und Harry spürte eindeutig, dass er das werden würde, wenn er Draco nicht sofort berührte, ihn nicht sofort spürten konnte, jedes auch noch so winzige Stück Haut an seinem Körper.
Harry dachte nicht nach, als er seine Hand langsam von Dracos Wange zu seinem Hals wandern lies, weiter über seinen Oberkörper und dann zitternd über seinen Bauch strich. Hätte er jetzt auch nur eine Sekunde überlegt, was er da tat, hätte er sich wahrscheinlich auf der Stelle selbst ins St. Mungos eingeliefert, zu den unheilbaren Fällen. So konnte er nicht umhin, das deutliche Erschaudern von Draco zu genießen, als seine Hand sich noch ein Stück nach unten schob und dann an eine samtige Spitze stieß, die bei dieser nichtigen Berührung leicht zurückzuckte. Dracos Reaktion war alles andere als leicht, obwohl nicht ein Laut über seine Lippen kam. Harry hatte ihn die ganze Zeit unentwegt weiter angesehen und auch Draco hatte seinem Blick standgehalten. Bis zu dieser Berührung, da schloss er die Augen und es sah aus, als müsste er sich mächtig zusammenreißen, sie nicht fest zuzukneifen. Als sie flatternd wieder aufflogen, lag ein dichter Schleier über ihnen, wieder etwas, was Harry unheimlich anziehend fand. Er strich instinktiv erneut darüber und diesmal entlockte er Draco ein leises Keuchen, dass von einem Zittern begleitet wurde.
„Harry…“, es klang richtig gequält. „Hör auf!“
„Womit?“, Harry wusste nicht, ob Draco das wirklich ernst meinte, oder nicht. Hoffentlich nicht, denn er berührte ihn gerne, es fühlte sich so gut an, viel besser als er selbst…
„Merlin, damit!“, ehe Harry es sich versah umschloss Dracos Hand sein im Moment wohl wichtigstes Teil und er biss sich schmerzhaft auf die Lippen.
Oh mein Gott… Harry hatte das Gefühl, dass sämtliches Blut, das sein Körper besaß, zwischen seine Beine schoss und dort bald etwas explodieren würde, wenn nicht irgendetwas geschah. Hoffentlich wusste Draco das auch… Der sah Harry unterdessen durchdringend an, auch wenn sein Blick selbst noch immer etwas verschleiert war.
„Weißt du jetzt, was ich meine?“, fragte er mit bebender Stimme und Harry konnte nur stumm nicken.
Er schloss die Augen, doch Draco machte nicht die geringsten Anstalten, ihn wieder loszulassen. Stattdessen fing er beunruhigenderweise an, seine Hand langsam auf und ab zu bewegen.
„Was machst du da?“, Harry wusste selbst wie bescheuert diese Frage war. Was Draco tat, oder besser gesagt: vorhatte war ja wohl klar. So war es nicht verwunderlich, dass er nur eine Augenbraue hob und dann elendiglich langsam und auch vorsichtig in seiner Bewegung fort fuhr. Harry kniff die Augen zusammen und atmete schwer. Nur mit Mühe konnte er sich davon abhalten aufzustöhnen. Als Draco dann auch noch mit dem Daumen über seine feuchte Spitze rieb, gab es ihm völlig den Rest. Harry bemühte sich verzweifelt, nicht die Beherrschung zu verlieren und lies Dracos quälend zärtliche Streicheleinheiten weiter über sich ergehen. Doch lange würde er nicht mehr durchhalten. Wieso hatte er denn in den letzten Tagen nichts gemacht? Harry ärgerte sich über sich selber, was ihn für einen kleinen Moment von den viel zu intensiven Gefühlen ablenkte, die Draco ihm bescherte. Wo hatte er das nur gelernt? Ha, blöde Frage. Das konnte sogar der größte Trottel, obwohl, nein, so wie Draco konnte das sicher keiner auf der Welt. Harry verging fast, er hatte schon längst von Draco abgelassen und krallte sich verbissen in den Bettlaken fest. Doch langsam spürte er, dass das alles nichts mehr nützte. Dracos Bewegungen wurden schneller, fester und wieder biss sich Harry ohne es zu merken auf die Lippen und schmeckte Blut. Es war ihm egal. Wenn Draco nicht sofort aufhörte, würde er sein ganzes Bett einsauen, Mann, das war doch peinlich nach nicht mal zwei Minuten zu kommen! Aber Harry konnte nicht mehr, wollte sich auch gar nicht mehr zurückhalten. Dracos Griff verstärkte sich noch einmal und damit trieb er Harry über die letzte Schwelle. Hinter Harrys Augen explodierte ein einziger heller Stern, zerstob in tausend kleine, die langsam hinter seinen Augenlidern herabrieselten. Harry entspannte sich. Er hatte gar nicht gemerkt, dass er geschrieen hatte, nur die plötzliche Stille machte es ihm bewusst. Sein Herz klopfte stark gegen seine Rippen, doch sein Atem beruhigte sich langsam wieder. Mein Gott, war das schön… Draco hatte seine Hand noch nicht weggenommen und Harry wagte es schließlich, die Augen zu öffnen. Verwundert nahm er Dracos unsicheren Blick war. Der dachte doch nicht allen Ernstes, dass das nicht gut gewesen war?
„Draco…“, murmelte Harry. „Ich lie…“, er stockte, entsetzt darüber, was er sagen wollte. „Ich mein… das war…echt…wow…“, - sehr intelligent - sein Blick flackerte zu Draco, der zuerst fast genauso geschockt ausgesehen hatte wie Harry und jetzt ziemlich erleichtert und selbstzufrieden aussah.
„Ja? Naja, ich geh mal… ins Bad…“, er löste seine Hand von Harry und kletterte umständlich aus dem Bett. Erst als Harry Draco nachsah wurde ihm bewusst, dass der gar nicht auf seine Kosten gekommen war. Schien ihn “ hoffentlich - nicht zu stören. Harry sah an sich hinab. Toll, kränker gings ja wohl echt nicht mehr. Jetzt saß er hier nackt in Draco Malfoys Bett und hatte keine Ahnung, wie er diesen Käse wieder wegkriegen sollte. In diesem Moment hörte das Wassergeplätscher im Bad auf und Draco tauchte mit einem Handtuch in der Hand wieder auf.
„Hier“, er reichte es ihm, stand einen Augenblick unschlüssig da und verschwand dann wieder im Bad. Harry hatte es dankbar für seine Geistesgegenwärtigkeit entgegen genommen, rubbelte eine Weile an sich und dem Bettzeug herum und stand dann auf. Er war total wackelig auf den Beinen, als er ins Bad wankte und auf einen Wink von Draco das Handtuch einfach auf den Boden fallen lies.
Der Slytherin stand mit den Händen auf den Waschbeckenrand gestützt da und sah Harry durch den Spiegel an. Harry kam leicht zögernd auf ihn zu, bis er hinter ihm stand. Einen Moment sahen sie sich stumm durch den Spiegel an, dann drehte Draco sich zu Harry um. Sein Anblick raubte dem Gryffindor immer noch den Atem, bis er den letzten Abstand zwischen ihnen überbrückte und ihn küsste.
„Mmh…“, Harry klammerte sich an Draco, da seine Knie noch immer weich wie Pudding waren und wurde von ihm sanft zum Bett zurückbugsiert. Nachdem Draco die Decke über sie gebreitet hatte und sie sich noch eine Weile geküsst hatten, machte Harry es sich in Dracos Armen gemütlich, der etwas verdutzt aussah.
„Musst du nicht… zurück?“, fragte er, während Harry seine Finger mit seinen verschränkte.
„Gleich…“, murmelte er. Nur noch kurz die Augen zumachen, sich geborgen und zu Hause, wie der glücklichste Mensch auf Erden fühlen, und dann würde er gehen. Nur noch einen Augenblick…
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Einen Review für "Er liebt mich, er liebt mich nicht ~ Teil 12: Donnerstag 11. September" verfassen

Sonorus
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