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Geschichte des Moments
Rainy Days von Francy
(keine Altersempfehlung)

Es regnet... Tom Riddle wird geboren.

Zitat des Tages

[Dumbledore] »Ein Glück, dass es so dunkel ist. So rot bin ich nicht mehr geworden, seit Madam Pomfrey mir gesagt hat, ihr gefielen meine Ohrenschützer.«

Harry Potter und der Stein der Weisen, Kap.1

Eine Alterseinschränkung (ab 16) wurde für "Er liebt mich, er liebt mich nicht" angegeben

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Er liebt mich, er liebt mich nicht ( von )

14. Kapitel: Teil 14 Samstag, 13. September

Betaleser:
Anmerkungen des Autors: So, da ist mal wieder ein neues Kapitel von mir! Ich hoffe, es gefällt allen, die es lesen...
viel spaß!!! :o)
4 Reviews
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Samstag, 13. September

Harry dämmerte langsam aus dem Schlaf hoch und wunderte sich irgendwo in einem Hinterstübchen seines verschlafenen Gehirns darüber, dass er eingeschlafen war. War er das überhaupt? Er hatte doch noch über Draco… Draco! nachgedacht und dann? Dann war er wohl eingepennt. Harry rieb sich die Augen und tastete dann auf seinem Nachtkästchen nach seinem Wecker. Es dauerte eine Weile, bis er den Knopf für die Leuchtanzeige gefunden hatte und dann wunderte ihn nichts mehr. Es war halb sechs Uhr morgens. Wieso wachte er denn in dieser Herrgottsfrühe auf, zum Kuckuck? Der Gryffindor knallte den Wecker zurück auf den Nachttisch und wollte sich schon wieder zurück in sein warmes Bett fallen lassen, als ihm einfiel, wieso. Er wollte zu Draco! Ach quatsch, der würde ihm schön was erzählen, wenn er um diese Uhrzeit bei ihm auftauen würde… Andererseits hatte sich der Slytherin auch nicht aufgeregt, als Harry mal mitten in der Nacht bei ihm aufgekreuzt war… Einen Versuch war es doch Wert…
Dann fiel Harry allerdings ein, dass er, um zu Draco zu kommen, aus seinem Bett raus musste. Und um diese Jahreszeit wurde es langsam kalt im Schloss, vor allem in den frühen Morgenstunden. Obwohl, in Dracos Bett war es doch auch warm, oder etwa nicht? Harry nickte wie zu sich selber und krabbelte fröstelnd aus seinem Bett. Kurz überlegte er, ob er noch duschen gehen sollte, dann fiel ihm allerdings ein, dass er das bei Draco genauso gut konnte… wenn es ihm nicht zu peinlich war… aber das würde sich noch herausstellen.
Unschlüssig blieb Harry vor seinem Kleiderschrank stehen und fragte sich leicht verzweifelt ob das jetzt zur Gewohnheit werden würde… Er hatte einfach nichts zum Anziehen, außer dieses alten Sachen von Dudley… Schrecklich… Der schwarzhaarige Junge zog ein grau kariertes Hemd aus dem Schrank und beäugte es kritisch. Das war wohl noch das beste, was in diesem Moment da drin rum lag. Dracos Sachen hatten die Hauselfen zum Waschen mitgenommen, und auch wenn nicht, konnte er sie nicht schon wieder anziehen. Harry seufzte, suchte eine von seinen ausgewaschenen Jeans heraus, ein weißes T-Shirt dazu und noch eine Boxershorts. Dann begab er sich auf die Suche nach Socken, fand nur ein Paar, dass nicht zusammenpasste und gab auf. Das war doch wirklich… Wenigstens hatte er seinen Tarnumhang, den würde er heute nicht vergessen. Harry warf ihn auf sein Bett und suchte dann erst mal nach seinem Zauberstab und seiner Brille. Ein Wunder, dass er ohne sie überhaupt einigermaßen was gesehen hatte. Als er sie auf dem Boden gefunden hatte, machte er sich auf die Suche nach seinem Zauberstab. Er fand ihn schließlich in seinem Schulumhang, den er ebenfalls zum Tarnumhang auf seinem Bett warf. Eigentlich war er fertig. Nicht ganz. Harry schnappte sich seine Klamotten, huschte ins Bad und sah sich erst jetzt um, ob er eh niemanden aufgeweckt hatte. Doch alle schliefen tief und fest, außer Ron und Justin, die um die Wette schnarchten, aber eigentlich schliefen auch sie, ja. Harry war beruhigt und lehnte die Tür hinter sich an. Dann sah er in den Spiegel und erstarrte. Wie sah er denn aus? Naja, eigentlich wie immer, nur hätte er sich vielleicht gewünscht, dass seine Haare einmal im Leben nicht in alle Richtungen von seinem Kopf abstanden. Aber da hatte er wohl Pech gehabt. Harry zuckte resigniert mit den Schultern und zog sich dann um. Mit seinem Pyjama unter dem Arm, machte er sich wieder auf den Weg in den Schlafraum. Dort fiel ihm ein, dass es vielleicht noch ganz sinnvoll wäre, Ron eine Notiz zu schreiben, sonst würden er und Hermine sich wieder die schrecklichsten Sorgen machen und er hatte erst recht wieder keine Ruhe. So kramte Harry ein Pergament aus seiner Tasche hervor und schrieb:

Morgen Ron,
ich bin schon mal ne Runde fliegen gegangen (ja wirklich!) vielleicht sehen wir uns dann beim Frühstück,
Harry

Das klang doch ganz glaubhaft, obwohl, nein, für Ron klang doch nichts mehr glaubhaft, was Harry ihm erzählte. Was auch nicht weiter verwunderlich war. Immerhin erzählte er seinem Freund seit letzter Zeit ja ziemlich viel… nun ja, Scheiße. Doch dagegen konnte er jetzt auch nichts tun. So legte Harry das Pergament gut sichtbar auf sein Kopfkissen und schnappte sich seinen Tarnumhang, den er sich im hinausgehen überwarf.
Erst als er durch den leeren Gemeinschaftsraum ging, fiel ihm wieder ein, was er und Draco gestern getan hatten. Sie hatten sich geküsst, vor allen anderen, vor Ron, vor Hermine! Wie konnte er nur!? Harry schüttelte absolut resigniert von sich selbst den Kopf und kletterte durch das Portraitloch der Fetten Dame. Die schimpfte ihm mal wieder, aus ihrem Schlaf hoch geschreckt, hinterher, doch er hörte es kaum. Harry war viel zu sehr damit beschäftigt, sich über sich selbst zu ärgern. Als er durch die große Halle ging, fragte er sich schon zum fünften Mal, was bloß in ihn gefahren war, an diesem Abend, und wieso um alles in der Welt, Draco ihn nicht davon abgehalten hatte. Das würde sich doch rum sprechen! Spätestens bis zum Mittagessen würde die gesamte Schule davon wissen, dass Draco Malfoy und Harry Potter sich geküsst hatten. Und dabei würde sicher verloren gehen, wieso sie es gemacht hatten. Wegen einer Wette, wer’s glaubt. Nein, Harry wurde immer fassungsloser, vor allem als ihm auch noch klar wurde, was das überhaupt für Draco bedeuten musste. Was würden denn die anderen Slytherins denken, die, die Todesser werden würden? Was würden die mit seiner Mutter machen, wenn das erst zu den richtigen Todessern durchgedrungen war? Ein zukünftiger Todesser hatte keinen Harry Potter zu küssen, auch wenn es eine Wette war, auch wenn es um Millionen ging nicht. Nein. Harry war so in seine Gedanken vertieft, dass er fast in Mrs. Norris rein gelaufen wäre, die verdutzt in der Gegend herumschnupperte, als sie einen Luftzug spürte. Zum Glück hatte Harry seinen Tarnumhang an, obwohl er sich seit einiger Zeit nicht mehr so sicher war, ob diese Katze ihn nicht trotzdem sah. Und wenn sie in der Nähe war, dann war auch Filch nicht weit, also nur weg von hier. Harry eilte die Kerker entlang und war froh darüber, das Mrs. Norris ihn wenigstens von weiteren Gedanken abgebracht hatte. Allerdings musste er mit Draco darüber reden, dringend. Vielleicht war er sich gar nicht darüber bewusst, was das für ihn bedeutete, vielleicht…
Harry kam vor dem Portrait des Schwans an, der, mit dem Kopf im Gefieder, friedlich schlief. Er brachte es fast nicht übers Herz, ihn aufzuwecken, aber es musste wohl sein, wenn er hier rein wollte. Und das wollte er, oh ja. „Ähm… Schnatz?“, sagte Harry wohl etwas zu leise, denn der Schwan rührte sich nicht. „Mist“, er klopfte leicht auf das Portrait, da, wo er den Kopf des Vogels vermutete. „Schnatz!“ Der Schwan fuhr hoch, sah sich kurz blinzelnd um und erkannte dann Harry. Fast schien es so, als würde er eine Augenbraue heben, so wie Draco es immer tat, doch das bildete Harry sich wohl ein, da Schwäne ja überhaupt keine Augenbrauen hatten. Soweit er wusste jedenfalls. Wie auch immer, das alles tat nicht wirklich etwas zur Sache, da das Portrait in diesem Moment zur Seite schwang und Harry endlich hindurchschlüpfen konnte. Vor der Tür zögerte er kurz und überlegte, ob er anklopfen sollte, doch dann lies er es bleiben und drehte vorsichtig am Türknauf. Abgeschlossen war jedenfalls nicht. Harry trat ein und schloss die Tür möglichst leise hinter sich. Dann sah er hinüber auf Dracos Bett und in ihm drin wurde etwas ganz warm. Der Slytherin lag zusammengemurmelt unter seiner Decke und man konnte nur durch die blonden Haare erkennen, wo sein Kopf war. Harry trat etwas näher an sein Bett heran und kam sich mit einem Mal ziemlich blöd vor, so wie er da stand. Unsichtbar - und beobachtete seinen… Freund, Liebhaber, was auch immer. Er nahm den Tarnumhang ab und legte ihn auf den Boden, dann setzte er sich vorsichtig auf das Bett neben Draco und zog seine Schuhe und den Schulumhang aus. Der hatte sich unterdessen gerührt und lag nun mit dem Rücken zu Harry, noch immer fest in seine Decke verschlungen. Der Gryffindor kratzte sich am Kopf. Was sollte er jetzt machen? Sich zu ihm legen, ihn aufwecken? Einfach mal gucken, was passierte? Harry hob die Schultern und stellte sich vor, was für ein seltsames Bild er wohl abgeben musste. Vielleicht hätte er den Tarnumhang doch besser anbehalten sollen… Ach was, Harry schob seine Grübeleien zur Seite und beugte sich über Draco, um ihn anzusehen. Ein paar Haarsträhnen fielen ihm ins Gesicht und bewegten sich leicht, wenn er ausatmete. Doch sonst war alles ruhig, ganz friedlich lag Draco da, und schlief. Einfach so, und Harry saß da und sah ihm dabei zu. Kurz schoss ihm durch den Kopf, ob es nicht immer so sein konnte, doch er verdrängte diese Vorstellung. Über unmögliche Dinge sollte man besser nicht nachdenken. Und überhaupt wurde ihm jetzt erst wirklich klar, wie beknackt er doch war. Er saß hier einfach rum, dabei sollte er irgendwas tun, nur was? Harry schüttelte den Kopf und legte sich dann vorsichtig hinter Draco. Der Slytherin fuhr leicht zusammen, als Harry ihn umarmte und entspannte sich dann.
„Harry…“, murmelnd drehte er sich zu ihm um und schlang seine Arme um ihn. Harry stutzte überrumpelt und wartete ab, was Draco als nächstes tun würde.
Der blinzelte gerade und sah ihm in die Augen, dann zuckte er zurück. „Harry?!“, Draco riss die Augen auf und zuckte zurück.
„Ähm… ja?“, machte der angesprochene Gryffindor leicht verlegen und trat sich innerlich ans Schienbein, dass er so blöd sein konnte, einfach hier her zu kommen.
„Was machst du hier?“, fragte der blonde Slytherin wie aus allen Wolken gefallen und setzte sich auf. „Es ist sechs Uhr, verdammt!“
„Naja…“, Harry hatte sich ebenfalls schnell aufgesetzt und sah jetzt auf die grünen Bettlaken. „Ich konnte nicht schlafen, und…“
„He, das hast du mir doch schon mal erzählt…“, Draco verschränkte die Arme vor der Brust und Harry konnte eine gehobene Augenbraue erkennen, als er kurz aufsah.
„Hab ich?“, fragte er unschuldig. War ja wohl klar, dass diese Ausrede nicht zog…
„Merlin Harry, ja…“, Draco schüttelte grinsend den Kopf. „Und es war mitten in der Nacht… genau wie jetzt.“
Harry sah schleunigst wieder auf die Bettlaken, die ihm auf einmal unheimlich interessant vorkamen. Doch schließlich musste er sich zu einer Antwort durchringen. „Es wird schon hell draußen…“
„Boa, echt?“, jetzt hob Draco ganz deutlich eine Augenbraue und rang sich zu einem Lächeln durch. „Mich wundert’s, dass du überhaupt noch aufkreuzt…“
„Was, wieso?“, machte Harry perplex.
„Naja, eigentlich hätte ich schon heute Nacht mit dir gerechnet… immerhin hab ich nach dem ganzen Kram nicht mal nen Abschiedskuss gekriegt“, erklärte Draco naseweis und Harry schnaubte.
„Du…“
„Was, ich?“
„Du hast gedacht, dass ich noch mitten in der Nacht zu dir komme?“, fragte Harry verblüfft.
„Eigentlich schon“, Draco nickte grinsend. „Wäre jedenfalls typisch für dich gewesen…“
„Woher willst du denn wissen, was typisch für mich ist?“, Harry nahm sich vor, etwas dagegen zu tun, dass er anscheinend so leicht durchschaubar war.
Draco zuckte unterdessen gelassen mit den Schultern. „Keine Ahnung… ich weiß nur, dass Harry Potter immer handelt, ohne darüber nachzudenken…“
„Stimmt ja gar nicht“, er hatte sehr wohl darüber nachgedacht “ wenn auch nicht gerade viel.
„Ach nicht?“, der blonde Slytherin legte den Kopf schief und sah Harry dann an. „Komm schon, konntest du wirklich nicht mehr schlafen?“ Als ob das so ungewöhnlich wäre…
„Ich bin jedenfalls aufgewacht ohne mir vorher den Wecker gestellt zu haben“, sagte Harry und war froh, dass das sogar die Wahrheit war. Dann stellte er allerdings die Gegenfrage, die ihn brennend interessierte: „Wie lange bist du denn wach gelegen und hast auf mich gewartet?“
„Wer sagt denn, dass ich auf dich gewartet habe?“, fragte Draco während er sich streckte.
„Naja, wenn du damit gerechnet hast, dass ich noch auftauche“, versuchte Harry zu erklären.
„Ach ja, stimmt“, Draco nickte und rieb sich die Augen. „Gewartet hab ich nicht… obwohl ich ziemlich bald nach euch aus den Drei Besen verschwunden bin.“ Aha, das war ja interessant.
Harry grinste. „Wie lange?“, hakte er nach.
„So… zwei Stunden?“, Draco zog einen Schmollmund. „Irgendwie vergeblich, nicht?“
Harry unterdrückte ein Lachen. „Tut mir leid, ich hab nicht gedacht, dass du extra auf mich wartest… und auch noch früher aus den Drei Besen gehst…!“
„Ja, ja… mach dich nur lustig“, grummelte Draco. „Du pennst da gemütlich und reißt mich dann aus meinem wohlverdienten Schlaf hoch…“
„Selbst schuld“, meinte Harry glucksend und fing sich einen verächtlichen Blick des Slytherins ein. „’Tschuldigung…“
Draco winkte ab. „Macht nichts… wir haben ja nichts verabredet“, er entwirrte sich aus seiner Decke und krabbelte aus dem Bett. Dann fügte er noch hinzu: „Obwohl wir das noch nie haben.“
“Stimmt“, nickte Harry. „Wird vielleicht mal Zeit…“
“Lieber nicht“, Draco streckte sich wieder und gähnte, dann zog er Harry vom Bett hoch. „Ist doch viel lustiger so… Ich hab gedacht ich träume…“
“Ich bin eben dein Traummann“, witzelte Harry und Draco zeigte ihm den Vogel.
„Wenn hier jemand ein Traummann ist, dann ja wohl ich, damit das nur mal klar ist!“, er knöpfte sein Pyjamaoberteil auf. „Oder etwa nicht?“
„Also, das kann ich noch nicht beurteilen…“, Harry musterte ihn von oben bis unten. Draco hob eine Augenbraue und schmiss ihm dann das Oberteil an den Kopf, nachdem er es ausgezogen hatte. Harry atmete tief ein, bevor er es zurück schmiss. Mann, roch das gut…
„He!“, Draco funkelte ihn gespielt böse an und wollte es schon zurück pfeffern, doch da Harry war bereits bei ihm und hielt ihn fest. „Du…“
„Ja, ich?“, grinste Harry und sah den Slytherin herausfordernd an.
„…bist süß“, schloss Draco und küsste ihn. Dann schubste er den Gryffindor sachte von sich weg und meinte: „Und, willst du mit duschen gehen?“
Harry grinste in sich hinein, hatte er es doch gewusst… „Wieso nicht…“, ihm entging das Glitzern in Dracos Augen nicht, als er sich sein Hemd auszog und es auf den Boden fallen lies.
„So mutig auf einmal?“, fragte der Slytherin und sah Harry mit diesem Gefährlichen Blick an.
„Naja, vielleicht überleg ich’s mir auch noch…“, meinte der, doch Draco schüttelte bestimmt den Kopf.
„Ah ah… so was gibt’s bei mir nicht!“, er nahm ihn an der Hand und zog ihn mit sich ins Bad, wo er ihm das T-Shirt über den Kopf zog.
„Jetzt ist mir kalt“, sagte Harry trotzig und Draco zuckte nur mit den Schultern.
„Dann musst du eben unter die Dusche kommen“, meinte er und zog sich lasziv seine Pyjamahose von den Hüften.
Harry schluckte trocken und sah dem blonden Slytherin nach, wie er unter der Dusche verschwand. Dann machte er sich etwas ungeschickt daran, seine Hose zu öffnen und bemerkte resigniert, dass Dracos kleiner Strip nicht spurlos an ihm vorüber gegangen war. Nachdem er seine Boxershorts auf den Haufen von Dracos und seiner Hose befördert hatte, schob er die Kabinenwand zur Seite, wo ihm sofort warmer Wasserdampf entgegenkam. Draco stand mit dem Rücken zu ihm und ließ sich gerade Wasser auf das Gesicht prasseln, dann blickte er über seine Schulter zu Harry, der die Kabinenwand hinter sich schloss.
„Heiß hier“, meinte der Gryffindor, worauf Draco grinste und sagte: „Kann nur an dir liegen…“
„Oder an dir“, Harry strich ihm schüchtern über die Schultern, woraufhin Dracos Grinsen sich in ein Lächeln verwandelte.
Er drehte sich um und griff Harry in den Nacken um ihn zu einem Kuss an sich zu ziehen. Der schwarzhaarige Junge schrie innerlich auf, als ihre Körper sich berührten, diese Nähe war einfach zu viel für ihn “ viel zu viel.
„Aua“, Draco hörte auf, Harry zu küssen und sah ihn tadelnd an.
„Was ist?“, fragte der erschrocken. Hatte er Draco diesmal wirklich versehentlich gebissen?
„Da piekst mich was in den Bauch“, meinte der Slytherin und Harry sah an sich und Draco hinab.
Dann hob er eine Augenbraue. „Mich aber auch…“
„Ups“, machte Draco und hob die Schultern. „Wie war das eigentlich mit Revanche?“
„Jetzt?“, fragte Harry perplex und ihm fiel ein, dass er daran gar nicht mehr gedacht hatte. Oh Merlin, wenn Draco das jetzt wirklich wollte, dann…
„Du brauchst ja nicht gleich Angst zu kriegen“, wehrte der lachend ab und schüttelte den Kopf.
„Ts, leck mich“, manchmal konnte Harry es wirklich nicht leiden, wenn Draco ihn wie ein kleines unerfahrenes Kind behandelte.
„Jetzt sofort?“
„Was?“, Harry verstand nicht, was Draco jetzt schon wieder meinte. Als der allerdings vor ihm in die Knie ging, wurde Harry so einiges klar und er war so geistesgegenwärtig, sich an der Duschwand festzuhalten. Keine Sekunde zu früh, denn was Draco dann machte, lies ihn um ein Haar ebenfalls in die Knie gehen.
„Oh… Gott… Draco!“, brachte er gerade noch heraus, bevor ihm die Stimme versagte, doch da hörte der angesprochene auch schon auf.
„Ja?“, kam es von unten und Harry öffnete mühsam die Augen.
„Bist du wahnsinnig!?“
„Ach, das kann man sehen wie man will“, Draco grinste dreckig. „Wieso?“
Harry blickte an die Decke, an der sich eine Wasserschlange entlang schlängelte, und fragte sich, was Draco eigentlich noch für Sachen auf Lager hatte. Dann zog er ihn hoch und sah ihn eindringlich an. „Wieso wohl? Wo hast du das schon wieder her?“ Konnte man die Verzweiflung aus seiner Stimme hören?
Draco grinste noch immer. „Woher wohl…“
„Ach stimmt, du bist ja Draco Malfoy, wie konnte ich das nur vergessen“, machte Harry und kam sich mal wieder bescheuert vor. Das hatte man eben davon, wenn man Null Komma Null Erfahrung hatte und sich mit diesem Kerl einließ.
„Kannst es ja auch mal ausprobieren“, meinte Draco unschuldig und Harry stellte die dumme Frage: „Bei wem?“
„Bei Weasley oder Mark, Granger eignet sich glaub ich nicht so gut dazu“, zählte Draco auf und Harry verspürte mal wieder den Drang, dem Slytherin wie in alten Zeiten die Leviten mit den Fäusten zu lesen.
Dann nickte er ergeben. „Ich versteh schon “ du bist aber leider der einzige, der mir im Moment zur Verfügung steht, richtig?“
„Naja, du kannst auch bis zum Frühstück warten, da hast du fast unbegrenzte Auswahl“, meinte Draco und Harry schnaubte.
„Ach…“, er drückte ihn gegen die Duschwand und atmete tief durch. Alles oder nichts. Aber wenn man schon alles haben konnte, warum sollte man sich dagegen entscheiden? So ging Harry, wie Draco vorher in die Knie und da war es. Himmel. Was sollte er nur tun? Was hatte in dem Buch gestanden? ‚Es gibt viele Möglichkeiten, diese Art von Zärtlichkeiten zu beginnen…’ Harry entschied sich für die, die seiner Meinung nach, am einfachsten war und er nicht viel falsch machen konnte. Obwohl… Dann schüttelte er innerlich den Kopf und beschloss, das zu tun, was er in dieser Situation auch gerne hätte. Er kniff die Augen zusammen, und öffnete langsam den Mund…
„Hm…“, der genießerische Laut, der Draco entkam, zeigte Harry, dass seine Bemühungen wohl nicht so vergeblich waren.
Nach einer Weile kam er wieder hoch und sah den Slytherin unsicher an. „Und?“
„Und?!“, keuchte Draco mit glasigem Blick. „Und! Das fragst du noch…“ Er schüttelte den Kopf und löste sich langsam wieder von der Wand, an der er gelehnt hatte. „Du… ich glaub, du kriegst Revanche…“
„Ach, geht das jetzt immer so?“, fragte Harry leicht belustigt und tierisch erleichtert darüber, dass seine ersten Versuche dieser Art in keinem Desaster geendet hatten.
„Ja… allerdings sollten wir vorher vielleicht noch fertig Duschen“, überlegte Draco und zog Harry zu sich.
„Oder auch nicht“, meinte der, wofür er ein Grinsen erntete und einen Kuss, der gar nicht mehr aufzuhören schien. Vor allem, als Dracos Hände auch noch anfingen, an seinem Körper entlang zu wandern und sein Mund ihnen folgte.
„Draco…“, fing Harry an, als der blonde Junge sich in seinem Hals verbiss. „Ich hab gedacht, du willst duschen!“
„Tu ich doch “ siehst du nicht das Wasser?“, grinste Draco und sah ihm in die Augen. Harry verlor sich in seinem Blick.
„Weist du, was wir gestern getan haben?“, kam es da plötzlich aus ihm heraus und Dracos Blick flackerte. Er senkte den Kopf und drehte den Duschhahn ab.
„Ja“, sagte er in die aufgekommene Stille, die nur noch vom gelegentlichen Tropfen der Duschbrause unterbrochen wurde. „Komm mit.“ Wieder nahm er Harry an der Hand und reichte ihm ein Handtuch. Dann ging er mit ihm zurück in sein Zimmer und zog, beim Schreibtisch angekommen, ein Pergament aus der obersten Schublade. „Meine Mutter hat mir geschrieben, sie ist heute Früh abgereist.“
„Wohin?“, fragte Harry, der nicht ganz verstand.
„Ins Ausland nehm ich mal an “ sie versucht, unter zu tauchen…“, Draco sah kurz auf den Brief in seiner Hand, dann legte er ihn wieder zurück in die Schublade. „Sie weiß, dass die Todesser alles daran setzen werden, an sie ranzukommen, wenn sie mich nicht kriegen können…“
„Oh…“, machte Harry. „Und… was heißt das?“
„Mensch, verstehst du nicht?“, Draco ergriff Harry an den Schultern, als ob er ihn schütteln wollte, doch er hielt ihn nur fest. „Wir können machen, was wir wollen!... Wir…“ Er stockte und lies Harry wieder los, als ob ihm sein kleiner Gefühlsausbruch peinlich wäre. Harry wollte schon etwas sagen, doch ihm fehlten einfach die richtigen Worte, bis Draco weiter sprach: „Egal, was jetzt ist, es liegt in meiner Verantwortung… und nicht mehr in der meiner Mutter… ich brauche keine Angst mehr um sie zu haben…“
“Ja, weil du jetzt alles abkriegst!“, schnaubte Harry. „Ist ja noch schlimmer!“
Draco sah vom Boden hoch zu Harry und schüttelte den Kopf. Dann huschte so etwas wie ein wehmütiges Lächeln über sein Gesicht, so ganz konnte Harry es auch nicht definieren. „Für dich vielleicht… aber für mich…“
„Ja ja… ich versteh schon“, lenkte Harry unwillig ein. „Du musst dir keine Sorgen mehr um deine Mutter machen, jedenfalls nicht mehr so viele… Und die Sorgen die man sich um Andere macht, sind immer schlimmer, als die um sich selber.“
„He, du hast ja doch von was ne Ahnung!“, grinste Draco anerkennend und hatte es wohl nicht ernst gemeint, doch Harry wandte sich ab. Er wollte gar nicht an all die Leute denken, um die er sich in der Vergangenheit Sorgen gemacht hatte, da brauchte Draco nicht mit dieser Scheiße anfangen. Doch andererseits konnte er es auch nicht wissen. Sonst würde er nicht fragen: „Was ist denn?“ Der Slytherin war hinter ihn getreten und Harry drehte sich um.
„Nichts…“, an Dracos Blick konnte er erkennen, dass er ihm nicht im geringsten glaubte. „Es ist nur… ich mache mir so oft Sorgen um meine Freunde.. um alle… und dann tust du so, als ob du der einzige wärst, der sich mal eben Sorgen um seine Mutter macht… obwohl das natürlich auch wieder was anderes ist“, Harry verstummte, er hatte das Gefühl, schon genug gesagt zu haben. Er wollte Draco nicht mit seinen Problemen voll labern, vor allem, wenn sie ihm in letzter Zeit sowieso vollkommen egal gewesen waren. Auch nur wegen ihm…
Dracos Miene war, während Harry gesprochen hatte, immer zerknirschter geworden. „Tut mir leid“, sagte er schließlich. „Ich hab wohl in meinem grenzenlosen Selbstmitleid vergessen, dass ich vor Harry Potter stehe, auf dessen Schultern die Hoffung der gesamten guten Zaubererwelt lastet.“
„Wie kitschig“, kam es von Harry und Draco zuckte entschuldigend mit den Schultern.
„Ist doch so… oder nicht?“, stellte er mehr fest, als das er fragte.
„Ja, doch, ist so“, nickte Harry. „Jedenfalls kommt es mir oft so vor.“
Auch Draco nickte. „Kein Wunder… an deiner Stelle wäre ich schon längst durchgedreht…“
Diesmal zuckte Harry mit den Schultern. „Ist doch egal… ich will jetzt nicht drüber reden.“
„Ok“, Draco atmete kurz durch und holte dann eine Packung Zigaretten von seinem Schreibtisch, die er Harry hinhielt. Woher wusste er nur immer, wann Harry eine nötig hatte? Vielleicht, weil es ihm selber genauso ging…
Nachdem er ihre Zigaretten angezündet hatte, und sie sich mit dem Aschenbecher zwischen sich aufs Bett gesetzt hatte, sah Draco Harry mit gesenkten Kopf von der Seite an. „Eigentlich ging es nur darum, dass wir… jetzt… na ja, weist du, was ich meine? Ich brauche keine Angst mehr um meine Mutter haben, also… ist das alles nicht mehr so riskant…“
Harry hörte Draco selten herumstottern und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er fragte: „Was meinst du jetzt genau?“
„Ach, das weist du doch“ murmelte Draco, während er den Rauch ausblies. „Sie können mich nicht mehr zwingen, ein Todesser zu werden, also ist es auch egal, ob ich… schwul bin oder nicht. So.“
„Und sonst ist es dir egal, was alle denken?“, fragte Harry. „In Hogwarts?“
Draco zog energisch an seiner Zigarette. „Erinnere mich nicht daran!“, sagte er nur und sah Harry dann fast bittend an. „Können wir nicht über was anderes reden?“
Harry hob eine Augenbraue, wobei er bezweifelte, dass es bei ihm so gut aussah, wie bei Draco. „Ich find das aber wichtig…“
„Ja… aber wir wissen doch sowieso, auf was es hinausläuft, oder?“, Draco kniff die Augen zusammen, als ihm Rauch hinein kam.
„Auf was denn?“, Harry wusste, dass sie jetzt schon wieder anfingen, dieses Frage “ Antwort “ Spiel zu spielen, wie immer wenn ihnen etwas peinlich war.
„Auf unser Outing, oder den Tag, an dem ganz Hogwarts an einem Herzinfarkt sterben wird “ such’s dir aus“, sagte Draco sarkastisch und Harry hustete, als er den Rauch zu tief einatmete. So direkt hatte er die Antwort jetzt auch nicht erwartet. Der blonde Slytherin klopfte ihm grinsend auf den Rücken und fragte zuckersüß: „Hab ich was falsches gesagt?“
„Ach, halt die Klappe“, hustete Harry. „So genau wollte ich’s auch nicht wissen!“
„Wirklich nicht?“
“Doch…“, Harry wurde heiß. Das konnten sie doch nicht wirklich machen… Nur weil Dracos Mutter vielleicht vorläufig in Sicherheit war, und die Todesser nichts mehr hatten, mit dem sie ihn erpressen konnten, hieß das noch lange nicht, dass sie überall rumposaunen konnten, dass sie was miteinander hatten. Das ging einfach nicht! Harry schüttelte den Kopf. „Das geht doch nicht so einfach…“
„Was? Das outen?“, Draco lies sich der Länge nach aufs Bett fallen. „Klar geht das “ ich hab gedacht, das wolltest du immer?“
Harry wurde klar, dass er das eigentlich wirklich gewollt hatte. Aber jetzt in der Realität, wo das ganze fast zum greifen nahe war, sah alles ganz anders aus. Auf einmal hatte er schreckliche Angst. Angst, vor Ron und Hermine, vor Dumbledore, vor den ganzen Schülern, die Hogwarts beherbergte… Und vor den ganzen Vorurteilen, dass er und Draco sich zu hassen hatten, und dann auch noch, dass sie beide Jungen waren… das war ja überhaupt das Schlimmste…
„Hast du Angst?“, fragte Draco da und Harrys Blick flackerte zu ihm, als er stumm nickte. Früher hätte er sich so etwas vor dem Slytherin nie eingestanden, aber jetzt, wo er manchmal schon fast seine Gedanken zu lesen schien, war das was anderes. Draco setzte sich wieder auf und dämpfte seine Zigarette aus, dann nachdem auch Harry den letzten Zug von seiner genommen hatte, stellte er den Aschenbecher auf den Boden. Und dann umarmte er Harry. Der Gryffindor wusste nicht, ob sie das überhaupt schon mal gemacht hatten, aber es fühlte sich unheimlich gut und richtig an. Mit einem leisen Seufzen schlang er seine Arme ebenfalls um Draco und eine Weile saßen sie nur so da, bis der blonde Junge sich wieder von Harry löste und ihn ansah.
„Ich… ich…“, er brach ab.
„Was, du?“, fragte Harry.
„Ich…“, fing Draco an, doch er brachte es wieder nicht zu ende. „Das sag ich dir ein andermal.“
Harry runzelte die Stirn, dann zuckte er mit den Schultern. „Ok…“, langsam wurde ihm kalt und so zog er die Decke zu sich heran.
„Gute Idee“, Draco schien sich wieder erholt zu haben und schlüpfte ebenfalls unter die Decke.
Harry rückte näher an ihn heran und fragte: „Willst du dich wirklich outen?“
Draco schüttelte den Kopf. „Nicht sofort… nicht von heute auf morgen… aber irgendwann mal… vielleicht“, er grinste und küsste Harry. Dann meinte er: „Du nicht?“
“Doch“, Harry musste auch grinsen, bis sich Draco wieder nach hinten fallen lies und Harry einfach nicht losließ, sodass er neben ihm zu liegen kam. „So aufregend diese ganze Heimlichtuerei auch ist… manchmal ist es auch nervig…“
„Ja…“, Draco nickte zustimmend. „Allerdings finde ich andere Sachen auch ganz aufregend…“, mit diesen Worten zog er Harry das Handtuch weg, dass er bis jetzt noch um seine Hüften geschlungen hatte.
„He!“, war das einzige, was dem schwarzhaarigen Jungen dazu einfiel, dann versuchte er ebenfalls, Draco von seinem Handtuch zu befreien, der das ohne Widersprüche zuließ.
„Bist du jetzt zufrieden?“, fragte er, nachdem Harry das Handtuch auf den Boden geschmissen hatte. „Oder soll ich noch mal aufstehen und strippen?“
„Nicht nötig“, meinte Harry und Draco lugte unter die Bettdecke.
„Sehe ich“, grinste er und verschwand auf einmal darunter. Dann spürte Harry weiche Lippen auf seiner Haut, die sich langsam von seiner Brust, bis zu seinem Bauch nach unten bewegten, bis sie an seiner Schwachstelle ankamen. Harry zog scharf die Luft ein und krallte sich in der Decke fest. Das war einfach nicht fair, was dieser Kerl mit ihm machte! Doch zum Glück, verweilte Draco nicht lange unter der Decke und kam schon bald wieder zum Vorschein, natürlich nicht, ohne die ganze Spur zurückzuküssen, die seine Lippen hinterlassen hatten.
„Du bist gemein“, sagte Harry und diesmal meinte er es wirklich so, wie er es sagte.
„Das sagst du mir öfters“, grinste Draco und biss ihn in den Hals und dann ins Ohr. „Aber deswegen hör ich trotzdem nicht damit auf…“
„Wär ja auch ein Wunder“, sagte Harry schwach und lies seinen Kopf in die weichen Kissen sinken. Dann drehte er sich zu Draco, der seinen Kopf auf seine Schulter hatte fallen lassen und sah ihn an. Wie hatte er ihn nur jemals hassen können? Wie hatten sie sich nur diese ganzen Gemeinheiten an den Kopf werfen können, ohne mit der Wimper zu zucken? Und wie konnte das auf einmal vorbei sein, und etwas ganz anderem Platz machen? Etwas, von dem Harry noch immer nicht ganz genau wusste, was es war… Doch eigentlich, irgendwo, tief in ihm drin, wusste er es schon… Doch er würde sich hüten, das auch nur im Entferntesten an die Oberfläche kommen zu lassen. Stattdessen sollte er vielleicht etwas dagegen tun, dass sie hier bald einschliefen, denn genau das würden sie tun, kein Wunder um die Uhrzeit. Draco hatte schon die Augen geschlossen und öffnete sie verdutzt wieder, als Harry ihm seinen Arm entzog und unter der Bettdecke verschwand.
„Was machst du denn?“, fragte er und Harry murmelte gedämpft unter der Decke: „Üben…“
Was er damit meinte, muss wohl nicht weiter erläutert werden und so war es auch nicht verwunderlich, dass Draco schon nach kurzen heftig einatmete. Harry hatte gefunden, was er gesucht hatte und langsam fand er Gefallen an dieser ganz besonderen Stelle von Dracos Körper. Auch dem Slytherin schien es zu gefallen, was Harry da tat, denn als er nach einer Weile wieder unter der Decke zum Vorschein kam, um nach Luft zu schnappen, meinte er: „Vielleicht… solltest du nicht mehr so lange weitermachen…“
„Hä, wieso nicht?“, machte der Gryffindor verständnislos. „Bin ich so scheiße?“
Draco lachte auf. „Das sicher nicht!“
„Na dann“, Harry verschwand wieder, doch nach kurzer Zeit zog Draco ihn schon wieder nach oben. Er sah ziemlich geschafft aus.
„Du solltest jetzt wirklich aufhören…“
„Wieso?“, fragte Harry wieder.
„Weil… ich sonst komme! Deshalb…“, Draco schien schon fast verzweifelt zu sein.
„Und wo ist da das Problem? Willst du das etwa nicht?“, vielleicht war Harry wirklich so schlecht, und Draco wollte es ihm nur nicht sagen…
„Doch, schon, aber…“
„Kein Aber…“, Harry schüttelte den Kopf und zog sich die Decke über den Kopf. Wo war denn das Problem? Wo das Problem war, sollte er schon nach wenigen Sekunden bemerken, als Dracos Finger sich in seine Schulter krallten und er unterdrückt aufstöhnte. Dann spürte Harry etwas heißes in seinen Mund schießen und um ein Haar hätte er sich verschluckt. Jetzt wusste er, was Draco gemeint hatte, denn das war in der Tat… gewöhnungsbedürftig. Er schluckte. In diesem Moment schlug Draco die Decke zurück und sah ihn entgeistert an.
„Hab ich’s dir nicht gesagt?!“, keuchte er und Harry zuckte mit den Schultern.
„War doch gar nicht so schlimm…“
“Ach, lüg mich nicht an! Pansy ist nach dem ersten Mal ins Bad gerannt und ist eine halbe Stunde nicht wiedergekommen!“, sagte Draco und Harry verzog das Gesicht.
„Fang nicht mit der an! Außerdem bin ich nicht Pansy, ok?“, der Gryffindor setzte sich auf und wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Anstatt, das Draco auch nur irgendetwas positives sagte, fing er an, von Pansy zu schwafeln! So einen Vergleich hatte er doch wohl wirklich nicht nötig, oder?
„Tut mir leid“, Draco setzte sich ebenfalls auf und zog Harry zu sich heran. „Es war nur… ich wollte nicht… dass du vielleicht genauso reagierst, wie sie… oder alle anderen Mädchen…“
„Hör auf!“, Harry stieß ihn etwas unsanft von sich weg und stand auf, um sich eine Zigarette zu holen. Das war doch unglaublich! „Kannst du nicht einmal damit aufhören, mir unter die Nase zu binden, mit wie vielen Mädchen du schon was hattest?“ fuhr er Draco heftiger an, als er es eigentlich wollte.
Der hob nur eine Augenbraue und sagte eine Weile gar nichts. Dann meinte er: „Ich wollte dir eigentlich nur klar machen, dass Sperma nicht jedermanns oder besser gesagt jeder Frau’s Geschmack ist, ok?“
„Ich bin aber ein Kerl, falls du’s noch nicht bemerkt hast, und ich bin nicht ins Bad gerannt, also kannst du dir weitere Erklärungen sparen“, sagte Harry und setzte sich wieder auf die Bettkante.
Draco hob die Hände und stand auf. Er ging zum Schreibtisch, wo Harry die Zigarettenpackung hatte liegen lassen und wollte sich ebenfalls eine Zigarette anzünden. Doch als er sie mit dem Zauberstab antippte, kam eine Stichflamme daraus hervor und er lies beides fallen. „Au, verdammt!“
„Das war mein Zauberstab!“, Harry schmiss seine Zigarette ihn den Aschenbecher und war zwei Sekunden später bei Draco, der sich wütend und mit schmerzverzerrtem Gesicht seine Hand ansah.
„So was muss auch nur wieder mir passieren…“, grummelte er, während Harry seinen Zauberstab vom Boden aufhob und anschließend den ‚Kurate’ Zauber murmelte. „So, alles wieder gut“, meinte er und hielt Dracos Hand fest. „Tut mir leid.“
„Mir tut’s leid“, sagte Draco kopfschüttelnd und zog seine Hand aus Harrys um sie sich erneut anzusehen. „Eigentlich hätte ich dir sagen sollen, wie gut das war…“
Harry grinste. „So, war es?“
Der üblichen gehobenen Augenbraue folgte ein „Ja.“ Und ein Kuss, der Harry die allerletzten Zweifel an seinem Können vergessen ließ. Doch diesmal schob er Draco von sich, bevor es zu brenzlig wurde, obwohl der längst gemerkt hatte, dass dieser Kuss Harry nicht unberührt gelassen hatte.
„Wolltest du nicht eine rauchen?“, fragte Harry, um sich irgendwie abzulenken, doch Draco schien anscheinend andere Sachen im Kopf zu haben, denn er meinte kokett: „Wär es dir nicht lieber, wenn ich was anderes im Mund hätte?“
„Draco!“, Harry schüttelte fassungslos den Kopf und ärgerte sich darüber, dass etwas anders an seinem Körper Draco ganz und gar zuzustimmen schien. Er legte den Kopf schief. „Allerdings… wenn du schon so direkt fragst…“
Draco grinste und dirigierte Harry zum Bett zurück, der sich nur zu gerne darauf fallen ließ. Er wollte schon die Arme hinter seinem Kopf verschränken, doch das wäre ihm dann doch zu blöd vorgekommen. So zog er an der Zigarette, die Draco ihm hinhielt und dann wieder in den Aschenbecher beförderte, nachdem er selber noch einen Zug davon genommen hatte. Bevor Draco allerdings irgendetwas machen konnte, ertönte ein leises Plopp im Kamin und ein Hauself erschien. Die beiden Jungen wirbelten erschrocken herum und starrten den Hauselfen an, der, mit der Hand vor den Augen ins Bad marschierte und piepste: „Lassen sie sich nicht stören, Mr. Malfoy, Candy holt nur die Wäsche… tun sie so, als ob Candy nicht da wäre, Sir!“
Harry und Draco starrten dem Elfen fassungslos hinterher, wie er im Bad verschwand und waren zwei Sekunden später unter der Decke verschwunden. Da kam der Hauself auch schon zurück, verborgen hinter einem Wäschehaufen, unter dem auch ein Teil von Harrys Sachen war.
“He, die brauch ich noch!“, kam es aus Harry hervor, als der Hauself auch noch anfing, die Klamotten einzusammeln, die im Zimmer verstreut herum lagen.
„Und überhaupt!“, Draco hatte sich die Decke um die Hüften gewickelt und kam auf den Elfen zu. Der war mitten im Raum stehen geblieben und sah ihn mit großen Augen an. Harry zog unterdessen zwei Kissen zu sich heran, um nicht völlig nackt dazusitzen. „Was fällt dir überhaupt ein, hier einfach reinzuplatzen!?“ Der Elf wollte schon gehorsam antworten, doch Draco schnitt ihm mit einer Geste das Wort ab. „In Zukunft, kommt hier kein Hauself mehr rein, wenn ich nicht alleine bin, ist das klar?!“
„Natürlich Sir, Mr. Malfoy“, stotterte der Elf kleinlaut.
„Und die Sachen kannst du auch da lassen“, Draco wies auf den Kleiderstapel in seinen Händen und der Hauself lies ihn fallen. „Außer den Pyjama, den kannst du mitnehmen.“
“Natürlich, Sir, haben sie noch einen Wunsch, Sir?“, fragte der Elf, während er eifrig Dracos Pyjama auf seinem Kopf stapelte.
„Nein, dass wär dann auch schon alles“, sagte Draco verächtlich und deutete dem Elfen an, zu verschwinden. Der kam seiner Geste sofort nach und verschwand mit einem Puff im Kamin.
Der Slytherin sah ihm kopfschüttelnd nach und drehte sich erst um, als ein „Draco!“, vom Bett ertönte. Harry saß noch immer mit seinen Kissen da und sah ihn ungläubig an. „Was war denn das eben?!“
„Hä, was?“, fragte Draco und kam wieder ins Bett zurück, wo Harry ihm fröstelnd die Decke wegzog.
„Wie hast du denn den Hauselfen eben behandelt?“, fragte Harry und hätte fast noch tadelnd den Kopf geschüttelt.
„Na, so wie nen Hauselfen halt“, sagte Draco. „Wo ist denn das Problem?“
„Das Problem?“, wiederholte Harry verblüfft. „Das, das ist doch gemein! Das ist genauso ein denkendes Wesen und du, du…“
“Ach, komm schon“, Draco schüttelte den Kopf. „Hauselfen mögen das! Was glaubst du, wie der aus allen Wolken fallen würde, wenn ich auf einmal nett zu ihm wäre!?“
Harry zuckte mit den Schultern. „Ich glaub nicht, dass die das mögen… und du hast ihn nicht mal gefragt, wieso er um die Uhrzeit aufgetaucht ist! Vielleicht hatte es einen Grund?“
“Hatte es sicher, aber was hätte das geändert?“, fragte Draco. „Außerdem weiß er jetzt wenigstens, dass ich es nicht schätze, gestört zu werden, wenn ich grade beschäftigt bin…“, seine Hand wanderte zu Harry unter die Bettdecke, der sie aber erwischte und festhielt.
„Nicht jetzt…“, sagte er und Draco sah ihn doch tatsächlich entschuldigend an. Harry wusste nicht warum, aber so, wie Draco eben mit dem Elfen umgesprungen war, das hatte ihm einen kleinen Dämpfer versetzt. Allerdings, wenn er da an den Vater des Slytherins dachte, und an Dobby, da war Draco doch wirklich freundlich mit dem Elfen umgesprungen… „Ich frag mich wirklich, was der hier zu suchen hatte!“, sagte er so, um etwas vom Thema abzulenken.
Draco nickte. „Ich mich auch! Das ist mir noch nie passiert, dass einfach so ein Hauself reinplatzt…“
„Naja, vielleicht schläfst du sonst um diese Uhrzeit noch?“, mutmaßte Harry und erntete ein erneutes Nicken von Draco.
„Das stimmt allerdings…“, er grinste Harry an. „Heute wurde ich irgendwie aufgeweckt…“
„Echt? Von wem denn?“, grinste Harry zurück und Draco stieß ihm mit dem Ellbogen sacht gegen die Seite, dann zog er ihn zu sich.
„Was hältst du davon, wenn wir noch ne Runde schlafen?“, fragte er und kuschelte sich an Harry, der das mit einer Mischung aus Erstaunen und Gerührtheit beobachtete.
„Jetzt noch?“, fragte er und sah auf die Uhr.
„Ja, so ein, zwei Stunden…“, Draco gähnte und Harry zuckte lächelnd mit den Schultern.
„Ok…“, vorsichtig zog er die Decke, ganz über sie und sah dann Draco an. „Schläfst du schon?“ Über das Gesicht des Slytherin huschte ein grinsen und er schüttelte den Kopf, allerdings, ohne die Augen zu öffnen. „Glaubst du, das von gestern hat sich schon rum gesprochen?“
„Was?“, fragte Draco mit müder Stimme.
„Das in den Drei Besen… als wir uns… geküsst haben…“, sagte Harry mit einem Kribbeln im Bauch.
Draco öffnete die Augen. „Merlin…“, Anscheinend hatte er da noch nicht wirklich drüber nachgedacht. „Glaubst du?“
„Ja, keine Ahnung!“, sagte Harry verzweifelt und das Kribbeln verstärkte sich. „Das spricht sich doch sicher rum, oder nicht? Oder glaubst du, dass alle, die gestern dort waren, die Klappe halten?“
Draco schüttelte den Kopf. „Wär ja zu schön, um wahr zu sein…“, dann zuckte er allerdings mit den Schultern. „Wir sagen einfach, wir waren betrunken!“
„Ach, und deswegen würden wir so was machen?“, fragte Harry.
„Hm… nein“, schloss Draco resigniert. „Wie war das mit dem outen?“
„Jetzt schon?!“, Harry wurde schlecht. „Das geht nicht…!“
Draco sah ihn stirnrunzelnd an. „Gucken wir einfach mal, was heute los ist, wenn wir in die große Halle kommen… vielleicht sind es ja auch bloß Gerüchte, und die müssen ja nicht wahr sein…“
“Meinst du?“, fragte Harry unsicher. „Und was sollen wir sagen?“
„Keine Ahnung…“, Draco zuckte mit den Schultern. „Gar nichts?“
„Na toll“, Harry ließ den Kopf zurück in die Kissen fallen.
„He, komm“, Draco beugte sich über ihn und strich ihm über die Wange. „Mach dir keinen Kopf, vielleicht ist auch gar nichts durchgedrungen…“
„Vielleicht, das kannst du gar nicht wissen!“, Harry schüttelte den Kopf.
„Ja, vielleicht stehen auch schon alle Reporter des Tagespropheten in der großen Halle rum und warten auf uns!“, sagte Draco. „Ist doch egal, wir können sowieso nichts mehr dran ändern!“
„Wir könnten uns umbringen“, meinte Harry sarkastisch und hielt schnell den Mund, als er den erschrockenen Ausdruck in Dracos Augen sah. „Nein, es wird schon nichts sein“, sagte er schnell. „Lass und schlafen…“
Draco sah ihn noch immer besorgt an, dann gab er Harry einen leichten Kuss auf den Mund und strich ihm durch die Haare. „Sag so was nie wieder.“ Mit diesen Worten schlang er einen Arm um Harrys Taille und legte seinen Kopf auf dessen Schulter. Harry wusste genau, was Draco gemeint hatte, und war erstaunt darüber, dass er seine Worte so ernst genommen hatte. Dabei war das alles doch wirklich nicht so schlimm… und wenn er nach den Leuten in den Drei Besen ging, die hatten es doch alle ganz gut aufgenommen… wahrscheinlich hatten sie wirklich gedacht, dass die beiden betrunken waren, oder dass es eines ihrer üblichen Machtspielchen war… wenn auch ein außergewöhnliches. Vielleicht war es ja gar nicht so schlimm… es würde doch nie jemand auf die Idee kommen, Gerüchte über ein Verhältnis zwischen Harry Potter und Draco Malfoy ernst zu nehmen…
Ohne es zu merken, dämmerte Harry langsam in einen traumlosen Schlaf über, aus dem er erst wieder erwachte, als er ein leises aber stetiges Klopfen vernahm. Langsam öffnete er die Augen und erkannte blinzelnd woher das Geräusch kam: Aus der Wanduhr war ein kleiner Holzspecht gekommen, der unablässig gegen das Gehäuse klopfte, anscheinend um die beiden Jungen wach zu bekommen. Gerade als Harry etwas sagen wollte, rührte sich etwas neben ihm und Draco murmelte: „Jaja, schon gut… wir sind schon wach!“ Der Specht hörte auf zu klopfen, blinzelte kurz und verschwand dann in der Uhr.
„Wirst du jeden Morgen so geweckt?“, fragte Harry den blonden Slytherin, der seinen Kopf wieder an Harrys Halsbeuge vergraben hatte.
„Nur am Wochenende“, kam es dumpf von ihm und Harry hatte das Gefühl, dass Draco schon wieder daran war, einzuschlafen. Allerdings war es schon halb zehn, also sollten sie vielleicht mal machen, dass sie aus dem Bett in die große Halle kamen.
„Hey, Draco…“, Harry stupste den Slytherin sachte an, doch der gab nur ein verschlafenes Geräusch von sich und kuschelte sich noch enger an Harry. Dem wurde das Herz schwer, doch irgendwas musste er doch tun. „Draco, es gibt Frühstück!“
„Hm, wo?“, machte der und Harry grinste.
„Na wo, in der großen Halle!“
„Bäh, da will ich jetzt nicht hin“, Draco schüttelte entschlossen den Kopf, genauso wie Harry.
„Aber wir müssen da hin, sonst denken sich alle erst recht was…“. Hoffentlich hatte er nicht recht…
„Ich weiß…“, Draco ließ Harry los und streckte sich, dann drehte er sich wieder zu Harry und gab ihm einen Kuss. „Morgen…“
“Morgen“, sagte Harry und musste schon wieder grinsen. Dann kletterte er aus dem Bett und zog seine Boxershorts an, die mit den anderen Sachen auf dem Boden lagen, wo der Hauself sie fallen gelassen hatte. Draco kam auch aus dem Bett hervor und ging zu seinem Schrank, wo er, nachdem er eine Boxershorts hervorgezogen hatte, stehen blieb.
„Sag jetzt nicht wieder, dass du nichts zum Anziehen hast…“, sagte Harry nach einer Weile, in der Draco stumm den Inhalt seines Schrankes gemustert hatte. „Schau mich mal an!“ Er wies auf sein Hemd, dass er gerade angezogen hatte und schlüpfte in seine Hose.
„Sieht doch gut aus“, meinte Draco mit einem Blick auf Harry.
„Gut? Ich sehe in Dudleys Sachen aus, wie ein Elefant!“, kam es aus Harry hervor und Draco runzelte die Stirn.
„Naja, das Hemd ist wirklich ein bisschen weit, aber das passt doch zu dir…“, dann huschte ein Grinsen über Draco Gesicht. „Wo hast du denn die Jeans her?“
„Die?“, Harry sah an sich herab und hob dann verblüfft die Schultern. „Keine Ahnung…“ Das fragte er sich wirklich…
„Die sieht nämlich nicht so aus, als ob sie dir sonderlich zu weit wäre…“, meinte der blonde Slytherin und zog dann ein T-Shirt aus dem Schrank. So sah er Harrys leicht empörten, halb geschmeichelten Blick nicht. „Ich hab sogar nur schwarze T-Shirts!“ Er hielt es in die Höhe und meinte dann zu Harry: „Gib mal deins her…“
„Dann muss ich mich ja wieder ausziehen!“, sagte Harry, doch nach Dracos viel sagendem Blick zu schließen, machte dem das nicht sonderlich viel aus. Harry schüttelte den Kopf, dann zog er sein Hemd und das weiße T-Shirt aus und warf beides Draco zu. „Und was willst du jetzt damit?“
„Na anziehen!“, sagte Draco, als ob es das selbstverständlichste auf der Welt wäre und schlüpfte auch schon in Harrys T-Shirt.
„Du kannst doch nicht meine Sachen anziehen!“, sagte Harry. „Wie sieht denn das aus? Draco Malfoy in Riesen “ Muggel Klamotten!“
“Ach komm, bei dir sieht’s doch auch nicht schlimm aus“, winkte der Slytherin ab und schlüpfte in das Hemd. „So… und?“ Er sah Harry fragend an, der sich am Kopf kratzte.
„Vielleicht solltest du noch eine Hose anziehen?“, meinte er dann und musterte Draco, während der in seinem Schrank stöberte. Eigentlich passten ihm die Sachen gar nicht so schlecht… Wenn man mal von der Tatsache absah, dass er Draco Malfoy war und Harry Potters Klamotten trug.
„Und jetzt?“, Draco hatte eine seiner üblichen schwarzen Hosen angezogen und sah Harry fragend an. Der schüttelte den Kopf.
„Du solltest ein anderes T-Shirt anziehen“, meinte er grinsend. Jetzt kam es schon soweit, dass er Draco Tipps beim Anziehen gab…
„Mann…“, Draco zog sich wieder aus, warf Harry sein T-Shirt wieder zu und zog dann ein schwarzes an. „Das Hemd behalte ich aber!“, sagte er bestimmt und Harry zuckte nur grinsend mit den Schultern.
„Gut, dann musst du mir aber eins von dir geben…“
„Ausnahmsweise“, Draco winkte Harry zu sich und sah ihn dann prüfend an. „Willst du schwarz oder… schwarz?“
„Ich glaub, ich nehm schwarz“, sagte Harry nachdenklich und Draco reichte ihm grinsend eins von seinen Hemden.
„He, dass sieht ja richtig gut aus!“, meinte er anerkennend, nachdem Harry das Hemd angezogen hatte und sah sich dann selber im Spiegel an. „Merkt man irgendwie, dass das Hemd nicht mir gehört?“, fragte er dann und Harry unterdrückte ein Lachen.
„Ein bisschen vielleicht… Willst du nicht was anderes anziehen?“
„Kommt gar nicht in Frage“, Draco schüttelte den Kopf. „Ich behalte das an… sollen wir zum Frühstück gehen?“
Harry nickte. „Ok…“, er wollte gar nicht dahin, in die große Halle… Aber da musste er wohl durch, genauso wie Draco, der noch dazu sein Hemd trug… Das würde sicher auch nicht unbemerkt bleiben…
Der Gryffindor zog sich seine Schuhe an und warf sich dann den Schulumhang über, genauso wie Draco. Wenigstens konnte man so nicht mehr wirklich erkennen, was er anhatte.
Als Harry zur Tür ging und sie öffnen wollte, hielt der Slytherin ihn zurück. „Wo willst du denn hin?“, fragte er und Harry sah ihn verwirrt an.
„Na, zum Frühstück…“
„Ohne einen Abschiedskuss?“, Draco sah ihn mit großen Augen an.
„Also, den wollte ich dir eigentlich in der großen Halle geben“, scherzte Harry und Draco hob eine Augenbraue.
„Ach so, gut, wenn du meinst…“, er öffnete die Tür und wäre fast schon verschwunden, doch Harry erwischte ihn am Ärmel.
„Draco, das war ein Scherz“, sagte er kopfschüttelnd und versuchte, die leichte Panik, die in ihm für einen kurzen Moment hochgekommen war, zu unterdrücken. Draco in der großen Halle küssen, klar, mitten in der Nacht vielleicht, wenn kein Mensch da war… Harry zog den Slytherin zu sich und nahm sein Gesicht in die Hände. Grün versank in grau und umgekehrt und dann hielt Draco es nicht mehr aus und küsste Harry stürmisch, bis er ihn sachte von sich schob.
„He, jetzt heb dir doch noch was für die große Halle auf!“, grinste Harry kopfschüttelnd, woraufhin Draco ihn tadelnd ansah.
„Pass nur auf, ich nehme das noch wörtlich…“, er gab Harry noch einen kurzen Kuss, der natürlich am liebsten noch viel länger hier rum gestanden hätte und zog ihn dann durch das Portrait, das schon zur Seite geklappt war. Harry wurde ganz warm ums Herz, als Draco seine Hand nicht sofort wieder losließ, nachdem sie auf dem Gang angekommen waren und sah ihn von der Seite an.
„Solln wir zusammen in die große Halle gehen?“, fragte er, während sie durch die Kerker gingen.
Der blonde Junge hob die Schultern. „Wieso nicht…“
„Dann solltest du meine Hand vielleicht loslassen…“, wagte Harry mit dem Anflug eines Lächelns zu sagen, als sie gerade in der Eingangshalle ankamen. Draco sah nach unten und stutzte, als er sah, dass er Harry wirklich an der Hand hielt. Dann ließ er ihn mit dem Anflug von rot auf den Wangen los. Konnte es sein, dass er das gar nicht bemerkt hatte? Harry grinste und ging auf die Flügeltüren der großen Halle zu.
„Was machen wir, wenn uns alle anstarren?“, fragte er und über Dracos Gesicht huschte nun auch ein Grinsen.
„Dann knutschen wir uns einfach ab.“
„Und wenn nicht?“
„Dann tun wir, als ob nichts wäre“, schloss der Slytherin und Harry nickte.
„Na denn…“, mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend griff der Gryffindor nach der Flügeltür und Draco tat es ihm gleich. Ein letztes Mal sahen sie sich an, dann betraten sie die große Halle.
Harry hatte für einen winzigen Augenblick unbewusst die Augen geschlossen, doch als er sie wieder öffnete, stellte er verwundert fest, dass alles normal zu sein schien. Die meisten Schüler waren auf das Frühstück und in ihre Gespräche vertieft, und nur ein paar sahen auf, als die große Flügeltüre wieder hinter Harry und Draco zu schwang. Über das Gesicht des Slytherin huschte ein erleichtertes Grinsen. „Na, dann, wir sehen uns, Potter…“
“Jo“, Harry grinste zurück und machte sich auf den Weg zu seinem Tisch. Jetzt hieß es nur noch die Leute zu überstehen, die gestern mit in den Drei Besen gewesen waren. Gegen alle seine Erwartungen wurde er jedoch ziemlich kärglich begrüßt. Ron saß da, mit einer Tasse kalter Milch, die er sich gegen die Stirn presste und murmelte nur etwas von Kopfweh. Hermine las Tee schlürfend in ihrem Tagespropheten und Ginny war überhaupt abwesend, genauso wie Neville, der die meisten freien Tage bis zu Mittag verschlief. Harry ließ sich unruhig neben Hermine nieder und warf ein „Morgen“ in den Raum, auf das seine Freundin nur nickend reagierte. Der schwarzhaarige Junge sah sie argwöhnisch von der Seite an und ließ seine Blicke dann zu Ron wandern, der mittlerweile dazu übergegangen war, abwechselnd an seiner Milch zu schlürfen und sie sich an die Stirn zu halten. Irgendwas stimmt hier doch nicht, was war denn los? Hatten alle vergessen, was gestern Abend los gewesen war? Harry äugte hinüber zum Slytherintisch und konnte Draco und Mark erkennen, die über irgendetwas redeten. Wenn er nur verstehen könnte, über was! Doch anscheinend schien dort drüben auch alles in Ordnung zu sein, was ihn doch stark wunderte…
Grübelnd nahm der schwarzhaarige Gryffindor sich ein Brötchen und begann, es aufzuschneiden, dann beschmierte er es mit Butter und Honig. Hermine und Ron hatten noch immer nichts gesagt. Harry schüttelte den Kopf und biss in sein Brötchen. Gut, sollten sie doch schweigen, ihm egal, wenigstens ließen sie ihn dann in Ruhe! Doch nach einer Weile, in der er an seinem Honigbrötchen herumkaute, wurde es ihm zu blöd.
„Ähm, Hermine?“, fragte er seine Freundin, die ohne von ihrer Zeitung aufzusehen, einen Ton von sich gab, der Harry wohl zu verstehen geben sollte, dass sie ihn gehört hatte. „Ähm…“, fing er wieder an und sah sich hilflos um. Ron schenkte sich gerade Milch nach. „Ist… ist irgendwas los?“, rang er sich schließlich durch zu fragen und kam sich ein ganz kleines bisschen bescheuert vor.
„Nein, wieso?“, Hermine sah endlich von ihrer Zeitung auf und schenkte ihm einen leicht verwirrten Blick. „Ist denn mit dir was los?“
„Mit mir? Nein“, Harry schüttelte den Kopf in dem Bewusstsein, dass er mal wieder log. „Wieso?“
Das braunhaarige Mädchen zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht… wenn du schon so fragst, muss irgendwas nicht in Ordnung sein…“
„Bei mir ist alles ok“, sagt Harry schnell und sah dann zu Ron rüber. „Und mit ihm…?“
„Ach“, Hermine winkte ab. „Der hat nur nen Kater…“
„Ach so“, Harry nickte andächtig und wollte sich wieder seinem Brötchen zuwenden, als Hermine fragte: „Kommst du heute Nachmittag mit zu Hagrid? Hedwig hatte vorhin einen Brief von ihm dabei und hat solange keine Ruhe gegeben, bis ich ihn ihr abgenommen habe.“
„Oh“, machte Harry. „Klar… wieso nicht, wir waren ja schon ewig nicht mehr bei ihm…“
„Gut!“, Hermine schien zufrieden zu sein und wandte sich wieder ihrer Zeitung zu.
Harry starrte auf sein Brötchen und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Er konnte nicht zu Hagrid gehen! Der hatte ihn und Draco doch letzte Woche gesehen! Zweimal sogar, und was er das zweite Mal gesagt hatte, das war ja wohl mehr als eindeutig gewesen… Andererseits, Hagrid würde nie absichtlich irgendetwas ausplappern… aber unabsichtlich sehr wohl, auch wenn er es noch so gut meinte… Harry schluckte. Na das konnte ja was werden, und er konnte ja auch nicht einfach absagen, das ging nicht. Da hieß es wohl, Augen zu und durch, so wie so oft in letzter Zeit… Und irgendeine gute Ausrede musste er sich auch noch einfallen lassen, als Notlösung praktisch…
Nachdem Harry sein Frühstück beendet hatte, Kaffe hatte er komischerweise keinen nötig, was wohl daran lag, dass er irgendwie nie müde war, wenn er bei Draco geschlafen hatte, blieb er noch eine Weile sitzen um blöd aus der Wäsche zu gucken. Doch weder Ron noch Hermine machten Anstalten, ein Gespräch mit ihm anzufangen und so erhob er sich nach einiger Zeit wieder und meinte, er würde in die Eulerei gehen. Von Hermine bekam er wieder ein Nicken und ein „Guck mal, ob die Jungen schon gewachsen sind!“, von Ron bekam er gar nichts, außer ein Aufstöhnen, als er sich quer über den Tisch beugen musste um an den Toast zu kommen. Ziemlich resigniert und ganz und gar nicht erleichtert, machte Harry sich aus dem Staub und atmete auch nicht aus, als er die große Halle verlassen hatte. Irgendwas stimmte nicht, das hatte er im Gefühl. Nach dem was gestern passiert war, würde Ron nicht einfach nur stillschweigend dasitzen und seinem Kater frönen, und Hermine hatte noch nie so getan, als ob nichts geschehen wäre. Vorausgesetzt natürlich, es war etwas geschehen und das war es ja wohl, eindeutig.
Eine Weile schlenderte Harry grübelnd durch die Gänge, bis er auf die Idee kam, wirklich in die Eulerei zu gehen. So machte er sich an den Aufstieg in den kleinen Turm und kam schon kurze Zeit später dort an. Zu seiner Enttäuschung war Hedwig nicht da, sondern nur Dracos Eule, die in ihrem Nest saß und die Jungen bewachte. Vielleicht war Hedwig ja auf Jagd und so setzte Harry sich einfach neben dem Nest auf einen Balken und wartete. Lange konnte das ja wohl nicht dauern. Anfangs wurde er etwas misstrauisch von Dracos schwarzer Eule beobachtet, vor allem, als er versuchte, einen Blick auf ihre Jungen zu werfen, doch mit der Zeit, ließ sie ihn gewähren. Harry hatte gar nicht gewusst, wie schnell Eulenbabies wuchsen und war ziemlich erstaunt, als er die mittlerweile schon ziemlich beachtlichen Federbälle endlich zu sehen bekam. Gerade als er überlegte, ob er den Versuch wagen sollte, eines von den Jungen aus dem Nest zu nehmen, hörte er ein Flattern und sah auf. Es war Hedwig, die gerade von draußen herein kam, mit etwas im Schnabel, das verdächtig nach einer Maus aussah. Harrys Verdacht bestätigte sich, als sie näher kam und schließlich ließ sich seine Eule auf dem Balken neben ihm nieder um die Maus im Nest verschwinden zu lassen. Harry wollte lieber nicht wissen, was die kleinen Eulen jetzt damit anstellten und streckte die Hand aus, um Hedwig zu streicheln. Doch sie flog wieder auf, und Harry wollte ihr schon empört hinterher rufen, als er sah, dass sie nach unten flog, und auf dem Arm eines blonden Jungen landete.
„Draco?“, in diesem Moment ärgerte Harry sich über seine Kurzsichtigkeit.
Der Junge blickte zu ihm hoch und schickte Hedwig wieder nach oben. Erst als er sich etwas unbeholfen daran machte, die Balken bis zu Harry hinauf zu erklimmen, konnte der Gryffindor erkennen, dass es wirklich Draco war.
„Was machst du denn hier?“, wollte er wissen, als der Slytherin sich gegenüber von ihm leicht schwankend auf einem Balken niederließ.
„Was ich hier mache, gute Frage!“, er schnaubte. „Ich such dich schon die ganze Zeit! Beim See warst du nicht, in meinem Zimmer auch nicht… in deinen Turm konnte ich nicht rein, also hab ich’s hier probiert…“
“Aja, und wieso?“, fragte Harry, da er ja noch immer keine Ahnung hatte, was Draco eigentlich wollte. Oje, hatte Mark etwas raus gefunden, oder war sonst etwas passiert?
„Ich wollte wissen, was mit Weasley und Granger war!“, erklärte der blonde Junge in dem Moment und Harry atmete auf.
Dann wurde er allerdings wieder ernst, als er sagte: „Nichts.“
„Wie nichts?“
„Nichts! Hermine hat mir nur gesagt, dass wir heute Nachmittag bei Hagrid eingeladen sind, und Ron war zu sehr mit seinem Kater beschäftigt um mit mir zu reden…“, erzählte Harry, worauf Draco die Stirn runzelte.
„Sonst nichts?“, fragte er noch mal nach, doch Harry schüttelte nur den Kopf. „Ist ja wirklich komisch…“, meinte Draco dann und zuckte mit den Schultern. „Mark war genauso!“
„Was?“, Harry konnte das nicht glauben. Wenigstens dem Slytherin hätte er es zugetraut, irgendeinen blöden Kommentar abzulassen, aber dass sogar der den Mund hielt, war höchst merkwürdig.
Draco nickte, dann huschte ein Grinsen über sein Gesicht. „Er hat sich nur über mein Hemd aufgeregt und hat gefragt, ob ich’s nem Hauselfen geklaut habe…“
„Typisch…“, Harry schüttelte den Kopf. Waren seine Klamotten wirklich so schrecklich?
„Dabei weiß ich gar nicht, was er hat…“, Draco zupfte an Harrys Hemd herum, dass unter seinem Schulumhang hervorlugte. „Ich mag das.“
Nun musste auch Harry grinsen. „Wieso wohl…“, er zog Draco zu einem Kuss an sich heran, der dadurch endete, dass Draco sich an den Balken klammerte, um nicht hinunterzufallen. Er hätte sich wohl nicht über Hedwigs Nest beugen sollen…
„Mann, sind die riesig!“, meinte er, nachdem er einen Blick hineingeworfen hatte und Harry nickte.
„Ja, von wem die das wohl haben…“, überlegte Harry laut.
„Na, von Damokles, wem sonst“, brüstete Draco sich und Harry sah ihn fragend an.
„Damokles? Deine Eule?“
„Ja, wie das Schwert, ist doch passend, findest du nicht?“, meinte Draco und Harry zuckte mit den Schultern.
„Hm, na ja wenn du meinst… wieso, hat er dir denn mal was getan?“, fragte er dann und sah Draco an.
„Fast…“, sagte der und wuschelte seiner Eule kurz durchs Gefieder. Harry fiel auf, dass ihre Federn an einigen Stellen fast so zerzaust waren, wie seine Haare, ob das Absicht war? Und Hedwig konnte man doch schon fast als blond bezeichnen… Der Gryffindor grinste, behielt seine Gedanken aber schön für sich, nicht das Draco noch sauer wurde, weil er ihn mit einer weiblichen Eule verglich…
Eine Weile beobachteten sie still die Eulenjungen, bis Harry das Gefühl bekam, das Schweigen unterbrechen zu müssen. „Draco…?“
„Hm?“, machte der Angesprochene und sah vom Nest hoch zu dem Gryffindor.
„Glaubst du wir fliegen auf?“, fragte Harry und wunderte sich selbst über seine Frage. Eigentlich hätte er dieses Thema lieber in Ruhe gelassen, doch der Slytherin runzelte nur die Stirn.
„Früher oder später“, meinte er und fügte noch hinzu: „Obwohl ich im Moment eher auf früher tippen würde…“
„Ich auch“, Harry schluckte. Das waren ja rosige Aussichten. „Was glaubst du wird passieren?“, fragte er weiter.
„Außer dem Herzinfarkt an dem ganz Hogwarts sterben wird, meinst du?“, Draco hob eine Augenbraue. „Außer Dumbledore, der wird das ganze überleben und ne Party für uns veranstalten…“
Harry grinste schwach. Es hätte ihn wirklich nicht gewundert, wenn der einzige der nicht überrascht wäre, Dumbledore sein würde. Wenn der dieses Jahr überhaupt irgendwas mitbekam, immerhin hatte er Harry noch nicht mal zu sich bestellt um ihn zu fragen, ob er wieder Alpträume hätte. Zum Glück hatte er keine, was wohl nicht zuletzt daran lag, das er komplett abgelenkt war, seit er wieder in der Schule war…
„Ich hab Angst vor Ron“, meinte Harry auf einmal und wunderte sich wieder. Es stimmte schon, er hatte wirklich Angst vor seinem früheren besten Freund, aber eigentlich hatte er nicht vorgehabt, Draco davon zu erzählen. Eigentlich hatte er nicht mal daran denken wollen, aber jetzt, wo er mal wieder drauflos geplappert hatte, ohne darüber nachzudenken, musste er sich wohl oder übel mit dem Thema befassen.
„Wieso das?“, fragte Draco in diesem Moment und Harry sah ihn verwirrt an, er war wohl zu sehr in Gedanken gewesen.
„Wieso wohl…“, meinte er, nachdem er seinen Kopf kurz geklärt hatte. „Ich glaub, wenn Ron jemals von uns erfährt, weiß er nicht ob er zuerst dich oder mich verprügeln soll…“ Draco bewegte den Kopf abwegig hin und her. „Obwohl… wahrscheinlich wird er mich nie wieder im Leben berühren wollen“, schloss Harry resigniert und ließ den Kopf hängen. Oh ja, das würde perfekt auf Ron passen.
„Ach komm schon“, Draco versuchte wohl, aufmunternd zu klingen. „Wenn er dich nicht berühren will, dann verprügelt er wenigstens nur mich…“, er grinste schwach und der Gryffindor schnaubte.
„Oh, ich seh’s schon: wenn er dir auch nur zu nahe kommt, dann…“
„Dann?“, der blonde Slytherin sah etwas belustigt aus.
„Dann kriegt er dermaßen was um die Ohren gepfeffert…“, Harry holte weit aus und hätte somit fast Hedwig von ihrem Platz gefegt. Sie sah ihn bitterböse an und erhob sich dann mit einem lauten Schuhu in die Lüfte, wahrscheinlich, um weiter auf Jagd zu gehen. Harry sah ihr kopfschüttelnd hinterher und wandte sich dann wieder Draco zu.
„Wo war ich?“
„Bei Weasley verprügeln“, grinste Draco. „Würdest du das wirklich machen?“
Harry wog diesen Gedanken ab. „Naja, eigentlich… schon“, er nickte bekräftigend, allerdings auch ein bisschen verblüfft. „Wenn er dir was tun würde…“
Draco hob beide Augenbrauen, dann meinte er: „Früher war das genau umgekehrt, weißt du das?“
„Jaah“, machte Harry lang gezogen und warf einen nachdenklichen Blick aus dem großen, offen stehenden Fenster der Eulerei. Es war schon merkwürdig…
„Ach komm“, Draco machte sich auf einmal an den Abstieg. „Ich hab keine Lust, hier ewig in Eulenmist rum zu sitzen.“
Harry grinste, dann grummelte er: „Wegen dir konnte ich nicht mal Hedwig streicheln…“
„Nimm ihr heute Abend nen Hühnchenflügel mit und sie verzeiht’s dir“, meinte der Slytherin schulterzuckend, während er wackelig über einen Balken balancierte.
Harry runzelte die Stirn, als er Draco beim Abstieg beobachtete und fragte dann: „Sag mal, was ist denn mit dir los?“
„Hä, wieso?“, machte der blonde Junge und hielt sich an der Wand fest, um zu Harry hoch schauen zu können.
„Du bist Sucher und dann stellst du dich so ungeschickt an?“, Harry schüttelte ungläubig den Kopf und schwang sich nach unten zu Draco, der einen Schmollmund gezogen hatte.
„Erstens stelle ich mich nicht ungeschickt an und zweitens hab ich manchmal ein bisschen Höhenangst“, sagte er und sah gespielt schnippisch in die Luft.
Harry glotzte ihn an. „Höhenangst!?“
„Ja, manchmal…“, Draco hob wieder die Schultern. „Ist doch nicht so schlimm, oder?“
„Naja, beim Fliegen?“, schlug Harry vor, doch der Slytherin schüttelte heftig den Kopf.
„Beim Fliegen doch nicht!“
„Ach so, ich dachte schon…“, Harry kratzte sich zerknirscht am Kopf und kletterte dann die letzten Meter bis nach unten, um dort auf Draco zu warten, der etwas länger brauchte, als der Gryffindor. Als er endlich auf dem untersten Balken angekommen war und überlegte, ob er springen sollte oder nicht, breitete Harry kurz entschlossen die Arme aus und meinte grinsend: „Ich fang dich auf, komm schon!“
„Ach, lass mich doch in Ruhe…“, murmelte Draco, der es wohl bereute, Harry von seiner Höhenangst erzählt zu haben, sprang dann aber doch und wurde von Harry aufgefangen, oder besser gesagt, daran gehindert, zu Boden zu gehen. „Aua“, der blonde Junge rieb sich den Fuß und bekam von Harry einen Kuss auf die Wange.
„Das hast du doch ganz toll gemacht“, sagte er und sprang schnell zur Seite um keinen Ellbogen in die Rippen zu bekommen.
Draco schüttelte nur den Kopf, wahrscheinlich sauer darüber, dass er Harry nicht getroffen hatte, zog ihn aber dann mit sich aus der Eulerei. Als sie draußen angekommen waren, fragte Harry: „Wo gehen wir denn hin?“
„Na, zu mir. Oder hast du ne bessere Idee?“, fragte Draco zurück. „Wenigstens gibt’s da keine Balken und den ganzen Käse…“
Harry unterdrückte ein Grinsen und überlegte dann laut: „Meinst du nicht, dass es auffällig ist, wenn ich so gut wie nie in meinem Gemeinschaftsraum bin?“
„Wieso, bist du doch“, meinte Draco. „Und am Wochenende kann doch wohl jeder machen, was er will, oder?“
„Stimmt…“, Harry nickte. „Außer heute Nachmittag, da muss ich zu Hagrid…“
„Zu der Plaudertasche…“, der Slytherin sah gar nicht begeistert aus. „Vielleicht solltest du dir ne Ausrede einfallen lassen…“
“Und was für eine, bitte?“, wollte Harry wissen. „Soll ich ihm sagen, ich kann nicht, weil ich lieber mit dir im Bett rum liege?“
„So, tust du das?“, in Dracos Augen flackerte wieder dieser gefährliche Glanz auf, den Harry langsam gut genug kannte um zu wissen, was er bedeutete.
„Ja, tu ich“, Harry nickte. „Und genau das, werde ich auch jetzt tun…“
„Aja?“, Draco sah nicht schlecht begeistert aus, als Harry ihn mit sich um die Ecke der Kerker zog. Als der Gryffindor dann, hinter dem Schwanenportrait angekommen, anfing, Draco zu küssen und ihm das Hemd aufzuknöpfen, staunte er nicht schlecht, als der Slytherin ihn zurückhielt. Das war eindeutig untypisch.
„Hm, was ist denn los?“, fragte er, worauf der blonde Junge nur mit den Schultern zuckte und Harry mit in sein Zimmer zog.
„Findest du’s nicht komisch, dass keiner, der gestern mit in den Drei Besen war, uns auch nur blöd angesehen hat?“, fragte Draco und Harry hob langsam die Schultern. Eigentlich hatte er ja recht…
„Schon… aber jetzt können wir auch nichts machen, außer…“, eigentlich hatte er vorgehabt, mit Draco im Bett zu verschwinden, doch der hatte sich mal wieder an seinen Schreibtisch gelehnt und zündete sich eine Zigarette an.
„Was außer?“, hakte er nach, als Harry seinen Satz unbeendet ließ.
„Ach, nichts…“, der schwarzhaarige Junge schüttelte den Kopf und nahm sich auch eine Zigarette. Wenn Draco nicht wollte, dann wollte er eben nicht, außerdem schien ihn die ganze Sache wirklich zu beschäftigen… Nachdem Harry sich seine Zigarette angezündet hatte, sah er den Slytherin an, der nachdenklich den Aschenbecher in seinen Händen drehte. „Meinst du, soll ich Ron und Hermine drauf ansprechen?“
Draco sah auf. „Lieber nicht, das ist ja erst recht auffällig…“
„Ja, aber ist das jetzt nicht egal?“, Harry nahm ihm den Aschenbecher aus der Hand und stellte ihn auf den Schreibtisch. Draco hatte soeben mit den Schultern gezuckt und Harry runzelte die Stirn, dann stieß er den Jungen neben sich leicht in die Seite. „He…“
„Hm?“, Draco hielt den Blick gesenkt und zog an seiner Zigarette, dann sah er Harry endlich an. „Was, wenn das ein riesengroßer Fehler ist?“
„Hä, was soll ein Fehler sein?“, fragte Harry dämlich und hoffte, dass Draco nicht die Sache zwischen ihnen meinte.
„Na, dieser ganze Kram mit dem outen… das ist doch Schwachsinn!“
Harry fiel ein kleiner Stein vom Herzen, dann meinte er allerdings: „Also ich finde nicht, dass das alles Schwachsinn ist… Ich meine, ich kann Ron und Hermine nicht ewig vorgaukeln, dass ich irgendwo in Slytherin ne Freundin habe, die sie nicht zu Gesicht bekommen… und was ist mit den ganzen Hogsmeat Wochenenden? Sollen wir da immer so tun, als wäre nichts und uns nur ab und zu abknutschen, wenn Jack vorbeikommt? Das ist ja fast noch kränker, da werden die anderen die Wahrheit ja wohl auch verkraften!“
„Welche Wahrheit denn?“, machte Draco ziemlich tonlos und Harry fragte sich, ob er grade etwas melancholisch drauf war.
„Na, die Wahrheit… zwischen uns…“, versuchte er zu erklären, obwohl sie ja noch immer nicht klargestellt hatten, was da überhaupt war.
Der Meinung war anscheinend auch Draco, denn er fragte: „Was ist denn zwischen uns?“
Harry ließ die Schultern sinken und stieß lang gezogen die Luft aus. „Das frag ich mich auch langsam!“
Diesmal war es an dem Slytherin, ihn fragend anzusehen, doch das einzige was Harry tat, war an seiner Zigarette zu ziehen und sich im Raum umzusehen, als warte er darauf, dass irgendetwas passieren würde. Eine Weile spürte Harry Dracos Blick auf sich ruhen, bis er sich räusperte. „Du kannst doch nicht allen Ernstes mit mir zusammen sein wollen! Das… das macht doch gar keinen Unterschied!“
„Oh doch, da ist ein ganz gewaltiger Unterschied!“, schnaubte Harry, ohne Draco anzusehen.
„Ach ja, und welcher bitte?“
Tja, wenn Harry das so genau wüsste, dann wäre er auch schon weiter. Nur leider hatte er selber nicht den geringsten Schimmer, wo denn hier wirklich der gewaltige Unterschied war. Er wusste nur, dass es da definitiv einen Unterschied gab. Aber wo lag der? War es das, dass er so das Gefühl hatte, dass Draco nicht zu ihm stehen wollte? Oder dass es ihm nicht ernst war? Es war doch eigentlich wirklich kein Unterschied da. Aber hieß es dann nicht, wenn sie nicht zusammen waren, dass sie beide mit anderen Leuten machen konnten, was sie wollten? Aber Harry wollte das doch gar nicht! Wollte Draco das?
„Willst du nicht mit mir zusammen sein, weil du so nichts mit anderen Kerlen haben kannst?“, rang Harry sich durch zu fragen und sah Draco für eine Sekunde an, in der der Slytherin aussah, als hätte Harry ihn gefragt, ob er gerne Ballett tanzen würde.
„Was bitte?“, machte er schließlich und Harry nickte nur, um seine Frage zu bekräftigen. „Ich will doch nichts mit anderen Kerlen haben!“, sagte Draco da aufgebracht und Harry hob resigniert die Augenbrauen.
„Also mit anderen Mädchen, ja?“
„Was? Mit Mädchen?“, Draco schüttelte völlig verwirrt den Kopf. „Mit denen erst recht nicht!“
„Na, wo ist denn dann das Problem?“, Harry rang verzweifelt die Hände und Draco seufzte.
„Das Problem ist, dass ich siebzehn und Draco Malfoy bin und einfach nicht sagen will: ich bin mit Harry Potter zusammen…“
„Was ist denn so schlimm an mir?“, langsam wurde es Harry zu blöd, außerdem bekam er seit geraumer Zeit, den Klos in seinem Hals nicht mehr los. War er nur ein Spielzeug für Draco, oder was?
„Gar nichts ist schlimm an dir!“, versuchte Draco, ihn zu beschwichtigen. „Ich mag diese ganze Beziehungsscheiße nur nicht. Das war schon mit Pansy schlimm genug…“
“Jetzt fängt er wieder mit der an…“, murmelte Harry, was Draco sehr wohl mitbekam. „Glaubst du allen Ernstes, ich bin wie Parkinson? Glaubst du, ich renn dir dann den ganzen Tag hinterher und spiele Schoßhündchen? So toll bist du auch wieder nicht!“ In diesem Moment kam Harry sich mehr denn je, wie ein kleines, eingeschnapptes Mädchen vor, was er wohl auch nicht besser machte, indem er zur Tür stapfte.
„Merlin Harry!“, bevor der Gryffindor am anderen Ende des Raumes angelangt war, hatte Draco ihn am Arm gepackt und hielt ihn zurück. „Ich vergleiche dich gar nicht mit Pansy, ich mag diesen Ausdruck einfach nur nicht, weil er mich einengt. Wo ist denn der Unterschied, ob du zu Weasley und Granger sagst: Ich hab was mit Malfoy, oder ich bin mit Malfoy zusammen?“ Noch während Draco den letzten Satz sagte, schien er zu merken, wo der Unterschied war. Sein Griff um Harrys Arm lockerte sich, was der schwarzhaarige Junge nutzte, um sich loszumachen.
„Merkst dus jetzt?“, fragte er und sah weg, damit Draco nicht sah, dass er kurz davor stand, einfach loszuheulen. Das wäre doch wirklich zu peinlich. Harry Potter heulte los, weil Draco Malfoy nicht mit ihm zusammen sein wollte, wo käme man denn da hin?
„Ja, ich sehe schon, wo das Problem liegt“, sagte Draco und versuchte, Harry anzusehen, doch er drehte sich beharrlich weg. „Aber kannst du nicht verstehen, dass ich das nicht will?“
Harry drehte sich mit einem Ruck um und funkelte Draco an. „Und du kannst wohl nicht verstehen, dass ich es will, oder? Nicht einmal kann in meinem Leben etwas normal sein, nein, das geht nicht… Es reicht ja nicht, dass ich anscheinend auf Kerle, nein, Moment mal, auf dich stehe, nein! Du willst nicht mal mit mir zusammen sein, weil dich das einengt “ Harry Potter ist also das Spielzeug von Draco Malfoy… wie schön. Wenn Voldemord das zu Ohren kommt, der lacht sich tot!“
„Siehst du, wenigstens etwas“, meinte Draco und Harry hätte ihm am liebsten einen Kinnhaken verpasst. „Außerdem bist du kein Spielzeug für mich, wie kommst du auf die Idee?“
„Hm, wie wohl?“, Harry griff sich gespielt ans Kinn, als ob er nachdenken würde. „Weißt du, ein Spielzeug wirft man weg, wenn man keine Lust mehr hat, damit zu spielen…“
“Ach, und du glaubst, das mach ich mit dir, ja?“, fragte Draco kühl und Harrys Blick flackerte für einen Moment auf. Er hatte schon herausgefunden, dass Dracos Stimme nur eisig wurde, wenn er verletzt oder sauer war… Aber wieso sollte er auch nur eins von den beiden sein? Hatte Harry etwa unrecht? Schön wär’s.
„Denkst du wirklich, mir ist das überhaupt nicht ernst?“, fragte Draco weiter und Harry zuckte nur mit den Schultern. „Anscheinend“, stellte der blonde Junge fest und ließ Harry einfach mitten im Zimmer stehen, um zum Schreibtisch zu gehen und sich eine Zigarette zu nehmen. “Du siehst wohl immer noch das Arschloch Draco Malfoy in mir, was? Und du kommst nicht auf die Idee, wie lächerlich ich mich hätte machen können, wenn du nichts von mir gewollt hättest…“
Harry war etwas verblüfft, denn Draco hatte recht. Er hätte sich wirklich total zum Deppen machen können, allerdings war Harry auch viel zu verwirrt gewesen, um auch nur daran zu denken, Draco fertig zu machen. Vielleicht sollte er das nachholen? Ach quatsch.
„Ich halte dich nicht für ein Arschloch“, sagte Harry schließlich und sah, wie Draco eine Augenbraue hob.
„So, für was dann?“, wollte er wissen und zog an seiner Zigarette.
„Beziehungsgestört?“, schlug Harry vor und es sah für einen Moment fast so aus, als würde Draco auflachen wollen, doch er schien es sich anders zu überlegen und fragte stattdessen: „Und was bist du dann?“
„Beziehungswillig“, sagte Harry und musste sich stark das Lachen verkneifen. Das Wort war einfach zu doof und zu passend. Das schien anscheinend auch Draco zu denken, denn er schüttelte grinsend den Kopf.
„Potter…“, meinte er. „Du bist unmöglich.“
„Tja“, machte Harry nur. Was sollte er davon jetzt halten?
„Ich mach dir nen Vorschlag“, hörte er Draco da sagen und sah auf. „Für uns beide, also für dich und mich sind wir zusammen. Für alle anderen haben wir was miteinander…“
„Das ist doch genau dieselbe Scheiße!“, rutschte es Harry raus und er biss sich auf die Lippen.
„Dann schlag doch was besseres vor!“, meinte Draco aufgebracht und schüttelte den Kopf. „Ich will dich nur mal sehen, wie du deinen Freunden klarmachst, dass du mit mir zusammen bist…“
Harry musste ziemlich blöd aussehen, wie er versuchte, sich das vorzustellen, denn er schaffte es absolut nicht. Da war es doch wirklich einfacher zu sagen: Hey, ich hab was mit Draco Malfoy. Da würden Ron und Hermine wenigstens denken, das sei eine Phase und ginge vorüber und ihn nicht sofort ins St. Mungos einliefern… Wieso musste dieser verdammte Slytherin nur recht haben?
„Gut, Vorschlag angenommen“, murmelte Harry kaum hörbar und fragte dann etwas lauter: „Kannst du mir trotzdem noch erklären, was es dann noch bringt, wenn wir für uns beide zusammen sind?“
„Naja…“, Draco schien zu überlegen. „Es wissen nur wir beide… und es spricht sich nicht so schnell rum… die Leute verkraften es besser, wenn sie denken, wir sind momentan nur etwas gestört…“
Harry grinste schwach. Er hatte nur irgendwie das Gefühl, dass Draco selber nicht wusste, was das wirklich bringen sollte. Aber es war trotzdem besser, als das alles gleich offiziell zu machen. Vielleicht war es ja tröstend, zu wissen, dass sie insgeheim zusammen waren, während alle anderen nur darauf warteten, dass ihre Phase vorüberging. Aber konnte eine „Beziehung“ nicht auch vorüber gehen? War es dann nicht besser, wenn sie nur was miteinander hatten, weil man das nicht so schnell beenden konnte? Hatte Draco vielleicht davor Angst? Harry sah ihn nachdenklich an.
„Ist doch egal“, meinte er schließlich und ging zum Schreibtisch, wo der blonde Junge noch immer stand und rauchte. Er nahm ihm die Zigarette aus der Hand, machte einen Zug und gab sie ihm dann wieder. „So, heißt das jetzt, wir sind ganz inoffiziell zusammen?“, Harry musste grinsen, als er das fragte. Mann, hörte sich das komisch an, allerdings wusste er plötzlich auch, was das für sie beide bedeutete. Es war schon mal ein großer Schritt, sich selber etwas einzugestehen, bevor man damit um sich schmeißen konnte. Ob Draco das erkannt oder beabsichtigt hatte? Im Moment sah er den Gryffindor nur mit schief geneigtem Kopf an und nickte dann langsam. „Ja, wenn du das willst.“
„Willst du’s denn?“, nicht schon wieder dieses Frage-Antwort-Spiel, nicht jetzt…
Draco nickte wieder. „Ja, aber nur weil du’s bist…“ Er grinste schwach und in Harrys Bauch machte sich auf einmal ein ganzer Haufen Ameisen breit. „Und du?“
Harrys Herz machte einen Hüpfer und er musste sich zusammenreißen, um ruhig zu antworten: „Klar, aber auch nur weil du’s bist…“
„Gut, schön…“, Draco nickte wieder und schien dann einen Moment nicht wirklich zu wissen, was er tun sollte und so zündete er sich eine neue Zigarette an.
„Gib mir auch eine“, meinte Harry schwach und Draco reichte ihm grinsend seine eben angezündete. Dann standen sie beide da und rauchten. Das gab’s doch nicht, Harry war am verzweifeln, nachdem er schon mit der Hälfte seiner Zigarette fertig war und sie noch immer beide nichts gesagt hatten! Er warf einen Blick zu Draco rüber, der in die andere Richtung sah und stupste ihn dann an, woraufhin der Slytherin erschrocken zusammenfuhr.
„Wird das jetzt zur Gewohnheit, dass wir uns anschweigen?“, fragte Harry. „Fängt ja schon mal gut an…“ Das hatte er eigentlich nicht laut aussprechen wollen, aber jetzt war es wohl zu spät.
„Tut mir leid“, sagte Draco. „Ich hab nur überlegt… wo jetzt der Unterschied ist…“, er grinste und steckte Harry an.
Dann meinte der Gryffindor: „Der Unterschied ist, dass ich jetzt mit dir machen kann, was ich will.“
„Waas?“, machte Draco lang gezogen und sah ihn an, als ob er ein bisschen übergeschnappt wäre.
„Klar!“, sagte Harry eifrig nickend. „Ich kann dich küssen wann ich will, ich kann…“
„Das hättest du vorher auch, du Idiot“, unterbrach Draco ihn und schüttelte den Kopf. „Seid ihr Gryffindors alle so drauf?“
Harry kniff gespielt böse die Augen zusammen. „He, wenigstens legen wir nicht alles flach, was uns in die Quere kommt…“
Darauf hob Draco nur eine Augenbraue und meinte dann: „Aha, deswegen wolltest du mit mir zusammen sein… damit ich nur noch dich flachlegen kann! Das kannst du haben…“ Und ehe Harry es sich versah, hatte Draco ihn zum Bett bugsiert und lag auf ihm. Als der Slytherin jedoch Harrys erschrockenen Blick bemerkte, rollte er sich von ihm herunter und sagte schnell: „Das hab ich doch nicht ernst gemeint.“
Harry atmete unterdrückt erleichtert auf und schüttelte dann den Kopf darüber, wie er sich so hatte unterkriegen lassen. Schließlich meinte er: „Ich hätt’s dir aber fast geglaubt…“
Neben sich hörte er Draco seufzen und drehte sich zu ihm um, sodass er auf dem Bauch lag. „Bin ich wirklich so schrecklich, dass du mir alles abkaufst?“, fragte Draco in diesem Moment und über Harrys Gesicht huschte ein Grinsen.
„Nein… allerdings würde ich dir so jeden Scheiß glauben der mit flachlegen und dem ganzen Kram zusammenhängt… Immerhin bist du hier derjenige mit Erfahrung… und ich der mit Null…“, Harry fragte sich, ob man den Avada Kedavra auch bei sich selbst anwenden konnte. Was redete er nur für Schwachsinn?
„Was redest du nur für Schwachsinn?“, Ha! Sogar Draco war seiner Meinung! „Außerdem ist das bei uns beiden völlig egal, da hab ich auch keine Erfahrung.“
„Du hast noch nie mit nem Kerl…?“, ließ Harry den Satz unvollendet im Raum schweben.
„Was, bist du wahnsinnig!?“ Der blonde Junge schüttelte fassungslos den Kopf. „Du bist der erste Kerl, den ich überhaupt geküsst habe!“
„Aja?“, auf Harrys Gesicht breitete sich ein selbstgefälliges Grinsen aus.
„Bild dir bloß nichts drauf ein!“, schmollte Draco, musste dann aber auch grinsen, bis Harry fragte: „Was ist eigentlich besser? Mädchen oder Kerle?“
Draco hob eine Augenbraue und schien ernsthaft nachzudenken, dann meinte er: „Hm… du natürlich.“ Dann fügte er noch dazu: „Sonst würde ich ja schon wieder mit Pansy das Kamasutra auf und ab üben… Scherz!“, sagte er schnell, als Harry der Mund aufklappte.
„Igitt“, machte der schwarzhaarige Junge schließlich. „Jetzt hab ich ein schreckliches Bild im Kopf…“
“He! Also als ob ich nackt so schrecklich… bin ich das?“, rutschte es Draco doch tatsächlich raus und Harry schüttelte lachend den Kopf.
„Wer redet denn von dir?“, fragte er, als er sich wieder beruhigt hatte. „Ich rede von Parkinson…“
„Ach so…“, der blonde Junge schien doch tatsächlich erleichtert zu sein. Harry schüttelte innerlich den Kopf. Das Draco wegen nichts, aber auch rein gar nichts, irgendwelche Komplexe zu haben brauchte, darüber war er sich schon vor einer Woche im Klaren gewesen.
„Echt…“, Harry schüttelte jetzt wirklich den Kopf und Draco hob die Schultern.
„Was? Man darf ja wohl mal fragen, oder?“
Diesmal hob Harry eine Augenbraue. „Ja, einmal und nie wieder… Aber wo wir grade beim Thema sind: Bin ich schrecklich?“
Der Slytherin schüttelte grinsend den Kopf. „Nein. Aber was findest du eigentlich besser? Mich oder Mädchen?“
„Welche Mädchen?“, fragte Harry. „Bis jetzt hatte ich nur mit Cho was, und die hab ich nur einmal geküsst “ also frag gar nicht erst weiter.“
„Ok“, Draco wirkte zufrieden. Dann sah er zur Uhr, auf der es bereits halb zwölf war und meinte: „Und, was machen wir bis zum Mittagessen?“
Harry sah prüfend auf die Uhr, dann setzte er sich auf und zog Draco zu sich. „Hm… schauen, ob wir wirklich nicht so schrecklich sind?“
Draco musterte ihn einen Moment, dann meinte er: „Gute Idee… vielleicht hab ich ja was übersehen…“
Harry musste wieder grinsen, wahrscheinlich schon zum hundertsten Mal an diesem Tag, dann schob er Draco allerdings sein Hemd von den Schultern, was er vorhin schon halb geöffnet hatte und küsste ihn. Gerade als sich die beiden nach hinten fallen ließen, tief in einen Kuss versunken und die Welt um sich herum schon fast vergessen hatten, klopfte es am Portrait. Sie fuhren hoch.
„Wer ist denn das schon wieder?“, fragte Harry flüsternd und Draco runzelte die Stirn.
„Schon wieder?“, flüsterte er zurück, während das Klopfen lauter wurde.
„Na, Snape!“, half ihm Harry auf die Sprünge und Draco bekam ein geschocktes Gesicht und scheuchte Harry hoch. „Los, ins Bad!“
„Ok, ok“, Harry sprang vom Bett und machte, dass er ins Bad kam. Draco machte die Tür hinter ihm zu, riss sie aber gleich darauf noch einmal auf, um ihm seinen Umhang und sein Hemd hinterher zu schmeißen. Dann war die Tür wieder zu und Harry stand da, mit den Sachen im Arm und lauschte, wie Draco zur Tür hechtete.
Nachdem Draco die Tür geöffnet hatte, ertönte ein lautes „Mensch, was brauchst du denn so lange!?“, und jemand kam ins Zimmer spaziert. Harry wurde heiß. Er kannte die Stimme, aber woher, wer war das?
„Mark! Was ist denn los?“, hörte Harry Draco fragen und schlug sich gegen die Stirn. Mark, natürlich “ Moment mal, was wollte der denn hier?
„Ach, nix ist los“, sagte Mark etwas ruhiger. „Ich wollte nur schnell rein, damit nicht jeder mitbekommt, wo dein Zimmer ist “ das predigst du doch immer.“
„Ach so“, Draco hörte sich schon etwas erleichterter an. „Was gibt’s, ich wollte grade duschen gehen.“ Gute Ausrede, dachte sich Harry.
„Ich wollte dir nur sagen, dass wir heute Nachmittag extra Training machen“, sagte Mark.
„Und deswegen kommst du in mein Zimmer? Das hättest du mir doch auch beim Mittagessen sagen können“, sagte Draco leicht misstrauisch.
„Stimmt, aber in der großen Halle kann ich dich nicht fragen, was bei Salazar Slytherin das gestern mit Potter war!?“ Daher wehte also der Wind. Harry wurde siedend heiß. Oh scheiße!
„Ach das mit Po…Potter“, stotterte Draco da jetzt wirklich herum? „Das war…“
„So betrunken kannst du doch gar nicht gewesen sein!“, Mark klang ziemlich aufgebracht, wenn nicht sogar amüsiert. „Eigentlich warst du sogar stocknüchtern, nach zwei Butterbier… Was war das also?“
Harry hörte Draco Luft holen. Dann sagte er: „Ich weiß auch nicht, was das war…“ Na toll “ wirklich toll.
„Das hast du doch nicht nur wegen Jack gemacht!“, Mark schüttelte sicher gerade den Kopf. „In was arten den eure Machtspielchen aus? Landet ihr demnächst im Bett, oder was?“
„Was? Nein!“, Draco sollte doch mal aufhören panisch zu werden, das hörte Harry ja sogar hinter der verschlossenen Tür heraus!
„Na wenigstens etwas…“, Mark klang schon etwas versöhnlicher. „Obwohl, doch das würde ich euch sogar zutrauen… zwischen euch herrscht doch schon immer so was wie ne Hassliebe…“
„Also, jetzt…“, Draco schien sich endlich wieder gefasst zu haben. „Bevor ich mit Potter im Bett lande, fängst du was mit Weasleys kleiner Schwester an…“
„Nichts lieber als das!“, flötete Mark und Harry griff sich an den Kopf. Das war ja wohl klar.
„Wusste ich’s doch, dass du auf sie stehst!“, kam es triumphierend von Draco. „Und lass mich raten, deshalb willst du auch heute Abend wieder ganz freundschaftlich mit den Gryffindors in die Drei Besen gehen…“
„Erraten… wenn du willst darfst du auch wieder neben Potter sitzen “ Aua!“, was hatte Draco denn jetzt mit Mark gemacht? „Oder soll ich lieber Jack einladen?“
„Mark!“, die Zimmertür wurde wieder geöffnet.
„Ok, ok ich geh ja schon… aber denke an deinen letzten Satz…“
“Was, dass du auf die kleine Weasley stehts?“
„Nein, den davor, dass du mit Potter im Bett landest, wenn ich mit ihr… Willst du nicht lieber nach dem Training duschen gehen?“
„Nein, ich will jetzt duschen“, knurrte Draco.
„Gut, wir sehen uns dann beim Mittagessen… und ich verlier kein Wort über euch zwei, versproch…“, hörte man Mark noch sagen, dann flog die Tür zu.
Harry keuchte auf. Drei Sekunden später wurde die Badezimmertür aufgerissen und Draco starrte ihn fassungslos an. „Hast du das gehört?!“, seine Stimme zitterte. Harry nickte. „Ich brauch ne Zigarette“, Draco verschwand aus der Tür und Harry folgte ihm zum Schreibtisch.

Nachdem sie sich beide eine Zigarette angezündet hatten, atmete Harry erst mal tief durch. Trotzdem hätte er fast geschrien, als er Draco endlich fragte: „Was war denn mit dir los, verdammt noch mal!?“
„Was, wieso?“, Draco war noch bleicher um die Nase als sonst.
„Wo ist denn der obercoole Draco Malfoy hin, der sogar gelassen bleibt, wenn man ihm erzählt dass, ich weiß nicht… Hogwarts abbrennt!?“
Der blonde Junge setzte eine resignierte Miene auf. „Der hat sich wohl in dem Schock verabschiedet. Hättest du’s besser gemacht?“
„Nee“, Harry schüttelte den Kopf. „Aber für mich wäre das normal gewesen…“
„Toll und für mich nicht, ich weiß…“, Draco hob die Schultern und ließ sie wieder fallen. „Soll ich diesem Trottel jetzt hinterher rennen und sagen: He, klar hab ich was mit Potter, was ist denn so schlimm dran? Oder was?“
Harry schüttelte den Kopf. Dann meinte er aber: „Obwohl, wäre gar keine so schlechte Idee, das würde er dir nämlich sicher nicht abkaufen und dann wäre wieder alles in Butter.“
„Tja…“, der blonde Junge schien der Meinung zu sein, dass er jetzt sowieso nichts mehr dran ändern konnte und zog an seiner Zigarette. „Sonst noch irgendwelche Beschwerden?“
„Allerdings“, Harry nickte bekräftigend und diesmal sah der Slytherin so aus, als würde er ihm jeden Moment eine reinhauen wollen. „Du hast dein, nein, eigentlich mein Hemd wieder angezogen.“
Draco hob mit einem leicht überraschten Gesichtsausdruck eine Augenbraue, dann meinte er: „Dann musst du’s mir eben wieder ausziehen…“, und dämpfte seine Zigarette aus.
„Hm…“, über Harrys Gesicht huschte ein Grinsen. Das war der Draco Malfoy den er kannte und lie… mochte… den er mochte, genau.
Der schwarzhaarige Junge versuchte, sich abzulenken, indem er vorsichtig in Dracos Hals biss und gleichzeitig sein Hemd aufknöpfte, während sie zum Bett stolperten. Doch es klappte nicht. Immer wieder drängte sich Harry die Frage auf, wieso er überhaupt mit Draco zusammen sein wollte, wenn er ihn nicht… Merlin, er konnte dieses Wort nicht mal denken, geschweige denn aussprechen! Wieso nicht? Was war so schlimm daran?
„Draco… Draco…!“, Harry hielt es nicht mehr aus, und der Angesprochene macht es auch nicht besser, wenn er ihn auszog. „Jetzt lass doch mal meine Hose in Ruhe!“
„Hm?“, endlich sah Draco ihn an, obwohl seine rechte Hand immer noch auf Harrys Hintern ruhte.
„Wieso bist du jetzt eigentlich mit mir zusammen?“, fragte Harry und ärgerte sich über sich selber. Konnte er es nicht einmal lassen?
Draco verzog das Gesicht. „Haben wir das nicht schon geklärt? Weil du’s unbedingt willst und weil ich’s verkraften kann, wenn wir’s nicht jedem gleich auf die Nase binden.“
Harrys Herz sackte ab. „Und sonst aus keinem Grund?“
„Was für einen Grund meinst du?“, fragte Draco.
„Naja, aus welchem Grund haben denn deine Eltern zum Beispiel geheiratet, oder meine “ bei deinen bin ich mir da nicht so sicher…“, probierte es Harry.
Der blonde Junge hob langsam beide Augenbrauen, dann war die Erkenntnis da. „Meinst du Liebe?“
Also diese Direktheit hatte Harry jetzt nicht erwartet, deshalb brauchte er auch eine Weile, bis er antworten konnte. „Ja, davon rede ich.“
„Und was hat das mit uns zu tun?“, wollte der Slytherin da doch glatt wissen und Harry hätte um ein Haar laut nach Lauft geschnappt und sich selbst geohrfeigt. Was hatte das wirklich mit ihnen beiden zu tun?
„Naja, ist man nicht nur mit jemandem zusammen, den man… liebt?“, Was war der Grund, wieso er mit Draco zusammen sein wollte. Doch nicht etwa der…?
„Eigentlich schon “ aber auch nicht unbedingt“, sagte Draco langsam, dann huschte ein Grinsen über sein Gesicht. „In Pansy zum Beispiel war ich nicht im geringsten auch nur verknallt… oder in irgendeine andere…“
„Wie schön, das zu hören“, sagte Harry matt. Moment mal “ hatte Draco nicht gesagt, dass er in ihn verknallt war, oder jedenfalls glaubte, es zu sein? Hieß das, er mochte Harry mehr, als irgendein Mädchen davor? Hieß das vielleicht auch, das die Chance bestand, dass er sich irgendwann in ihn… Ok, nicht weiterdenken. Harry schüttelte den Kopf. Gegen diese Hirngespinste musste er dringend mal was tun.
„Harry, was willst du eigentlich?“, fragte Draco in diesem Moment und riss den Gryffindor so aus seinen Gedanken.
„Ich?“, Harry sah ihn überrascht an, fing sich dann allerdings wieder und stellte sich selbst noch mal diese Frage. Was wollte er überhaupt?
Eigentlich wollte er doch nur… „Eigentlich wollte ich nur wissen, wieso du mit mir zusammen bist, wenn du mich nicht… nicht… du weißt schon.“
„Wenn ich dich nicht liebe, meinst du?“, brachte der Slytherin es so ziemlich genau auf den Punkt. Harry nickte nur schwach, ohne ihn anzusehen, das alles war ihm mal wieder zu peinlich. „Weil’s dir anscheinend so wichtig ist… aber…“, Draco schien zu überlegen, was er weiter sagen sollte. „… eigentlich wollte ich… wollte ich nur… Merlin ist das kompliziert!“ Draco stand auf und ging zu seinem Schreibtisch, von wo er Zigaretten und den Aschenbecher holte. Dann setzte er sich wieder zu Harry, der sich mittlerweile wieder aufgesetzt hatte und gerade dabei war “ leicht frustriert “ sein T-Shirt wieder anzuziehen. Nachdem Draco sich eine Zigarette angezündet hatte, und Harry seine Hose wieder richtig angezogen hatte, sprach er endlich weiter.
„Ok... Wir haben jetzt seit einer guten Woche was miteinander, richtig?“
„Jaah“, machte Harry gedehnt und ärgerte sich mächtig darüber, weil es ihn ärgerte, dass Draco sagte, dass sie was miteinander hatten und nicht, dass sie zusammen waren.
„Und davor konnten wir uns nicht ausstehen, wir haben uns gehasst, vielleicht hätten wir uns sogar umgebracht!“, fuhr Draco fort.
„Naja, das vielleicht nicht unbedingt“, wandte Harry ein, hielt dann aber den Mund, damit sein Gegenüber weiterreden konnte.
„Naja wie auch immer… Auf jeden Fall kann man da doch nicht von heute auf morgen sagen: Hach, wir sind zusammen, wir lieben uns! Und dann verloben wir uns womöglich noch gleich…“
Harry wollte eigentlich anfangen zu lachen, stattdessen machte er ein ziemlich bedröppeltes Gesicht, als ihm klar wurde, dass so was in der Art ihm wirklich am liebsten wäre. Natürlich wollte er Draco nicht heiraten, das wäre ja zum totlachen, aber zu wissen, dass sie für immer, oder wenigstens für einen bestimmten Zeitraum zusammen bleiben würden… Oder wenigstens was miteinander hatten, wenn Draco es schon unbedingt so ausdrücken wollte. Eigentlich wollte Harry doch nur… „Sicherheit.“
„Was?“, Draco, der eigentlich schon Luft für weitere Erklärungen geholt hatte, sah ihn durch eine dicke Rauchwolke hindurch fragend an.
„Ich glaube, das einzige was ich will und brauche ist Sicherheit“, sagte Harry, als wäre er gerade von Merlin höchst persönlich erleuchtet worden.
„Sicherheit“, wiederholte der Slytherin in einem eigenartigen Tonfall. „Und weißt du, was ich brauche? Freiheit.“
„Toll“, kam es von Harry. Das mit der Beziehung konnte er sich ja jetzt sonst wo hinschieben. „Und jetzt?“
Draco zuckte mit den Schultern. „Na nichts. Ist doch noch genauso wie vorher.“
„Pff“, Harry ließ den Kopf sinken. „Wozu war dann vorhin dieser ganze Beziehungskram, wenn dich das alles eh nur einengt?“
„Ich hab dir doch gesagt, dass es mich einengt“, sagte Draco.
„Und wieso hast du dann trotzdem gesagt, dass du mit mir zusammen sein willst?“, langsam verstand Harry gar nichts mehr.
„Weil ich das ja auch will! Ich will Zeit mit dir verbringen und das alles… aber eine richtige Beziehung… das kommt doch erst mit der Zeit… wie bei Freundschaften, wie bei… bei Liebe, da ist das doch genauso!“, der blonde Junge zog energisch an seiner Zigarette. „Oder etwa nicht?“
Eine kleine Pause entstand, dann fragte Harry: „Und wie kommt es, das du das alles weißt, wenn du doch angeblich überhaupt keine Erfahrung mit Beziehungen hast?“
„Naja… im Nachhinein kann mal alles besser machen“, Draco machte eine abfällige Geste. „Außerdem brauchen manche Mädchen das. Wenn man nicht Händchen haltend mit ihnen durch die Gegend rennt, läuft da gar nichts, keine Spur von Flachlegen…“
Im ersten Moment schoss Harry durch den Kopf, dass er den Slytherin noch nie mit irgendwem Händchen halten gesehen hatte, dann wurde ihm die Bedeutung vom Rest seines Satzes klar und er sprang auf. Jetzt war es ihm egal, ob er sich aufführte, wie ein kleines Mädchen, dieses Gefühl würde er sowieso nie wieder loskriegen.
„Was ist denn jetzt mit dir los?“, Draco war erst auf die Beine gekommen, als Harry schon an der Tür angelangt war.
„Nichts“, Harry drehte sich bebend um. „Ich geh nur mal Gleitgel und Kondome holen, damit du mich flachlegen kannst! Aber nicht vergessen, nachher musst du Händchen haltend mit mir durch die Schule rennen!“ Das durfte doch nicht war sein! Er konnte sich doch nicht so in Draco getäuscht haben, nein, das ging einfach nicht.
Dasselbe schien sich der wohl auch zu denken, denn er starrte Harry einfach nur für eine Weile an, bis seine Zigarette gefährlich zu qualmen anfing und er sie ausdämpfen musste. Dann sah er Harry wieder an.
„Sag mal, hast du das jetzt ernst gemeint?“, fragte er und wäre die Situation nicht so verkorkst gewesen, hätte Harry wahrscheinlich bei seinem Gesichtsausdruck zu lachen begonnen.
„Klar, ich geh jetzt Kondome holen“, sagte er und nickte. Viel mehr konnte er jetzt eh nicht mehr versauen.
Draco runzelte die Stirn. „Wozu?“
Harry überlegte, sollte er das jetzt wirklich sagen? Ach was, es ging doch nichts über alte Zeiten… „Naja, wer weiß, was für Krankheiten du hast… bei den ganzen Pansys…“
Eine Augenbraue von Draco schnellte nach oben und zeigte Harry, dass dieser Schlag eindeutig weit unter die Gürtellinie gegangen war. Ups…
„Ach so, na wenn das so ist…“, Draco ging zu einem seiner Nachtkästchen und machte die Schublade auf. „Ich hab dir zwar schon mal gesagt, dass die in St. Mungos alles wieder hinkriegen, aber wenn du drauf bestehst…“, er hielt tatsächlich zwei Kondome in die Höhe und schmiss sie dann aufs Bett. Anscheinend schien er beschlossen zu haben, bei Harrys Spiel mitzuspielen. Das Problem war nur, dass Harry nicht wusste, ob er es nicht lieber ganz schnell wieder beenden sollte. Scheiße nein, wenn er schon damit anfing, dann zog er die ganze Sache auch durch, egal wo sie hinführte. Das hätte er früher doch auch gemacht. „Na, was ist jetzt?“, Draco war dabei, sein Hemd aufzuknöpfen. „Angst?“
„Guter Scherz, Malfoy“, Harry machte einen Schritt auf ihn zu, während er sich das T-Shirt über den Kopf zog und als er bei dem blonden Jungen angekommen war, hatte dieser seines bereits auf den Boden fallen lassen. Schweigend öffneten beide ihre Gürtel, sahen sich dabei in die Augen und Harry hatte das Gefühl, dass Draco genauso verzweifelt versuchte, wie er, auch nur zu erahnen, was gerade in ihm vorging. Oder zumindest hoffte er es. Schließlich war es soweit und sie standen sich gegenüber, halb erregt und ihre Klamotten lagen um sie verstreut. Harry war kalt, obwohl ihm das Herz gleichzeitig bis zum Hals schlug.
Dann plötzlich und mit einem Ruck, zog Draco ihn an sich und schleuderte ihn schon fast mit Gewalt aufs Bett, wonach eine kleine Rangelei entstand, wer oben lag. Der Gryffindor gab schließlich auf und blieb keuchend auf dem Rücken liegen, während Draco ihn aus sprühenden Augen anfunkelte.
„So, glaubst du wirklich, das würde ich mit dir machen?“, stieß er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor und rollte sich dann von Harry herunter, der ihn verblüfft ansah.
Tatsächlich, er hatte es wieder fast geglaubt. „Hast du ja auch fast“, murmelte er.
„Ja, aber nur, weil du mit dem ganzen Scheiß angefangen hast!“, Draco zog ein Kondom unter sich hervor und pfefferte es irgendwo in den Raum. „Das vorher war doch nur eine Floskel, verdammt! Das würde ich nie mit dir machen!“
„Und warum hast du zugestimmt, als ich von dir wissen wollte, ob wir zusammen sind oder nicht, wenn du sowieso nicht wolltest?“
„Weil’s dir wichtig war, verdammt! Klar, ich hätte mich sicher eingeengt gefühlt, aber wenn du’s brauchst, bitte! Für mich macht das nur keinen Unterschied “ ich bin für dich da, egal ob wir zusammen oder verheiratet sind oder nur ne Affäre haben “ das ändert doch nichts an meinen Gefühlen!“, der blonde Junge gestikulierte aufgebracht in der Luft herum und Harry war schon mal vorsichtshalber in Deckung gegangen.
Interessant war das ja schon, nur… „Was genau sind denn deine Gefühle?“, wollte Harry wissen.
„Merlin, als ob ich das wissen würde!“, langsam schien Draco wirklich fertig zu sein. „Das kann man doch nicht alles in Worte fassen, außerdem weiß ich es nicht! Ich weiß nur, dass ich dich sehr viel mehr mag, als früher und das du mir wichtig bist… auch wenn das hier langsam nervig wird…“
Der schwarzhaarige Junge senkte den Blick. Ja, nervig war gar kein Ausdruck… „Tut mir leid, es ist nur… ich hatte nie irgendwen in meinem Leben… und jetzt… wo du mir auf einmal so nahe bist, da…“, Harry suchte nach den richtigen Worten, fand aber keine. Verdammt, er konnte sich doch nicht so ganz plötzlich von seinem früheren Erzfeind abhängig machen! Das ging doch nicht! Das war ja hundert mal schlimmer, als nur eine Affäre, das war… krank! Das war… Das Wort, dass nicht genannt werden durfte. Harry hätte zum dritten mal an diesem Abend fast gelacht. Er hatte einen neuen Feind und der hieß Gefühl. Schön.
„Wozu hast du eigentlich Kondome?“, fragte er Draco schließlich, der ziemlich perplex aussah. Themenwechsel war doch noch nie verkehrt gewesen, oder? „Gibt’s die in der Zaubererwelt überhaupt?“
„Äh…“, der blonde Junge fing sich wohl langsam wieder. „Ich hatte mal was mit einem Mädchen, das bei Muggeln aufgewachsen ist und wohl die selbe Einstellung hatte wie du“, meinte er schließlich und zog das zweite Kondom hinter seinem Kopf hervor. „He, da steht sogar was drauf!“
„Das ist das Ablaufdatum“, sagte Harry trocken und nahm es Draco aus der Hand.
„Was bitte?“, was, davon hatte der Kerl keine Ahnung?
„Da steht das Datum drauf, wie lange man das Ding benutzen kann!“, erklärte Harry ihm kopfschüttelnd, doch auch der Slytherin schüttelte den Kopf.
„Also, wenn du keine Erfahrung hast, woher weißt du das dann bitte?“
„Naja, es gibt da so eine tolle Erfindung namens Fernsehen, da bekommen sogar Trottel wie ich was mit“, grinste Harry und Draco schien sich erst mal vorstellen zu müssen, was man da alles mitbekommen konnte.
Schließlich schien er genug zu haben und er sah Harry an, der seinen Blick erwiderte. So sahen sie sich eine Zeit lang in die Augen, bis Draco Harry schließlich über die Wange strich. „Ich wollte das vorhin nicht“, meinte er leise, dann neigte er allerdings den Kopf abwägend zur Seite. „Obwohl… es auch was für sich hatte…“
Harry musste bei dieser Bemerkung grinsen, denn ihm war es nicht anders gegangen. Blöderweise schien das ein bestimmtes Körperteil von ihm bestätigen zu wollen, was bei dem blonden Jungen nicht unbemerkt blieb.
„Aha“, machte er und Harry sah den Glanz nur zu deutlich, der in seine Augen trat.
„Was denn?“, wollte er wissen, doch Draco legte ihm einen Finger auf die Lippen und deutete ihm, still zu sein. Bitte, gut, wenn er es wollte, dann hielt Harry eben die Klappe.
Der Slytherin zog die Decke über sie und war auch augenblicklich darunter verschwunden um Harry zu zeigen, was genau er denn meinte. Dem blieb mal wieder einfach nur die Luft weg bis Draco wieder nach oben kam und ihm auch noch das letzte bisschen Atem raubte, indem er ihn küsste. Schließlich, da das Licht im Zimmer zu hell war, verschwanden beide, ineinander verschlungen unter der Decke. Dort war es dunkel und heiß und sie ertasteten sich mehr, als dass sie sich sahen, entdeckten unerahnte Stellen am Körper des anderen und Harry hatte langsam das Gefühl, er würde den Verstand verlieren. Naja, das war vielleicht ganz gut, so dachte er wenigstens nicht, und das tat er wohl in letzter Zeit ein bisschen zu viel. Auch Draco schien sich langsam nicht mehr unter Kontrolle zu haben, was Harry an seinem schnellen, keuchenden Atem dicht neben seinem Ohr bemerkte und an seinen Zähnen, die sich schmerzlich süß in seinem Hals verbissen. Das tat weh verdammt! Aber es war auch… Der Gryffindor drängte seinen Mund zwischen seinen Hals und Draco, bis dessen Lippen seine endlich gefunden hatten und er wohl fast wieder zugebissen hätte, wäre Harry ihm nicht zuvor gekommen.
„Ah…!“, war das einzige was Draco hervorbrachte, bevor Harry seinen Mund wieder in Beschlag nahm, ihn nicht mehr zu Wort oder auch nur zu Atem kommen ließ. Irgendwas hatte er der Slytherin wohl mit ihm angestellt, denn im Moment war Harry alles egal. Er wollte, konnte gar nicht mehr über eine Beziehung zwischen ihnen, oder sonst was nachgrübeln, er wollte nur noch hier sein, mit Draco unter dieser Bettdecke, in ihrer eigenen kleinen Welt. In der Welt, wo er ihn küssen und anfassen konnte und keiner bekam es mit, es war egal. In der Welt, in der Draco nur ihm alleine gehörte und Harry nur ihm gehörte. In der Welt, wo Draco Malfoy ziemlich geschickte Hände hatte… Harry stöhnte schwach auf, was den blonden Jungen, dessen Haarfarbe man in der Dunkelheit gar nicht richtig erkennen konnte, nicht im geringsten zu stören schien. Wieso sollte es auch, solange Harry nicht vor Schmerzen, sondern vor Lust stöhnte, konnte ihm das doch nur recht sein. So wanderten Draco Malfoys geschickte Hände weiter an Harry Potters erhitztem Körper entlang, bis sie schließlich an seinen Brustwarzen ankamen. Was macht er denn jetzt, dachte Harry. Er war doch kein Mädchen! Aber halt stopp, anscheinend war er da genauso… empfindlich, verdammt! Gerade als die Rädchen in seinem Gehirn zu rattern beginnen wollten, ob er Draco nicht wegstoßen sollte, senkte der seine Lippen auf Harrys Brust und die Rädchen blieben stecken. Na toll, schon wieder eine Schwachstelle gefunden. Wäre Harrys Verstand nicht so vernebelt gewesen, hätte er sicher beschlossen, sich bei Draco für diese Gemeinheit zu rächen, doch so stöhnte er nur vor sich hin, was das Opfer seiner vermeintlichen Rache wohl nicht dazu brachte, aufzuhören. Zu Harrys großer Erleichterung schien Draco dann seine Lippen doch interessanter zu finden und so küssten sie sich eine Weile nur heftig und wild umschlungen. Und nachdem die Weile länger wurde hatte Harry langsam das Gefühl, jeden Moment zu explodieren. Mann, wenn er früher auch nur geahnt hätte, was dieser Slytherin ihm jemals für Gefühle bescheren würde, er hätte ihm nie auch nur ein Haar gekrümmt… Aber jetzt waren sie hier, und Harry hatte keine Lust, Draco auch nur irgendwas zu krümmen, höchstens, etwas an ihm noch mehr zu reizen… bis er sich irgendwann nicht mehr zurückhalten konnte… Oh ja, das war genau das, was Harry jetzt tun wollte. Allerdings war er selber schon so nahe dran, sich selbst zu vergessen, dass er sich nicht auch noch um Draco kümmern konnte. Aber war das überhaupt noch nötig? Verriet ihm Dracos immer schneller werdender Atem nicht, dass der blonde Junge ebenfalls daran war zu vergessen, auch nur an irgendwas zu denken? Verriet ihm sein Becken, dass sich immer näher an ihn drängte nicht, dass er genauso wie Harry nach Erlösung suchte? Himmel was taten sie hier nur? Was tat Draco hier? Wieso fingen seine Hüften auf einmal an, sich rhythmisch an Harrys zu bewegen und wieso um alles in der Welt machte er auch noch mit? In diesem Augenblick kam es Harry kurz in den Sinn, ob es dem Slytherin nicht gerade lieber wäre, wenn er ein Mädchen wäre. Würde er dann einfach…? Aber ging das nicht auch bei Männern? Aber doch nicht jetzt. Davon hatten sie beide keine Ahnung. Hoffte der Gryffindor jedenfalls, obwohl bei Draco konnte man sich da nie so sicher sein… Doch zu weiteren Gedankengängen war Harry auch schon nicht mehr fähig, er war viel zu sehr damit beschäftigt, Dracos drängendem Becken entgegenzukommen und in seine Halsbeuge zu keuchen, bis der blonde Junge in wieder küsste. Das hieß viel eher, bis Draco wieder in seinen Mund stöhnte, denn küssen konnten sie nicht mehr wirklich, dafür fehlte ihnen der Atem. Harry wusste nicht mehr, was er machen sollte. Sein ganzer Körper war so dicht an den des anderen Jungen gepresst, dass nicht mal mehr ein Blatt Papier zwischen sie beide gepasst hätte, geschweige denn ein Fünkchen Sauerstoff. Die Hitze in seinen Lenden schien immer größer zu werden, schien ihn verzehren zu wollen und langsam aber sicher nahm er ein unangenehmes, stetiges Pochen war. Es würde nicht mehr lange so weiter gehen, das sah er jetzt schon kommen und er fragte sich wieder, wie es wohl um Draco stand. Dessen Griff um Harrys Schultern und seinen Oberkörper hatte sich inzwischen schraubstockartig verstärkt und Harry bemerkte nur am Rande, dass er sich selber in Dracos Rücken festkrallte. Er spürte schon dieses langsame Anbahnen des Unvermeidlichen, spürte wie ihm mehr und immer mehr die Kontrolle zu entgleisen drohte bis plötzlich sein eigener geflüsterter Name an sein Ohr drang. „Harry…“
„Draco, was…?“, war das einzige, was er schwer atmend herausbrachte, bevor eine besonders heftige Bewegung von Seiten des Slytherins ihn zischend die Luft einziehen und verstummen ließ.
„Harry…“, da war es wieder. „Ich…“, keuchend heißer Atem an seinem Ohr, noch schnellere Bewegungen. „Ich… kann nicht mehr…!“
Oh, bei Merlin, dann sollte er entweder sofort aufhören oder es zu einem Ende bringen, sonst würde Harry noch durchdrehen! Ein wimmernder Laut entkam ihm und er startete einen verzweifelten Versuch, Draco noch näher an sich zu ziehen, noch mehr von ihm zu spüren. Und dann spürte er etwas, oh ja, etwas, was ihn für einen kurzen Moment zu atmen vergessen ließ. Die ganze Zeit über hatten sich ihre empfindlichsten Stellen nicht wirklich berührt, doch jetzt, durch eine weitere Bewegung, spürte Harry auf einmal Dracos heiße, feuchte Erektion, direkt an seiner eigenen. Hitze und dieses pochende schmerzhafte Verlangen schienen sich plötzlich zu verdoppeln, mit einem heiseren Aufschrei wurde Harry noch enger an Draco gepresst, drängte sich noch dichter an ihn, suchte sein Mund seinen Hals und biss zu um jeden weiteren Laut zu ersticken, doch vergebens. Mit einem letzten kräftigen Ruck, wurde eine Reihe von Kettenreaktionen ausgelöst: Alles Blut in Harrys Venen schien zu einem bestimmten Punkt zu rauschen und aus seinem Körper in Form von heißer, sahniger Flüssigkeit fliehen zu wollen, indem es explosionsartig aus ihm schoss um sich mit fast demselben Gemisch das in diesem Moment auf seinen Bauch spritzte, vermischen zu wollen. Dracos schweißnasse Stirn fiel auf seine Schulter und seine Fingernägel hörten auf, sich in Harrys Rücken zu bohren, genauso wie Harry vom Hals des Slytherins abließ und schwer atmend zurück in die Kissen sank.
Nach einer geraumen Weile, in der Harry nicht wusste, ob er seinem eigenem oder Dracos Herzschlag gelauscht hatte, rührte sich der blonde Junge wieder. Er schlug allerdings nur die Decke ein Stück zurück, sodass sie Luft bekamen und befreite seinen eingekeilten Arm unter Harrys Körper. Dann ließ er seinen Kopf wieder auf Harrys Brust fallen, der die Augen bei der ungewohnten Helligkeit zusammengekniffen hatte. Wo war eigentlich seine Brille abgeblieben? Hatte Draco sie ihm abgenommen? Auf jeden Fall sah er nicht viel, was ihn allerdings auch nicht großartig störte. Er war sowieso viel zu schläfrig und ausgelaugt im Moment. So drehte er sich ein Stück um, was Draco murrend geschehen ließ, zog die Decke wieder etwas höher und schloss die Augen. Das letzte was Harry noch dachte, bevor er einschlief war, dass sie vielleicht beide duschen gehen sollten und dass das eigentlich ziemlich egal war.

Es war warm und weich und Harry kuschelte sich noch näher daran, bis ihn etwas an der Nase kitzelte und er die Augen öffnete. Es waren Dracos Haare und dann fiel dem Gryffindor erst wieder ein, dass er bei dem Slytherin im Bett lag und wohl eingeschlafen war nach… Oh Merlin. Nachdem sie… Sein Blick flog zur Uhr, doch alles was er erkennen konnte war ein verschwommenes Ziffernblatt. Harry begann nach seiner Brille zu tasten, die nur knapp neben ihm lag und sich etwas verbogen anfühlte. Egal, er setzte sie auf und kniff die Augen zusammen, als er wieder auf die Uhr sah. Drei!? Drei Uhr Nachmittags? Sie hatten das Mittagessen verpasst und da war doch noch was… Moment… Hagrid! Er musste mit Ron und Hermine zu Hagrid verdammt! Harry wollte schon aufspringen, als sein Blick auf den friedlich schlafenden Jungen neben sich fiel. Er zögerte. Doch er musste los. So ein Mist auch. Unendlich vorsichtig löste er sich aus der Umarmung, in der sie wohl eingeschlafen sein mussten und kroch aus dem Bett um seine Sachen zusammen zu suchen. Als er seine Boxershorts anzog, bemerkte er weiße Flecken auf seinem Bauch und verschwand kopfschüttelnd im Bad. Als er wieder zurückkam, hatte Draco sich umgedreht, sodass die Decke vom Bett gerutscht war. Harry hob sie vom Boden auf und deckte den Slytherin mit einem leichten Lächeln auf den Lippen wieder zu. Zu gerne hätte er jetzt einfach mit ihm weitergeschlafen, doch wenn er jetzt nicht bald verschwand würde bei seinen Freunden wohl die Hölle los sein. Es reichte schon, dass er nicht beim Mittagessen gewesen war. Schnell hatte der schwarzhaarige Junge seine restlichen Sachen zusammen gesucht und angezogen und er wollte schon gehen, als ihm noch etwas einfiel. Er konnte ja nicht einfach so verschwinden. So ging er zu Dracos Schreibtisch, stöberte ein bisschen herum, bis er ein unbenutztes Stück Pergament gefunden hatte und schrieb zum zweiten Mal an diesem Tag eine eilige Nachricht:

Bin bei Hagrid, wollte dich nicht wecken,
Harry

Das war wohl etwas sehr kurz, aber was sollte er auch sonst schreiben? Ich liebe dich und das vorhin war wunderschön!? Harry verzog sarkastisch das Gesicht und legte das Pergament neben Draco auf ein Kissen. Dann konnte er sich nicht zurückhalten und gab ihm einen Kuss auf die Stirn, wofür er sich, nachdem er aus dem Zimmer verschwunden war, reichlich blöd vorkam. War ja auch egal. Jetzt musste er nur machen, dass er in den Gryffindorturm kam und hoffen, dass seine Freunde noch dort und nicht ziemlich sauer waren. Sonst konnte er ja schon mal wieder anfangen an ein paar Ausreden zu arbeiten, obwohl er mittlerweile doch ziemlich gut improvisieren konnte. Übung machte eben den Meister.
Als er durch die Eingangshalle rannte, stelle Harry fest, dass das Mittagessen wohl schon seit geraumer Zeit zu Ende sein musste, denn außer ein paar Drittklässlern auf dem Weg nach draußen begegnete er niemandem. Ach, wie schön wäre es, jetzt noch in der dritten Klasse zu sein… Dann hätte er keine Probleme mit seinen Hormonen, oder mit Draco Malfoy… Doch, nur eben auch andere Art… Menno, wenn ihm das jemand vor Jahren erzählt hätte… Harry schüttelte den Kopf und blieb schlitternd vor dem Portrait der Fetten Dame stehen.
„Passwort?“, knurrte sie und Harry musste grinsen. Kein Wunder, dass sie seit dem neuen Passwort so mies drauf war, wer sich das wohl ausgedacht hatte?
„Wackelpudding!“, sagte er gelassen, woraufhin das Portrait zur Seite schwang und Harry den Blick auf den Gemeinschaftsraum preisgab. Von Ron und Hermine war nichts zu sehen, wo waren sie bloß? Sich umschauend kletterte Harry durch das Portraitloch und fuhr heftig zusammen, als hinter ihm eine Stimme ertönte: „Ich will deine Ausrede gar nicht hören!“
„Ich aber schon!“, Harry wirbelte herum und erkannte seine Freunde, die gerade von einem Schachbrett in der hintersten Ecke des Raumes aufstanden und auf ihn zukamen. Ron schien wohl nicht ganz Hermines Meinung zu sein.
„Wir warten hier schon seit…“, Hermine sah sich Hilfe suchend nach einer Uhr um, fand aber keine. „Ist ja egal. Auf jeden Fall wären wir um drei bei Hagrid zum Tee eingeladen gewesen, und das ist eindeutig vorbei!“
„Wo warst du, verdammt!?“, Ron schüttelte den Kopf. Anscheinend hatte er im Gegensatz zu Hermine noch immer nicht begriffen, dass diese Frage nicht viel nützte.
„Ich war…“, wollte Harry schon ihm zuliebe anfangen und gerade blitzte eine Ausrede in seinem Kopf auf, als Hermine ihm das Wort abschnitt.
„Wie gesagt, ich will es gar nicht hören! Wir müssen los!“, sie nahm je einen der Jungen am Arm und zog sie aus dem Portrait. Harry war ziemlich verdutzt über ihre plötzlich so forsche Art, genauso wie Ron. Doch der wurde im Moment doch wohl eher von Harry abgelenkt.
„Sag mal, hast du geschlafen?“, fragte er den schwarzhaarigen Jungen und sah ihn mit großen Augen an.
„Hä, wieso?“, machte Harry perplex und Hermine, die ihn wieder losgelassen hatte, blieb kurz stehen und fischte etwas aus seinen Haaren. Es war eine kleine, weiße Daunenfeder, wahrscheinlich von Dracos Bettzeug die sie in die Höhe hielt. „Oh, also…“
„Nein, warte mal, lass mich raten“, Hermine runzelte für einen Augenblick die Stirn und meinte dann: „Du warst in der Eulerei, richtig? Und das ist eine Eulenfeder… von Hedwig. Natürlich, du warst bei ihr und den Jungen und hast die Zeit dabei völlig vergessen, stimmt’s?“
„Äh…“, Harry kratzte sich am Kopf. Er war sich nicht ganz sicher, ob Hermine glaubte, was sie da von sich gab, oder das sie ihn hier nur gewaltig verarschte. Na wenigstens gab’s ihm mal Irgendwer zurück, dachte Harry sarkastisch, dann nickte er.
„He! Wieso hast du uns nichts gesagt?“, mischte Ron sich da ein. „Vielleicht hätte ich die kleinen Dinger auch gerne gesehen? Aber nein, stattdessen verbringe ich mein Mittagessen damit, zu gucken, ob außer dir noch jemand fehlt!“ Mit leicht angesäuerter Miene stapfte er durch den großen Torbogen nach draußen und Harry und Hermine mussten sich beeilen, um ihrem Freund zu folgen.
„Nebenbei bemerkt“, Hermine sah Harry kurz von der Seite an. „Malfoy war der einzige, der gefehlt hat…“, mit diesen Worten verschwand sie nach vorne zu Ron und ließ einen ziemlich dumm aus der Wäsche guckenden Harry zurück. So ein verdammter Mist aber auch. Was sollte denn das schon wieder? Wusste sie etwas, oder tat sie nur so? Harry schüttelte verzweifelt den Kopf und beeilte sich, seine Freunde einzuholen, die inzwischen mit zügigem Schritt vorangingen. Erst beim See kam er wieder bei ihnen an und musste erst mal heftig durchatmen. Seine Kondition war auch schon mal besser gewesen, obwohl man doch eigentlich meinen musste, dass seit der Sache mit Draco… Darüber wollte er jetzt lieber nicht genauer nachdenken…
„Könnt ihr nicht mal warten!?“, rief er den beiden hinterher und sie blieben kurz stehen.
„Nein“, meinte Hermine kühl. „Wegen dir sind wir zu spät.“
„Na herzlichen Dank auch“, grummelte Harry und spurtete wieder los. Diesmal hielt er sich, bei Hermine angekommen, einfach an ihrem Ärmel fest, wodurch er das Tempo doch ein bisschen bremsen konnte.
„Wie geht’s eigentlich deinem Kopf, Ron?“, fragte er schließlich, woraufhin der rothaarige Junge laut aufschnaube.
„Oh, schon viel besser, seit ich nicht mehr die ganze Zeit an gestern Abend denken muss!“, einen Moment sah sein Freund ihn mit einer Mischung aus Unglauben, Wut und vielleicht auch ein bisschen Verzweiflung an, dann drehte er sich weg. Harry stieg die Hitze ins Gesicht. Es hatte also keiner vergessen, was gestern passiert war. Mark nicht, Ron nicht, Hermine also auch nicht und der Rest war auch schon egal. Wieso sagten sie dann alle nichts? Wieso musste er sie darauf ansprechen?
„Aja“, Harry beschloss, dass es vielleicht ganz gut ankommen würde, bedächtig zu nicken. „Und wie geht’s dir so, Hermine?“
Die Gryffindor zuckte mit den Schultern und meinte dann: „Kann mich nicht beklagen, wieso?“
“Ist dir nicht irgendwie schlecht oder so?“, fragte Harry weiter und vernahm ein weiteres Schnauben aus Rons Richtung.
„Nicht, das ich wüsste“, sagte Hermine sachlich, als sie vor Hagrids Hütte ankamen. „Es gibt auch tolerante Menschen, weißt du?“, mit diesen Worten klopfte sie an und verblüffte Harry so schon zum zweiten mal an diesem Tag. Was hatte das denn nun schon wieder zu bedeuten? Meinte sie, dass sie es nicht schlimm fand, wenn Harry Draco Malfoy mal eben schnell küsste, nur um seinem Verehrer eins auszuwischen, oder ahnte sie, was wirklich zwischen den beiden war? Harry stand vor einem Rätsel und hatte so das Gefühl, dass sich das nicht in den nächsten zehn Minuten lösen würde. Na toll.
In diesem Moment zog Hagrid mit einem Schwung die schwere Holztür auf und bat die drei Freunde hinein, wobei er meinte, Harry mit einem Klaps auf die Schulter in den Boden stampfen zu müssen. Fang kam aufgeregt kläffend auf sie zu galoppiert und rannte dabei Ron fast über den Haufen, der sich in einem von Hagrids überdimensionalen Sesseln in Sicherheit brachte.
„Na, da seid ihr drei ja endlich mal wieder!“, sagte der Halbriese und stellte eine große Schüssel mit Keksen auf den Tisch. „Hab schon gedacht, ihr lasst euch gar nicht mehr blicken… vor allem der hier!“ Fast hätte er Harry wieder auf die Schulter gehauen, doch der duckte sich im letzten Moment, sodass er nur einen gefährlichen Luftzug über seinen Kopf wehen spürte. „Wohl n’ bisschen beschäftigt gewesen in letzter Zeit, wie?“, fragte er schmunzelnd und von Ron kam ein lautes
„Allerdings!“, worüber Hagrid nur die Stirn runzelte.
Hermine war unterdessen zu ihrem Freund in den Sessel gekrabbelt und auch Harry riss sich von Fang los, um neben Hagrid auf dem noch größeren Sofa Platz zu nehmen. „Aber deswegen solltest du trotzdem nicht auf deine Freunde vergessen, hm?“, Hagrid sah Harry eindringlich an und der fühlte sich ein bisschen überrumpelt. Vor allem weil sie hier irgendwie alle von verschiedenen Sachen sprachen. Ron dachte, er hatte irgendwo in Slytherin ne Freundin, die ihn beschlagnahmte, Hagrid dachte, er war mit Draco Malfoy zusammen und was Hermine dachte oder wusste das stand wohl in den Sternen.
„Klar“, sagte Harry so nur und nahm sich einen Keks. Dann schenkte Hagrid ihnen Tee ein und er war froh, etwas in der Hand zu haben, was ihn ablenkte. Was hätte er jetzt für eine Zigarette gegeben! Aber immerhin, es waren ja Kekse da, die ihn nebenbei bemerkt daran erinnerten, dass er seit seinem kärglichen Frühstück nichts mehr gegessen hatte. Einmal hatten Hagrids steinharte Kekse also auch was gutes, und der Halbriese schien gerührt darüber zu sein, dass Harry innerhalb von zwanzig Minuten, die halbe Schüssel zusammen futterte.
Nachdem das Gespräch erst ziemlich zäh über Schule und den ganzen Kram dahin geflossen war, kam Hagrid plötzlich wieder auf ein interessanteres Thema. Für ihn jedenfalls, denn es ging um Ron und Hermine. Es war ihm wohl aufgefallen, dass sie Händchen hielten, genauso wie Harry, der das allerdings eher mit einem genervten Blick quittiert hatte, und er sprach sie prompt darauf an.
„Na, was ist denn das mit euch zwei, hat’s endlich geklappt?“
„Äh…“, fing Hermine an zu stammeln und Ron lief feuerrot an, um mal wieder mit seinen Haaren zu konkurrieren.
„Ja, es hat geklappt“, beschloss Harry für die beiden zu antworten und nahm sich noch einen Keks. „Seit wann seid ihr zusammen, letzte Woche oder so?“, er sah sie fragend an und Hermine warf ihm einen leicht giftigen Blick zu. Anscheinend war ihr sein genervter Unterton nicht entgangen.
„Ja genau, danke, dass du uns auf die Sprünge geholfen hast, Harry“, sagte sie und versuchte dann, Hagrid anzulächeln, was nicht so ganz klappte.
„Ach, mach ich doch immer gerne… vor allem, weil ich das immer mitbekomme…“, winkte Harry ab und fragte sich dann, was in ihn gefahren war. Er war doch froh, dass die beiden endlich zusammen waren! Allerdings konnte er auch nicht leugnen, das ihm das langsam ziemlich eindeutig auf die Nerven ging. Er wusste nicht mal, wieso… Doch, wahrscheinlich, weil Ron und Hermine eine offizielle Beziehung mit Händchenhalten und dem ganzen Kram haben konnten und er nicht. Jedenfalls wenn es nach Draco ging und das tat es ja anscheinend zu seinem großen Missfallen tatsächlich auch noch. Schlimm genug, obwohl Harry selbst das Ganze ja auch ziemlich peinlich wäre… Er schüttelte den Kopf und wollte schon zu einer Entschuldigung ansetzen, als Hermine Luft holte.
„Also das ist doch echt… Wir wären froh, wenn wir auch nur irgendwas von dir mitbekommen würden! Aber das einzige was wir merken ist, wie du verschwindest und irgendwann wieder auftauchst ohne uns auch nur annähernd zu verraten wo oder bei wem du warst!“, Hermine schniefte kurz. „Das ist echt nicht fair!“
Harry und Hagrid sahen sie verdattert an, während Ron ihr nur sachte den Arm tätschelte. Er war zwar um einiges neugieriger als seine Freundin, allerdings schien ihn das ganze bei weitem nicht so fertig zu machen.
„Tut mir leid, Hermine“, sagte Harry leise und Hagrid entschuldigte sich kurz um den Keksteller wieder aufzufüllen. „Und Ron auch…“, er warf seinem früheren besten Freund einen kurzen Blick zu. Irgendwie traute er sich nach der ganzen Distanzierung zwischen ihnen nicht mehr, ihn als seinen besten Freund zu bezeichnen. „Ich will euch das ganze nicht verheimlichen, aber irgendwie… geht’s einfach nicht anders…“, Harry warf einen traurigen Blick aus dem Fenster.
„Vertraust du uns so wenig?“, meldete sich Hermine da wieder zu Wort und Harry sah sie entschuldigend an.
„Nein“, sagte er. „Darum geht’s auch nicht…“
„So, um was dann?“, fragte sie und hob die Schultern.
Harry tat es ihr gleich. „Ich weiß nicht…“, Oh doch, er wusste es und wie! „Das ist was, das kann ich euch nicht einfach sagen, das ist…“
„Ganz geheim!“, Hagrid war mit einem frischen Keksberg auf seinem Teller wiedergekommen und hatte wohl schmunzelnd den letzten Teil ihres Gesprächs mitbekommen.
„Hagrid!“, sagten alle drei gleichzeitig uns sahen zuerst sich und dann den Halbriesen verdutzt an.
„Was soll das heißen?“, fragte Ron schließlich misstrauisch. „Weißt du was, was wir nicht wissen?“ Er und Hermine fixierten Hagrid, der sich seelenruhig wieder auf das Sofa fallen und Harry so einen halben Meter in die Luft hüpfen ließ.
„Also…“, fing Hagrid an, doch Harry schnitt ihm panisch das Wort ab.
„Hagrid, wenn du das machst…“, er konnte es nicht verhindern, seine Stimme klang ein bisschen bedrohlich, woraufhin Hermine die Stirn runzelte.
Ron schien das gar nicht bemerkt zu haben. „Hagrid, soll das heißen, das du weißt, was wir schon die ganze Zeit versuchen, aus Harry rauszukriegen?!“, er sah den Halbriesen flehend an, genauso wie der schwarzhaarige Gryffindor. „Sag’s uns! Mit wem ist Harry zusammen?“
„Tut mir leid“, Hagrid wehrte ab und Harry schickte ein Dankesgebet an die Decke. „Ich hab Harry und… äh… ich hab ihnen versprochen, nichts zu sagen…!“ Beinahe hätte er sich verhaspelt. Harry war einem Herzinfarkt nahe, wenn das hier nur gut ging! Sie sollten schleunigst das Thema wechseln!
Ron schien so am kochen zu sein, dass er kein Wort mehr hervorbrachte. Hermine hingegen schien noch ganz gut denken zu können. „Wieso weißt du das eigentlich?“, brachte sie eindeutig gekränkt hervor.
„Ach“, Hagrid tätschelte ihr aufmunternd die Schulter woraufhin sie mit Ron zusammenkrachte. „Das war purer Zufall… Musste mich erst mal bei nem Glas Schnaps von dem Schock erholen… und das ganze zwei Mal!“
„Zwei Mal!?“, wiederholte Ron ungläubig und schüttelte den Kopf. Harry konnte ihn noch so was wie: „Und wir schaffen’s kein einziges Mal!“, murmeln hören, während Hermine komischerweise eine Augenbraue hob. „So schlimm war es?“
Hagrid zwinkerte. „Das kommt drauf an, wie man’s sieht… ihr zum Beispiel würdet’s sicher schlimm finden…“
„Ich glaub, es reicht langsam“, mischte Harry sich nun ein und nahm sich noch einen Keks um Hagrid abzulenken. „Hast du ein neues Rezept? Die schmecken ganz anders als sonst…“
Der Halbriese runzelte einen Moment amüsiert die Stirn, dann lief er allerdings leicht rot an. „Naja, eigentlich nicht…“, er sah auf den Boden. „Ehrlich gesagt… sind die schon etwas älter…“
Ron, der sich gerade auch einen Keks nehmen wollte, zog seine Hand unauffällig wieder zurück, doch Hermine nahm sich prompt einen und biss hinein.
„Klar, das sind Lebkuchen!“, rief sie aus und schlug sich an die Stirn. „Deshalb waren die immer so hart! Hagrid, Lebkuchen muss man eine Weile stehen lassen, damit sie weich werden!“, sagte sie und stopfte sich den restlichen Keks in den Mund. „Die sind ja wirklich lecker…“
„Oh…“, machte der Halbriese nur und kratzte sich am Kopf. „Und ich hab gedacht, das ist Schwachsinn was im Backbuch von meiner Uroma steht…“
Ron verschluckte sich an dem Lebkuchen, von dem er gerade abgebissen hatte, als er das hörte und Hermine klopfte ihm schnell auf den Rücken. Harry grinste nur in sich hinein. Er hatte zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Hagrids Kekse würde man in Zukunft endlich essen können und er hatte erfolgreich das Thema gewechselt. War ja auch schon wirklich haarscharf gewesen. Langsam verging ihm der Appetit, obwohl die Kekse diesmal wirklich lecker waren… Wenn er daran dachte, dass Ron und Hermine einfach so zufällig die ganze Sache erfahren würden… Das würde in einem Desaster enden. Da erzählte er es ihnen lieber freiwillig bevor sie Zeit hatten um irgendwelche Mordpläne zu schmieden… Und vielleicht sollte er wirklich mal ernsthaft darüber nachdenken, das zu tun. Und er musste mit Draco darüber sprechen… Ob er wohl noch immer schlief? Da fiel Harry ein, dass Mark ja gesagt hatte, das nach dem Essen Training wäre… Oje, vielleicht hätte er Draco doch aufwecken sollen?
„He, Harry!“, Ron wedelte mit beiden Armen durch die Luft. „Wohin driftest du denn jetzt schon wieder ab?!“
„Na dreimal darfst du raten“, sagte Hermine mit einer Mischung aus einem säuerlichen und aber komischerweise auch liebevollen Blick, der Harry leicht stutzen ließ.
„Sorry“, machte er schnell und Hagrid schüttelte wissend lächelnd den Kopf. Meine Güte war das peinlich…
„Wenn du’s uns in einer Woche nicht gesagt hast…“, fing Hermine an, doch Harry unterbrach sie.
„Spätestens dann sag ich’s euch, ok?“
„Ist das ein Versprechen?“, fragte Ron hoffnungsvoll woraufhin der schwarzhaarige Junge ergeben nickte.
„Versprochen“, sagte er und machte sich schon jetzt auf ein Streitgespräch mit dem Slytherin gefasst. Das konnte ja heiter werden…
Gerade, als Harry seinen Tee ausgetrunken hatte und drohte, in Grübeleien abzudriften, beschlossen Ron und Hermine, dass es wohl an der Zeit wäre, zu gehen. Hagrid war das nur recht, da ihm einfiel, dass er vor dem Abendessen noch Kraki füttern musste. So warteten die drei Freunde eine Weile, bis er mit drei prall gefüllten Säcken wieder hinter seiner Hütte zum Vorschein kam und zusammen machten sie sich dann auf den Weg zurück zum Schloss. Beim See angekommen verabschiedeten sie sich von Hagrid, der ihnen irgendwas von Frühlingsgefühlen im Herbst hinterher rief und Harry überlegte, ob er noch draußen bleiben und eine rauchen sollte. Dann entschied er sich aber anders, denn so müsste er Hagrid noch Gesellschaft leisten und das wäre nun wirklich die Schaumkrone aller Peinlichkeiten gewesen. Womöglich kam der Halbriese ja auf die Idee, ihn auszufragen und das war wirklich, nein… Harry wollte gar nicht daran denken… Stattdessen begann er, sich zu fragen, ob Draco denn mittlerweile aufgewacht und zum Training gegangen war, als sie am Quidditchfeld vorbeikamen.
„Hey, die Slytherins trainieren“, bemerkte Ron, als er Harrys Blick folgte.
Der nickte nur mit zusammengekniffenen Augen und versuchte angestrengt zu erkennen, ob ein gewisser blonder Slytherin da irgendwo rum flog.
„Wollen wir spionieren gehen?“, fragte Ron da und Harry sah ihn zuerst mit einem Anflug von Panik an, dann nickte er allerdings abwägend. Ob Mark was dagegen hatte? Sie könnten ja wirklich mal hinschauen.
„Wieso nicht…“, meinte er und steuerte auf das Feld zu.
„He! Ihr wollt doch nicht allen Ernstes jetzt da zugucken gehen!?“, kam es empört von Hermine, die stehen geblieben war.
„Warum denn nicht?“, ihr Freund nahm sie an der Hand. „Vielleicht finden wir was über ihre Strategie raus…“
„Aber…“, versuchte sie noch zu sagen, doch sie wurde einfach mitgezogen.
„Wir werden ja eh sehen, ob Mark was dagegen hat“, meinte Harry mit einem leichten Kribbeln in der Magengegend. Das würde ja interessant werden. Ob die Slytherins wirklich Gryffindors als Zuschauer duldeten?
„Genau!“, Ron schien ganz begeistert von der Idee zu sein. „Er faselt doch immer vom Verständnis zwischen den Häusern. Jetzt wollen wir doch mal sehen, ob da was Wahres dran ist…!“
„Ts…“, Hermine schüttelte noch immer den Kopf, als sie beim Spielfeld ankamen.
„Hey! Spionage ist verboten!“, kam es da auf einmal von oben und Harry konnte Mark erkennen, der auf sie zuflog und dann landete.
„Hi Mark“, meinte Harry nur, während der Slytherin mit geschultertem Besen auf sie zukam. „Sollen wir wieder gehen?“
„Nee“, der Junge schüttelte den Kopf, dann huschte ein unheilvolles Grinsen über sein Gesicht. „Ich müsste dich da sowieso was fragen… Kommst du mal mit?“
„Klar…“, Harry runzelte die Stirn. Was war denn los? Wollte der Slytherin jetzt doch zusammen mit den Gryffindors trainieren? Und überhaupt war die ganze Situation merkwürdig. Ron und Hermine nahmen gerade auf einer der untersten Tribünen Platz und die anderen aus dem Team, die ebenfalls gerade landeten, schien das nicht im Geringsten zu stören!
„Okay, Pause!“, Mark schüttelte den Kopf. „Jetzt, wo eh schon alle landen…“
Harry grinste und sah den Slytherin dann fragend an.
„Was hältst du von gemeinsamem Training?“, fragte Mark da und Harry stutzte. Das wollte er also wirklich!
Der schwarzhaarige Junge zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht, ob ich das restliche Team jetzt noch zusammentrommeln kann…“
„Dann spielst eben nur du “ Lust?“, Mark sah ganz aufmunternd aus.
„Wieso nicht…“, Harry streckte die Hand in Richtung Schloss aus. „Accio Feuerblitz!“ Das war ja mal was Neues… Er würde tatsächlich mit den Slytherins trainieren…
„Nachdem wir das Training heute eh schmeißen können, weil Mr. Malfoy ganze drei Stunden zu spät gekommen ist!“, Mark sah jemanden hinter Harry tadelnd an und als er sich umdrehte konnte er erkennen, das Draco auf sie zukam. „Ich kann noch immer nicht verstehen, wie man kurz vor dem Mittagessen einfach wegpennen kann…“, Mark schüttelte wieder den Kopf woraufhin Draco nur entschuldigend mit den Schultern zuckte und Harry einen kurzen Blick zuwarf.
„Potter…“, meinte er und deutete zum Schloss. „Da kommt was angeflogen…“
Harry wirbelte gerade noch rechtzeitig herum, um seinen Besen aufzufangen, der mit vollem Karacho auf ihn zugerast kam.
„Was hast du denn unter der Dusche getrieben?“, Mark schien das schon öfter gefragt zu haben und Harry musste ein Grinsen verstecken.
Draco verdrehte nur die Augen. „Nichts! Aber diese Antwort lässt deine schweinische Phantasie ja nicht durch…“
„Ich kann dich verstehen, Malfoy“, Harry nickte andächtig und konnte sein Grinsen nun nicht mehr verbergen. „Manchmal duscht man einfach zu heiß, hm?“
Draco funkelte ihn an. „Du musst es ja wissen“, meinte er nur und Mark hob eine Augenbraue.
„Tja, die Sucher müssen ja wissen, von was sie reden…“, er stieg wieder auf seinen Besen. „Echt, ich bin sicher zehn Minuten vor diesem verdammten Portrait gestanden und hab geklopft! … Ups, sorry Draco…“ Der konnte ja nicht wissen, das Harry genau wusste, wo Dracos Zimmer war und wie man hineinkam.
Der blonde Slytherin hob nur die Augenbrauen und schüttelte den Kopf. „Ist ja egal… solln wir weitermachen oder kann ich mir das heute noch hundert mal anhören?“
„Ok ok…“, Mark winkte zu den restlichen Spielern hinüber. „Weiter geht’s! Jetzt könnt ihr euch so richtig um den Schnatz streiten, das ist doch was…“
„Oh ja“, Draco funkelte Harry an, als Mark sich schon wieder auf seinen Besen geschwungen hatte.
Harry konnte nur noch grinsen und war insgeheim heilfroh, dass der Slytherin anscheinend nicht das Passwort zu Dracos Zimmer wusste. Das wäre ja was geworden… Er stieß sich vom Boden ab und machte noch einen kleinen Abstecher zu Ron und Hermine, die meinten er solle es den Slytherins so richtig zeigen. Dann flog er hoch hinauf in die Lüfte und spürte wieder diesen berauschenden Anflug von Freiheit, als der Wind um seine Ohren wehte, bis er etwas blondes schräg hinter sich aufblitzen sah. Draco versuchte wohl, ihn einzuholen. Harry schraubte sich spiralförmig in die Höhe, bis sie weit entfernt von den restlichen Spielern waren und ließ den anderen Jungen dann aufholen.
„Wieso hast du mich nicht geweckt, verdammt?!“, wollte Draco, leicht aus der Puste, wissen, als er endlich bei ihm ankam.
„Sorry“, meinte Harry zerknirscht. „Ich hab völlig vergessen, dass du Training gehabt hättest…“
„Jaah“, machte der Slytherin lang gezogen. „Woran das wohl gelegen hat…“
Harry wurde heiß. Kein Wunder, dass sie mehr als drei Stunden geschlafen hatten, das alles war ja auch ziemlich anstrengend gewesen… Nur nicht dran denken, sonst würde er womöglich noch vom Besen fallen! So hob er nur die Schultern. „Anscheinend hast du die Erholung ja gebraucht…“, überlegte Harry unschuldig und fing sich einen undefinierbaren blick von Draco ein.
„Müsste man denken“, stimmte er dann zu und ein Lächeln huschte über sein Gesicht. „Allerdings war ich ziemlich verwirrt, als ich aufgewacht bin und du warst weg…“
Harry musste schmunzeln Das hörte sich einfach zu komisch an. Wenn er schon daran dachte, wie Draco aufwachte und neben sich nach ihm tastete…Ok, zum schmunzeln war das nicht, eher zum…„Wann bist du denn aufgewacht?“, fragte der Gryffindor schnell, um sich abzulenken, während er nach dem Schnatz Ausschau hielt. Irgendwas nützliches musste er ja tun, außerdem konnte er unmöglich zulassen, dass Draco vor ihm den kleinen goldenen Ball fing. Auch nicht, wenn sie jetzt was miteinander hatten, oder zusammen waren, oder was auch immer…
„So kurz nach halb vier… Mark war vielleicht sauer!“, Draco schüttelte den Kopf und folgte dann Harrys Blick, der auf Ron gerichtet war. „Und wenn du jetzt auch noch vor mir den Schnatz fängst, dann… He! Was machst du denn!?“
In diesem Moment hatte Harry es nämlich neben Ron golden aufblitzen
gesehen und war abgetaucht. Tja, das hieß wohl mal wieder Pech für Slytherin…
„Harry!“, Draco war nur knapp hinter ihm. „Potter, verdammt!“, aha, so schnell war er also wieder bei seinem Nachnamen angelangt… „Das darf doch nicht wahr sein!“
Oh doch, das war wahr. Harry war nur noch ein paar Meter von der Tribüne entfernt und Hermine schrie erschrocken auf, als er über ihren und Rons Kopf hinwegfegte, dicht gefolgt von dem blonden, fluchenden Slytherin. Vielleicht sollte er nicht so viel fluchen, schoss es Harry noch durch den Kopf, dann spürte er kaltes Metall unter seinen Fingern und die kleinen Flügel des Schnatzes, die verzweifelt gegen seine Handfläche schlugen. „Na, was sagst du jetzt?“, triumphierend hielt er den kleinen Ball in die Luft und Ron johlte auf.
„Ha, Malfoy! Harry schlägt dich sogar bei deinem eigenen Training!“
„Na warte nur, Weasley“, knirschte Draco und funkelte Harry an. „Und du erst, Potter… Das zahl ich dir heim…“
„So, wie denn?“, fragte Harry zuckersüß, als er auf dem Boden landete und überhörte die weiteren gemurmelten Schimpfereien von Seiten Dracos.
„Das wirst du schon sehen…“, über das Gesicht des Slytherins huschte ein diabolische Grinsen, was Harry schon vermuten ließ, wie er ihm das heimzahlen wollte. Komisch, dass er gar keine Angst hatte…
„Draco, verdammt!“, Mark war ziemlich unsanft auf dem Boden angekommen. „Was ist denn mit dir los!?“
„Hihi, das selbe wie immer“, grinste Ron und fing sich einen bösen Blick von Harrys… wie auch immer ein.
„Echt, zu spät zum Training kommen, dann lässt du dich von Potter einwickeln und bemerkst nicht mal, dass der Schnatz auftaucht…“, Mark schüttelte nur den Kopf, während er die Bälle in die Kiste zurückstopfte. „Ich glaub, wir lassen’s für heute bleiben… In den Drei Besen lass ich mich zulaufen…“
„Dann hast du wenigstens bessere Chancen bei der Weasley“, murmelte Draco und Ron spitzte die Ohren. Das hätte er wohl besser nicht sagen sollen…
„Was willst du von meiner Schwester?“, brauste der rothaarige Junge auch schon auf und Hermine legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm.
„Oh, gar nichts…“, sagte Mark abwehrend, dann huschte ein gemeines Grinsen über sein Gesicht. „Genauso wenig wie Draco von…“, er fing den Blick des blonden Jungen auf und verstummte schleunigst wieder. Gut so, denn sonst hätte Harry ihn wahrscheinlich auf andere Art zum Schweigen gebracht… „Tja, es gibt ja sowieso gleich Abendessen… Also schlag ich vor, wir gehen alle mal duschen…“ Das restliche Team verschwand in den Umkleidekabinen und Draco Richtung Schloss. „Dusch nicht wieder zu heiß!“, rief Mark ihm hinterher und erntete eine rüde Geste von Draco, der ziemlich sauer dreinschaute. Ob das daran lag, dass Harry ihm den Schnatz vor der Nase weggeschnappt hatte, oder dass Mark die ganze Zeit ziemlich merkwürdige und auch beunruhigende Bemerkungen von sich gab, wusste der Gryffindor nicht. So machte er sich einfach ebenfalls mit Ron und Hermine auf den Rückweg zum Schloss und sie kamen bald bei dem blonden Jungen an, der, seinen Besen geschultert, dahinstapfte.
„Was will Mark von Ginny, Malfoy?“, fragte Ron, als sie ihn eingeholt hatten. Harry wunderte es, dass er so schnell auf den Punkt kam, allerdings machte er da wohl, wenn es um seine Schwester ging, eine Ausnahme.
Draco drehte sich übelgelaunt um. „Merlin, keine Ahnung!“, fauchte er und begann dann, in den Taschen seines Umhangs zu kramen. „Scheiße…“
Harry musste grinsen und hielt ihm seine Zigarettenpackung unter die Nase. „Suchst du die hier?“
„Oh… ja“, Draco nahm ihm die Packung aus der Hand, fischte zwei Zigaretten heraus und reichte eine davon Harry. „Danke… wieso musst du auch den Schnatz fangen?!“
„Tja“, Harry grinste wieder, erst recht, als er Rons und Hermines verdutzte Gesichter sah, als er Draco und sich die Zigaretten anzündete. Die schienen gar nicht mehr zu wissen, was sie denken sollten. Zuerst schmollte der Slytherin, weil er den Schnatz nicht gefangen hatte und dann rauchte er gemütlich eine mit Harry. Verkehrte Welt… „Ihr könnt ruhig schon vorgehen, ich komm dann in den Gemeinschaftsraum“, meinte Harry aufmunternd.
Ron sah ihn verwirrt an „Wirklich?“, er warf einen Blick auf Draco, über dessen Züge ein Grinsen huschte.
„Ich lass ihn schon in einem Stück zu euch zurück, Weasley“, meinte er dann, während er seelenruhig an seiner Zigarette zog.
„Das glaub ich dir sogar“, kam es da von Hermine woraufhin sie verdutzte Blicke von allen drei Jungen erntete. Harry runzelte die Stirn. Was sollte das denn schon wieder heißen?
„Siehst du, sogar Granger glaubt dran“, Draco winkte und Ron wusste wohl nicht mehr, was er sagen sollte.
Mit einem letzten, schon fast besorgten Blick auf Harry, folgte er seiner Freundin schließlich doch zum Schlossportal und der sSchwarzhaarige Junge und Draco blieben alleine zurück.
Draco sah den beiden kopfschüttelnd hinterher, dann drehte er sich wieder zu Harry um. „Was ist denn mit der los?“, fragte er, auf Hermines Kommentar anspielend und Harry konnte nur mit den Schultern zucken.
„Das frag ich mich auch langsam… Vorhin hat sie gesagt, dass die einzigen zwei, die beim Mittagessen gefehlt haben, wir beide waren“, meinte er und zog nachdenklich an seiner Zigarette.
Draco hob ungläubig eine Augenbraue. „Was?!… Du glaubst doch nicht, das sie was ahnt…?“
„Keine Ahnung“, Harry ließ sich, dort wo er gerade stand, im Gras nieder. „Dann hat sie noch irgendwas von Toleranz geredet…“, er bekam ein mulmiges Gefühl in der Magengegend und Draco setzte sich kopfschüttelnd zu ihm.
„Wär ja logisch, dass Granger als erstes draufkommt“, meinte er dann resigniert und Harry musste gegen seinen Willen grinsen. Das war wohl wahr…
Dann beschloss er, das Thema zu wechseln. „Und, wie willst du mich bestrafen?“
Der blonde Junge sah ihn für einen Moment verwirrt an, dann ging ihm wohl ein Licht auf. „Ach wegen der Schnatz“Sache meinst du…“, er wiegte den Kopf hin und her und zog an seiner Zigarette. „Naja, ich hab da noch Handschellen und ne Peitsche irgendwo…“
Harry begann bei diesen Worten erschrocken zu husten und Draco musste ihm auf den Rücken klopfen, bis er sich wieder einigermaßen erholt hatte. „Das war ein Scherz du Vollkoffer“, der Slytherin grinste. „Ich brauch keine Handschellen, es gibt doch Fesselzauber…“
“Aja“, Harrys Augen tränten. Er kaufte diesem Kerl wirklich jeden Scheiß ab, schon schlimm. „Ich glaub, ich lass mich heute auch voll laufen“, meinte er dann. Das war ja manchmal wirklich nicht auszuhalten, was dieser Kerl so von sich gab…
„Wieso? Hast du auch vor, die kleine Weasley anzumachen?“, fragte Draco grinsend und auf Mark anspielend.
„Nee, ich hab doch dich“, Harry sah sich um, sah keinen und zog Draco dann zu sich, um ihn zu küssen.
Der machte sich jedoch bald wieder von ihm los. „Doch nicht hier…“
„Sollen wir in dein Zimmer gehen?“, fragte Harry angriffslustig.
„Und dann pennen wir wieder ein?“, Draco schüttelte den Kopf. „Lieber nicht, außerdem hab ich nen Riesenhunger…“
„Stimmt, ich auch“, Kekse waren wohl doch nicht so ergiebig… vor allem nicht, wenn man bestimmte… Aktivitäten hinter sich hatte. Harry musste wieder grinsen, es wunderte ihn überhaupt, dass er nicht ständig wie ein Honigkuchenpferd herumlief.
„An was denkst du?“, Draco musterte ihn ausgiebig.
„An was wohl?“, Harry hob eine Augenbraue und der Slytherin verstand.
„Aja…“, dann durchlief etwas, das aussah wie ein leichter Schauer seinen Körper. „Ich hätte nicht gedacht, dass so was geht…“
„Hä, was?“, jetzt verstand Harry nicht ganz.
„Na, das… Ohne irgendwas…“, Draco schüttelte wie es schien fassungslos den Kopf und schnippte dann seine Zigarette weg. „Komm, ich muss noch duschen…“
“Hast recht, ich auch… bei mir“, fügte Harry noch hinzu, als er den Blick des Slytherins sah.
„Ist wohl besser“, meinte der und half Harry auf die Beine. „Ihr kommt nach dem Essen in die Drei Besen?“
„Klar“, Harry nickte. „Nachdem was Mark gesagt hat, wird Ron Ginny keine Sekunde aus den Augen lassen…“
„Stimmt“, sie waren beim Portal angekommen und diesmal war es Draco, der sie nach allen Richtungen umsah. Dann drückte er Harry einen schnellen Kuss auf den Mund und sie verschwanden im Schloss.
„Bis später, dann“, sagte Harry, als Draco zu den Kerkern einbog.
„See you“, meinte der und Harry sah ihm noch einen Augenblick nach, bis er um die nächste Ecke gebogen war.
Dann machte er sich auf den Weg in seinen Gemeinschaftsraum, wo er nach nur wenigen Minuten gut gelaunt ankam. Ron schien das unbegreiflich zu sein und Hermine hatte nur eine undefinierbare Miene aufgesetzt.
„Beeil dich, Ron hat Hunger!“, rief sie Harry nach, als er zu der Treppe, die in den Schlafsaal führte, verschwand.
„He, ich kann für mich selber reden!“, hörte Harry seinen Freund noch giften, bevor er die Tür des Schlafsaals hinter sich zufallen ließ. Es war schon merkwürdig, wie sich die Dinge entwickelten…
In Gedanken versunken, zog er sich aus und stieg unter die Dusche, dann fragte er sich, ob Draco im Moment wohl das selbe tat und ein Schauer lief ihm über den Rücken. Jetzt bloß nicht an den Nachmittag denken, sonst hatte er noch eine kalte Dusche nötig… Doch er schaffte es ganz gut, sich mit Haare waschen abzulenken und so kam er schon nach wenigen Minuten mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen zurück in den Schlafsaal. Er war etwas verdutzt, als er Ron dort vorfand, der mit gerunzelter Stirn vor seinem Kleiderschrank stand. Anscheinend schien er sich, seit er mit Hermine zusammen war, auch etwas mehr Gedanken um seine Klamotten zu machen, als früher. Harry konnte das nur zu gut nachvollziehen, vor allem, als er seinen Schrank ebenfalls öffnete.
„Ich versteh das nicht“, kam es von Ron und Harry drehte sich fragend zu ihm um. „Wie kannst du dich nur auf einmal mit Malfoy verstehen!?“
„Das hab ich dir doch schon erklärt“, sagte Harry und beschloss, das es einfach war, mit einer Boxershorts anzufangen. Ron hatte sich gerade sein T-Shirt ausgezogen und wühlte in seinem Schrank nach einem annehmbaren Hemd. Harry fiel auf, dass der rothaarige Junge sich über die Ferien um einiges entwickelt hatte und wandte schnell den Blick ab. Ron durfte er wirklich nicht mit diesen Augen sehen.
So stöberte auch er in einigen Regalen herum und zog dann einfach wieder seine Jeans und Dracos Hemd an.
„Ich glaub, ich muss auch einkaufen gehen…“, murmelte Ron, nachdem er erst einen Blick auf Harry und dann wieder in seinen Schrank geworfen hatte. Der schwarzhaarige Junge grinste nur und rubbelte sich die Haare einigermaßen trocken. Es wunderte ihn zwar etwas, das Ron die Sache mit Draco so einfach auf sich beruhen hatte lassen, allerdings konnte ihm das nur recht sein.
Ron hatte es schließlich doch geschafft, sich anzuziehen und so kamen sie endlich wieder zurück in den Gemeinschaftsraum, wo Hermine schon ungeduldig wartete. Sie hatte sich ebenfalls umgezogen, was von Ron mit einem merkwürdigen Blick quittiert wurde. Harry hätte nie gedacht, dass sein Freund das Mädchen einmal so mustern würde, doch es war ja nur gerechtfertigt. Er schien nicht der einzige zu sein, der das T-Shirt unter dem Hemd einfach weggelassen hatte, doch schließlich wurde es doch zu auffällig.
„Ron!“, er stupste seinen Freund an, als sie aus dem Portrait kletterten. „Jetzt sei doch nicht so auffällig!“
„Hä, was?“, machte der und wandte seinen Blick mühsam von Hermines leicht durchsichtiger Bluse ab. Allerdings musste Harry zugeben, das sogar er erkennen konnte, das das braunhaarige Mädchen diesmal keinen Blümchen BH trug. Und ihn interessierte das ja wirklich nicht die Bohne.
So deutete er nur auf seine Freundin und schüttelte den Kopf. „Du starrst sie an, als ob sie im Bikini vor dir rumlaufen würde!“
„Tut sie ja auch fast!“, knirschte Ron mit roten Ohren und sah Harry dann böse an. „Schau gefälligst nicht hin!“
“Interessiert mich eh nicht“, winkte Harry ab, woraufhin Ron nur kurz die Stirn runzelte und dann nach vorne zu Hermine ging um sie zu fragen, ob sie ihre Bluse nicht weiter zuknöpfen könnte. Die kicherte nur, kam seiner Bitte allerdings nach.
In der großen Halle angekommen, stellte Harry fest, das Draco einfach nur mal wieder unwiderstehlich aussah, mit halbnassen Haaren. Der schien anscheinend das selbe über Harry zu denken, denn der bildete sich die Blicke des Slytherins sicher nicht ein, die auf ihm ruhten, bis er an seinem Tisch angekommen war. Ginny war schon da und fragte ihn sofort überschwänglich, ob sie heute wieder in die Drei Besen gehen würden und ob die Slytherins auch mitkamen.
„Ja, Mark ist auch da“, sagte Harry grinsend und sie lief leicht rot an. Dann schien sie sich aber wieder zu fassen. „Malfoy auch?“
Harry, der sich gerade Gulasch aufschöpfte, schöpfte daneben und sah sie dann leicht säuerlich und verwirrt an. „Denke schon, wieso?“
„Ach…“, Rons kleine Schwester zuckte mit den Schultern, wobei der Ausdruck auf ihrem Gesicht eindeutig nicht ‚klein’ aussah. „Nur so…“, dann schien sie sich allerdings nicht mehr zurückhalten zu können und ein: „Merlin, das gestern war sooo süüüß!“, brach aus ihr heraus.
Ron gab nur rein würgendes Geräusch von sich und Neville ließ seine Gabel fallen.
„Aja“, machte Harry knapp und versuchte, sein glühendes Gesicht hinter seinem Löffel zu verstecken, was ihm nach Hermines und Ginnys Kichern zu urteilen wohl nicht sehr gut gelang. Anscheinend hatte wirklich keiner vergessen, was gestern vorgefallen war. Na toll. Nachdem er eine Weile still sein Gulasch gelöffelt hatte, meinte er, sich soweit beruhigt zu haben, um seinerseits ein Kommentar loszulassen. „Mark freut sich übrigens auch schon, dich zu sehen…“
„Mich?“, kam es von Ginny und Ron schnaubte.
„Dich!? Also, das ist doch wirklich…“, er sah seine kleine Schwester eindringlich an. „Er ist ein Slytherin verdammt! Außerdem ist er viel zu alt für dich und…!“
„Vergiss es“, Harry schüttelte den Kopf. „Das macht keinen Sinn… Außerdem ist Mark doch okay, ich weiß gar nicht, was du hast…“
“Ja, da meldet sich unser neuer Slytherinfreund zu Wort“, Ron drehte sich mit hoch erhobener Nase weg und widmete sich schließlich wieder Hermines Bluse und seinem Essen.
Ginny grinste nur. „Danke“, flüsterte sie Harry zu, dann fragte sie unsicher: „Meinst du, Mark … will was von mir?“
Harry nickte. „Jap, hab ich selber gehört!“
„Oh“, machte Ginny nur und wurde leicht rot. Dann murmelte sie etwas wie: „Ich glaub, ich muss mich noch umziehen gehen…“ und widmete sich leicht abwesend wieder ihrem Auflauf.
Harry aß mit einem Grinsen, das er wohl nie wieder loswerden würde, sein Gulasch zu Ende und hielt dann nach einer annehmbaren Nachspeise Ausschau. Schließlich entschied er sich für Vanilleeis mit Himbeersauce. Er war gerade dabei, das geschmolzene Eis mit den restlichen Himbeeren zu verrühren, als Ron maulte: „Wieso gehen wir eigentlich nach Hogsmeat, Hermine? Wir könnten doch im Gemeinschaftsraum bleiben und…“
„Ron!“, unterbrach ihn seine Freundin tadelnd. „Im Gemeinschaftsraum ist die ganze Unterstufe! Außerdem wolltest du doch Ginny im Auge behalten?!“, fügte sie etwas leiser hinzu und Ron nickte mit griesgrämigen Gesicht.
Dann wandte er sich Harry zu. „Und, nimmst du deine Freundin heute mit?“
„Nein“, antwortete der knapp und Ron schmollte nun vollends.
„Gut, dann nicht!“, er schob seinen angebissenen Muffin von sich und grummelte: „Jetzt versteh ich, wieso manche Leute anfangen, zu rauchen! Von seiner Freundin wird man verstoßen, von seinem Freund verraten…“
„Also echt“, Hermine erbarmte sich seines Muffins und schüttelte nur den Kopf. Dann warf sie Harry einen entschuldigenden Blick zu und formte Worte wie: „Schlechter Tag.“
Harry hob nur die Schultern. Er hatte wirklich keine Ahnung, was er machen sollte, um Rons Laune zu bessern und wenn er ehrlich war, hatte er auch gar keine Lust drauf, sich deswegen jetzt einen Kopf zu machen. Nachdem er sich eine zweite Portion Himbeersauce genommen hatte und auch damit fertig war, erhob sich Ginny von ihrem Platz.
„Ich geh mich schnell umziehen“, sagt sie zu Hermine, bemüht Ron keines Blickes zu würdigen. „Treffen wir uns dann in der Eingangshalle?“
„Klar!“, Hermine lächelte ihr aufgrund Rons miesepetriger Miene aufmunternd zu und tätschelte ihrem Freund dann den Rücken.
„Wieso müssen sich nur alle mit Slytherins einlassen?“, murmelte er tonlos, doch dann hellte sich seine Miene etwas auf. „Wenigstens hast du Malfoy den Schnatz vor der Nase weggeschnappt!“
„Er war auch abgelenkt“, rutschte es Harry heraus und so fügte er noch hastig hinzu: „Von… einem Vogel.“ Was war denn jetzt mit ihm los, dass er eine Entschuldigung dafür suchte, dass Draco dieses blöde Ding nicht gefangen hatte? Und von einem Vogel… der war wohl seinem Kopf entfleucht…
„Mit schwarzen Federn?“, fragte Hermine und Ron sah verständnislos zwischen ihr und Harry hin und her.
Der hob beide Augenbrauen und beschloss, diesen Kommentar auf sich beruhen zu lassen. Ihm fiel auch wirklich nichts ein, was er darauf hätte erwidern können. Was war denn das schon wieder? Wenn Hermine etwas ahnte, dann sollte sie es doch klipp und klar sagen! Sie war ja schon fast schlimmer als Draco mit ihren Andeutungen… Hilfe.
Schließlich erhoben sie sich, um in der Eingangshalle auf Ginny zu warten, die noch ganze zehn Minuten brauchte, bis sie endlich auftauchte.
„Was hast du denn an?“, platzte Ron heraus, nachdem er seine kleine Schwester einem strengen Blick unterzogen hatte.
„Einen Rock“, sie sah an sich hinab. „Ist das so schlimm?“
„Nein, aber ist heute Tag der durchsichtigen Blusen oder was?“, Ron trat einen Schritt auf sie zu und machte doch tatsächlich Anstalten, ihren Umhang zuknöpfen zu wollen.
„He, lass das!“, Ginny schob ihn von sich und Hermine zog Ron aus dem Schloss. „Was ist denn mit dem los?!“
Die rothaarige Gryffindor sah ihrem Bruder kopfschüttelnd hinterher und Harry konnte nur mit den Schultern zucken. „Ich glaub, er ist halb am auszucken“, meinte er und machte sich daran, ihm und Hermine zu folgen. „Nimm’s ihm nicht übel…“
„Tu ich aber“, sagte Ginny und hakte sich bei ihm ein. „Du hast also ne Freundin aus Slytherin?“
„Wenn du’s so nennen willst“, kam es aus Harry heraus und Ginny hob eine Augenbraue. Dieses Talent besaß anscheinend nicht nur Draco Malfoy, obwohl Harry noch immer der Meinung war, dass es bei ihm mit Abstand am besten aussah.
„Ich dachte, du willst in nächster Zeit keine Beziehung“, warf Ginny ein. „Wenn ich mich richtig erinnere…“
„Läuft auch erst seit letzter Woche“, meine Harry und sie nickte andächtig. Ein Wunder, dass er ihr das so offen erzählen konnte, wahrscheinlich lag das daran, dass sie nicht so zwanghaft wie alle anderen versuchte, es aus ihm herauszubekommen.
„Und du verrätst keinem wer’s ist?“ Harry schüttelte den Kopf. „Schade…“, dann zuckte sie allerdings mit den Schultern. „Früher oder später wird’s schon rauskommen.“
„Oh ja“, das war das Einzige, was Harry dazu sagen konnte und Ginny schien sich, im Gegensatz zu ihrem Bruder damit zufrieden zu geben.
Harry fiel auf, das er gar nicht darauf geachtet hatte, ob Draco die große Halle schon verlassen hatte oder nicht. Das würde sich aber in wenigen Minuten sowieso herausstellen.
Neben ihm zog Ginny ihren Umhang enger um sich und auch Harry bemerkte, dass es langsam kühler wurde. Es wurde Herbst.
Als sie in den Drei Besen ankamen, brauchten sie eine Weile um Ron und Hermine in einem der hintersten Winkel an einem kleinen Tisch auszumachen, da das Lokal schon ziemlich überfüllt war. Kein Wunder, wenn sie so spät dran waren. Draco und auch Mark waren nirgends zu sehen, was Harry darauf zurückführte, dass sie wohl erst nach ihnen die große Halle verlassen haben mussten.
„Ah, Ginny, Harry!“, Ron winkte ihnen zu. „Wo wart ihr denn so lange?“, hatte er da einen zweideutigen Gesichtsausdruck auf dem Gesicht?
„Ihr seid ja davon gerannt“, meinte Harry und Ron ließ doch wirklich enttäuscht, seine Hand sinken.
Sie bestellten bei Madame Rosmerta eine Runde Butterbier “ wie immer “ und Ron schlug die Zeit, bis das Bier kam, damit tot, Ginny zu erzählen, wie toll Harry den Schnatz gefangen hatte. Er gab es wohl nie auf… So war der schwarzhaarige Junge richtig erleichtert, als mit dem Bier auch Draco und Mark kamen. Draco hatte eine qualmende Zigarette in der Hand und Mark schob ihn sofort auf Harrys Seite der Bank.
„So, das ist die Raucherecke“, meinte er und ließ sich neben Ginny nieder.
„Gut!“, Harry zündete sich eine Zigarette an und fragte dann: „Wo ist denn der Rest?“ Damit meinte er das Slytherinteam.
„An nem anderen Tisch“, sagte Mark und deutete irgendwo in den Raum. „Die waren schon früher da. Und der Tisch ist ja wirklich winzig…“
„Kein Wunder, wenn du ne halbe Stunde zum Umziehen brauchst“, bemerkte Draco und zog unschuldig an seiner Zigarette.
„Wie Ginny“, sagte Harry grinsend, woraufhin sich die Gryffindor und Mark unauffällig mit einem Rotschimmer auf den Wangen musterten.
„Naja, hat sich doch immerhin gelohnt“, meinte der Slytherin schließlich, woraufhin Ginny noch um eine Nuance röter wurde.
„Also…“, Ron ertränkte den Rest des Satzes in seinem Butterbier und Hermine schmunzelte nur. Er war wohl wirklich fassungslos, dass seine Schwester und der Slytherin wirklich Gefallen aneinander fanden. Harry war das nur recht, so war er wenigstens nicht mehr der Einzige, der was mit einem Slytherin hatte. Obwohl das Rons ungute Einstellung sicher nicht ändern würde…
„So, ich brauch jetzt was stark Alkoholisches. Du auch Draco?“, fragte Mark und der Angesprochene nickte. „Harry?“
„Okay“, der nickte und Mark winkte Madame Rosmerta zu ihrem Tisch. „Zwei Butterbier und drei Feuerwhiskey!“
„Seid ihr denn schon sechzehn?“, fragte die Wirtin da doch tatsächlich und Mark nickte.
„Klar, wir gehen in die sechste Klasse“
„Gut“, sie rauschte ab und Harry sah ihr verwirrt hinterher.
„Ist das Zeug so stark?“, fragte er dann.
„Oh ja!“, der Slytherin rieb sich grinsend die Hände. „Weißt du noch Draco, letztes Jahr, als wir eine Flasche haben mitgehen lassen und du dann mit Pansy…“
„Lass das“, zischte der blonde Junge, als er Harrys Blick bemerkte und Mark hielt schmollend den Mund.
Schließlich wandte er sich Ginny zu. „Du darfst mal dran nippen, wenn du willst…“
„Oh ja!“, machte die begeistert und Ron schnaubte unhörbar. Jetzt wurde seine Schwester auch noch vor seinen Augen abgefüllt und wie es aussah, konnte er nicht das geringste dagegen tun… Doch anscheinend hatte er eingesehen, dass es nichts mehr nützte, sich wirklich aufzuregen. „Harry hat Malfoy beim Training wirklich den Schnatz weggeschnappt?“, fragte Ginny da belustigt.
„Jetzt fängt das schon wieder an“, murmelte Draco und sein Blick hellte sich auf, als Madame Rosmerta ihre Bestellungen ablieferte.
„Dann weiß ich ja schon, wie das nächste Spiel ausgehen wird“, gluckste die Gryffindor und Draco dämpfte mit einem Unheil verheißenden Blick seine Zigarette im Aschenbecher aus.
„Auf ex?“, er sah Mark an.
„Zuerst kriegt Ginny was“, meinte der und hielt dem rothaarigen Mädchen sein Glas hin. Sie schnupperte kurz daran und machte dann einen kleinen Schluck. Nach ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen, war dieses Gesöff wirklich stark. Harry machte sich schon mal auf was gefasst, als sie Mark das Glas zurückgab.
„So, Prost Harry!“, der Quidditchkapitän hielt sein Glas in die Höhe. „Auf ein gutes nächstes Quidditchspiel!“
„Bla bla“, machte Draco und warf Harry einen kurzen Blick zu. „Auf das du mich da nicht wieder ablenkst!“ Na toll, jetzt fing er auch noch an, davon zu reden… Dabei hatte er ihn doch gar nicht wirklich abgelenkt! Wie auch immer, lustig war’s trotzdem.
Der Gryffindor grinste, dann kippte er das Zeug hinunter und sämtliche Eingeweide in ihm zogen sich zusammen. „Oh mein Gott!“ Schnell trank er einen Schluck Butterbier hinterher, doch das brennende Gefühl in seiner Speiseröhre ließ sich auch damit nicht vertreiben.
Mark stellte sein Glas auf dem Tisch ab. „Harry hat dich also abgelenkt, ja?“, fragte er Draco und Ginny kicherte.
„Mir reicht’s langsam“, knurrte Draco und griff ebenfalls nach seinem Bierkrug. Dann zündete er sich eine Zigarette an. „Können wir nicht mal über was anderes als Quidditch reden?“
„Du schuldest mir übrigens noch eine“, bemerkte Harry und der blonde Junge reichte ihm mit säuerlichem Blick seine eben angezündete Zigarette.
„Du bist doch sonst nicht so pingelig“, er fischte sich eine neue aus der Packung und Mark runzelte die Stirn. Ob es ihn wohl wunderte, dass Harry, ohne sich zu ekeln an Dracos Zigarette zog?
„Sonst?“, er sah von Harry zu Draco. „Wie oft raucht ihr denn eine zusammen?“
„Jedes Mal, nachdem wir miteinander im Bett waren, weißt du“, sagte Draco ohne eine Miene zu verziehen und Ron, der soeben einen Schluck Butterbier genommen hatte, verschluckte sich und bekam einen Hustenanfall.
„Ach deswegen warst du heute zu spät zum Training“, ging Mark darauf ein und Harry konnte nur die Augen verdrehen. Das Schlimme war, dass der Slytherin da nicht wirklich unrecht hatte.
„Das sind ja ganz neue Seiten, die sich da auftun“, grinste Ginny erfreut und Hermine nickte zustimmend. Anscheinend schien den beiden Mädchen das Gespräch zu gefallen.
„Allerdings … Geht’s wieder Ron?“, sie sah ihren Freund für alle anderen gespielt besorgt an und der schüttelte nur den Kopf.
„Nie wieder“, keuchte er. „Wo bin ich da nur hingeraten?!“
„In einen Pub“, sagte Harry trocken und sein Freund schoss ihn mit seinen Blicken förmlich ab.
„Ich brauch auch nen Whiskey“, meinte Ron schließlich und Mark lachte auf. „Du auch, Hermine?“ Die schüttelte dankend den Kopf.
„Ich will einen!“, ereiferte sich Ginny, doch Mark schüttelte den Kopf.
„Du bist noch nicht sechzehn“, bestimmte er und bestellte vier neue Feuerwhiskeys. „Aber weil du so lieb bist, darfst du bei mir mittrinken!“
„Verantwortungslos“, grummelte Ron, schien aber ganz zufrieden zu sein, dass er auch einen Whiskey bekam.
Harry dagegen passte das gar nicht. Das kribbelige Gefühl in seinem Magen war noch immer nicht ganz verschwunden und er hatte nicht das Gefühl, dass es durch eine weitere Runde besser werden würde.
Trotzdem nahm er seufzend das Glas entgegen, das Mark ihm schon nach kurzer Zeit hinhielt und betrachtete die honigfarbene Flüssigkeit, bis Ginny Marks Glas zur Hälfte geleert hatte. Der besah sich mit gerunzelter Stirn den Rest und hob tadelnd den Zeigefinger.
„Ts ts… von wegen die braven Gryffindors…“
„Ich hab noch ganz andere Sachen drauf“, kam es prompt von Ginny, woraufhin ihr Bruder ohne etwas zu sagen seinen Whiskey hinunterkippte.
„Ich glaub, darauf trink ich“, meinte Mark leicht schwach und Draco und Harry taten es ihm gleich.
Nachdem er das Glas diesmal auf den Tisch gestellt hatte, fühlte Harry sich, als hätte er einen Ameisenhaufen verschluckt. Allerdings schienen die Viecher nicht so freundlich zu sein, wie wenn er an Draco dachte. Wieder trank er einen Schluck Butterbier nach und griff dann wieder nach seiner Zigarette, die er im Aschenbecher abgelegt hatte. Gleichzeitig mit Draco, so dass sich ihre Hände für einen Augenblick berührten und sie sich einen kurzen Blick zuwarfen. Als Harry wieder aufsah, bemerkte er, dass Hermine ihn schon eine geraume Zeit beobachten musste. Doch sie sagte nichts und wandte sich wieder ihrem Butterbier und Ron zu, dem es wieder etwas besser zu gehen schien.
„So, wo waren wir?“, fragte Mark in die Runde, nachdem auch er mal einen Schluck Butterbier genommen hatte.
„Bei braven Gryffindors“, sagte Harry grinsend und Draco lachte auf.
„Das ist ja auch nur ein Gerücht…“, er blies den Rauch in die Luft und Harry konnte sich gut denken auf was oder wen er da anspielte.
„Woher du das schon wieder weißt, will ich gar nicht wissen“, Mark schüttelte den Kopf.
„Recht so“, meinte Draco nur und nahm seinen Bierkrug vom Tisch. Dann machte er es sich auf der Bank gemütlich, wobei er seine Beine so verschränkte, dass sie unweigerlich Harrys berühren mussten. Ob das Absicht war oder ob es ihm nur egal war, wusste Harry nicht. Er wusste nur, dass schon bei diesem minimalen Körperkontakt sein Herz etwas schneller zu schlagen begann. Scheiße, was hatte dieser verdammte Slytherin nur an sich?
In der kurzen Zeit, in der Harry nicht aufgepasst hatte, war Mark zur Theke verschwunden. „Wo ist er denn hin?“, fragte er Draco.
„Chips holen“, meinte der. „Nachdem er ziemlich bald verschwunden ist um sich umzuziehen, hatte er nicht wirklich Zeit was zu essen.“
„Typisch“, kam es von Harry, dann warf er Ginny einen viel sagenden Blick zu. „Siehst du?“
Sie hob die Schultern. „Das muss noch nichts heißen.“
„Oh doch, tut es“, kam es knapp von Draco, bevor Mark wieder am Tisch Platz nahm, mit einer riesigen Chipsschüssel in der Hand, die er auf den Tisch stellte. Harry fand es ziemlich lustig, dass er das, was sich zwischen Mark und Ginny da anbahnte, gut zu heißen schien.
„Fo, fweitef Abendeffen“, sagte der mit vollem Mund und hielt Ginny die Schüssel vor die Nase.
Eine Weile knusperten alle still vor sich hin, bis Ron sich beschwerte, dass sein Butterbier alle sei. Den anderen ging es ähnlich und so bestellten sie eine zweite Runde. Harrys Magen hatte sich durch die paar Chips soweit beruhigt, dass er dem gelassen entgegensah. Gerade als Madame Rosmerta ein Tablett mit Bier auf ihrem Tisch abstellte, schnappte Mark sich den letzten Chip.
„He!“, machte Ginny empört, nachdem sie ihr Bier in Empfang genommen hatte und nach der leeren Schüssel gegriffen hatte.
„Hm?“, machte Mark unschuldig und Ginny deutete auf den Chip in seinem Mund.
„Den wollte ich haben!“, beschwerte sie sich.
„Dann hol ihn dir doch“, nuschelte Mark und Harry wunderte sich, dass Ginny dieser Aufforderung ohne viel darüber nachzudenken nachkam, denn gerade anziehend hatte das nicht geklungen. Es wunderte ihn zwar, dass das Ganze nicht sofort in eine Knutscherei ausartete, doch Ron schien darüber mehr als nur froh zu sein.
Trotzdem verzog er angewidert das Gesicht. „Igitt! Das ist ja widerlich!“, Hermine sah ihn etwas entrüstet an.
„Sie haben doch nur Chips gegessen…“
„Ja, Chips essen nennt man das jetzt“, grummelte er und Mark sah ihn belustigt an.
„Ja und? Harry hat doch auch was mit wem aus unserem Haus… und Ginny und ich haben doch wirklich nur Chips gegessen…“, er grinste das rothaarige Mädchen von einem Ohr bis zum anderen an und die grinste mit glühenden Ohren zurück. Anscheinend hatte sie es lecker gefunden.
„Schlimm genug!“, Ron funkelte zuerst seine Schwester und dann Harry an, der nur abwehrend die Hände hob.
„Ich verschwinde jetzt mal kurz“, meinte er und stand auf.
„Wohin?“, fragte Ron perplex und Harry sah ihn resigniert an.
„Aufs Klo Mensch!“, damit verschwand er, froh, dieser blöden Beschützerinstinktszene nicht länger beiwohnen zu müssen. Hoffentlich war das wieder vorbei, bis er zurückkam. Immer dieses Rumgekepple. Das konnte einem wirklich auf die Nerven gehen! Gerade, als er vor dem Waschbecken stand und in den Spiegel sah, tauchte Draco auf.
„Was machst denn du hier?“, fragte Harry entsetzt, nachdem der Slytherin ihn küssend an die nächste Wand gedrängt hatte.
„Gucken, wo du bleibst“, Draco hob die Schultern. „Weasley will Flaschendrehen spielen.“
„Was, Ron?!“, Harry klappte der Mund auf.
„Nein, Ginny du Idiot!“, Draco schüttelte den Kopf. „Scheiße, ich glaub, ich muss mir doch angewöhnen, die Leute bei ihrem Vornamen zu nennen… Potter“, er grinste.
„Ach, halt die Klappe“, Harry verschloss Dracos Mund mit seinen Lippen und sie fuhren erschrocken auseinander, als ein Hufflepuff im Klo auftauchte.
„Nicht mal hier hab ich meine Ruhe vor dir, Potter!“, giftete Draco und schubste Harry von sich weg. Dann machten sie, dass sie wieder zurück in den Pub kamen, einen ängstlich dreinschauenden Hufflepuff zurücklassend, der wohl froh war, dass er keine Schlägerei hatte miterleben müssen. Dass er fast was ganz anderes miterlebt hatte, auf die Idee wäre er wohl nie gekommen.
Als sie endlich an den Tisch zurückkamen, fanden sie einen wild gestikulierenden Ron vor. „Ich spiel sicher nicht mit denen allen da Flaschendrehen!“, rief er gerade und deutete in die Runde.
„He!“, machte Hermine beleidigt, woraufhin Ron ihr zu versichern versuchte, dass sie die einzige Ausnahme war.
„Harry, sag doch was!“, Hilfe suchend sah er seinen Freund an, der jedoch nur mit den Schultern zuckte, während er sich eine Zigarette anzündete. Er konnte ja nicht wissen, dass der ziemlich scharf drauf war, Draco zu küssen und der Rest war ihm ehrlich gesagt egal.
„Ist doch nicht so schlimm“, meinte er und Ginny grinste triumphierend.
„Da hast du’s!“, sie nickte begeistert. „Und ihr Jungs müsst euch auch nicht richtig küssen.“
“Was!? Ich küss doch nicht…“, Rons Blick huschte von Harry und Draco zu Mark. „Nein, nie ihm Leben, das könnt ihr vergessen!“
„Ich spendier auch ne Flasche Feuerwhiskey“, bot Mark an. „Immerhin brauchen wir ja ne Flasche und so kannst du dir n bisschen Mut antrinken...“ Ihm schien ja wohl jedes Mittel Recht zu sein, um einen Grund zu haben, Ginny zu küssen.
„Ich bin ein Gryffindor, ich brauch mir keinen Mut antrinken“, sagte Ron und schien zu finden, dass das wohl nicht das Richtige war, was er gesagt hatte.
Da bestellte Mark auch schon eine Flasche Whiskey, was Madame Rosmerta mit gerunzelter Stirn quittierte. „Was, eine ganze Flasche?“
„Ja, wir haben was zu feiern“, Mark nickte ernst und bestellte gleich noch Chips dazu. Das schien der Wirtin wohl etwas besser zu gefallen, denn so dachte sie wohl, zeigte der Alkohol nicht so schnell seine Wirkung. Wäre ja auch peinlich, einen Haufen betrunkener Gryffindors und Slytherins in ihrem Lokal sitzen zu haben. Dass es noch viel peinlicher werden würde, wenn sie anfingen, Flaschendrehen zu spielen, konnte sie ja nicht ahnen.
Wenigstens war die Chipsschüssel, die sie dann brachte, so richtig groß, genauso wie die Flasche, die sie mit wohl bemerkt fünf Gläsern auf den Tisch stellte. Ginny war das egal, sie schnappte sich einfach Marks Glas und schenkte die erste Runde ein. Harry wurde ganz anders zumute. Wie viele Gläser das wohl für jeden geben würde? Drei, vier? Er vertrug doch nichts! Nachher würde es ihm noch passieren, dass er Mark mit Draco verwechselte und ihn so richtig…
Chips her, er musste was essen! Als er gerade den Mund voll hatte, hielt Ginny ihm sein Glas hin. Sie hatte schon leicht rote Wangen, da sie ihres schon geleert hatte.
„Los, auf geht’s! Wir müssen die ganze Flasche leer kriegen!“, sie wollte wohl ermutigend klingen, doch Harry fand das eher entmutigend. Trotzdem stieß er mit den anderen an, sogar Hermine machte mit, und trank dann seinen Whiskey. Schrecklich, wie konnte man so was freiwillig trinken? Konnten sie nicht einfach die Flasche ausleeren? Das war schon sein drittes Glas! Das schien anscheinend auch Mark zu denken, denn er meinte, er würde bei der nächsten Runde passen.
„Ihr müsst aufholen“, meinte er zu Ginny, Ron und Hermine, denen das allen Dreien nicht sonderlich viel auszumachen schien. Ginny, weil sie ja einen Hang dazu hatte sich, na ja, gehen zu lassen, Ron, weil er wohl die Hoffnung hegte, dass er sich so am nächsten Tag an nichts mehr erinnern würde und Hermine schien das alles nur noch lustig zu finden. Dumm nur, dass sie noch weniger vertrug, als Harry.
Der hatte einige Schwierigkeiten, klar zu sehen, nachdem sie die Flasche bis zur Hälfte geleert hatte und Hermine war nur noch am kichern. „Ich glaub, wir sollten es mal bleiben lassen“, meinte er und Mark nickte ergeben.
„Hast wohl recht… nur was machen wir mit…“, er besah sich die halbleere Flasche und trank dann kurzerhand seinen Bierkrug leer. Dann schüttete er den Rest des Whiskey hinein und legte sie auf den Tisch. „So, los geht’s!“
„Oh nein!“, Ron schüttelte vehement den Kopf, schien aber keine wirklichen Einwände mehr zu finden.
„Tja, das Wiesel sitzt in der Falle“, meinte Draco genüsslich, der über den Alkohol wohl vergaß, dass er ja eigentlich nett sein sollte. Allerdings schien das Keinen zu stören. Mark schien überhaupt noch der Einzige zu sein, der halbwegs nüchtern war. Deshalb klärte er sich auch großzügig dazu bereit, den Anfang zu machen.
„Halt, vorher müssen wir die Spielregeln festlegen!“, bestimmte Ginny, und wedelte mit dem Zeigefinger in der Luft herum, was sie und Hermine unglaublich komisch fanden. „Also… Pärchen müssen sich richtig küssen, bei den anderen ist ein kleines Küsschen auf den Mund okay.“
”Oh, wie großzügig!”, kam es ironischerweise von Ron, der doch etwas beruhigt zu sein schien.
„Tja, so bin ich halt“, grinste Ginny und sah dann Mark auffordernd an.
Der langte nach der Flasche und drehte sie. Als sie bei Hermine anhielt, sprang Ron auf. „Du küsst sicher nicht meine Freundin!“
„So sind die Spielregeln“, meinte Harry grinsend, obwohl das ja wirklich gemein war. Der arme Ron… Doch, er gönnte es ihm. Der schoss ihm nur einen giftigen Blick zu und verfolgte mit zusammengekniffenen Augen mit, wie Mark sich über den Tisch beugte und Hermine einen kleinen Schmatz gab, die dann kichernd einen Schluck Butterbier nahm.
„Schau, das wars schon“, meinte sie und gab ihm einen Kuss auf die Wange, die Ron sich grummelnd abwischte. Sie quittierte das mit einem leicht beleidigten Blick, griff dann aber nach der Flasche. Als sie aufhörte, sich zu drehen, zeigte sie auf Ginny.
„Oh, gib’s zu Herm, das hast du mit Absicht gemacht!“, kicherte die blinzelnd, woraufhin das braunhaarige Mädchen doch glatt rot wurde.
„Wie ist das bei Mädchen, müssen die sich richtig küssen?“, wollte Mark wissen und Ginny nickte prompt.
„Klar, oder Hermine?“, sie sah ihre Freundin fragend an.
Die zuckte mit den Schultern. „Wieso nicht… du hast selbst gesagt, dass es nicht schlimm ist, andere Mädchen zu küssen.“
„Ja, dann gehen wir noch alle zu Madame Rosmerta und knutschen die ab“, murmelte Ron. Er schien das alles zwar nur noch für krank zu halten, doch Ginny war ihm doch wohl lieber, als irgendwer anderer. So beugten Ginny und Hermine sich über ihn hinweg und gaben sich erst einen schüchternen Kuss, bis daraus mehr wurde. Ron saß mit großen Augen da und beobachtete das Szenario, das sich vor ihm abspielte, bis die Mädchen sich wieder voneinander lösten.
„Geil!“, kam es von Mark und Draco zündete sich grinsend eine Zigarette an. Harry war froh, dass es noch andere gab, die das alles nicht so eng sahen.
„He, du bespannst da meine Schwester und meine Freundin! Also pass auf!“, knirschte Ron säuerlich und griff nach Marks Schnapskrug um einen Schluck zu nehmen. Dann war Ginny dran, an der Flasche zu drehen, die nach einigen Runden bei Harry stehen blieb.
Der wurde kaum merklich rot und Ginny genauso. Sie himmelte Harry zwar längst nicht mehr so an wie früher, trotzdem schien ein Traum für sie in Erfüllung zu gehen. In Rons Augen glimmte wieder so etwas wie Hoffnung auf, als Harry und Ginny sich einen kurzen Kuss gaben, dann verwarf er das alles aber wieder, als er sah, mit welch flammendem Blick, seine kleine Schwester Mark bedachte. Harry kratzte sich peinlich berührt am Kopf und grinste Ginny an, die mit hochroten Ohren an Marks Krug nippte. Es erschreckte ihn, dass er bei diesem Kuss nicht das geringste Gefühlt hatte. Gar nichts, das war wirklich nichts, im Vergleich mit Dracos Küssen… Dann schüttelte er schnell den Kopf und gab der Flasche einen Schubs. Zu Draco hatte er lieber nicht rüber gesehen, da er Angst hatte, er könnte sauer sein. Während die Flasche sich noch drehte, wagte er dann doch einen kurzen Blick zu dem Slytherin, der kaum merklich die Schultern zuckte, als sie sich ansahen. Anscheinend schien er es nicht schlimm zu finden. Er fand es allerdings dann schlimm, wo die Flasche landete, nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, denn es war Mark. Harry schoss wieder die Hitze ins Gesicht. Jetzt würde er wissen, ob er wirklich auf Kerle stand oder nicht oder ob das alles nur an Draco lag. Er warf einen Blick zu Mark, der das ziemlich locker zu nehmen schien.
Er sah sich um. „Na, ist Jack irgendwo?“, Harry sah ihn verdutzt an, bis er zu grinsen begann. „Naja, ok, so sehr will ich dich auch nicht abknutschen“, meinte er dann auf Rons Pruster hin und beugte sich über den Tisch.
„Als ob du das noch nie gemacht hättest“, bemerkte Draco und Harry drehte sich erschrocken um.
„Hä?“, machte er nur. Sollte das etwa heißen, dass Mark auch schon mal einen anderen Jungen geküsst hatte? Aber doch nicht etwa…
„Naja, bei diesem Whiskey-Besäufnis letztes Jahr…“, meinte Draco und erntete doch tatsächlich interessierte Blicke von der Tischrunde. „Wer war das noch gleich?“
„Ach, erinnere mich nicht daran!“, Mark schüttelte den Kopf. „Ich hoffe mal, Harry, du bist besser…“
“Äh, ja…“, der musste sich mächtig zusammenreißen, dass er nicht sofort knallrot wurde und beugte sich schließlich wieder über den Tisch, genauso wie Mark. Einen Augenblick sah er ihm in die Augen und betete, dass er nicht merken würde, dass er auf Kerle… ach, vielleicht war das ja auch gar nicht so… Doch Harry wurde von etwas Besserem belehrt, als ihre Lippen sich zu einem kurzen Kuss trafen und er ließ sich schleunigst wieder auf seinen Platz fallen, nachdem es vorbei war. Ja, jetzt war es eindeutig! Harry Potter war schwul! Verdammt! Es war zwar lange nicht so, wie mit Draco, aber trotzdem um einiges besser, als mit Ginny. Das konnte doch nicht sein! Wie peinlich… Schnell sah er sich um, ob irgendwer sein Gefühlskuddelmuddel mitbekommen hatte, doch Ron grummelte nur in seinen Bierkrug und Hermine hatte doch tatsächlich ein lüsternes Grinsen aufgesetzt. Wollte sie jetzt mit Ginny einen Club aufmachen? Die deutete Mark vergnügt an, dass er wieder an der Reihe war und da zeigte doch tatsächlich die Flasche auf sie selbst.
„Oh“, machte sie und verschluckte sich an dem Schluck Schnaps, den sie gerade genommen hatte.
„Sie sind kein Paar, also müssen sie sich nicht richtig küssen, oder?“, Ron wollte doch wirklich mit allen Mitteln das unvermeidliche verhindern, doch Draco machte ihm einen Strich durch die Rechnung.
„Ach, ich glaub, da können wir eine Ausnahme machen“, meinte er noch, dann waren auch schon alle weiteren Worte überflüssig, da Ginny und Mark sich innig küssten. Das das um einiges länger dauerte, als bei Ginny und Hermine, schien keinen zu stören, außer Ron.
„Es reicht dann mal langsam“, unterbrach er sie schließlich barsch und seine Schwester sah ihn böse an.
„Du bist gemein“, war der Kommentar von Hermine und sie drehte sich weg, als Ron sie entschuldigend küssen wollte. „Ginny, du bist dran… vielleicht hast du ja Glück…“
Die Gryffindor grinste und drehte dann an der Flasche. Sie verfolgte enttäuscht mit, wie sie bei ihrem Bruder stehen blieb und drückte ihm ein Küsschen auf. Der wischte sich den Mund ab, als ob sie ein kleines sabberndes Baby wäre und Harry kam grinsend in den Sinn, dass das vielleicht echt mal so gewesen war. Dann war Ron an der Reihe und er drehte hoffnungsvoll an der Flasche, die zu seinem und Harrys Entsetzen bei Draco stehen blieb.
„Auch das noch“, murmelte der Slytherin und dämpfte seine Zigarette aus.
„Nein, da mache ich nicht mit!“, Ron hob abwehrend die Hände. „Ich küss alles und jeden, nur nicht Malfoy, nein!“
“Ich bin nicht giftig, Weasley“, meinte der tonlos und Ginny kicherte.
„Harry muss es ja wissen!“, der warf ihr einen peinlich berührten Blick zu und widmete sich dann wieder dem restlichen Geschehen. Das würde er nicht aushalten, wie Draco einen anderen, nein, auch wenn es nur Ron war… Vielleicht zogen sie es ja wirklich nicht durch, vielleicht… Doch da beugte sich Draco auch schon über Harry und presste seinen Lippen, die so dünn waren, wie ein Strich auf Rons, der sofort wieder zurückzuckte. Beide griffen nach ihren Krügen und tranken sie in einem Zug leer, was Hermine und Ginny unheimlich komisch fanden. Harry kochte vor Wut. Er konnte es nicht glauben, er war tatsächlich eifersüchtig, auf Ron! Das war doch wirklich alles hier… wo war bloß der Whiskey hin? Er langte nach Marks Krug und wollte gerade seinen Frust darin ertränken, als ein „Potter“, neben ihm ertönte.
„Was ist, Malfoy?“, knirschte er den Slytherin an und sah ihm nicht in die Augen.
„Ich glaub, ich muss dich küssen…“, Harrys Blick fiel auf die Flasche am Tisch, die genau auf ihn zeigte und er schickte ein Dankesgebet an den Himmel. Danke, genau, was er jetzt brauchte, ein Kuss von Draco und alles war wieder gut! Ohne weiter darüber nachzudenken stellte er den Krug zurück und zog Draco zu sich, der sich erschrocken in seine Schulter krallte. Dann verabschiedete sich jegliches Gefühl für die Welt um ihn herum und es waren nur noch er und Draco da. Ihre Zungen, ihre Lippen, die sich gar nicht mehr loszulassen schienen. Doch schließlich fiel Harry wieder ein, dass er vielleicht mal wieder aufhören sollte und er löste sich von Draco, der ihn leicht verwirrt, aber auch mit einem winzigen Lächeln auf den geröteten Lippen ansah.
„Was ist denn in dich gefahren…?“, murmelte er und griff dann nach dem Whiskeykrug.
„Das will ich auch wissen!?“, Ron starrte ihn an. „Harry! Was machst du denn? Das war Malfoy! Wieso küsst du ihn so…?!“
„Schon wieder, wohl gemerkt“, grinste Mark. „Jack war doch gar nicht da…“
Das stimmte allerdings… Eigentlich hätte er Draco nur einen kurzen, unschuldigen Kuss geben müssen… ups, da war es wohl mit ihm durchgegangen… „Äh…“, Harrys Gesicht begann zu glühen. „Ich dachte… Wir haben ja schon, also…“
„Ja, das kann jeder behaupten!“, Ginny schüttelte grinsend den Kopf.
„Der war viel länger als der von Mark und Ginny vorhin“, bemerkte Hermine und Harry hätte ihr den Hals umdrehen können. „…Und leidenschaftlicher…“
„Und widerlicher!“, kam es von Ron, doch keiner hörte auf ihn.
„Tja…“, Harry holte mit leicht zittrigen Fingern eine Zigarette aus seiner Packung, die Draco ihm, ohne dass er etwas sagte, anzündete.
„Jetzt hast du dich wohl verraten“, meinte er und Harry sah ihn mit großen Augen an. Was meinte er denn jetzt damit??
„Was meint er damit?“, sprach Ron seine Frage misstrauisch aus.
„Er kann eben gut küssen“, redete Harry sich heraus, oder zumindest versuchte er es.
„Das hat man ja gesehen“, Mark sah wissend von einem zum anderen, dann grinste er. „Wir sollten zu Weihnachten überall in Hogwarts Mistelzweige aufhängen, dann bekommen wir das noch öfter zu sehen…“
„Ich glaub, die machen das auch freiwillig“, grinste Ginny und sah dann Harry an. „Wollt ihr nicht noch mal…?“
„Ginny!“, kam es gleichzeitig von Ron und Harry und Draco schüttelte nur den Kopf.
Dann wiegte er ihn allerdings hin und her und sah Harry lange und eindringlich an. „Was meinst du, Potter? Tun wir der kleinen Weasley den Gefallen?“
Harry starrte ihn an, dann huschte allerdings ein Grinsen über sein Gesicht, wenn er an Rons schockierte Miene dachte. „Klar, wieso nicht…“
„Harry! Das kannst du doch nicht wirklich machen wollen!?“, Ron wurde von Hermine unterbrochen, die meinte: „Oh doch, er kann.“
„Und wie“, Harry grinste übers ganze Gesicht, dann sah er in Dracos Augen. In diese wunderschönen grauen Himmel, die nur ihn ansahen.
„Na dann komm her“, vernahm er die Stimme des blonden Jungen ganz nah bei sich und er spürte, wie Draco ihn an der Wange zu sich führte. Dann küssten sie sich wieder und Harry beschloss, dass er sich dran gewöhnen könnte, das vor anderen Leuten zu tun. Immerhin taten andere Paare das ja auch. Schon nach viel zu kurzer Zeit, wie er fand, hatte die Welt ihn wieder und er sah enttäuscht zu Draco, der ihm seine Zigarette hinhielt.
„Ich fass es nicht“, Ginny grinste übers ganze Gesicht, wodurch die Definition Hutschpferd eine ganz neue Bedeutung bekam. „Wie habt ihr das gemacht?“
„Hä, was?“, fragte Harry, während er den Rauch ausblies und Draco sich ebenfalls eine Zigarette anzündete.
„Das hat so… so…“, sie suchte nach Worten. „…verliebt ausgesehen!“
„Wäh“, machte Ron und Hermine stieß ihn in die Seite.
Dann sah sie Harry ernst an. „Harry, gibt’s etwas, das du uns sagen willst?“
„Was?“, machte der verblüfft und ertappt zur gleichen Zeit, fing sich dann aber wieder. „Ich glaub, du spinnst.“
„Genau!“, Ron schien froh darüber zu sein, dass er endlich mal wieder der selben Meinung war wie Harry.
„Also, ich fände das gar nicht so abwegig“, Ginny nickte Hermine zustimmend zu. „Ihr wisst schon… Hass und Liebe liegen nah beieinander, zuerst sind sie Feinde, doch dann…“
“Kam die Hochzeit des Jahrhunderts!“, fuhr Mark mit theatralischer Geste fort und Harry hätte ihm um den Hals fallen können. Naja, lieber nicht.
„Ach, Spielverderber“, grummelte Ginny und kam damit sehr ihrem großen Bruder gleich.
„Bäh, Spielverderber“, äffte Mark sie nach, woraufhin Ginny sich von ihm wegdrehte und sich Hermine zuwandte. Ihren Bruder, der dazwischen saß, ignorierte sie.
„Was meinst du“, fragte sie das braunhaarige Mädchen. „Sollen wir eine Umfrage starten, wer noch denkt, dass Harry und Draco das neue Traumpaar in Hogwarts wären?“
„Oh, das ist eine gute Idee!“, meinte Hermine todernst, woraufhin die beiden Mädchen von allen Jungen am Tisch entgeistert angestarrt wurden.
„Weasley, ich glaub, du verstehst da was falsch“, mischte sich Draco schließlich ein. „Nur weil Potter und ich nichts dagegen haben, uns zu küssen, heißt das noch lang nicht, dass wir uns mögen.“
„Ihr versteht euch in letzter Zeit aber ziemlich gut, dafür, dass ihr euch nicht ausstehen könnt“, warf Hermine mit einer gehobenen Augenbraue ein.
„Na gut, dann mögen wir uns eben…“, mehr als früher, hatte Harry noch sagen wollen, doch er wurde von Ginny unterbrochen.
„Das ist noch lange kein Grund, sich zu küssen!“, das klang ja richtig triumphierend.
„Du und Hermine habt euch auch geküsst… und ihr mögt euch auch!“, Harry war sich sicher, dass sie darauf nichts mehr einzuwenden hatte, doch da hatte er sich getäuscht.
„Das war einmal, weil wir mussten “ und nicht dreimal, weil’s uns gerade Spaß gemacht hat!“
„Also das erste mal war wegen Jack und diesen Machtspielchen, das zweite mal mussten wir, nur hab ich eben irgendwas verwechselt, und das dritte mal, da wart ihr doch alle scharf drauf!“, eigentlich stimmte das ja sogar, was Harry hier erzählte.
„Also, ich war da sicher nicht…“, wollte Ron seinen Senf dazu geben, doch Draco schnitt ihm einfach das Wort ab.
„Außerdem, Weasley, wir haben beide keine Freundin, also kann es euch doch egal sein, was wir machen!“ Autsch, das war ins Auge gegangen. Jeder am Tisch, außer Mark, der gerade seinen Krug leerte, sah Harry finster an.
Draco versuchet zu retten, was nicht zu retten war. „Du hast ne Freundin, Potter?“
„Ja“, Harry hatte nicht gewusst, dass Hermine knurren konnte. „Sie ist aus Slytherin, vielleicht kennst du sie ja.“
„Wie sieht sie denn aus?“, fragte Draco an Harry gewandt und versuchte, ihn unauffällig entschuldigend anzusehen.
„Das verrät er keinem“, sagte Ron düster und sah Harry böse an.
„Ich find es nicht ok, dass du sie betrügst“, meinte Ginny da und Harry klappte die Kinnlade runter.
„Was?!“
„Sie meinen mit mir“, gluckste Draco und Harry verspürte mal wieder das Bedürfnis, ihm eine zu scheuern. Er stand auf und nahm seine Zigarettenpackung vom Tisch, um sie in seinen Umhang zu stopfen.
„Wisst ihr was, mir reicht’s“, mit diesen Worten stand er vom Tisch auf, zwängte sich an einem verblüfften Draco vorbei und machte, dass er aus diesem vermaledeiten Pub kam.
Dort angekommen lehnte er sich erst mal schwer atmend gegen die Hausmauer und schüttelte dann den Kopf. Das durfte doch nicht wahr sein! Wieso musste alles immer so schrecklich schief laufen? Was hatte er sich nur dabei gedacht Draco hier abzuknutschen und was hatte der sich verdammt noch mal dabei gedacht, das dann gleich noch mal zu tun?! War ja klar, dass das keiner normal finden würde! Und dann besaß dieser Kerl auch noch die Klugheit hier von nicht vorhandenen Freundinnen anzufangen, nur dass das Problem war, dass er recht hatte! Und was dachten alle anderen jetzt? Dass er eine Freundin hatte, aber lieber mit Malfoy rumknutschte? Scheiße, wieso war er denn jetzt bei Malfoy angelangt? Das war doch Draco…
Harry ließ sich an der Wand hinab gleiten, bis er im kalten Gras saß und schnippte seine Zigarette ärgerlich weg. Scheiß Flaschendrehen. Scheiß Idee von Ginny und Scheiß Ron, Hermine und Mark. Scheiß Liebe. Gerade als Harry klar wurde, was er da gerade gedacht hatte, hörte er die Tür des Pubs auf und zu gehen. Er sah auf und vor ihm stand Hermine, die dann neben ihm in die Hocke ging.
„Harry…“
„Was?“, fragte er barsch.
„Du hast doch gar keine Freundin, oder?“ Wenn’s nur das wäre… Harry schüttelte den Kopf. „Und gestern, das war nicht das erste mal, dass du und Malf… Draco euch geküsst habt, oder?“
Er sah sie verwundert an. Wieso sagte sie auf einmal Draco und wieso… Er schüttelte wieder den Kopf und ließ ihn dann hängen. „Nein.“
Fast hätte er ein ‚wusste ich’s doch!’ erwartet, doch es kam nicht.
„Wieso hast du uns erzählt, dass du eine Freundin hast?“, fragte Hermine, doch es war nicht die Spur eines Vorwurfs in ihrer Stimme.
„Weil…“, Harry sah sie kurz an, konnte ihr dann aber nicht in die Augen schauen, als er weiterredete. „Was hätte ich euch denn sonst erzählen sollen?“
„Die Wahrheit?“, versuchte seine Freundin es mal und erntete ein Schnauben.
„Ja klar. Dir vielleicht “ aber Ron?!“, Harry schüttelte resigniert den Kopf. „Echt nicht…“
„Aber, wenn du keine Freundin hast, wo warst du denn dann immer?“, Hermine schien ein Licht aufzugehen, noch während sie redete. „Doch nicht etwa…?“
„Doch. Immer“, sagte Harry fest und wagte es, ihr in die Augen zu sehen, während er sprach. „Als ich Mittwoch Nacht weg war, war ich bei ihm, nicht in der Bibliothek, obwohl was mit meiner Narbe war…“
„Was ?“, Hermine schnappte nach Luft, doch Harry gebot ihr, still zu sein. Noch einmal würde er sich nicht dazu durchringen können, das jemandem zu erzählen, noch nicht.
„Wir sind beim See gesessen und ich bin ohnmächtig geworden, da hat er mich in sein Zimmer gebracht… Vertrauensschüler, eigenes Zimmer, du weißt schon…“ Hermine nickte nur, machte aber keine weiteren Anstalten, Harry zu unterbrechen. Gut so. „Ich war ziemlich fertig und bin eingepennt, als er meine Sachen noch vom See geholt hat, und dann bin ich eben dort geblieben“, sollte er ihr von ihrem ersten Kuss erzählen? „Und da… da haben wir uns das erste mal ge- geküsst, das heißt eigentlich er mich, aber ist ja egal“, Harry holte tief Luft. „Und dann, am Samstag, haben wir’s noch mal gemacht, um zu testen… ob, na ja, was da eben ist… und da hat Hagrid uns erwischt!“
„Oh mein Gott…“, Hermine hatte sich die Hand vor den Mund geschlagen, ließ Harry aber dennoch weitererzählen.
„Dann am Sonntag wieder, nach den Drei Besen… wir sind zusammen zum Schloss hochgegangen, weil wir Jack eifersüchtig machen wollten, du weißt schon… und da sind wir auf die beknackte Idee gekommen, uns richtig zu küssen und …. Scheiße, wieso erzähl ich dir das überhaupt?“
„Weil ich’s wissen will“, Hermine hob aufmunternd die Schultern. „Du musst ja nicht jedes einzelne Detail…“
“Jaja, schon gut… Jedenfalls haben wir uns jeden Tag letzte Woche getroffen, mal zufällig, mal nicht… und es hat sich eben… entwickelt… so, und jetzt sitzen wir hier, in diesem… Pub und ich muss erklären, wieso ich meine angebliche Freundin mit Malfoy… mit Draco betrüge!“ Harry ließ die Hände sinken, mit denen er wild in der Gegend rumgefuchtelt hatte und unterzog Hermine einem ängstlichen Blick. Sie wirkte ziemlich gefasst.
„Du hast also was mit Malfoy?“, fragte sie schließlich und Harry nickte resigniert, musste dann aber gegen seinen Willen grinsen.
„Schon krank, oder?“
„Ziemlich“, Hermine grinste auch, dann wurde sie wieder ernst. „Und, was ist da jetzt… zwischen euch? Ich meine… ihr liebt euch doch nicht? Ist das nur so eine Phase, oder…?“ Sie schien ziemlich hilflos.
Genauso wie Harry, den diese Gedanken ja schon etwas länger und das noch dazu jeden Tag, rund um die Uhr plagten. „Also, ich glaub, um von Liebe zu sprechen, ist es noch ein bisschen früh… ich meine, du liebst Ron doch auch nicht oder?“ Oh, wie weise er doch war!
„Naja, aber das ist ja auch was anderes“, wollte Hermine einwenden, doch Harry fuhr ihr dazwischen.
„Was heißt da, das ist was anderes? Das ist überhaupt nichts anderes!“
„Ok, ok“, Hermine hob abwehrend die Hände. „Aber, ist da überhaupt Gefühl zwischen euch, oder ist es nur… Sex?“
„Wir schlafen nicht miteinander“, sagte Harry kopfschüttelnd. „Komm, nach einer Woche…“
„Oh Gott, das hört sich ja wie eine richtige Beziehung an!“, stellte Hermine schockiert fest.
„Ja, das ist es ja auch! … Vielleicht“, fügte Harry noch hinzu.
„Wieso, vielleicht?“, hakte Hermine nach.
„Naja“, Harry wand sich unter ihrem Blick. Das wollte er ihr eigentlich nicht erzählen. „Draco meint, er fühlt sich eingeengt, wenn…“
„Aha!“, meinte sie. „Glaubst du im Ernst? … Ich meine, es ist Malfoy… Ihr könnt doch keine Beziehung…“
„Doch eigentlich können wir schon“, sagte Harry brüsk. „Was glaubst du denn, was wir den ganzen Tag machen? Wir liegen sicher nicht nur im Bett rum und geben uns unseren Todsünden hin… Stell dir vor, wir reden auch! Über alles mögliche, über uns, über euch, wie wir euch das am besten verklickern sollen, über…“
“Ich habs schon kapiert! Also… na ja, drücken wir’s mal anders aus: seid ihr ineinander verliebt? Verknallt, verschossen?“ Hermine ließ wohl nie locker.
„Ja, verdammt!“, Harry wurde rot. „Ich glaub schon…“ Er sah zu Boden, auf das dunkle Gras, auf dem er saß. War er in Draco verliebt? Und er in ihn? Hatte er es nicht gesagt? Aber stimmte es auch?
„Na, dann herzlichen Glückwunsch!“, Hermine streckte ihm die Hand entgegen und Harry sah sie argwöhnisch an.
„Ich bin doch nicht schwanger!“
„Doch, liebesschwanger! Jetzt komm schon…“, sie ergriff seine Hand und zog ihn auf die Beine. „Wir sollten wieder reingehen, bevor Ron noch rausgestürmt kommt um zu sehen, ob du eh nichts mit mir anstellst… Obwohl, ich glaub da braucht er sich gar keine Sorgen machen…“ Hermine lächelte und wollte schon die Tür öffnen, als Harry sie zurückhielt.
„Warte, was … Findest du’s gar nicht schlimm?“, fragte er sie ungläubig.
„Naja… Da ich mir schon irgendwie so was in der Art gedacht habe… Natürlich hast du dich verändert, aber auch wieder nicht… Du hast eben jetzt ein Privatleben“, Hermine zwinkerte.
Harry tat es ihr gleich. „Oh ja…“, damit machte sich Hermine kopfschüttelnd auf den Weg in den Pub und Harry trottete gemächlich hinter ihr her, da er sich eine Zigarette anzündete. Er konnte es nicht fassen. Er hatte es Hermine erzählt, und er lebte noch! Und er fühlte sich besser, als vorher…
„Wo wart ihr denn so lange?!“, Ron war aufgesprungen, um Hermine an sich vorbei auf die Bank zu lassen, vielleicht, damit sie ihm ja nicht mehr abhauen konnte.
„Wir hatten was wichtiges zu bereden“, erklärte Hermine. „Harrys Freundin betreffend, weißt du.“
“Wieso, hat er dir endlich gesagt, wer’s ist?“, wollte Ginny sofort wissen und sah zwischen Hermine und Harry hin und her. Der hatte sich still wieder neben Draco gesetzt, der ihm sofort einen fragenden Blick zugeworfen hatte.
„Was hast du mit Granger geredet?“, fragte er leise, trotzdem spitzte Mark kaum merklich die Ohren.
„Ich hab ihr gesagt, wer meine Freundin ist“, sagte Harry und Draco sah ihn einen Moment verständnislos an, bis es wohl bei ihm durchsickerte. Er sah Harry mit offenem Mund an. „Sie hat’s gut aufgenommen“, hängte Harry noch dran und Draco sah ihn daraufhin noch ungläubiger an, genauso wie Hermine, die unterdessen, auf Ron einredete.
„Muss ja ne ziemliche Schreckschraube sein“, bemerkte Mark grinsend und Draco hob beleidigt eine Augenbraue.
„He!“
„Was, sag bloß, du kennst sie?“, fragte Mark neugierig. Er hatte ja jetzt erst mitbekommen, dass alle so ein Trara über Harrys Freundin machten und keiner sie kannte.
„Klar kenn ich sie“, Draco grinste. „Und wie…“
“Pansy?“ Mark starrte Harry an.
„Was? Nein, Igitt!“, der schüttelte heftig den Kopf. „So nen schlechten Geschmack traust du mir zu?“
„Stimmt“, Mark nickte andächtig. „Allerdings, wenn du sie mit Draco betrügst…“
“Ich betrüge sie gar nicht“, Harry schüttelte resigniert den Kopf.
„Nein, stimmt, sie hat absolut nichts dagegen“, grinste Draco.
„Ja, wahrscheinlich, weil sie scharf auf nen Dreier ist“, meinte Mark fachmännisch und Ginny fing zu lachen an.
Hermine hatte unterdessen versucht, Ron davon zu überzeugen, dass es besser wäre, wenn sie ihm das mit Harrys Freundin später erzählen würde. Der konnte es natürlich gar nicht mehr erwarten und Harry wollte gar nicht wissen, wie der rothaarige Gryffindor reagieren würde, wenn Hermine ihm sagte, wer denn jetzt wirklich Harrys „Freundin“ war. Sie waren wohl beide stumm zu dem Einverständnis gekommen, dass Hermine es Ron bei Gelegenheit sagen würde, denn Harry hatte keine Lust, diese Aufgabe zu übernehmen. Wirklich nicht. Lieber veranstaltete er mit Mark ein Wettsaufen, mit Feuerwhiskey versteht sich.
„Na gut“, gerade drehte Hermine sich wieder zum Rest der Runde um. „Sollen wir weiterspielen?“
„Waaas und keiner außer dir weiß, wer Harrys Freundin ist?“, Ginny verzog schmollend das Gesicht. „Das ist echt nicht fair!“
„Du kannst es ihr auch erzählen“, sagte Harry an Hermine gewandt, die überrascht eine Augenbraue hob. „Diskret versteht sich.“
„Natürlich“, sie machte einen geschäftlichen Gesichtsausdruck und zwinkerte ihm und dann Ginny zu.
„Bist du jetzt der Überbringer dieser Hiobsbotschaft?“, fragte Mark. „Wenn’s wirklich so schlimm ist, will ich’s auch wissen!“
„Ginny erzählt’s dir, sobald sie’s weiß“, sagte Hermine zu ihm und drückte Harry die Flasche in die Hand. Anscheinend schien sie genauso wie er der Meinung zu sein, dass ein Themenwechsel angebracht war.
„Oh ja“, Mark freute sich und neben Harry murmelte Draco etwas Unverständliches, dass sich allerdings verdächtig nach: „Und bald weiß es die ganze Schule…“ , anhörte. Wenn er da bloß nicht recht hatte… Obwohl, vielleicht war es sogar besser, wenn sich das ganze langsam ausbreitete… Wie ein schleichendes Gift… Und dann würde ganz Hogwarts doch noch eines Tages an einem Herzinfarkt sterben… War das Leben nicht schön?
„Na denn…“, Harry drehte an der Flasche und die blieb nach einigen Runden, die sie am Tisch gedreht hatte, mit dem Hals in Richtung Hermine liegen. „So ein Zufall“, meinte er trocken und lehnte sich nach vorne zu Hermine, die ihm schon entgegen kam.
Sie war mächtig am grinsen und flüsterte ihm ins Ohr: „Ist das nicht furchtbar schrecklich für dich?“ Harry gab ihr einen leichten Kuss auf den Mund und schüttelte dann den Kopf.
„Nein, es ist mir nur egal.“ Er grinste sie an und sie grinste zurück, bis Ron sich einmischte.
„Was war denn das jetzt für ein Insider?“, fragte er eifersüchtig und sah mit einer mächtig tiefen Falte auf der Stirn von Harry zu Hermine.
„Das weißt du bald“, grinste seine Freundin und küsste ihn, woraufhin er den Mund hielt.
Dann gab sie der Flasche einen kräftigen Schwung und wieder blieb sie nach einigen Bewegungen stehen, bei Draco. „Ui“, machte der.
„Na, jetzt will ich sehen, ob du ein Schlamm… dingsa küsst“, Ron hatte sich verhaspelt, da er das böse Wort nicht vor Hermine aussprechen wollte, allerdings fand Harry, dass sich Schlamm-dingsa noch schlimmer anhörte.
„Wieso sollte ich nicht?“, Draco hob unendlich langsam eine Augenbraue, bis sich Hermine Harry angrinsend zu ihm beugte, um einen kleinen Kuss einzukassieren. Es musste schon seltsam sein, von Jungen geküsst zu werden, die nicht im geringsten an Mädchen interessiert waren. Und das die beiden auch noch was miteinander hatten und noch dazu nur Hermine es bis jetzt wusste, machte das Ganze wohl noch abstruser für sie. Sie ließ sich kopfschüttelnd wieder neben Ron fallen, der schützend einen Arm um sie legte und ihr doch tatsächlich tröstend über die Haare strich. Zum schreien war das, aber auch irgendwie süß. Doch, fand Harry, auch wenn Ron sich manchmal daneben benahm, Hermine hatte Glück, dass sie ihn hatte. Und er selbst hatte Glück, dass er Draco hatte… Er sah zu ihm hinüber, als er gerade die Flasche anschubste. Ob er in ihn verliebt war? Oder verknallt? Wo war da schon wieder der Unterschied? Harry stutzte, als er sah, auf wen die Wahl der Flasche gefallen war: Mark. Nicht schon wieder, dachte er sich, nicht schon wieder einen anderen Kerl küssen… Das hielt er nicht aus!
„Oho, Draco!“, flötete der Slytherin und versuchte, eine lüsterne Miene aufzusetzen. Harry verdrängte den Gedanken daran, dass er ihm vorhin noch hatte um den Hals fallen wollen. Jetzt wollte er ihm den Hals lieber umdrehen… Ginny kicherte vor sich hin und schien das nur noch komisch zu finden. Heute war wohl wirklich der Tag ihrer Träume, vier Jungen um sie herum, und alle mussten sich früher oder später wohl oder übel küssen. Toll. Harry fand daran gar nichts witziges mehr und griff nach Marks Krug, den glücklicherweise noch immer keiner leer gekriegt hatte. Na, dann würde er es eben übernehmen. Gerade, als er so richtig schön dabei war, das eklig brennende Zeug seine Kehle runterzuschütten, packte ihn jemand an der Schulter und riss ihm den Krug aus der Hand.
„Bist du wahnsinnig?!“, es war Draco.
„Hab ich was verpasst?“, fragte Harry trocken, während alles um ihn herum um eine Nuance unschärfer wurde.
„Ach nix besonderes“, Ginny winkte kennerisch ab. „Von dir und Draco bin ich besseres gewohnt…“, sie grinste Harry an, der versuchte, zurück zu grinsen, was ihm aber nicht so ganz gelang. War noch was in dem Krug drin?
„Gut“, meinte er, nur für Draco hörbar, der laut schnaubte und sich dann eine Zigarette anzündete.
In diesem Moment drehte Mark an der Flasche, die zu Ginnys hochgradiger Freude auf ihren eigenen Bruder zeigte. „Das find ich jetzt aber mal interessant!“, johlte sie und schubste Mark etwas unsanft zu Ron, der mit verzogenem Gesicht zurückwich.
„Nicht das auch noch!“, er schüttelte vehement den Kopf und sah Hermine bittend an. „Können wir nicht gehen? Oder aufhören?“
“Oh nein“, Hermine schüttelte doch wirklich mit einem diabolischen Grinsen im Gesicht den Kopf. Anscheinend war sie genauso scharf darauf wie Ginny, Ron Mark küssen zu sehen. Der gab sich geschlagen.
„Ich hasse euch alle“, murmelte er, bevor er Marks Lippen kurz berührte und sich dann angewidert den Mund an seinem Ärmel abwischte. „Bah, heute bleibt einem echt nix erspart, gar nix!“, er drehte an der Flasche, die zu Harrys blankem Entsetzen bei ihm stehen blieb.
Er sah Ron an. „Doch, das bleibt dir erspart.“
„Wieso?“, machte der verdutzt, nicht dass es ihm nicht recht gewesen wäre.
„Ich küss dich nicht, ich bin mit dir befreundet“, sagte Harry kopfschüttelnd. Zu spät bemerkte er, dass das gar nicht gut war, da sich so langsam aber sicher alles zu drehen begann. Vielleicht hätte er doch nichts mehr trinken sollen? War doch gar nicht so viel gewesen…
„Das zählt nicht“, ging Ginny sofort dazwischen. „Du und Draco ihr seid auch schon so gut wie befreundet, außerdem ist so das Spiel! Ich hab Hermine auch geküsst, sogar meinen Bruder!“
“Das ist alles was anderes“, versuchte Harry fest zu sagen. „Ich küsse Ron sicher nicht.“
„Moment mal - Malfoy knutscht du und mich kannst du nicht mal küssen?“, sollte Ron nicht froh darüber sein? „Komm mal her!“
„Nein“, Harry wich zurück. Wenn er Ron jetzt küsste, der würde ihn umbringen, sobald das mit Draco an seine Ohren drang. Da konnte Hermine es ihm so schonend beibringen, wie sie wollte. Er würde nie wieder mit ihm reden, vielleicht würde er nicht mal mehr im selben Schlafsaal schlafen wollen. Und er würde sich vor ihm ekeln, das war das schlimmste, aber Harry wusste, dass es so sein würde. Anderes konnte er es sich einfach nicht vorstellen.
„Jetzt komm schon, ich bin’s doch nur, Ron!“, der breitete doch tatsächlich die Arme in Harrys Richtung aus, der immer tiefer in der Bank versank. Ginny lachte sich halb tot und Hermine schien schwer mit sich ringen zu müssen. Schließlich, in aller letzter Sekunde, hielt sie Ron am Hemdkragen fest, doch der war schon nahe genug bei Harry.
„Nicht“, sagte er schwach und schubste Ron von sich, zurück zu Hermine, die ihn erleichtert wieder auf seinen Platz drückte.
„Was ist denn los mit dir?“, wollte Ron beleidigt wissen und plötzlich sprang Harry auf. Das konnte nicht sein, durfte einfach nicht. Um ein Haar hätte sein bester Freund ihn geküsst, ohne zu wissen, das Harry ihn sicher seiner Schwester vorgezogen hätte. Das war alles so verworren und plötzlich ekelte Harry sich vor sich selber, als Rons Gesicht vor ihm auftauchte, das ihn ungläubig anstarrte, weil er schwul war.
Verdammt, wieso waren alle Kabinen in diesem Klo besetzt?! Endlich kam jemand aus einer heraus und Harry stürzte hinein, warf die Tür hinter sich zu und verriegelte sie. Dann lehnte er sich schwer atmend dagegen, versuchte, gegen das Schwindelgefühl und die Übelkeit anzukämpfen, die ihn zu übermannen drohten. Was war denn nur los mit ihm, verdammt? Wieso hatte er auf einmal das Gefühl, Ron nicht mehr in die Augen sehen zu können? Es war doch gar nichts passiert. Doch wenn… Daran mochte er gar nicht mehr denken.
„Harry?“, das war Dracos Stimme und sie klang besorgt. „Harry, bist du da?“
Ja, er war da … solange er noch nicht zu einem kleinen Häufchen aus Scham zusammengesunken war.
„Harry…?“, vielleicht sollte er mal was sagen? Nur was?
„Ja.“
„Geht’s dir gut?“, Harry entriegelte die Tür und stieß sie auf.
„Nein“, er sah Draco müde an, der vor ihm stand und ihn eingehend musterte. Dann streckte er zögernd eine Hand aus und strich Harry damit über den Arm, bis er ihn vorsichtig zu sich zog. Der schwarzhaarige Junge ließ seinen Kopf auf die Schulter des Slytherin sinken und seufzte laut auf. „Ich hab so Angst vor Ron…“
“Dass er dir was tut?“, fragte Draco sofort und Harry musste schwach grinsen.
„Nein, vor seiner Reaktion… das wird schrecklich… bei Hermine war das so einfach… aber bei ihm…“, Harry schüttelte mutlos den Kopf.
„Sei froh, dass du’s ihm nicht sagen musst“, meinte Draco und streichelte ihm behutsam über den Rücken. Dann fuhr er Harry durch die Haare und hob mit der anderen Hand sein Kinn an. „Harry, ich…“
„Verdammt, was macht ihr denn da?!“, kam es auf einmal vom Eingang und Draco drehte sich wutentbrannt zu Mark um.
„Wir üben für den Heiratsantrag, den ich Harry gleich vor allen anderen mache und jetzt verpiss dich!“, der blonde Junge wies auf den Ausgang und sein Teamkapitän suchte tatsächlich das Weite.
Harry hatte ihm mit großen Augen nachgesehen, dann wanderte sein Blick wieder zu Draco, der gerade seinen Umhang glatt strich. „Tja, ist wohl doch ein Vorteil, ein Malfoy zu sein, nicht?“, stellte er fest und drehte sich dann von Harry weg um in den Spiegel zu sehen. So dachte der Gryffindor jedenfalls, doch Draco sah ihn nur durch den Spiegel hindurch an. Es hatte einen merkwürdigen Effekt auf Harry, sie beide da stehen zu sehen, das war alles so anders als früher… Langsam trat er von hinten an Draco heran und schlang dann seine Arme um ihn. Der Slytherin lehnte sich an Harry und der legte sein Kinn auf seine Schulter.
„Jetzt ein Foto…“, murmelte Harry und konnte Draco im Spiegel lächeln sehen. Dann drehte der blonde Junge sich in seinen Armen um und sah ihm in die Augen.
„Dann wüsste ich wenigstens, dass das alles hier kein Traum ist…“, flüsterte er und wollte Harry gerade küssen, als die Tür aufging und eine vergnügte Stimme ertönte: „Lasst euch nicht stören, ich bin gleich wieder weg!“
„Hagrid?“, fragte Harry ungläubig und lugte um die Ecke. Dann zog er den Kopf schleunigst wieder zurück, da der Halbriese ziemlich gebückt vor einem der Pissoirs stand. Na hoffentlich traf er. „Äh, was machst du hier?“
„Ach, hab n paar Einkäufe hier in Hogsmeat erledigt und dachte mir ich gönn mir noch n Butterbier… he, das reimt sich!“, freute sich Hagrid und Draco schüttelte grinsend den Kopf.
Dann sah er Harry wieder an, immerhin hatte Hagrid ja gesagt, dass sie sich nicht stören lassen sollten. „Ich…“
„Autsch!“, Hagrid hatte sich wohl etwas zu sehr aufgerichtet und nun rieselte Verputz von der Decke.
„Alles okay?“, fragte Harry genauso genervt wie Dracos Gesichtsausdruck war und es kam ein „Ja, ja noch alles dran.“ zurück.
Schön. Harry wandte sich sichtlich beherrscht wieder Draco zu, dem es wohl nicht anders ging. „Ich glaube, wir sollten von hier verschwinden“, meinte der Slytherin und Harry nickte zustimmend. So schlichen sie leise an Hagrid vorbei, der immer noch Schwierigkeiten hatte, sich in dem für seine Verhältnisse viel zu kleinen Klo zurechtzufinden. Wieder zurück im Pub überlegten sie kurz, ob sie ganz verschwinden sollten, doch da hatte Mark sie auch schon entdeckt und sie zurück an den Tisch gewunken. „Wieso hältst du Harrys Hand?“, fragte er, als die beiden Jungen sich wieder hinsetzen wollten und Draco sah peinlich berührt auf ihre Hände, die ineinander verschlungen waren. Dann zuckte er mit den Schultern.
„Na, wegen dem Heiratsantrag“, er sah Mark bedeutungsvoll an und Harry nickte grinsend.
„Pssst, ist aber noch geheim!“, er legte den Finger auf den Mund und setzte sich glucksend neben Draco, der seine Hand noch mal kurz drückte, bevor er sie losließ um sich eine Zigarette anzuzünden.
Die zwei Mädchen und Ron schienen überhaupt nicht mehr zu wissen, was abging und so fragten sie auch nicht weiter nach. Sie schienen wohl zu denken, dass es sowieso keinen Sinn hatte.
„Ähm, geht’s dir wieder gut, Harry?“, fragte Hermine schließlich und Harry nickte.
„Ja, alles wieder ok“
„Ein Wunder, wenn Malfoy mir nachgegangen wäre, ich glaub ich wäre schreiend wieder aus dem Klo gerannt!“, Ron schüttelte den Kopf und Harry hob eine Augenbraue.
„Ich bin aber nicht du“, sagte er kalt und wusste nicht, ob er entsetzt oder verzückt darüber sein sollte, dass er sich langsam wie Draco anhörte. Er beschloss, verzückt zu sein. Dann sah er in die Runde. „So, was machen wir jetzt? Sollen wir weiter Flaschendrehen spielen?... Obwohl, nein lieber nicht… Oder noch n Bier trinken, Chips essen…?“
„Ich wär für Chips und Bier“, meinte Mark und alle stimmten ihm zu. Harry stand auf und ging zur Theke um ihre Sachen zu bestellen, er erreichte sie gleichzeitig mit Hagrid, der es wohl eben wieder geschafft hatte, aus dem Klo raus zu kommen. „Na, alles klar?“, fragte der Halbriese, während Madame Rosmerta einen Barhocker für ihn größer zauberte, damit er sich setzen konnte.
„Oh, ja klar“, Harry nickte und gab ihre Bestellung auf.
„Schön“, Hagrid nahm soeben sein Bier entgegen und zwinkerte ihm zu. „Viel Spaß noch!“
„Danke“, Harry lächelte leicht gequält, da ihm das Ganze noch immer ziemlich peinlich war, machte sich dann aber wieder auf den Weg zurück zu seinem Tisch. Als er dort ankam sah Draco ziemlich sauer aus und Ginny kicherte.
„Was ist denn jetzt schon wieder los?“, Harry sah stirnrunzelnd in die Runde und nahm dem blonden Jungen die Zigarette aus der Hand, um daran zu ziehen. Dann gab er sie ihm wieder, was von Ron mit einem ungläubigen Blick verfolgt wurde.
„Sie hat Draco gefragt, was er denn mit dir gemacht hat, damit’s dir auf einmal wieder so gut geht“, klärte Mark ihn auf, während er auf Ginny deutete und über Harrys Gesicht huschte ein Grinsen.
„Naja, siehst du die Zigarette?“, er deutete auf Draco, der gerade daran zog und Mark nickte gespannt. „Was haben wir euch heute gesagt, nach was wir immer rauchen?“
„Hä?“, Ron verstand gar nichts, was wohl auch gut so war und Mark war der Laden nach unten geklappt. Hermine kicherte haltlos und machte damit Ginny Konkurrenz, die wohl nicht so schwer von Begriff war, wie ihr großer Bruder.
Er machte ihn wieder zu. „Verarschen kann ich mich auch alleine…“
„Was fragt ihr dann auch alle so blöd“, Hermine hatte sich so weit erholt und versteckte ihr Grinsen hinter Ron. Mark wollte schon etwas unheimlich Kluges darauf erwidern, als ihre Bestellung kam. Ein Glück.
Allerdings wusste Harry nicht, ob er überhaupt was essen, geschweige denn was trinken sollte und so nippte er nur an seinem Butterbier um es gleich darauf wieder von sich zu schieben. „Igitt.“
„Willst du ne Zigarette?“, Draco hielt ihm fragend seine Packung hin und Harry nahm sich schulterzuckend eine. Doch schon nach den ersten paar Zügen bemerkte er, dass das auch nicht gerade von Vorteil für seinen Gleichgewichtssinn war… aber lecker. Also war es ihm egal und nachdem er mit der ersten fertig war, rauchte er eine zweite und als auch die zu ende ging, zündete er sich eine dritte an. Er hatte gar nicht mehr zugehört, was die anderen um ihn herum redeten, hatte nur gelegentlich an seinem Butterbier genippt und an seiner Zigarette gezogen. Bis er plötzlich zur Seite kippte und Draco ihn festhalten musste.
„Potter!?“
„Hm?“, machte er und fand es in Dracos Armen eigentlich ganz gemütlich. Da könnte er doch jetzt wunderbar schlafen und…
„He, nicht wegpennen!“, der Slytherin legte den Kopf schief, um ihn anzusehen und nahm Harry dann die Zigarette aus der Hand um sie sich selber in den Mund zu stecken. „Unglaublich“ murmelnd schlang er dann einen Arm um Harry, so dass er sich an seine Schulter kuscheln konnte, was er unweigerlich sofort tat und nahm das Gespräch wieder auf, was leicht ins Stocken geraten war. Kein Wunder, wenn Harry Potter und Draco Malfoy auf einmal dasaßen und aussahen, als wären sie ein Liebespaar.
Dann konnte Harry sich eine Weile an gar nichts mehr erinnern, er musste wohl wirklich eingeschlafen sein, bis er langsam wieder aus seinem weg gedrifteten Bewusstseinszustand hoch dämmerte und vereinzelte Wortfetzen mitbekam…
„Nein, Hermine, das kann nicht sein…!“
„Doch Ron…“
Und was sagte Ginny da zu Mark und Draco? „Als ich das erste mal auf einem Besen gesessen bin…. Und dann…!“
„Nein, wirklich…?“
„Doch…“
Harry ließ das zuhören bleiben und räkelte sich, sodass Draco auf ihn aufmerksam wurde. Er hatte noch immer seinen Arm um ihn gelegt und Harrys Hände ruhten versonnen in seinem Schoß. Als er das bemerkte, nahm er sie schleunigst wieder weg, nicht dass Mark noch auf dumme Gedanken kam, und setzte sich vorsichtig wieder auf.
„Ach, Dornröschen ist erwacht!“, trällerte Mark und Draco griff sich an die Stirn.
„Du hast es ja heute wirklich drauf… Da kriegt man ja Kopfschmerzen!“, er rieb sich die Schläfen und schaffte es, einen absolut genervten Gesichtsausdruck hinzubekommen. Und das, obwohl Harry noch immer ziemlich nahe bei ihm saß. Draco nahm seinen Arm von Harry, dem unweigerlich ein kalter Schauer über den Rücken lief und sah ihn an. „Wieder wach?“
Harry nickte blinzelnd, dann gähnte er. „Hab ich geschlafen?“
„Eine verdammte Stunde!“, der blonde Junge streckte sich ausgiebig und erhob sich dann.
„Wegen dir ist er nicht mal aufs Klo gegangen“, meinte Mark grinsend und Harry musste es ihm gleichtun.
„Wie unglaublich rührend“, brummte Ron und Hermine warf ihm einen giftigen Blick zu. Sie hatte es ihm doch nicht etwa jetzt erzählt, während Harry geschlafen hatte… nein, dann wäre er von Rons Schreien aufgewacht… Harry tastete nach seiner Uhr, die er nicht mithatte und sah sich im Pub um. Er hatte sich schon zur Hälfte geleert, trotzdem herrschte noch immer eine gemütliche Stimmung. Hier und da brannten Kerzen oder Lampions und von irgendwoher tönte eine leise, leicht bedudelnde Musik.
„Wie spät ist es?“, fragte Harry, gerade als Draco wieder zurückkam, sich eine Zigarette anzündend.
„Halb zwölf“, informierte er den Gryffindor und ließ sich dann wieder neben ihm nieder. „Du bist auf meinen Zigaretten gelegen, weißt du das?“ Er hielt eine ziemlich zerknautschte Packung in die Höhe und Harry sah ihn zerknirscht an. Ups… Neben Hermine konnte er Ron erkennen, der anscheinend gerade versuchte, Draco nachzuäffen, woraufhin sie nur den Kopf schüttelte und ihn dann zu sich zog. Das war wohl auch manchmal nur das einzige Mittel, mit dem man Ron zur Ruhe zwingen konnte.
Harry zuckte mit den Schultern und wandte sich Draco zu, um ihm seine eben erst angezündete Zigarette aus der Hand zu nehmen. „Ach, na ja geht ja noch… Willst du meine?“
„Echt nicht“, der blonde Junge schüttelte abwehrend den Kopf. „Außerdem sind meine sowieso viel besser.“
“Ja, ja ich weiß, weil sie nach Minze schmecken und nicht nach Vanille…“, äffte Harry Dracos Tonfalls nach und kramte dann nach seiner eigenen Packung. „Aber dafür… sind meine schwarz!“
„Scheiße Draco, echt. Du hast keine blonden Zigaretten!“ Mark hatte einen Blick aufgesetzt, als wolle er sagen „Schäm dich!“, doch zum Glück ließ er es bleiben. Ginny hatte wieder angefangen zu kichern und schielte nun auf Harrys kaum berührtes Butterbier.
„Du kannst es ruhig trinken“, meinte er und stellte erleichtert fest, dass er jetzt die Zigaretten besser vertrug. Er war doch wirklich eine Memme… Sogar Ginny vertrug mehr als er! Die hatte sich unterdessen hoch erfreut seinen Bierkrug geschnappt und versuchte, Mark dazu zu überreden mit ihr um die Wette zu trinken, was der dankend ablehnte.
„Mir ist langweilig!“, verkündete die kleine Gryffindor schließlich, nachdem sie auch Harrys Butterbier geleert hatte und den Krug versonnen in den Händen drehte.
„Hm… das könnte ich ändern…“, in Marks Augen trat ein Funkeln, das man durchaus mit Dracos vergleichen konnte. Nun ja vergleichen, mehr nicht, fand Harry.
„Ja, wie denn?“, Ginnys und Marks Flüstern wurde immer leiser, bis man sie nicht mehr verstehen konnte und Harry seufzte leicht sehnsüchtig. Das wollte er jetzt auch, einfach nur… Und was machten Ron und Hermine? Natürlich das selbe… Das war wirklich eine Frechheit…
„Harry?“, Dracos Hand berührte seinen Oberschenkel und er hatte sehr leise und sehr dicht an seinem Ohr gesprochen.
„Was ist?“, fragte der Gryffindor ebenso leise zurück, um die anderen nicht zu stören und auch, um nicht unnötig Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen.
„Wollen wir zurück ins Schloss?“, Draco machte eine Kopfbewegung zu den beiden Pärchen hin, die gerade wichtigeren Dingen nachgingen, als ihnen ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Besser so.
Harry nickte. „Okay“, sie erhoben sich vorsichtig, steckten ihre Zigaretten ein und Harry beschloss, doch noch einen kurzen Abstecher zu Hermine zu machen. Sie konnten ja nicht einfach verschwinden ohne irgendwas zu sagen… „Ähm… Hermine?“
„Hm?“, sie fuhr hoch und gab Ron einen Klaps auf die Hand, da die gerade an ihrer Bluse hinaufgewandert war.
„Wir gehen“, Harry wies auf Draco, der schon an der Theke lehnte und darauf wartete, dass er bei Madame Rosmerta seine Sachen bezahlen konnte. Er hatte die Hände lässig in den Hosentaschen vergraben, die Zigarette qualmte in seinem Mund und seine Haare fielen ihm etwas ins Gesicht. „Jetzt starr ihn doch nicht so an…“, Hermine stupste Harry grinsend an und der blinzelte schnell wieder zu ihr hin.
„Wartete nicht auf mich, falls… auch beim Frühstück“, meinte er dann mit feuerroten Wangen und Hermine nickte nur.
„Alles klar“, sie gab Ron einen erneuten Klaps, der nicht mal richtig zu bemerken schien, dass noch jemand anderer seine Freundin gerade beschlagnahmte. „Viel Spaß!“, sie zwinkerte und Harry lachte leise auf.
„Ja, euch auch…“, er warf einen zweideutigen Blick auf Mark und Ginny, die halb unter dem Tisch verschwunden waren und winkte dem braunhaarigen Mädchen noch kurz zu, bevor er sich auf den Weg zu Draco machte. Als er sich ebenfalls zur Theke stellen wollte, winkte der Slytherin ab und zog ihn mit sich nach draußen.
„He, was…ich…“, Harry wollte zurück, doch Draco schüttelte nur amüsiert den Kopf.
„Ich hab schon bezahlt “ können wir jetzt gehen?“, er nahm Harrys Hand, der dadurch natürlich nicht mehr widersprach.
„Oh klar, ich… danke“, Harry wurde wieder rot und ließ sich dann von Dracos Hand hinauf zum Schloss ziehen. Jetzt fühlte er sich wirklich mal wieder wie ein Mädchen, wenn Draco meinte, er müsse seine Sachen bezahlen. Aber es war auch wieder süß, das hätte der Slytherin früher doch nie gemacht… Ok, früher wären sie auch nie Händchen haltend durch die Gegend gerannt. Harry stutzte, als ihm das klar wurde und er musste unweigerlich grinsen. Es war zwar ziemlich dunkel und auch wenn jemand vorbeigekommen wäre, hätte er sie wahrscheinlich nicht gesehen, aber trotzdem… Als sie am See vorbeikamen, blieb Harry stehen.
„Sag mal, was wolltest du mir vorhin eigentlich sagen?“
Draco war ebenfalls stehen geblieben und hatte sich Harry zugewandt. „Ach…“, er fuhr sich durch die Haare. „Das geht jetzt nicht.“
“Hä, wieso nicht?“, wollte Harry wissen und gleichzeitig ärgerte er sich darüber, dass Hagrid wirklich das Talent besaß in den unpassensten Momenten aufzutauchen.
„Na, weil jetzt die ‚Stimmung’ vorbei ist“, Draco machte Gänsefüßchen in die Luft und Harry musste grinsen. So, welche Stimmung denn? Als ob ein Klo so romantisch wäre…
„Ich will’s aber wissen“, meinte er dann bestimmt und konnte den blonden Jungen den Kopf schütteln sehen.
„Vergiss es, ist sag’s dir, wenn ich will und sonst gar nicht“, so wie sich das anhörte, schien Draco es ernst zu meinen.
„Du bist gemein“, Harry schmollte und ließ Dracos Hand los.
„Und du bist blöd“, der Slytherin fing ihn mit beiden Armen wieder ein, als Harry hinauf zum Schloss stapfen wollte und drehte ihn zu sich um. „Komm schon…“, Harry konnte gerade Dracos Augen erkennen, sonst wurde fast alles gänzlich von der Dunkelheit um sie verschluckt. Außer seine Haare, die schimmerten im Mondschein und Harry musste unweigerlich an einen Engel denken. Schnell verwarf er diese Vorstellung wieder, war ja auch zu blöd. Er sah an Draco vorbei zum Mond, der wie eine silberne Sichel am nachtschwarzen Himmel hing und plötzlich schoss ihm eine Frage durch den Kopf.
„Draco… bist du in mich verliebt?“, wie konnte er nur so was fragen?! Jetzt hatte er den Salat, der Kerl würde ihn für komplett bescheuert halten und…
„Scheiße, ja!“, was war das grade? Harry sah den Jungen vor sich ungläubig an und ihm wäre wohl der Mund aufgeklappt, hätte Draco ihn nicht in diesem Moment geküsst. Scheiße, ja?!? Harry hatte das Gefühl, sich verhört zu haben und so schob er Draco schon nach kurzer Zeit wieder sanft von sich weg.
„Was hast du gesagt?“, hakte er nach und der Slytherin setzte eine resignierte Miene auf.
„Das hast du ganz genau gehört!“, er schüttelte dann aber doch grinsend den Kopf und nahm Harrys Hand. „Sollten wir nicht vielleicht weitergehen, bevor uns noch wer hier stehen sieht?“
„Mir doch egal“, Harry zuckte mit den Schultern, ging dann aber doch mit Draco weiter, bis sie am Schlossportal ankamen.
„Musst du zurück in deinen Turm?“, fragte der blonde Junge und Harry schüttelte grinsend den Kopf.
„Nein, jetzt weiß ja wenigstens Hermine, wo ich mich rumtreibe…“
„Ja, und mit wem du’s…“, Harry wollte schon zu Beschimpfungen ansetzen, doch Draco war ihm entwischt und stürmte Richtung Kerker.
„He, warte verdammt!“, Harry rannte ihm hinterher und drohte ihm mit der Faust.
„Uh, jetzt hab ich aber Angst!“, tönte es von Draco, bis er abrupt stehen blieb und Harry in ihn hinein lief.
„Aua, was…?“, setzte er an, doch dann verstummte er schlagartig, als er sah, warum der Slytherin stehen geblieben war. Sein Hauslehrer stand drohend vor ihm und stierte jetzt Harry an, der hinter Draco hervorlugte.
„Mr. Potter!“, knurrte er. „Was machen sie hier in den Kerkern?“, dann sah er Draco an. „Hat er sie bedroht?“
„Was? Nein!“, sagte der Angesprochene schnell und Harry betete, dass ihm irgendeine Ausrede einfallen mochte. „Ähm… ich wollte Potter ein Buch von mir borgen…“
„Ein Buch!?“, kam es von Snape und er wandte seinen Blick wieder Harry zu. Der konnte es nicht fassen. Ein Buch. Na klar, mitten in der Nacht “ das war doch absolut normal! „Fünf Punkte Abzug für Gryffindor, wegen ihrer Unfähigkeit, sich ihre Sachen selbst zu besorgen!“, mit diesen Worten rauschte der Lehrer ab und die beiden Jungen starrten ihm fassungslos nach.
„Also… ich hätte nicht gedacht, dass er mir das abkauft“, murmelte Draco schließlich kopfschüttelnd.
„Ich glaub, darauf hat er gar nicht geachtet“, meinte Harry und hob die Schultern. Solange es nur fünf Punkte waren, konnte es ihm wirklich egal sein… Ein Wunder, dass er keine Strafarbeit bekommen hatte, aber das hatte er wohl Draco zu verdanken… Der war gerade um die Ecke gebogen und wartete vor seinem Portrait auf Harry. Als er dort angekommen war, meinte der Gryffindor mit verschränkten Händen: „So, du willst es also mit mir treiben?“
Draco, der gerade das Passwort hatte sagen wollen, stutzte und hob dann eine Augenbraue. „Brave Gryffindors“, grummelte er schließlich. „Das ist wirklich ein Gerücht! Schnatz!“ Mit diesen Worten verschwand er hinter dem Portrait und Harry folgte ihm grinsend.
In Dracos Zimmer angekommen blieb er verwirrt stehen. Mit wem redete der Kerl da? „Verflucht, Licht hab ich gesagt!“, schimpfte Draco und drehte sich einmal im Kreis.
„Es ist doch hell“, meinte Harry. „Redest du mit deinem Zimmer?“
„Ja, kennst du keine Lichtzauber?“, fragte der blonde Junge und klopfte dann mit dem Fuß auf den Boden. „Licht!“
„Da ist doch Licht!“, Harry machte einen Schwenker durch das Zimmer. Auf einem Kerzenständer am Schreibtisch brannten einige Kerzen und auch auf den Nachtkästchen waren welche.
„Das nennst du Licht?“, kam es verächtlich von Draco. „Das sieht so aus, als ob ich dich verführen wollte!“
„Ach, willst du das nicht?“, fragte Harry unschuldig und Draco hob wieder eine Augenbraue.
„Das brauche ich nicht“, meinte er dann und Harry nahm das interessiert zur Kenntnis.
„Ach so“, er kramte seelenruhig in seinem Umhang, bis er seine Zigaretten gefunden hatte und zündete sich eine an. Dann schlenderte er zu den Sesseln vor dem Kamin, ließ seinen Umhang auf den Boden fallen und setzte sich.
„Ich glaub, das hätte ich nicht sagen sollen“, Draco hörte sich doch tatsächlich enttäuscht an.
„Tja“, Harry zog an seiner Zigarette und verfolgte mit, wie Draco den Aschenbecher von seinem Schreibtisch holte, ihn auf Harrys Sessellehne stellte und sich dann ebenfalls in den zweiten Sessel sinken ließ. „Willst du ne Zigarette?“, fragte Harry und Draco nickte ergeben.
„Du bist wirklich fies“, meinte er, nachdem er sie angezündet hatte.
Harry grinste. „Selbst schuld.“
„Pf“, Draco zog einen Schmollmund, wodurch Harry nur noch mehr grinsen musste, dann fing er sich wieder. „Wie hat Granger eigentlich reagiert?“, fragte er schließlich.
Der schwarzhaarige Junge hob die Schultern. „Sie hat gemeint, sie hat irgend so was schon erwartet…“, er überlegte. „Und sie wollte tatsächlich wissen, ob zwischen uns mehr ist als… Sex!“
Draco begann zu husten. „Was? Granger?“, er schüttelte den Kopf und Harry nickte und dann mussten beide grinsen.
„Ich hab ihr dann gesagt, dass das nach einer Woche noch ein bisschen früh wäre…“
“Ja, und überhaupt…“, der Slytherin zog an seiner Zigarette. „Was geht sie das an?“
„Sie hat sich halt Sorgen gemacht“, meinte Harry. „Und dann hat sie gefragt, ob wir… ineinander verliebt sind…“
„Oh“, machte Draco. „Und was hast du gesagt?“
„Ich glaub schon…“, Harry versuchte unauffällig in seinem Sessel zu versinken, was im komischerweise nicht so ganz gelang.
„So, glaubst du?“, Draco war von seinem Sessel aufgestanden und Harry nickte kaum merklich, ohne ihn anzusehen. „Dann hast du wohl recht…“, der blonde Junge nahm ihm die Zigarette aus der Hand und dämpfte sie ihm Aschenbecher aus, dann zog er Harry hoch, aus dem Sessel zu sich.
„Hab ich?“, fragte Harry leise, während er Draco über den Rücken strich.
„Ich glaub schon, dass ich in dich verliebt bin“, murmelte der Slytherin an seinem Ohr und biss dann leicht hinein. Harry schluckte, denn aus unerfindlichen Gründen hatte er auf einmal einen Kloß im Hals. Er sollte vielleicht irgendwas sagen “ nur was? Er konnte nicht… konnte Draco nicht sagen, dass er auch in ihn, verdammt, wieso ging das nicht? Warum brachte er diese paar Worte nicht über die Lippen? Vielleicht, weil für ihn noch nicht der richtige Moment gekommen war “ oder die richtige Stimmung, wie Draco vielleicht sagen würde. Den schien es allerdings nicht zu stören, dass Harry nichts sagte und so beschloss der Gryffindor, dass er einfach abwarten würde. War doch egal, ob er was sagte oder nicht, Hauptsache, er war hier… Und Draco war hier… Und seine Lippen an seinem Hals…
„Hm…“, das war das einzige, was Harry herausbrachte und er hatte das Gefühl, wenn er nicht bald was tat, würde er wie Wachs in Dracos Händen zerfließen. „Draco…wieso machst du das?“
„Was?“, fragte der blonde Junge, während er den obersten Knopf von Harrys Hemd öffnete. „Dich verführen?“
„Verdammt“, das hatte Harry völlig vergessen und dieser verfluchte, geile, süße Kerl hatte es auch noch geschafft. Natürlich. „Ich hasse dich“, damit gaben Harrys Knie nach und er sank zurück in den Sessel.
„Klar“, Draco krabbelte mit einem diabolischen Lächeln auf seinen Schoß und fuhr darin fort, das Hemd des schwarzhaarigen Jungen zu öffnen. Nachdem es ganz offen war, strich er es zur Seite und begann, kleine Küsse über Harrys Oberkörper zu verteilen, der gar nicht mehr wusste, wie ihm geschah. Nach einer Weile, die ihm vorkam, wie die wundervolle Ewigkeit, wurde er von Draco wieder auf die Beine gezogen, nur um Momente später wieder im Bett zu landen.
„Besser?“, fragte der Slytherin, während er Harry die Schuhe auszog.
Der nickte nur und als Draco wieder über ihm war, schlang er seine Arme um seinen Hals und ließ ihn nicht mehr los. „Harry?“
„Hm?“, machte er nur und ließ den anderen Jungen widerwillig los, um ihn anzublinzeln.
„Wie soll ich dich verführen, wenn du einschläfst?“, fragte Draco belustigt und Harry räkelte sich nur.
Es stimmte, er war halb am einschlafen und das merkwürdige war, dass er nicht mal bemerkt hatte, wie müde er eigentlich war. Er registrierte verwundert, wie Draco ihm die Hose auszog und ihn aus seinem Hemd schälte und dann die Bettdecke über ihn breitete. Harry blinzelte wieder, nur um beobachten zu können, wie der Slytherin sich bis auf die Boxershorts auszog und dann zu ihm unter die Decke schlüpfte. „Willst du nicht schlafen?“, fragte er Harry.
„Doch“, der Gryffindor drehte sich zur Seite und spürte, wie Draco behutsam die Arme um ihn schlang.
„Schlaf gut“, flüsterte er ihm ins Ohr und hauchte dem schwarzhaarigen Jungen dann einen Kuss auf die Schulter, dem unweigerlich ein wohliger Schauer über den Rücken lief.
„Du auch…“, Harry schmiegte sich noch enger an seinen Freund, ja, endlich verdammt konnte er ihn so nennen, und war in der nächsten Sekunde eingeschlafen. Komisch, manchmal passierte durch Alkohol eine ganze Menge, und manchmal, da schlief man einfach nur ein…
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Sonorus
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